Altsachsen
Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr.
Germania, Anfang des 2. Jahrh. n. Chr. (Harper and Brothers, 1849)

Die Sachsen sind ein westgermanischer Stammesverband, der sich vermutlich im 3. Jahrhundert bildete. Die Stämme der Chauken, Angrivarier und Cherusker, die sich zu den Sachsen zusammenschlossen, lebten schon im 1. Jh. im Nordwesten des heutigen Deutschlands und im Osten der heutigen Niederlande (siehe Niedersächsisch).

In Abgrenzung zur meißnischen-osterländischen Bevölkerung im ehemaligen wettinischen Obersachsen wird auch der Begriff Niedersachsen verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Siedlungsgebiet

919–1125 Sachsen in Deutschland, von William R. Shepherd

Die germanischen Stämme der Sachsen waren im niederdeutschen Gebiet zwischen Zuiderzee (heute IJsselmeer), dem Raum von der Weser bis zur Elbe sowie nördlich der Elbe in Holstein (bis zur Eider) heimisch.

In den darauffolgenden Jahrhunderten eroberten sächsische Stämme weite Teile Niederdeutschlands (heute Nordwestdeutschland und östliche Niederlande) und gliederten die dort lebenden germanischen Stämme ihrem Stammesverband ein, zuletzt im 6. und 7. Jahrhundert das Hamaland (heutiges Westmünsterland), das Land der Brukterer (heutiges Münsterland und nördliches Ruhrgebiet) und die Tubanten (heutige Twente, Provinz Overijssel). Später unterschied man drei Teilstämme bzw. Stammesgruppen.

In Norddeutschland und den östlichen Niederlanden (Groningen, Drenthe, Overijssel, Achterhoek) haben die dem Sächsischen verwandten niedersächsischen Dialekte auch weiterhin ihr bedeutendes Sprachgebiet.

Historische Namensverschiebung

Der heutige Freistaat Sachsen (historisch auch Kursachsen bzw. Obersachsen) hat mit dem historischen Volk der Sachsen im niederdeutschen Sprachraum nichts gemein, außer dem Namen aufgrund historischer Namensverschiebungen; die Vorfahren der Bewohner des heutigen Freistaates Sachsen gehör(t)en dem mittelhochdeutschen Dialektraum an. Allein die Mark Meißen, Kern des heutigen Freistaates, welche 1423 den Namen des Herzogtum Sachsens und später das Kurfürstentum verliehen bekam, wurde 965 vom sächsischen Kaiser Otto I. gegründet.

Name

Seit den antiken und spätantiken Autoren, die den Begriff namentlich wiedergaben, wird der Volks und Stammesname von dem typischen Hiebmesser der Sachsen, dem Sax, abgeleitet[1]. Dieser Zusammenhang spielt auch in der sächsischen Stammessage mehrfach eine Rolle. Eine direkte Beziehung zum Stammesnamen findet sich im Annolied aus dem späten 11. Jahrhundert: "von den mezzerin alsô wahsin, wurdin si geheizzin Sahsi". Aus einer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts, dem sogenannten sächsischen Taufgelöbnis sollte der Täufling einem Gott Saxnot neben den gemeingermanischen Göttern Wodan und Donar abschwören.

Seit dem 3. Jahrhundert klagen römische Quellen über sächsische Seeräuber. Sachsen, Angeln und Jüten wanderten dann im 5. Jahrhundert in den südöstlichen Teil der britischen Hauptinsel ein (siehe auch Hengist und Horsa): das heutige England (Angelsachsen). Sie wurden dort nach einer gewaltsamen Landnahme zu den dominierenden Kulturen. So wurde im keltischen beziehungsweise irischen Sprachgebrauch der Stammesname (irisch: Sasana, schott.-gälisch: Sasainn, walisisch für die engl. Sprache: Saesneg) für England verwendet. Der heutige Name England lässt sich klar von den Angeln ableiten, während Landschaftsnamen wie Wessex („Westsachsen“), Essex („Ostsachsen“), Sussex („Südsachsen“) und Middlesex („Mittelsachsen“) auf die sächsischen Einwanderer hinweisen.

