Altstraße

Altstraßen sind historische Wege, die in einem Wegenetz wichtige Städte und Orte miteinander verbanden.

Altstraßen waren mit Ausnahme von Römerstraßen unbefestigte Naturwege, deren Verlauf sich nach der Geologie und der Topographie des Gebietes richtete, durch das der Weg führte. Die Täler waren im frühen Mittelalter Europas oft noch mit dichtem Auenwald bewachsen und mäandernde Flüsse und Flussmündungsgebiete stellten für viele Reisende unüberwindbare Hindernisse dar. Daher wurden Höhenwege (lateinisch auch "strata alta" – Hohe Straße, vielleicht daraus „Altstraße“) entlang von Wasserscheiden bevorzugt. Deren Ursprung lässt sich oft bis in germanische beziehungsweise keltische Zeiten zurückverfolgen.

Die Höhenwege hatten den Vorteil, dass sie trockener waren als Wege im Tal und keine Bäche und Flüsse überquert werden mussten. Basaltverwitterungsboden wurde bevorzugt, da sich auf Sandsteinböden schnell Hohlwege bildeten. Weiterhin konnten auf den Höhen Gefahren schon von weitem gesehen werden. Erst am Ziel, bei bekannten Furten oder den wenigen Steinbrücken, stieg man ins Tal ab.

Inhaltsverzeichnis

Kategorien

Der hessische Archivar und Historiker Georg Landau unterschied zwischen

  1. Öffentliche Straßen und Heerstraßen,
  2. Land- oder Markwege (Viae Convicinales),
  3. Kirchwege (Viae Pastorales) und
  4. Notpfaden.

Aus heutiger Sicht sind auch zahlreiche Wegeverbindungen Altstraßen, die zu Landaus Zeit noch im alltäglichen Gebrauch waren, beispielsweise

  1. Poststraßen,
  2. nordamerikanische Auswanderertrails.

Öffentliche Straßen und Heerstraßen trugen viele unterschiedliche Bezeichnungen, die auf ihre Verwendung, ihre Lage oder auf ihr Umfeld schließen lassen. Dies waren:

  • Königs- oder Reichsstraßen (Via Regia)
  • öffentliche Straßen (Via Publica),
  • Heerwege (nach strategischen Gesichtspunkten angelegt),
  • Helwege (Weg zum Salztransport),
  • Diet- oder Volkswege,
  • Land- oder Bergstraßen,
  • hohe Straßen,
  • Rennwege (schnelle Route für Läufer und Reiter),
  • Rennstiege (schnelle Gebirgsroute für Läufer und Reiter),
  • Wald- oder Riesenwege und
  • Weinstraßen (eine Straße für Ochsenkarren, Kutschen und andere Gespanne, der Wortursprung stammt aus dem hessischen "we-in", "Wän" oder "Wäng" = Wagen und nicht vom Getränk).

Geschichte

In ihren Ursprüngen in keltischer und germanischer Zeit, dienten die europäischen Altstraßen hauptsächlich dem Handel und dem Salztransport zu den Oppida. Die Merowinger bezogen die Römerstraßen in ihrem Reich mit in das Netz der Altstraßen ein und bauten an wichtigen Kreuzungspunkten und Verzweigungen Pfalzen. Sie nutzen die Wege als Heerstraßen, und seit den Karolingern wurden die Wege durch Burgen gesichert und zur Missionierung genutzt. Es wurden Klöster an Kreuzungspunkten gebaut, die vorhandenen Wege wurden zu Pilgerwegen und zunehmend wurden Handelswege für den allgemeinen Warenverkehr zwischen den Städten und Marktflecken genutzt. Die Besiedelung entwickelte sich entlang dieser Straßen und die Burgen und Klöster wurden oft zu Keimzellen von Ortschaften (z. B. auf der Straße Fulda, Hersfeld und Erfurt). Aus dem frühen Mittelalter stammen auch die ersten urkundlichen Belege einzelner Wege (mit Ausnahme der Römerstraßen), so der Ortesweg, der in der Vita Sturmi vom vierten Abt Fuldas Eigil erwähnt wird, als Sturmius 744 nach einem geeigneten Ort für das Kloster suchte.

