Altägypten
Das Alte Ägypten
Totenmaske des Tutanchamun
Zeitleiste
Prädynastische Zeit:
bis ca. 3150 v. Chr.
Frühdynastische Zeit:
ca. 3032–2707 v. Chr.
1. bis 2. Dynastie
Altes Reich:
ca. 2707–2216 v. Chr.
3. bis 6. Dynastie
Erste Zwischenzeit:
ca. 2216–2137 v. Chr.
7. bis 11. Dynastie
Mittleres Reich:
ca. 2137–1781 v. Chr.
11. bis 12. Dynastie
Zweite Zwischenzeit:
ca. 1648–1550 v. Chr.
13. bis 17. Dynastie
Neues Reich:
ca. 1550–1070 v. Chr.
18. bis 20. Dynastie
Dritte Zwischenzeit:
ca. 1070–664 v. Chr.
21. bis 25. Dynastie
Spätzeit:
ca. 664–332 v. Chr.
26. bis 30. Dynastie
Griechisch-römische Zeit:
332 v. Chr. bis 395 n. Chr.
31. Dynastie
Daten nach
Jürgen von Beckerath
Zusammenfassung
Geschichte des Alten Ägypten
Weiterführendes
Portal Ägyptologie

Altes Ägypten ist die allgemeine Bezeichnung für das Land Ägypten im Altertum. Der ägyptische Name lautete Kemet und bedeutet in der Übersetzung "Schwarzes Land". Kemet bezeichnet das Delta des Nils und geht auf den schwarzen Schlamm zurück, der nach den jährlichen Überschwemmungen des Nils zurückblieb und eine fruchtbare Ernte garantierte. Eine andere Bezeichnung für das Land des Altertums war Ta meri (T3 mrj), was mit Land meri übersetzt wird, da die Bedeutung des Wortes mrj unbekannt ist[1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Alten Ägypten

Die ägyptische Geschichte, soweit sie durch materielle Zeugnisse für die → Geschichtsschreibung fassbar ist, umfasst die Perioden von der Frühzeit bis zur Eroberung durch das Römische Reich. Sie wird in zahlreiche Epochen unterteilt (s. Navigationsleiste rechts)

Die Entstehung der ägyptischen Kultur liegt in fernen Urzeiten, die als Hochkultur bekannte Kultur begann in der Frühdynastischen Periode, als in Oberägypten ein erstes Reich entstand. Militärische Expansionen Richtung Nildelta vergrößerten dieses Reich. Dort wurde das heutige Unterägypten erobert – damit vollzog sich der erste Schritt der Reichseinigung.

Zur Datierung der einzelnen Epochen siehe auch:

Politik und Verwaltung

Hauptartikel: Verwaltung im Alten Ägypten

Kultur

Gesellschaft

Übersicht

Die meisten Ägypter waren Bauern und führten ein ziemlich einfaches Leben. Sie besaßen kleine Felder, die sich entlang des Nil befanden. Am Nil bauten die alten Ägypter 8-9 Monate im Jahr Weizen, Früchte und Gemüse an. Da sie sich selbst versorgen mussten, züchteten sie Ziegen, Schafe und Rinder und legten Vorräte für die Zeit der jährlichen Überschwemmungen an.

Die Rolle der Frau ist zwiespältig und wurde oft im Vergleich mit dem klassischen Altertum (Antikes Griechenland) als herausragend angesehen. In der Tat scheint die Frau rechtlich dem Manne gleichgestellt gewesen zu sein, doch sind Frauen nur selten mit Positionen in der Verwaltung belegt. Ob ihnen der Zugang erschwert war oder sie aufgrund des erwünschten Kinderreichtums an das Haus gebunden waren, ist den Quellen nicht zu entnehmen. Fest steht, dass Frauen in Verwaltungsämtern eine Minderheit bildeten, es jedoch auch einige prominente Beispiele für hohe Positionen gibt. In den Berufen der Müllerin und Bierbrauerin sind Frauen dagegen oft bezeugt. Ägyptische Texte betonen immer wieder die Fürsorge gegenüber Witwen. Dies könnte als Hinweis gesehen werden, dass verwitwete Frauen nur wenig Möglichkeiten zum eigenen Broterwerb hatten.