Nach Berichten aus dem 4. Jh. war das Siedlungsgebiet der Chauken deckungsgleich mit den Gebieten, wo etwa zur selben Zeit u. a. die Sachsen lokalisiert wurden. Da es keinerlei Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern gibt, wird vermutet, die Chauken seien damals ein Teilstamm der Sachsen gewesen bzw. dass sich beide Stämme friedlich zum größeren Stammesverbund der Sachsen vereinigt haben.

Von der Völkerwanderung kaum berührt, bewahrten die auf dem Festland verbliebenen Sachsen die alte germanische Stammesverfassung ohne König, mit der Versammlung der Freien in Marklo, dem Thing, zur Regelung aller politischen Angelegenheiten. Herzöge übernahmen nur in Kriegszeiten Führungsrollen. Karl der Große ließ die Thingverfassungen bestehen - erst seine Nachfolger versuchten, die Rechtsprechung von der Versammlung der Freien des Thing auf die jeweiligen Lehnsherren des Kaisers oder Königs zu übertragen. In Holstein wurden die jährlichen Versammlungen des Thing bis 1546 fortgesetzt.

Sächsische Teilstämme

In der historischen Literatur kommen immer wieder die vier Bezeichnungen sächsischer Teilstämme vor. Ob es sich dabei nicht auch um die fränkische Einteilung in Verwaltungsprovinzen handelt, ist noch nicht geklärt. Im späten Mittelalter bezeichnete der Name „Ostfalen“ nicht ein Verwaltungsgebiet, sondern ein von „Engern“ und „Westfalen“ unterschiedenes Rechtsgebiet.

Trotz der Sachsenkriege wurde die freie Ordnung der sächsischen Teilstämme erhalten. Nie hatten die Sachsen sich einem Fürsten oder gar König unterordnen müssen. Nun wurden Sie dazu gezwungen, konnten sich aber zum Teil für viele Jahrhunderte ihr sächsisches Recht und die Rechtsprechung auf dem jährlichen Thing erhalten.

Die Sachsen hatten über Jahrhunderte eine stabile Stammesverfassung mit jährlichen Versammlungen, den Things, bei denen alle politischen Angelegenheiten besprochen und Recht gesprochen wurde, geschaffen. Hierfür wurden Gaufürsten oder Stammesfürsten bestimmt, die auf diesen Things zusammentrafen, um die Interessen Ihrer Stämme zu vertreten. Diese Gaufürsten hatten aber im Gegensatz zu Fürsten oder Herzögen anderer nicht sächsischer Gebiete keinen Anspruch auf das Gebiet oder Land, welches sie vertraten. Lediglich in Kriegszeiten stellten sich die Sachsen unter die Führung eines Herzogs, welcher ein angesehener Krieger war und vom Volk, genau wie die Gau- und Stammesfürsten, bestimmt bzw. gewählt wurde.

Das alte Sachsenland bestand im Ganzen aus den drei Gauen:

  1. Westfalen: der westliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Ruhr, Sieg, Lippe und Ems, also das heutige Münsterland über Osnabrück bis zur friesischen Grenze, im Süden einschließlich des heutigen östlichen Ruhrgebietes und Sauerlandes und im Westen die heutigen niederländischen Provinzen Overijssel und Drenthe.
  2. Engern: der mittlere Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Weser, Diemel, Leine bis zur Aller, also das östliche Sauerland bzw. östliche Westfalen an der Weser von Hannoversch Münden bis über Minden um Göttingen bis an die untere Leine in Hannover hinauf bis Holstein und Friesland.
  3. Ostfalen: der östliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Aland, Ohre, Saale, Oker, Bode im Osten bis zur Elbe, also die Gegend um Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt im Süden einschließlich des Harzes, im Norden und Osten bis zur Elbe.