Die Öffentlichen Straßen und Heerstraßen hatten die Bedeutung von Hauptstraßen. Die Reisenden standen auf ihnen unter dem Land- oder Königsfrieden. Der Besitzer hatte für die Sicherheit der Reisenden auf dieser Straße zu sorgen. Daraus entwickelte sich im Mittelalter das Geleitwesen. Altstraßen befanden sich nach der ersten Rodungsperiode (während der Karolinger) auch zunehmend im Tal, da sich durch Bevölkerungswachstum die Siedlungsdichte in den Tälern erhöhte. Dadurch gab es immer öfter direkte Verbindungen (meist eine Art Feldweg) von Ort zu Ort. Die Höhenwege hatten jedoch noch lange hohe Bedeutung, um Zollstellen oder stark befestigte Orte zu umgehen. Die Höhenwege entwickelten sich durch ihre Lage auf Gebirgszügen (natürliche Grenzen) oft auch zu Grenzwegen (siehe Rennsteig). Ein weiterer Grund, warum sich die Altstraßen oft auch zu Grenzwegen entwickelten, war die Tatsache, dass man ab dem frühen Mittelalter begann, die Wege in die schriftlich niedergelegten Grenzbeschreibungen einzubeziehen.

Da es jahrhundertelang in Mitteleuropa viele Kleinstaaten gab, ergab es für die Herrscher keinen Sinn, in befestigte Straßen zu investieren. Diese gab es dann erst ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Straßen von Seiten des Staates geplant und befestigt wurden. Diese Kunststraßen (Chausseen) konnten somit leichter für den Fernverkehr genutzt werden als die Höhenwege. Damit verloren diese rasch an Bedeutung und wurden nicht mehr genutzt.

Viele Altstraßen sind im Laufe der Jahrhunderte überbaut worden (z. B. A 66) oder wurden wieder vom Wald überwachsen beziehungsweise eingeebnet zu Feldern. Einige Teilstrecken existieren aber heute noch in ihrer ursprünglichen Form und werden als Feld-, Forst- oder Wanderweg genutzt.

Bekannte Altstraßen

Die Altstraßen hatten in Europa meistens keine durchgängigen Eigennamen und keinen bestimmten Beginn oder Ende. Sie bildeten in ihrer Gesamtheit ein Wegenetz. Die Wege wurden von der örtlichen Bevölkerung immer nach nahe gelegenen Zielen benannt. Da sich die Wege über die Jahrhunderte verlagerten (Orte verloren ihre Bedeutung, Zollstellen und unsichere Gebiete wurden umgangen usw.), gab es auf langen Wegstrecken auch keine festen Wege, sondern eine breite Trasse mit unterschiedlicher Wegführung. Daneben gab es Nebenstraßen und Abkürzungen, die ein Reisender je nach den Bedingungen (Witterung, Räuberbanden, Fehden) nutzen konnte. Somit ergaben sich für die gleiche Straße von Ort zu Ort unterschiedliche Bezeichnungen. Auch bei Besitzerwechsel zum Beispiel vom Kaiser zum Landgrafen bürgerten sich andere Namen ein.

Feste Namen wurden vielfach erst von Historikern der Altstraßenforschung als Hilfsmittel zur Beschreibung der Wege eingeführt.

Fränkisches Reich

Germanen und Kelten

Sachsen (Obersachsen, Kurfürstentum Sachsen)

Griechenland

Großbritannien

Römisches Reich

Die Gesamtlänge des römischen Straßennetzes wird zu Zeit Kaiser Trajans auf 80.000 Kilometer geschätzt. Besonders die Heerstraßen waren in der Antike schon befestigte Kunststraßen. Weiteres hierzu unter Römerstraßen.

Inkareich

In der Neuen Welt erbauten die Inka in einer für den Straßenbau schwierigsten Gegenden der Erde, den Anden, ein ausgedehntes Straßennetz von 40.000 Kilometer Länge mit Brücken, Tunnel und Raststationen.

Naher Osten und Asien

Literatur

  • Erika Dreyer-Eimbecke: Alte Straßen im Herzen Europas: Könige, Kaufleute, Fahrendes Volk. Umschau, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-524-69078-5
  • Georg Landau: Beiträge zur Geschichte der alten Heer- und Handelsstraßen in Deutschland. Bärenreiter, Kassel 1958
  • M. Adak -S. Şahin: Das römische Straßen- und Siedlungssystem in der Lykischen Milyas, in: H. Koschik (Hrsg.), Alle Wege führen nach Rom, Rhein 2004.

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