Altpreußisches Infanterieregiment No. 11 von 1685/2
Regimenter der Frühen Neuzeit
Übersicht Liste der Stehenden Heere der Frühen Neuzeit
Territorium Preußen
Gattung Infanterie
Nummer No. 11
Stammliste Altpreußische Infanterieregimenter
Alternativname Regiment zu Fuß
Gründung 1685
Garnison Königsberg/Pr. 1765: Rastenburg, Angerburg, Nordenburg, Drengfurt
Kanton/Werbung Ostpreußen
Regimentschefs Friedrich Wilhelm von Holstein-Beck (1721), Lorenz Ludwig von Below (1749), Johann Karl von Rebentisch (1758), Hans von Tettenborn (1763), Jakob Rüdiger von Zastrow (1776), Friedrich Alexander von Rothkirch (1782), Karl von Voß (1786)
Schlachten Chotusitz (1742), Hohenfriedberg (1745), Soor (1745, nur Grenadiere), Groß-Jägersdorf (1757), Zorndorf (1758), Flügelgrenadiere in weiteren Schlachten
Kriege Österreichischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg, Koalitionskriege
Verbleib Grenadier-Regiment Nr. 3

Das spätere Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm I.“ (2. Ostpreußisches) Nr. 3, war eines der ältesten Regimenter Preußens. Als 1685 gegründetes „Regiment zu Fuß“ war es Bestandteil der in der Folgezeit stark wachsenden altpreussischen Infanterieregimenter. Nach der verheerenden Niederlage von Jena und Auerstedt wurde die Preußische Armee von Scharnhorst praktisch neu aufgestellt. Dabei fand er das Infanterieregiment No. 11 im Reservekorps von L’Estocq nach der Schlacht bei Preußisch Eylau noch weitgehend intakt vor und gliederte es mit Resten des Altpreußischen Infanterieregiments No. 51 in die neue preussische Armee ein. Zusammen mit dem „1. Garde-Regiment zu Fuß“ bildete das „Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3“ mit sechs weiteren Grenadierregimentern die „alten preußischen Regimenter“ in der neuen preußischen Armee. In ihrer Garnison in Königsberg wurden die Soldaten schlicht die "Dritten Grenadiere" genannt.

Als Grenadierregiment der preußischen Armee, wurde es ab 1871 auch zur Kaiserlich-Deutschen Armee zugeordnet. Dies geschah infolge der Reichseinigung und der Übergabe des Kriegsführungsrechts des Königreich Preußens auf das Deutsche Kaiserreich.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war das Regiment in Königsberg stationiert.


Inhaltsverzeichnis

Regimentsgeschichte (1685–1919)

In seiner 234-jährigen Geschichte, diente das Regiment unter einem brandenburgischen Kurfürsten und neun verschiedenen preußischen Königen. Darüber hinaus, wurde es für Subsidienzahlungen von 1655 bis 1713 mehrfach an ausländische Landesherren (u.a. den Statthalter der Niederlande Wilhelm III. von Oranien) für fremde Konflikte „vermietet“.

Das Regiment unter dem Großen Kurfürsten (Bis 1688)

Am 18. August 1685 (Stiftungstag) wurde das Ursprungsregiment unter dem Namen „Jung-Holstein“ durch den Großen Kurfürsten in der Zitadelle Wesel gegründet. Anfangs waren sie mit Handgranaten, Degen, Musketen und Piken bewaffnet.

Im Pfälzischer Erbfolgekrieg wurde das Regiment in Holland unter das Kommando von Wilhelm von Oranien gestellt und verteidigte erfolgreich die Festung Charleroi und kämpfte am Rhein unter General Barfuf in Uerdingen 1689.

Das Regiment unter König Friedrich I. (1688–1713)

1693 war das Regiment Bestandteil der Kaiserlichen Truppen im Großen Türkenkrieg und kämpfte in Serbien und Ungarn. In Belgrad fiel der Kommandeur Oberstleutnant von Horn. Unter Prinz Eugen stritt es in Ungarn in der Schlacht bei Zenta.

1698 wurde die Garnison des Regimentes von Wesel nach Königsberg i. Pr. verlegt, dass bis 1765 der Stammsitz werden sollte. Das Regiment bezog seine Rekruten zu einem Drittel aus Königsberg, Angerapp und Drengfurth sowie die anderen zwei Drittel aus den Ämtern des östlichen Samlandes um Labiau-Tapiau bis zur Linie Tilsit-Insterburg.