Die Bezeichnung Westfalen ist als einzige erhalten geblieben, die Bezeichnungen Engern und Ostfalen sind bei der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 verlorengegangen. Nur der Name Engern hatte im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen mit dem Titel Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen weiterhin Bestand. Ostfalen bestand darüber hinaus nur als Name des Ostfalengaus.

Niedersächsisch oder Niederdeutsch ist eine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik. Danach gliedert sich das Niedersächsische in folgende Sprachuntergruppen:

  1. Nordniedersächsisch
  2. Westfälisch
  3. Ostfälisch

Hier tauchen die alten sächsischen Stammes- oder Gaunamen wieder auf.

Westfalen

Die Westfalen lebten hauptsächlich zwischen dem Rheinvorland (Münsterland, mittlere Ruhr, Sauerland) und der Weser. Ihr Name hat die Bedeutung „Westmänner“ oder „Westsachsen“ und ist erstmals zur Zeit Karls des Großen bezeugt. In der letzten Zeit wurde die ethnische Zugehörigkeit der Westfalen zu den Sachsen überzeugend in Frage gestellt. Auffällig ist, dass die archäologischen Funde aus Westfalen belegen, dass die dort ansässige Bevölkerung schon im 6. Jahrhundert unter starkem fränkischen Einfluss stand, ohne jedoch dem Frankenreich zugerechnet werden zu können. Eine Zugehörigkeit zur sächsischen Ethnie kann ebenso nicht nachgewiesen werden. Wohl erst der Druck der fränkischen Eroberung hat die westfälische Bevölkerung zum Zusammengehen mit den Sachsen genötigt. In der Betrachtung durch die erfolgreiche fränkische Seite wurden dann auch die eigenständigen Bevölkerungsteile Westfalens unter dem Begriff der Sachsen subsumiert.[2]

Ostfalen (Saxoniae Orientalis)

Die Ostfalen („Ostmänner“) lebten zwischen Weser und Elbe. Dieses ursprünglich thüringische Gebiet wurde erst im 7. bis 10. Jahrhundert besiedelt.

Engern

Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ost- und Westfalen. In ihrem Gebiet liegt die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern (lateinisch Angarii) scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Stamm der Sachsen bildeten.

Nordalbingier

Wie der Name (lateinisch albis Elbe) aussagt, lebten die Nordalbingier nördlich der Elbe. Der östliche Teil dieses Gebietes ging im 8. Jh. größtenteils an die von Osten einwandernden Slawen verloren (Ostholstein) und wurde erst im Hochmittelalter von den Holsteiner Grafen erneut unterworfen. Das sächsische Gebiet wurde nach Norden von Eider und Levensau (nördlich von Kiel), nach Osten durch die Schwentine begrenzt und stieß nur an der Kieler Förde an die Ostsee. Holstein, Dithmarschen und Stormarn waren im Züge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Dänischen Königreich und dem deutschen Kaiserreich vom restlichen Sachsen getrennt. Oft regierten hier landflüchtige dänische Könige mit Duldung des Kaisers, die in Dänemark vom Thron gestürzt worden waren - wie auch in einigen Teilen Nordwestniedersachsens. Zwei Mal wurde dies Gebiet vom Kaiser dem dänischen Königshaus zuerkannt und viele Male anerkannten die Adeligen den dänischen König als ihren Lehnsherren.