Die Eheleute lebten in der Regel monogam. Die Polygamie ist bisher nur mit Sicherheit im Königshaus und bei einigen wenigen hohen Beamten bezeugt. Es ist von einer hohen Kindersterblichkeit auszugehen. Aus diesem Grund war Kinderreichtum willkommen. Die allgemeine Lebenserwartung war nicht sehr hoch.

Die Ägypter waren stets der Meinung, die guten Götter auf ihrer Seite zu haben. Man war auf der Hut vor Betrügern und Spukgeistern. Spukgeister waren unglückliche Seelen, deren Gräber verwüstet oder zerstört worden waren. Es heißt, ein Pharao ließ einmal eine Grabstätte reparieren, nachdem ihm im Traum ein Spukgeist von seinem Leid erzählte, damit der Geist ins Totenreich zurückkehren konnte.

Siehe auch: Die Stellung der Frau im Alten Ägypten

Karte des Niltals und des Nildeltas mit den ägyptischen Altertümern

Prä- und Frühdynastische Periode

Um 6000 v. Chr. begannen die Menschen im bis dahin schwach besiedelten Ägypten, Viehzucht zu betreiben. Dadurch und durch den ca. 5000 v. Chr. anfangenden Ackerbau im Niltal wurde es möglich, mehr Menschen zu ernähren. Die Population wuchs. Doch durch den Ackerbau ergaben sich neue Probleme: Da der Nil einmal im Jahr das Land überflutete und sonst Trockenheit herrschte, musste dafür ein Ausgleich in Form von Kanalsystemen geschaffen werden, das das Wasser ableitete bzw. speicherte. Da die einzelnen Bauern dazu nicht im Stande waren, schlossen sie sich zusammen und bildeten sog. Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden. Daher bedeutet das altägyptische Wort für Gaufürst "Der, der die Kanäle baut". Es wurden Getreidesilos gebaut, um die Menschen das ganze Jahr über versorgen zu können. Diese wurden ebenfalls von den Fürsten verwaltet. Jedoch fingen die einzelnen Gaufürsten an, sich zu bekriegen. Um 3000 v. Chr. setzte sich Menes durch und vereinigte Ober- und Unterägypten, die sich vorher gebildet hatten. Menes war der erste Herrscher Ägyptens mit dem Titel Pharao, was "großes Haus" bedeutet. Dadurch, dass der Pharao einen Großteil der Ernte bekam, sammelte er Reichtum an und es entstand Kultur, indem er Architektur, Bildhauerei usw. förderte. Auslöser für viele kulturelle Entwicklungen war der Glaube an das Leben nach dem Tod und der daraus sich entwickelnde Totenkult, der bei den Ägyptern so stark ausgebildet war, dass sich die Menschen ihr ganzes Leben mit der Ausgestaltung ihres Grabes beschäftigten.

Altes und Mittleres Reich

Im Alten und Mittleren Reich war Ägypten eine absolute Monarchie. Der Pharao erließ alle Gesetze und wurde als höheres Geistwesen und später als Mittler zwischen dem Mensch und dem Göttlichen angesehen. Er wurde z. B. auch für die (Un-)Fruchtbarkeit des Landes verantwortlich gemacht. Aus den früheren Gaufürsten wurden die Schreiber und Verwalter, d. h. die damaligen Beamten. Sie verwalteten zwar immer noch die Gaue, waren aber dem Pharao unterstellt. In der damals streng hierarchischen Kultur standen unter ihnen die einfachen Handwerker und Bauern. Durch diese klare Trennung der Stände wurde es nötig, den Menschen auf Reliefs und Bildern auszugestalten und ihn nicht nur durch die Hieroglyphe für "Mensch" anzudeuten.