Zur Erlangung der Königswürde hatte sich Friedrich I. verpflichtet sich am Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) mit mehreren tausend Soldaten zu beteiligen. Unter Befehl des Fürsten Leopold von Dessau als Teil des Reichsheeres nahm das Regiment an Kämpfen in Italien bei Saffano und der Belagerung von Turin teil.

Das Regiment unter König Friedrich Wilhelm I. (1713–1740)

Vom Oktober bis Dezember 1715 nahm das Regiment als Teil des preußischen Invasionsheeres unter Führung des Königs Friedrich Wilhelm I. an der Belagerung von Stralsund und der Eroberung der Insel Rügen im Großen Nordischen Krieg erfolgreich teil. Nach dem Soldatenkönig wurde das Regiment nachfolgend benannt.

Das Regiment unter König Friedrich II. (1740–1786)

In den Schlesischen Kriegen (1740–1763) kämpfte es 1742 in der Schlacht bei Chotusitz in Böhmen. 1744 dann in der Schlacht bei Hohenfriedeberg und in der Schlacht bei Soor. 1757 nahm es in der Schlacht bei Groß-Jägersdorf gegen die Russen teil. Einige Monate später eroberten Regimentssoldaten die Peenemünder Schanze von den Schweden. In der Schlacht von Zorndorf am 25. August 1758 halbierte sich die Mannschaftstärke (726 Tote, Verwundete und Gefangene). Am 12. August 1759 erlitt die teilnehmende Grenadierkompanie in der Schlacht bei Kunersdorf mit 263 Toten, Verwundeten und Gefangenen ebenfalls hohe Verluste. Am 20. November 1759 kapitulierte das gesamte Regiment bei Maxen. 1760 wurde es wieder neu aufgestellt und nahm in der Schlacht bei Torgau und 1762 in der Schlacht bei Freiberg teil.

Vom Tod Friedrich II. bis zu den Befreiungskriegen (1788–1815)

1794 nahm das Regiment als preußisches Kontingent gegen den Kościuszko-Aufstand in Polen teil und kehrte schon im darauf folgenden Jahr nach Königsberg zurück.Während des Vierten Koalitionskrieges wurde das Regiment 1806 an der Weichsel stationiert und verteidigte Danzig. 1807 zeichnete es sich in der Schlacht bei Preußisch Eylau aus. Am 1. Januar 1808 wurde das Regiment umformiert. Es bestand nun aus 2 Grenadierkompanien, 2 Musketierbataillone zu je 4 Kompanien und einem Füsillierbataillon.

In den Befreiungskriegen (1813–1815) kämpfte es unter Führung von General York und General Blücher bei Berlin, Wittenberg, Großgörschen, Bautzen, Löwenberg, Goldberg, Wartenburg, Leipzig, Metz, St. Dizier, Laon und Paris.

Von den Befreiungskriegen bis zur Reichseinigung (1815–1871)

Während des Deutschen Krieg von 1866, kämpfte das Regiment in Böhmen in der Schlacht bei Trautenau und der Schlacht bei Königgrätz.

Im Deutsch-Französischer Krieg von 1870–1871, wurde das Regiment an den verschiedensten Schauplätzen des Krieges eingesetzt. Unter anderen bei: Colombey, Noisseville und bei Servigny, Amiens, Rouen, Evreux, Maison Brulet und St. Duen.

Das Regiment im Deutschen Kaiserreich (1871–1914)

In den langen Friedensjahren des Deutschen Kaiserreichs wurde das Regiment vollständig nach Königsberg zusammengezogen. Es wurde auch noch ein IV. Bataillon gebildet. 1901, anlässlich des 200 jährigen Bestehens von Preußen, ernannte sich Kaiser Wilhelm II. zum Regimentschef. Alle Soldaten erhielten Garde-Dekorationen, obwohl das Regiment nicht zur Garde gezählt wurde: Für die Offiziere und Unteroffiziere der Gardeadler ohne Stern für den Helm, Kragen- und Ärmelpattenstickereien; die Mannschaften erhielten weiße Gardelitzen am Kragen. Zusätzlich erhielt es eine neue Bezeichnung: Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpreußisches) Nr. 3.