Geschichte

  • 98 n. Chr. Der römische Autor Tacitus beschreibt die Stämme Germaniens in seiner Schrift "De Origine et situ Germanorum" und nennt verschiedene Stämme im späteren sächsischen Sprachgebiet, kennt jedoch den Sachsennamen nicht.
  • um 140: Der in Alexandria schreibende griechische Geograph Ptolemäus stellt seinen Atlas "Geographike Hyphegesis" zusammen. In seiner überlieferten Form erwähnt dieser die Sachsen als zwischen Chauken und Sigulonen ansässig.[3] Dies galt lange Zeit über als früheste Erwähnung der Sachsen in den antiken Quellen[4] und hat dazu geführt, daß die Sachsen nach wie vor häufig auf modernen Karten Germaniens des 1./2. Jh. erscheinen. Heute geht die Wissenschaft von einer Textverderbnis aus, bei welcher der ursprünglich bei Ptolemäus vorhandene Name der Avionen (über eine bei Markianos von Herakleia belegte Zwischenform "AΞONEΣ") mit dem bekannteren Namen der Sachsen ersetzt worden sei.[5]
  • 285/6 erstmalige Erwähnung der Sachsen, welche zusammen mit den Franken das Meer vor Belgien und Armorica unsicher machen.[6] Der Name "Saxones" scheint dabei, ähnlich dem Namen der Franken, Alemannen oder Heruler, einen geographisch noch nicht definierten Überbegriff darzustellen, der es kaum erlaubt, Kontinuitäten mit älteren Völkerschaften festzustellen. Die Sachsen unternehmen Piratenüberfälle auf die Küsten von Belgien, Britannien und Gallien. [7]
  • um 300 Aufgrund häufiger Überfälle der Sachsen zur See auf die römischen Küsten an der Nordsee und am Kanal befestigen die Römer diese Küsten und richten das militärische Kommando der Sachsenküste ein.
  • ab ca. 400: Nebst Angeln und Jüten lassen sich auch Sachsen in Britannien nieder. Die Ortsnamenkunde lässt dabei vermuten, daß der Hauptteil dieser "Sachsen" aus dem westlichen Niedersachsen und Flandern stammte.[8] Der Begriff Angelsachsen kommt erst gegen Ende des 8. Jh. auf.[9]
  • Um 450 soll laut Gildas der britische Herrscher Vortigern Sachsen zum Schutz gegen die schottischen Pikten angeworben haben.
  • 477 erfolgt angeblich die Gründung des Königreiches Sussex (= Süd-Sachsen).
  • Um 500 wird das Königreich Essex (= Ost-Sachsen) gegründet.
  • Vermutlich im 6. Jahrhundert Gründung des Königreiches Wessex (= West-Sachsen).
  • Um 530 erreichen die Sachsen den Rhein.
  • 531 zerschlagen die Franken das Königreich Thüringen in der Schlacht bei Burgscheidungen. Die Beteiligung von Sachsen an dieser Schlacht ist umstritten und beruht wahrscheinlich auf einer verfehlten Gewichtung jüngerer Autoren[10], diente jedoch traditionell zur Erklärung des späteren Grenzverlaufs zwischen Franken und Sachsen. Vielmehr scheinen die Sachsen infolge der Zerschlagung des Thüringer Königreiches in eine lose Abhängigkeit des Frankenreiches gelangt zu sein.
  • 568 Viele Sachsen ziehen mit den Langobarden nach Italien, kehren aber schon bald wieder zurück, worauf es zum Streit mit den in den ehemals sächsischen Wohnsitzen angesiedelten Sueben kommt.
  • Für das Jahr 577 und später erwähnt Gregor von Tours die "Sachsen von Bayeux".
  • Ab 596 werden die britischen Sachsen zum Christentum bekehrt. Die Festlands-Sachsen bleiben bei ihrem alten Glauben.
  • Im 7. Jahrhundert beginnen die Sachsen, Herzöge zu wählen, angeblich zunächst nur in Kriegszeiten. Diese Verwaltungshierarchie könnte aber durchaus auch auf eine fränkische Oberherrschaft hindeuten, da die Bezeichnungen der Herzöge ausschließlich in fränkischen Quellen überliefert sind. Die wahrscheinlich fränkischen Herzöge versuchen immer mehr Autonomie zu erlangen und stellten sich an die Spitze des Widerstandes gegen die unter den Pippiniden ausgerufene Christianisierung aller Landesteile, so auch der der Sachsen.
  • 738: erster Versuch der festeren Unterwerfung unter die fränkische Krone durch Pippin den Jüngeren
  • 772 bis 804: Der Versuch der Einführung des Christentums in die größtenteils schon abhängigen Gebiete führte zu den mehr als dreißig Jahre dauernden Sachsenkriegen Karls des Großen
  • 772 Eroberung der sächsischen Eresburg und Zerstörung des wichtigsten religiösen Zentrums der sächsischen Religion, der Irminsul. Der alte Glaube wird von den christlichen Okkupatoren als Heidentum betrachtet.
  • 775 Zweiter Feldzug der Franken. Eroberung der strategisch wichtigen sächsischen Sigiburg hoch über der Ruhr.
Taufe des sächsischen Herzogs Widukind, Fresko aus dem 19. Jahrhundert
  • 777 beruft Karl eine erste fränkische Reichsversammlung in Paderborn ein, mitten im Land der vermeintlich besiegten Sachsen. Doch das gescheiterte Engagement Karls in Spanien lässt die Sachsen ihren Unabhängigkeitskampf unter der Führung Herzog Widukinds wiederaufnehmen.
  • 785: Die Taufe des sächsischen Herzog Widukind leitet die Christianisierung der Sachsen ein.
  • 794 Entscheidende Schlacht auf dem Sintfeld.
  • 799 findet erneut eine Reichsversammlung in Paderborn als Machtdemonstration statt. Die Sachsen sind endgültig besiegt.
  • 804: Eingliederung der Sachsen in das Reich Karls des Großen unter Beibehaltung der Things.
  • 811 einigt sich Karl mit dem dänischen König auf die Eider als Grenzfluss des Dänischen Reiches. Karls Einfluß auf die Sachsen endet beim Fort Itzehoe in der Marsch - die Sachsen Nordalbingiens halten an ihren Traditionen und ihren Fürsten auf der Geest fest.
  • Im 9. Jh. Bildung des Herzogtums Sachsen, bestehend aus den Teilen Engern, Westfalen, Ostfalen und Nordalbingien. Der Landesherr hat in Nordalbingien nur in der Marsch etwas zu sagen, auf der Geest regieren nach wie vor die traditionellen sächsischen Fürsten und Fürstenfamilien. Zeitweilig brachten diese ihre Gebiete sogar ins westfränkische Reich ein.