Die Bauern mussten nur ihr Getreide der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, andere Erzeugnisse wie Fleisch oder Gemüse durften sie selbst behalten. Zur Zeit der Überschwemmung und der größten Trockenheit, wenn kein Ackerbau möglich war, mussten die Bauern beim Militär oder dem Pyramidenbau arbeiten.

Beim Bau der Pyramiden waren viele tausend Menschen beteiligt: Ein Baumeister, der den Bau überwachte, einige Ingenieure, tausende Vorarbeiter, viele Schreiber (Beamte), die z. B. die Materialbeschaffung regelten. Alle Beschäftigten mussten außerdem vor Ort mit Essen und Getränken versorgt werden. Da der Bau sehr lange dauerte, starb der Baumeister manchmal, bevor die Pyramide fertig gestellt war, und musste ersetzt werden. Wenn der Pharao vor der Fertigstellung starb, wurde der Bau trotzdem weitergeführt.

Religionsausübung

Luxor-Tempel von der Seite mit Pylon (links)
Szene aus dem Pfortenbuch, einem Unterweltsbuch aus dem Grab von Ramses IV., Tal der Könige
Erster Pylon des Isis-Tempels von Philae

Hauptartikel: Altägyptische Religion

Im Reich der Ägypter hatte jeder Gott seinen eigenen Tempel. In diesem Tempel standen die Statuen der jeweiligen Götter. Teilweise gibt es in Totentempeln (Tempel der Jahrmillionen Jahre) besondere Bereiche zur Verehrung eines Gottes.

Weil der Pharao in früher Zeit als hohes Geistwesen angesehen wurde und später als Mittler zwischen den Menschen und der geistigen Welt, gab es selbst für ihn eine Statue, die bestimmten Riten zum Wohle des Landes unterzogen wurde.

Jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang durchquerte ein Priester mit einer Kerze den Tempel. Er ging zu dem Schrein, in dem die Statue lag, und klopfte. Der Gott erwachte und nahm irdische Gestalt an. Dann wusch der Priester die Statue und rieb ihr mit dem rechten kleinen Finger die Stirn mit Zedern- und Myrrheöl ein. Die Statue wurde angezogen und ihr wurden Speisen und Getränke gegeben. Es wurden ihr auch Blumen dargeboten, denn man glaubte, im Duft dieser sei der Gott selbst. Die Opfergaben wurden den Göttern dargebracht, damit die Welt im Einklang blieb.

Zu den Opfergaben gehörten außer Speisen, Getränken und Blumen auch Wein, Parfüm und Weihrauch. Der Weihrauch sollte die bösen Geister vertreiben und wurde eigens von den Priestern in geheimen Räumen hergestellt, in denen eine Liste der Zutaten an den Wänden angebracht war.

Bei Prozessionen wurde die Statue aus dem Tempel geholt und durch die Straßen getragen. Aber auch dann konnte das Volk sie nicht sehen, denn sie war verhüllt.

Der Tempel war das Zentrum der Stadt. Oftmals waren die Priester für die Stadtverwaltung mit verantwortlich, schulten die Kinder, leisteten ärztliche Hilfe und führten eine Bibliothek. Der Pharao war der oberste Vertreter des Tempels. Das Volk konnte seine Opfer nur vor dem Tempel darbringen, weil es ihm nicht erlaubt war, ihn zu betreten.

Im Tempel wurden junge Priester ausgebildet. Später wohnten sie zusammen nahe dem Tempel an einem See, der künstlich angelegt war. Zweimal am Tag und zweimal in der Nacht mussten sie darin baden, um rein zu bleiben. Aus diesem Grund mussten sie auch jeden zweiten Tag ihren Körper rasieren.

