Altpreußisches Infanterieregiment No. 6
Regimenter der Frühen Neuzeit
Übersicht Liste der Stehenden Heere der Frühen Neuzeit
Territorium Preußen
Gattung Infanterie
Nummer No. 6
Stammliste Altpreußische Infanterieregimenter
Alternativname Rotes Grenadier-Bataillon, Königsbataillon, Grenadiergarde, „Lange Kerls“
Gründung 1675
Garnison Wusterhausen, später Potsdam
Kanton/Werbung kantonsfrei, aus der restlichen Armee und Werbung
Regimentschefs Kronprinz Friedrich (1675), Kronprinz Friedrich Wilhelm, ab 1713 König (1688), Gottfried Emanuel von Einsiedel (1740), Wolf-Friedrich von Retzow (1745), Friedrich Christoph von Saldern (1760), Hans Sigismund von Lestwitz (1766), Friedrich Wilhelm von Rohdich (1779), Adam Dietrich von Roeder (1796), Friedrich von Ingersleben (1798), Karl Ludwig von Le Coq (1801)
Schlachten Hohenfriedberg (1745), Soor (1745), Roßbach (1757), Leuthen (1757), Hochkirch (1758), Liegnitz (1760), Torgau(1760), Flügelgrenadiere in weiteren Schlachten
Kriege Österreichischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg, Koalitionskriege
Verbleib Kapitulation 1806
Grenadier Schwerid Rediwanoff aus Moskau. Rdiwanoff soll (laut Bildbeschreibung DHM) zu den Männern gehört haben, die Peter der Große im Geschenkaustausch gegen das Bernsteinzimmer nach Berlin schickte
Ganz rechts ein Grenadier des Regiments kurz vor 1806. Gut zu erkennen ist, dass das Regiment bis zum Schluss die traditionelle von Friedrich Wilhelm I. eingeführte Uniform trug. Es übernahm auch nicht die neue Grenadiermütze (links von ihm, im Hintergrund) - „Charackteristische Darstellung der vorzüglichsten Europäischen Militairs“ sog. „Augsburger Uniform- oder Bilderserie“
preußischer Grenadier vom Infanterieregiment No. 6 um 1715, kolorierte Lithographie von Richard Knötel um 1891
Regimentssoldaten um 1745, kolorierte Lithographie von Richard Knötel um 1891

Das altpreußische Infanterieregiment No. 6 wurde 1675 gegründet und bestand bis 1806, als es als Folge der preußischen Niederlage im Krieg gegen Frankreich aufgelöst wurde.

Der Name Lange Kerls ist die volkstümliche Bezeichnung für die Soldaten dieses Regimentes. Ein weiterer bekannter Name für das Regiment ist Potsdamer Riesengarde. Die Nummerierung (No. 6) wurde erst kurz vor der Auflösung 1806 eingeführt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Garderegiments

Das Regiment wurde 1675 als „Regiment Kurprinz“ mit einer Stärke von zwei Bataillonen aufgestellt, erster Chef war Kurprinz Friedrich von Brandenburg. Im Jahre 1701 änderte sich die Bezeichnung in „Kronprinzenregiment“, Chef war zu diesem Zeitpunkt Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Soldatenkönig.

Im Jahre 1710 formierte Kronprinz Friedrich Wilhelm dieses Korps aus Angehörigen seiner Jagdgarde und mehr oder weniger freiwillig angeworbenen hochgewachsenen jungen Männern. Sie bildeten 1711 vier Kompanien. Seit 1710 lautete die Bezeichnung „Großes Leibbataillon Grenadier“.

1713 wurde Friedrich Wilhelm I. (Preußen) König in Preußen und das Regiment erhielt die Aufwertung zur Garde. Die neue Bezeichnung des Regiments wurde: „Seiner Königlichen Majestät Regiment“ (auch „Leibregiment“ oder „Königsregiment“). Das Königsregiment (No. 6) entstand 1717 aus der Verschmelzung des Regiments zu Fuß „Kronprinz“ mit den seit 1709 bestehenden Roten Grenadieren, wobei letzteres das I. Bataillon, ersteres das II. und III. Bataillon bildeten.

Die Grenadiere des Königsregiments mussten mindestens 6 preußische Fuß (rheinisches Maß), also etwas über 1,88 Meter, messen, in der Praxis musste man sich aber auch mit deutlich kleineren Rekruten bescheiden. Die echten „Riesen“ – wie etwa der Ire James Kirkland mit einer Körpergröße von 2,17 Meter – waren viel bestaunte Ausnahmen. Sie wurden entweder in das 1. Glied der Leibkompanie des Königs eingegliedert oder bei den so genannten „Großen Unrangierten“, einer Abteilung für den Regimentsersatz untergebracht.

