Altosmanisch
Osmanisch (‏لسان عثمانى‎,lisân-ı Osmânî)

Gesprochen in

Osmanisches Reich
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Osmanisches Reich und Türkei bis 1928, abgelöst durch die türkische Sprache
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

ota

ISO 639-3:

ota

Die osmanische Sprache bzw. das osmanische Türkisch (Osmanlıca oder Osmanlı Türkçesi, Eigenbezeichnung: ‏لسان عثمانى‎ / lisân-i Osmânî) war jene Ausprägung der türkischen Sprache, die für administrative und literarische Zwecke im Osmanischen Reich verwendet wurde. Sie enthielt eine große Zahl von Lehnwörtern aus dem Persischen, welches wiederum selbst zahlreiche arabische Elemente aufgenommen hatte. Als Ergebnis war Osmanisch für die Bevölkerungsschichten mit geringerem Bildungshintergrund kaum verständlich. Letztlich hat Osmanisch das umgangssprachlich gepflegte Türkisch dennoch stark beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Struktur

Dass die osmanischen Wörter arabischer Herkunft nicht direkt aus dem Arabischen entlehnt worden waren, ist an der typisch persischen Lautverschiebung erkennbar, die bei diesen Wörtern vorliegt. Zusätzlich lässt sich feststellen, dass die arabischen Lehnwörter archaische phonologische Charakteristika aufweisen. Dies weist darauf hin, dass die Aufnahme des arabisch beeinflussten Persischen in das Osmanische bereits zu einer Zeit stattgefunden haben muss, als die ursprünglichen Sprecher noch im Nordosten Persiens gesiedelt hatten – bereits vor der Westwanderung der Turkvölker nach deren Übernahme des Islam. Auch in der tatarischen Sprache ist dieser persische Einfluss auf ursprünglich arabische Ausdrücke noch nachweisbar.

Praktisch betrachtet gab es (mindestens) drei Varianten der osmanischen Sprache:

  • Fasih Türkçe (Eloquentes Türkisch): Sprache der Verwaltung und der Poesie,
  • Orta Türkçe (Mittleres Türkisch): Sprache des Handels und der Oberschicht,
  • Kaba Türkçe (Vulgäres Türkisch): Sprache der unteren Schichten.

Die jeweiligen Varianten wurden je nach sozialem Kontext ausgewählt: Ein Schreiber verwendete bei seiner Arbeit beispielsweise das arabische asel (‏عسل‎) für „Honig“; auf dem Markt fragte er aber mit dem türkischen bal (‏بال‎) danach.

Geschichte

Die osmanische Sprache lässt sich in drei Entwicklungsstufen einteilen:

  • Eski Osmanlıca (Alt-Osmanisch): Bis ins 16. Jahrhundert gesprochen. Es war fast identisch mit dem von den Seldschuken verwendeten Türkisch und wird als Teil des Eski Anadolu Türkçesi (Altanatolisches Türkisch) angesehen.
  • Orta Osmanlıca (Mittel-Osmanisch) oder Klasik Osmanlıca (Klassisches Osmanisch): Sprache der Poesie und Verwaltung vom 16. Jahrhundert bis zu den Tanzimat-Reformen.
  • Yeni Osmanlıca (Neu-Osmanisch): Von den 1850er Jahren bis in das 20. Jahrhundert entwickelte Variante, die sich unter dem Einfluss der erstarkenden Printmedien sowie westlicher Literatur herausbildete.

Sprachreform

Die Abschaffung der osmanischen Sprache für offizielle Zwecke war ein Ergebnis der osmanischen Niederlage im Ersten Weltkrieg, die die Gründung der Türkischen Republik im Jahre 1923 nach sich zog. Im Rahmen seiner weitreichenden politischen Reformen initiierte Präsident Atatürk im Jahre 1928 auch einen Wechsel der Amtssprache. Zahlreiche arabische und persische Lehnworte wurden durch türkische Äquivalente ersetzt; das bisher benutzte arabische Alphabet musste der lateinischen Schrift weichen. Diese Maßnahmen sollten eine neue Variante des Türkischen fördern, die sich näher an der Umgangssprache befand, und zudem eine deutliche Abgrenzung des neuen türkischen Staates gegenüber der osmanischen Tradition demonstrieren sowie zementieren.

Deutsch Osmanisch Modernes Türkisch
notwendig واجب vâcib zorunlu
Mühsal مشکل müşkül güçlük, zorluk
Stadt شهر şehir kent

Osmanisch und modernes Türkisch

Historisch gesehen ist Osmanisch nicht der Vorgänger des modernen Türkischen. Das heutige Standardtürkische lässt sich eher als Yeni Osmanlıca in lateinischer Schrift und mit zahlreichen Neologismen bezeichnen. Ein großer Unterschied zwischen Osmanisch und modernem Türkisch besteht darin, dass Osmanisch viel stärker von Wortzusammensetzungen nach persischen und arabischen grammatikalischen Regeln geprägt war. Dieses Phänomen tritt im modernen Türkischen nur noch sehr begrenzt und in speziellen Kontexten auf. Ein Beispiel: Der Ausdruck Schicksal wurde im Osmanischen mittels des persischen Genitivs takdîr-i ilâhî ausgedrückt (wörtlich: die Vorherbestimmung des Göttlichen, also „göttliche Fügung“). Das moderne Türkisch verwendet hingegen die Konstruktion ilâhî takdîr.

Alphabet

Osmanisch wurde in einer Variante der arabischen Schrift (الفبا elifbâ) geschrieben, die stark von der persischen Schrift beeinflusst war. Es existieren allerdings auch Belege dafür, dass Osmanisch im armenischen Alphabet verschriftlicht wurde: Akabi beispielsweise wurde im Jahr 1851 von Vartan Pasha in armenischer Schrift publiziert. Auch als die armenische Familie Düzoğlu während der Herrschaft von Sultan Abd-ul-Mejid I. die Schatzmeisterei des Reiches unter sich hatte, wurden die Akten zwar in Osmanisch, aber in armenischer Schrift geführt. Andere Schriften, wie das griechische Alphabet oder die hebräische Schrift, wurden von nichtmuslimischen Gruppen im Reich verwendet; ein bedeutendes Beispiel dafür sind die Schriften der Karamanli, eine Volksgruppe, die einen Dialekt des Türkischen sprach, christlich war und in griechischer Schrift schrieb. Griechische Muslime wiederum schrieben die griechische Sprache in der osmanischen Schrift.

isoliert Endposition Mittelposition Anfangsposition Name Transliteration Modernes Türkisch
elif a, â a, e
hemze ˀ ', a, e, i, u, ü
be b, p b
pe p p
te t t
se s s
cim c, ç c
çim ç ç
ha h
h
dal d d
zel z z
re r r
ze z z
je j j
sin s s
şın ş ş
sat, sad s
ﺿ dat, dad ż, d, z
t
z
ayın ʿ ', h
gayın ġ g, ğ
fe f f
kaf k
kef k, g, ñ k, g, ğ, n
gef¹ g g, ğ
nef, sağır kef ñ n
lam l l
mim m m
nun n n
vav v, o, ô, ö, u, û, ü v, o, ö, u, ü
he h, e, a h, e, a
lamelif la
ye y, ı, i, î y, ı, i

1Eine korrekte osmanische Variante von kef hat ein kleines "Mini-kaf" ﻙ und den verdoppelten oberen Strich von گ.

Siehe auch

Literatur

Weblinks


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