Auf dem Dach des Tempels befand sich häufig ein Observatorium, von dem aus die Sterne beobachtet wurden. Die Sterne unmittelbar um den Polarstern wurden die Unvergänglichen genannt, weil sie das ganze Jahr über zu sehen waren. Die Planeten stellten Bezüge her zu den Göttern, die - so die bildhafte Vorstellung - mit Booten über den Himmel fuhren.

Siehe auch: Ägyptische Mythologie

Wissenschaft

Abschnitt des Papyrus Ebers

Mathematik

Es waren nur echte Brüche mit ganzzahligem Nenner und Zähler bekannt. Da es außer für 2/3 nur Hieroglyphen für Stammbrüche gab, mussten alle Brüche als Summen von Stammbrüchen dargestellt werden. siehe auch: Papyrus Rhind

Astronomie

Die Ägypter befassten sich mit Astronomie und berechneten anhand des Stand des Sothis (Sirius) die Überschwemmung des Nils.

Medizin

Medizin, Magie und Religion waren im Alten Ägypten untrennbar miteinander verbunden. Zur Heilung von Krankheiten gehörten zwar Medikamente oder chirurgische Eingriffe, wichtig waren jedoch auch immer Amulette zum Schutz und Beschwörungen der Magier, die böse Geister abhalten sollten. Die medizinischen Kenntnisse der alten Ägypter sind nur bruchstückhaft durch die paläopathologischen Untersuchungen von Mumien bekannt. So erhielt man Aufschluss darüber, dass Brüche gerichtet, Amputationen fachgerecht durchgeführt, künstliche Zähne oder Gebisse eingesetzt wurden. In manchen Fällen konnten sogar Behandlungen am Schädel nachgewiesen werden. Trotz ihrer Fertigkeiten bei der Mumifizierung von Leichnamen besaßen sie jedoch keine spezifischen anatomischen Kenntnisse über die Funktionen der menschlichen Organe. So wurde z. B. das Herz als Sitz des Verstandes angesehen und sie konnten beispielsweise bei Schwellungen, inneren Verletzungen oder schweren traumatischen Kopfverletzungen nichts ausrichten. siehe auch: Papyrus Ebers

Kunst

Hauptartikel: Altägyptische Kunst

Die ägyptische Kunst besteht im Wesentlichen aus den drei Bereichen Baukunst, Malerei und Plastik. Die meisten Kunstwerke wurden für die Toten geschaffen. Die Ägypter konnten gut mit Stein, Metall, Holz und Glas umgehen.

Im 19. Jahrhundert wurde die Ägyptische Kunst von Wissenschaftlern unter Napoléon „wieder entdeckt“ und geriet in die Aufmerksamkeit von Forschern, Sammlern und Museen. Bis in unser Jahrhundert kam es zu mehr oder minder systematischen Grabungen, die oft erfolgreich verliefen und verschiedene Schätze oder Skulpturen zutage förderten und neue Erkenntnisse über die Menschen des Alten Ägypten brachten.

Baukunst

Die Cheops-Pyramide 2005

In der Frühzeit bestanden die Bauwerke zuerst aus Ziegeln, später (in der 3. Dynastie) aus Stein. Diese Bauten wurden zu kultisch-religiösen Zwecken errichtet, z. B. die 60 m hohe Stufenpyramide des Königs Djoser.

Die Pyramiden stammen aus der Zeit der 4. Dynastie. Das berühmteste Beispiel ist die Cheopspyramide mit fast 147 m Höhe. Sie symbolisierte die Verbindung zwischen dem Ewigen (Spitze) und dem Irdischen (Basis). Die berühmtesten Pyramidenbauer waren Cheops, Mykerinos und Chephren.

In der 5. Dynastie entstanden Totentempel, die auch Pyramiden- oder Verehrungstempel genannt werden. Sie gehörten immer zu einem Königsgrab und bildeten einen Komplex. Im Mittleren Reich wurde der Totentempel auch als alleinige Tempelanlage gebaut. Im Neuen Reich wurden diese meistens in der Ebene vor dem Felsengebirge im Tal der Könige errichtet. Dazu zählen der Totentempel Ramses des Großen und Amenophis III., oder der Tempel der Hatschepsut. In einem Totentempel wurden den in der Anlage begrabenen Pharaonen Opfergaben dargebracht.

