Altstrelitz

Strelitz, umgangssprachlich auch Alt-Strelitz, Altstrelitz, war eine altmecklenburgische Landstadt, die seit 1931 als Stadtteil nach Neustrelitz eingemeindet ist und seither den Stadtteilnamen Strelitz Alt führt. 1945 wurde sie in der historischen Bausubstanz stark zerstört.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zur Geschichte des heutigen Stadtteils Strelitz Alt seit Eingemeindung (1931) nach Neustrelitz – siehe dort!

Name

Der Ortsname Strelitz (1278, 1316, 1399), auch Streliz (1329), Streltz (1349), Streltze (1387), Strelytze (1389), Strelisse (1389), Strelitze (1395) geschrieben, wird gemeinhin als Ableitung aus der altpolabischen Silbe Strělci (Bogenschütze) erklärt. gelautet haben. Im 18. Jahrhundert übertrug er sich auf die neu entstehende Residenzstadt Neustrelitz des Herzogtums und mecklenburgischen Landesteils Mecklenburg-Strelitz. Zur Vermeidung von Mißverständnissen wurde Strelitz in der Folgezeit umgangssprachlich immer häufiger als Altstrelitz bzw. Alt-Strelitz bezeichnet. Eine förmlichen Umbenennung erfolgte jedoch erst 1931, als Strelitz nach Neustrelitz eingemeindet wurde und fortan den Stadtteilnamen Strelitz-Alt führt.

Landstadt in Mecklenburg

Strelitz ist entstanden aus einer slawischen, dann deutsch-dörflichen Siedlung im Südosten von Mecklenburg am Rande einer wohl in slawische Zeit zurückreichenden Burganlage. Wie ein Stadtsiegel aus dem 15./16. Jahrhundert zeigt (siehe Stadtarchiv Neustrelitz), war die Stadt Strelitz aus einem Oppidum slawischen Ursprunges entstanden und wurde im Rahmen der deutschen Ostexpansion nach und nach deutsch besiedelt. 1278 wird der Ort als Dorf urkundlich ersterwähnt. 1329 kam Strelitz mit der Herrschaft Stargard als Lehen des Markgrafen Ludwig an die Fürsten Albrecht und Johann zu Mecklenburg. Am 4. Dezember 1349 erfolgt die Verleihung des Stadtrechts (Neubrandenburger Recht) durch Otto und Ulrich von Dewitz. Jedoch werden hus unde stadt Strelitz schon knapp ein Jahr zuvor als Teil der neu gegründeten Grafschaft Fürstenberg urkundlich bezeugt.

Strelitz entwickelte sich im Schutze umgebender Wasser- bzw. Sumpfflächen sowie einer ebenfalls in slawische Zeiten zurückreichenden, mehrteiligen Burganlage, die durch die Markgrafen von Brandenburg bzw. die mecklenburgischen Herzöge weiter genutzt und ausgebaut wurde. Die Burganlage ist mehrfach überbaut worden und wurde schließlich als Gefängnis bis in die 1990-er Jahre genutzt. Der Ort Strelitz lag günstig an der Wegekreuzung von Wesenberg nach Woldegk sowie Fürstenberg nach Neubrandenburg.

Nach 1701 wurde Strelitz erste Residenz und Namensgeber für das neugebildeten mecklenburgische (Teil-) Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. In der 1848er Revolutionszeit war hier wichtiges Zentrum der liberalen Reformbewegung. Jedoch sank Strelitz durch Gründung von Neustrelitz seit Mitte des 18. Jahrhunderts allmählich zu wirtschaftlicher und politischer Bedeutungslosigkeit herab, verlor 1931 als erste Stadt der Region ihre Kommunalautonomie und wurde als Ortsteil nach Neustrelitz eingemeindet.

Israelitische Gemeinde

Seit 1704 ließ Herzog Adolf Friedrich II. gegen Schutzgeld wieder Juden in seinem Territorium zu. Ein Friedhof wurde angelegt. Den Um- und Aufbau des Schlosses in Neustrelitz ab 1712 konnte sein Nachfolger nur über Geld finanzieren, das ihm Jakob Isaak beschaffte. Die jüdische Gemeinde wuchs stark an zur größten in ganz Mecklenburg mit ca. 600 Personen um 1750, ein Viertel der Bevölkerung der Stadt Strelitz. 1763 wurde die erste Synagoge in Mecklenburg eröffnet. 1810 waren von 2300 Einwohnern 485 Juden, Strelitz galt als das westlichste Stetl. Bedeutende Juden im 19. Jahrhundert waren der Rabbiner Dr. Jakob Hamburger und der Gelehrte und Lehrer Dr. Daniel Sanders sowie die Kaufmannsfamilie Wolfsohn. Durch Abwanderung ging am Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der Juden auf ca. 100 zurück. [1]

Technikum Strelitz

Die Ingenieurfachschule Strelitz Alt, 1875 in Buxtehude gegründet, wurde 1890 nach Strelitz verlegt und als Technikum Strelitz wiedereröffnet. Zur DDR-Zeit war es eine Ingenieurschule für Bauwesen. Sie ging 1991 in der Fachhochschule Neubrandenburg auf.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Carl Born, Kaufmann, Kommerzienrat
  • Carl Siewert († 1899), Begründer der Carl Siewert Stiftung
  • Daniel Sanders (1819–1897), Philologe, Pädagoge
  • Friedrich Krüger (1819–1896), Kaufmann, Senator, Kommerzienrat
  • Julius Kohrt (1833–1907), Senator, Amtmann
  • Carl Stammer († 1898), Bäckermeister, Bürger
  • Max Hittenkofer (1876– ), Direktor des Technikums
  • Georg Maaß († 1932), Stadtverordneter, Stadtrat

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Egmont von Chasot (1716–1797), Besitzer des (späteren) Stadtgutes Marly
  • Jacob Hamburger (1826–1911), Rabbiner
  • Karl Petermann (1807–1866), Jurist, Stadtrichter, Demokrat
  • Eduard Nauwerck (1809–1868), Jurist, Bürgermeister, Demokrat

Sehenswürdigkeiten

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  • Wasserturm
  • ehemaliger Bahnhof und ehemalige Post (1890)in der Bahnhofstraße und alte Schule von 1890 in der Fürstenberger Straße
  • ehemaliges Gefängnis, anstelle des abgebrannten Schlosses zuerst ein „Zucht und Werkhaus“, dann Neubau 1798 als „Landarbeits-, Zucht- und Irrenhaus“ erbaut
  • ehemalige Militärobjekte am Domjüchsee sowie am Großen Fürstenseer See
  • Gebäude des ehemaligen Technikums-Strelitz (jetzt Sitz der Stadtwerke Neustrelitz)

Anmerkungen

  1. Klaus Giese: Alt-Strelitz. In: I. Diekmann: Wegweiser durch das jüdische Mecklenburg-Vorpommern. Potsdam 1998, S.51–66

Literatur und Quellen

  • Literatur über Strelitz Alt in der Landesbibliographie M-V
  • Klaus Giese: Strelitz (Alt) in alten Ansichten und kurzen Texten. Suum cuique, Reutlingen 1998, ISBN 3-927292-73-7
  • Harald und Christiane Witzke: Strelitz-Alt und Neustrelitz. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-89702-415-1
  • Jakob Hamburger: Das Alte in den Neuen! Jubel-Predigt zur Feier des 100jährigen Bestandes der Synagoge zu Altstrelitz. Neustrelitz 1863

53.33111111111113.0972222222227Koordinaten: 53° 20′ N, 13° 6′ O


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