Das Regiment im Ersten Weltkrieg (1914–1918)

Das Regiment zählte am 2. August 1914 rund 76 Offiziere und Diensttuer, 6 Ärzte, 3 Zahlmeister und drei Bataillone zu je 1.100 Unteroffizieren und Mannschaften sowie eine Maschinengewehrkompanie mit sechs Maschinengewehren, also rund 3.400 Soldaten. Es war als Stammbesatzung für das Fort Quednau vorgesehen.

Stellung des Regiments in der Armeeorganisation 1914

Verlauf und Schlachten im Ersten Weltkrieg (1914-1918)

Das preußische Traditionsregiment wurde im Ersten Weltkrieg an beiden Hauptfronten eingesetzt.

Details

Unter seinem Kommandeur Oberst von Wedel kämpfte das Regiment bereits in den ersten Tagen des Krieges im Osten: Stallupönen, Gumbinnen, Tannenberg, Masurischen Seen, Suwalki, am Hańcza-See, Bakałarzewo, Lodz, Lowicz.

Anfang 1915 wurde es in den Karpaten eingesetzt. Am 9. April 1915 erstürmte es unter Führung von Generaloberst Felix Graf von Bothmer den Zwinin. Dann weiter in Wolhynien: an der Zlota Lipa, der Bania, am Styr und am Dnister, Ubrodowice, am Bug, im September in den Rokitnosümpfen bei Brest-Litowsk, Lisowo, Podgatje und wieder am Styr. Dort wurde am 18. Oktober 1915 die 9., 10. und 12. Kompanie vom Regiment abgeschnitten und gerieten in russische Kriegsgefangenschaft.

Dann ab dem 7. März 1916 Verlegung an die Westfront und Einsatz in der Schlacht um Verdun. So im Cailettewald, im Fuminrücken im Fauxgrund, im Chille-Wald, Damloup-Stellung. Am Fuminrücken nahm es an der Eroberung von Fort Souville teil.

Ab dem 1. August 1916 wieder an die Ostfront verlegt und kämpfte in den Karpaten bei Kirlibaba, am Deal Ormului, bei Cimboslawa-Wielka, Margurita, Jacobeny und 1917 in der Bukowina.

Als Folge des Friedensvertrages von Brest-Litowsk, wurde es ab dem 2. Dezember 1917 wiederum im Westen eingesetzt: bei Étain, in der Kaiserschlacht, bei Hamel, Chalons-sur-Marne, vor Reims, an der Vesle, bei Charleville, der Laffaux-Ecke, Brimont, an der Suippes, Hunding- und Maas-Stellung. Am 25. und 26. Oktober 1918 wurde das II. Bataillon zusammen mit dem Füsilier-Bataillon komplett vernichtet. Vom ersten Bataillon blieb nur die 2. und 4. Kompanie übrig, etwa 250 Mann. Für die darauffolgenden Kämpfe um die Hunding-Stellung konnte die Anzahl der Toten nicht mehr ermittelt werden.

Schlachten

250-Jahr-Feier in Königsberg

Im Januar 1919 wurde das Regiment, als Folge des Waffenstillstand von Compiègne nach 234 Jahren des Bestehens aufgelöst. In der Grenadierkaserne an der Canzer-Allee, dem letzten Stationierungsort des Regimentes wurde ein Gedenkstein errichtet, der neben den Jahreszahlen 1685 und 1918 und dem Regimentszirkel auch die Worte: „Der Vergangenheit ... der Zukunft“ als Ephitaph enthielt.

Am 18. August 1935 kam es zur 250-Jahr-Feier des Regimentes in Königsberg. Zwar bestand das Regiment nicht mehr, aber dennoch zeigte das Nationalsozialistische Regime sich traditionsbewusst. Die Grenadierkaserne, die das Regiment erst 1914 bezogen hatte (zuvor mit zwei Badaillonen in den nördlichen Bastionen des Wallrings untergebracht) (54° 43′ 56″ N, 20° 32′ 5″ O54.73215555555620.5347111111117) ist auch heute noch in militärischer Nutzung.

Bildgalerie

Siehe auch

Literatur

  • Günter Wegner: Deutschlands Heere bis 1918 - Ursprung und Entwicklung der einzelnen Formationen, Band 1: Die Garde- und die Grenadier-Regimenter 1 - 12 der preussischen Armee, Osnabrück 1980, Biblio-Verlag, ISBN 3-7648-1199-4
  • Fritz Schillmann: Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm I. (2. Ostpreußisches) Nr. 3 im Weltkriege 1914 - 1918, Berlin 1924

Weblinks


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