Bedeutend waren die Prozessions- oder Kulttempel mit von Säulenhallen umgebenem Hof und dem „Allerheiligstem“ (Sanktuar). Der Pharao nahm an der Gründungszeremonie teil. Neben der Anlage befindet sich manchmal ein „Heiliger See“ und ein „Haus des Lebens“, in dem Künstler und Ärzte ausgebildet wurden.

Ferner sind Taltempel zu erwähnen, die sich an den Ufern des Nils befanden und durch den Aufweg mit dem Totentempel verbunden waren. Hinter dem Totentempel folgte die Pyramide.

Andere Bauwerke:

  • Mastaba: ein Bau, der bis ins Mittlere Reich eine Art „Privatgrab“ war, mit Werkstein verkleidet, prismenförmig, mit Kultraum, an der Westseite eine Scheintür.
  • Grabanlagen, die aus dem Taltempel, dem Aufweg, dem Totentempel und der Pyramide bestanden. Im Umkreis der Anlage waren die Gräber der hohen Beamten. Die Anordnung der Gräber zum Pyramidenzentrum hin hing von der Bedeutung der Person ab.


Malerei

Ägyptische Malerei, um 1400 v. Chr.

Bereits in der Vorgeschichte Ägyptens entstanden Felsbilder und keramische Malereien. Doch die typischen Merkmale der ägyptischen Malerei sind im Wesentlichen aus Funden in Grabkapellen der Pharaonenfamilien und hoher Beamter bekannt. Die Wandbilder in den Gräbern sollten die Seele des Toten an ihr Leben auf der Erde erinnern und deren Wirklichkeit darstellen, ohne sich auf das Individuelle zu beziehen, und die Toten mit dem „umgeben“, was sie zu Lebzeiten besessen hatten. Der zweite große Themenbereich der ägyptischen Malerei zeigte Darstellungen der Götterwelt und des Totengerichtes. Manche neuere Werke sind noch auf Papyrus erhalten.

Die Bildgestaltung folgte präzisen Vorgaben. Die Figuren wurden über die gesamte gestaltete Fläche verteilt, Schrägansichten vermieden. Kopf und Beine wurden im Profil dargestellt, Oberkörper und Arme hingegen meist frontal. Schatten oder Lichteffekte wurden nicht eingearbeitet, auch ein Hintergrund wurde vermieden. Hauptfiguren wurden größer dargestellt als Nebenfiguren (Bedeutungsperspektive). Perspektivische Darstellungen gab es nicht; so sitzen Vögel beispielsweise nicht in sondern auf den Schilfrohrblättern. Die Anordnung der Menschen war meist starr und aktive Bewegung wurde vermieden. So sind Menschen in der Regel zu sehen, unmittelbar bevor sie sich in Bewegung setzten, jedoch selten mit einem halb erhobenem Fuß. Solche Bildnisse datieren sich üblicherweise in die Endphasen großer Epochen, z. B. Ende des Alten Reiches, wobei es teilweise auch als Stilmittel verwendet und exzessiv gebraucht wurde (Akrobatenszene im Grab). Keine Lockerung sondern eine größere Ausnahme dieser Regeln bilden die Wandbilder aus Echnatons Regierungszeit, dessen "revolutionäre" Herrschaft meist nur im politischen und religiösen, nicht aber im künstlerischen Aspekt gesehen wird.