Mit Heinrich I. wurde 919 ein sächsischer Herzog deutscher König. Ihm folgten die ersten deutschen Kaiser Otto der Große, Otto II. und Otto III. Die Epoche der Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger endete mit dem Tod Heinrichs II. 1024. Während dieses Jahrhunderts lag der politische und kulturelle Schwerpunkt des Reichs im Gebiet der Sachsen.

Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180, wegen dessen Weigerung dem Kaiser Friedrich Barbarossa Heerfolge nach Italien zu leisten, zerschlug der Kaiser das alte Herzogtum Sachsen. Westfalen wurde in kirchlichen Besitz übergeben, Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg, die Fürsten und Bischöfe wurden für reichsunmittelbar erklärt, der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an.

Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren verliehen. Da der Herzogtitel die höhere Würde besaß, führte dieser von nun an den Titel „Herzog von Sachsen“, wodurch der heutige Freistaat Sachsen seine Bezeichnung bekam. Deren Bewohner gehören ursprünglich zum germanischen Volksstamm der Thüringer. Dieses neue Herzogtum Sachsen wurde danach lange als Obersachsen bezeichnet, das Land mit dem Volksstamm der Sachsen als Niedersachsen. Letztere Bezeichnung wurde bei der Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg als Name des heutigen Bundeslandes Niedersachsen wiederbelebt.