Spezialbeauftragte des Preußenkönigs, der dem Königsregiment (No. 6) selbst als Regimentschef und Dauerträger der Regimentsuniform vorstand, waren europaweit unterwegs, um großgewachsene Männer durch hohe Handgeldzahlungen – teilweise auch unter Ausübung von Zwang – zur Dienstnahme in Preußen zu bewegen. Manchmal waren sie auch „Geschenke“ befreundeter Fürsten. Diese Art der Rekrutenwerbung, aber auch der Unterhalt der hoch besoldeten Eliteeinheit verschlangen horrende Geldsummen. Dabei hatte die Größe der Soldaten in der „Potsdamer Riesengarde“ möglicherweise durchaus praktische Gründe: von großgewachsenen Männern erwartete man eine bessere Handhabung der möglichst langläufigen Vorderladergewehre und damit die Möglichkeit des Schusses auf größere Distanzen. Zeisler (1993) meint jedoch, dass viele der „Riesen“ unter pathologischem Riesenwuchs litten und körperlich wenig belastbar waren. Das Regiment wäre daher eine reine Paradetruppe gewesen, die nicht für Gefechtseinsätze geeignet war. Das Regiment bestand beim Tode Friedrich-Wilhelm I. 1740 aus rund 3.200 Mann.

Im Zuge seiner Thronbesteigung 1740 löste König Friedrich II. das alte Garderegiment aufgrund der hohen Unterhaltskosten auf und behielt nur noch ein Bataillon. Der Rest der Soldaten wurde auf andere Einheiten verteilt.

So wurde ein Teil der Männer im Kronprinzenregiment (No. 15) eingegliedert, das jetzt als neue Garde die Gardefunktion erfüllte. Die anderen Regimentsangehörigen wurden auf die Regimenter Prinz Ferdinand (No. 34), Prinz Heinrich (No. 35) und das neu gebildete Garnisonsbataillon v. Weyher verteilt.

Das Bataillon trug fortan die Bezeichnung Bataillon Königs Grenadier-Garde Nr. 6 mit allen Gardevorrechten (höheres Traktament etc.). Die Flügelgrenadiere des Bataillons bildeten von 1744 bis 1763 mit denen des Regiments No. 3 ein kombiniertes Grenadierbataillon. In den Schlesischen Kriegen wurde das Regiment 1745 in der Schlacht bei Hohenfriedberg, Soor und im Siebenjährigen Krieg von 1756-1763 bei Roßbach, Leuthen, Hochkirch, Liegnitz und Torgau eingesetzt.

Von 1801 bis 1806 war die Bezeichnung „Grenadier-Garde-Bataillon“. Die Truppe kapitulierte 1806 bei Erfurt und Prenzlau und wurde ausgelöst.

Tradition und Traditionspflege

Die Tradition übernahm später das 1. Garde-Regiment zu Fuß, das daher auch sein Stiftungsjahr 1688 führte, was „allerdings nicht den sonst üblichen Grundsätzen“[2] entsprach.

Seit 1990 erstrebt die Potsdamer Vereinigung zur Förderung und Pflege der Tradition der Potsdamer Riesengarde 'Lange Kerls' e.V. mit originalgetreuen Uniformen und Gewehrnachbauten die Bewahrung und Pflege des regionalen Erbes. Der Verein betreibt zahlreiche öffentliche und private Auftritte, welche ihm national und international Ansehen und Aufmerksamkeit verschafft haben. In vielgestaltiger Form versucht der Verein durch Biwaks, Revuen und Exerzierübungen ein möglichst großes Maß an Authentizität zu realisieren. Er verfolgt die Intention, die Öffentlichkeit für die Elitetruppe des Soldatenkönigs - Friedrich Wilhelm I. - zu begeistern, sowie Kenntnisse der Geschichte zu fördern bzw. zu vertiefen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Bleckwenn: Die friderizianischen Uniformen: 1753 - 1786; Dortmund: Harenberg 1984 (= Die bibliophilen Taschenbücher Nr. 444); Lizenz d. Biblio-Verl. Osnabrück als: Das altpreussische Heer; Teil 3, Bd. 3, 4 u. 5; ISBN 3-88379-444-9. Band I: Infanterie I; Band II: Infanterie II. S. 75ff.
  • Rolf Fuhrmann: Die Langen Kerls - Die preussische Riesengarde 1675/1713-1806, Zeughaus Verlag, Berlin 2007 ISBN 978-3-938447-29-1
  • Jürgen Kloosterhuis: Legendäre „lange Kerls“. Quellen zur Regimentskultur der Königsgrenadiere Friedrich Wilhelms I., 1713–1740, Berlin 2003, ISBN 3-923579-03-9
  • Kurt Zeisler: Die Langen Kerls. Das Leib- und Garderegiment Friedrich Wilhelms I., Frankfurt/Main 1993
  • Volker Schobeß/ Erhart Hohenstein: Die Potsdamer Wachtparade. Von den Langen Kerls des Soldatenkönigs zur Fußgarde Friedrichs des Großen, Potsdam 1997, ISBN 3-921-655-84-6
  • Volker Schobeß: Die Langen Kerls von Potsdam. Die Geschichte des Leibregiments Friedrich Wilhelms I. 1713-1740, Berlin 2007, ISBN 978-3-89626-275-2

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. zur Stammliste: Liste der Infanterieregimenter der altpreußischen Armee
  2. Bleckwenn 1984 Bd. I, S. 75

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