In Tempeln, Palästen, Gräbern und Grabgebäuden wurden Reliefs und Wandmalereien verwendet. Wenn eine Wand mit Reliefs verziert werden sollte, wurde erst ein Netzraster für die Proportionen aufgetragen, dann wurden zuerst die Umriss- und danach die feinen Linien herausgearbeitet. Man unterscheidet zwischen Flachreliefs (Hintergrund wird abgetragen) und versenkten Reliefs (Linien werden hineingemeißelt). Zum Schluss wurden sie mit Pigmentfarben eingefärbt. Für Schwarz verwendete man Ruß oder Kohle, für Grün und Blau Malachit oder Azurit, für Weiß Gips oder Kreide, für Rot, Gelb, Rosa und Braun Eisenhydroxid.

Plastik

Die meisten Skulpturen wurden in Grabanlagen aufgestellt. Sie sollten den Toten vertreten und ihm ewige Fortdauer sichern. Deswegen versuchten die Bildhauer, den Menschen darzustellen, ohne auf Vergänglichkeit hinzuweisen; sie versuchten also mehr den Wesenskern abzubilden als das Aussehen. Deshalb sind die Figuren mit einer idealen Körperhaltung dargestellt, von individuellen Körperformen wird weitgehend abgesehen.

Die Haltung der Statuen ist immer aufrecht, entweder sitzend, kniend oder stehend. Zwischenräume wurden vermieden. Bei hölzernen Statuen wurden die Arme und Beine einzeln hergestellt und angesetzt. Für steinerne Statuen wurde meistens Kalkstein oder Granit benutzt. Ein weiteres Merkmal der ägyptischen Skulpturen ist, dass sie immer bemalt wurden, auch wenn sie aus wertvollen Materialien gefertigt waren. Frauen wurden hellgelb bemalt, Männer rotbraun. Manchmal wurden als Augen der Figuren Kristalle oder andere farbige Steine eingesetzt wie beim berühmten Sitzenden Schreiber im Louvre in Paris.

Eine Ausnahme der idealisierten Darstellungsform ägyptischer Plastiken stellen die Skulpturen der Amarna-Zeit dar. Die Dauer dieser Periode, benannt nach dem Ort Tell-el-Amarna, an dem sich die Überreste von Pharao Echnatons neu gegründeter Hauptstadt Achet-Aton befinden, lässt sich mit dessen Regierungszeit (ab 1350 v. Chr. Amenophis IV., ab ca. 1346 v. Chr. Echnaton, † 1334 v. Chr.) und darüber hinaus noch etwa 20 Jahre nachwirkend, gleichsetzen.

Echnaton führte den Monotheismus in Ägypten ein und strukturierte das komplette Staatswesen neu. Er ersetzte die alten Götter durch den Familiengott der 18. Dynastie, Aton (die Sonnenscheibe), ließ die mächtigen Amun-Priester entmachten, enteignete die Ländereien der Tempel und zog schließlich samt seinem Hofstaat zum Bau seiner neuen Hauptstadt mitten in die Wüste zwischen Memphis und Theben. Das alles geschah zwischen seinem dritten und fünften Regierungsjahr. Als sichtbares Zeichen der neuen Zeit legte er seinen Geburtsnamen Amenophis ab und nannte sich fortan Echnaton.

Echnaton förderte die ägyptische Kunst über alle Maßen und es entstand unter Bildhauern wie Thutmosis ein völlig neuer Kunststil, der nicht nur mit den ägyptischen Regeln wie Perspektivlosigkeit und Bewegungslosigkeit brach. Der Stil wirkt selbst heute noch befremdlich auf uns und eine ähnliche Wirkung muss er für die Ägypter zur Zeit des Neuen Reiches gehabt haben. Er war geprägt von überzogenen, verlängerten Proportionen und schon Champollion bezeichnete die Skulpturen als hässlich und grotesk: langhalsig, fettleibig, die pharaonischen Statuen zwitterhaft bis völlig geschlechtslos. Oft wurde vermutet, dass dieser Art der Darstellung eine angeborene Hässlichkeit des Gottkönigs zugrunde lag, weswegen verschiedene Krankheitsbilder angenommen wurden. So identifiziert Bob Brier dieses Erscheinungsbild mit dem Marfan-Syndrom, nicht zuletzt wegen der Neigung zeitgenössischer Betroffener, sich nicht zu verstecken sondern ihren "Mangel" deutlich zu zeigen. Bis heute haben wir jedoch keine Vorstellung davon, wie der König und seine Familie tatsächlich ausgesehen haben.