Sprachen

  1. Die niedersächsischen Sachsen sprachen eine nordseegermanische Sprache. Ihre Sprache bildete als Angelsächsisch die Grundlage des Englischen und stand in seinen früheren Entwicklungsstufen dem Altenglischen teilweise näher als dem Althochdeutschen. Daher gibt es bis heute einen kleinen gemeinsamen Grundwortschatz zwischen dem Englischen und dem Niederdeutschen - ungeachtet aller Veränderungen des Englischen durch das normannische Französisch.
  2. Dementsprechend wird auch heute in Schleswig-Holstein und den nördlichen Teilen des Bundeslandes Niedersachsen (neben Hochdeutsch) nordniederdeutsch gesprochen. In Westfalen (Westfälisch), im Süden Niedersachsens und westlichen Sachsen-Anhalt (Ostfälisch) sowie in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und im Norden von Sachsen-Anhalt werden ähnliche Dialekte gesprochen, die insgesamt zur Niederdeutschen Sprache zusammengefasst werden können.
  3. Der heute umgangssprachlich als „Sächsisch“ bezeichnete Dialekt Obersachsens (Kursachsen), des heutigen Freistaates Sachsen, Ost-Thüringen sowie des südlichen Sachsen-Anhalts, ist dagegen eine Untergruppe der Ostmitteldeutschen Sprache und gehört zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe der hochdeutschen Sprachen.

Literaturhinweise

  • Bremer Archäologische Blätter, Beiheft 2/2000 zur gleichnamigen Ausstellung im Focke-Museum: „Siedler, Söldner und Piraten“, Chauken und Sachsen im Bremer Raum, © Der Landesarchäologe Bremen, ISSN 0068-0907.
  • Torsten Capelle: Die Sachsen des frühen Mittelalters. Theiss, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062138-4-4. 
  • Torsten Capelle, Matthias Springer, Heinrich Tiefenbach: Sachsen. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 26, de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 3-11-017734-X, S. 24–60. 
  • Wilhelm Gebers: Auf dem Weg nach Walhall – Die Pferde der Altsachsen – Begleiter in Leben und Tod. Industrie-Museum Lohne, Lohne 2004, ISBN 3-9808151-8-8. 
  • Bruno Krüger (Hrsg.): Die Germanen – Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Handbuch in 2 Bänden. Akademie-Verlag, Berlin 1983. 
  • Hans-Jürgen Häßler: Niedersachsens frühe Bevölkerung: Die Altsachsen der spätrömischen Kaiserzeit und des frühen Mittelalters. Hannover 2004, ISBN 3-8999509-4-1. 
  • Matthias Springer: Die Sachsen. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-016588-7. 

Einzelnachweise

  1. Albert Genrich: Der Name der Sachsen - Mythos und Realität. In: Studien zur Sachsenforschung, 7. S. 137 - 144, Verlag August Lax, Hildesheim 1991
  2. Kristina Nowak: "Der Krieg gegen die 'Sachsen' - Ein Beitrag zur ethnischen Identität in Westfalen", in: Ralf Molkenthin / Bodo Gundelach (Hrsg.): De Ludo Kegelorum, Beiträge zur Ernennung Dieter Schelers zum Honorar-Professor, Morschen 2008, S. 9-19; Kristina Nowak: "Geschichte wird von Siegern geschrieben...., Quellen des 6. bis 9. Jahrhunderts und der archäologische Kontext in Westfalen", in: Henriette Brink-Kloke (Hrsg.); "Die Herrschaften von Asseln, Ein frühmittelalterliches Gräberfeld am Dortmunder Hellweg", München, Berlin 2007, S. 89-94
  3. Ptol. 2,11.
  4. So etwa noch im KIP, Bd. 4, Sp. 1577.
  5. Springer, 2004, 17-31.
  6. Eutrop, 9.21.
  7. Atlas zur Geschichte Band 1, VEB Hermann Haack, Leipzig 1981, S. 16, Karte I
  8. Udolph 1999, S. 447; Udolph 1995, S. 266.
  9. pringer, 2004, 47.
  10. Rudolf von Fulda (nach 850), Widukind von Corvey (968) und die Quedlinburger Annalen (um 1020).

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