Nach Echnatons Tod im Jahr 1334 v. Chr. lebte der Kunststil noch unter seinen Nachfolgern Semenchkare und Tutanchaton, dem späteren Tutanchamun, fort.

Allerdings überdauerte er nicht die Zeit der Wiederherstellung der alten Staatsform unter den Pharaonen Eje und Haremhab und die Zerstörung Achet-Atons sowie fast aller Tempel und bildlichen Darstellungen der Amarna-Epoche.

Architektur

Wohnbauten

Da sich archäologische Ausgrabungen oftmals auf die viel besser erhaltenen Grabanlagen konzentriert haben, war bis vor einigen Jahren vergleichsweise wenig von den Wohnbauten der Lebenden bekannt. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich etwas an dieser Situation geändert und es gibt zurzeit zahlreiche Siedlungsgrabungen in Elephantine, Buto, Ayn Asil, Tell el-Dab'a und Abydos. Die meisten Häuser der vorgeschichtlichen Zeit schienen einfache runde Strohhütten gewesen zu sein. Erst am Ende der Naqada-Zeit schien die Ziegelbauweise für Wohnbauten weite Verbreitung gefunden zu haben. Die Wohnbauten des Alten Reiches auf Elephantine sind klein und dicht an dicht gebaut. Teile einer Pyramidenstadt, die sich in Gizeh fanden, zeigen aber auch geräumigere Bauten, wobei die dort gefundene Siedlung offensichtlich geplant worden ist. Im Mittleren Reich lassen sich zwei Haustypen unterscheiden. Das sogenannte Hofhaus ist um einen offenen Hof gruppiert. Es ist typisch für die eher ärmeren und mittleren Schichten, wobei die Räume meist multifunktional waren, d.h. es gab keinen Raum, der als Schlafzimmer, oder Wohnzimmer bezeichnet werden könnte. In den meisten Räumen wurde gelebt, geschlafen und gearbeitet. Das sogenannte Dreistreifenhaus ist eher typisch für eine gehobene Gesellschaftsschicht, wobei sich dieses Haus in drei Bereiche aufteilt: (1) ein Empfangsbereich, (2) eine Haupthalle, die wohl Beamten sowohl als Audienzhalle diente als auch als eine Art Wohnzimmer fungierte und (3) einen Privatbereich, in dem der Hausherr sogar ein eigenes Schlafzimmer hatte. Die reichsten dieser Häuser sind teilweise auch mit einfachen Wandmalereien ausgestattet worden, wobei ein Garten und Speicheranlagen ebenso vorkommen können. Das Dreistreifenhaus ist im Neuen Reich der Haupttypus eines Hauses und besonders gut aus Amarna bekannt, wo sich um die größten Häuser herum Gartenanlagen und Speicher fanden. Türrahmen sind of aus Stein und beschriftet. Einige reiche Häuser sind sogar mit figürlichen Wandmalereien versehen. In der Haupthalle befand sich oft ein Schrein.

Die Entwicklung der Häuser in der Spätzeit ist schwerer zu verfolgen, doch scheint es in Städten zu der Entwicklung von turmartigen mehrgeschossigen Hausanlagen gekommen zu sein, wie sie dann typisch für die römische und byzantinische Zeit sind.

Gärten

Hauptartikel: Gartenkunst im Alten Ägypten

Historische Stätten

Städte

Übersicht: Alter Orient

Tempel

Begräbnisstätten

Militärwesen

Hauptartikel: Militärwesen im Alten Ägypten

Siehe auch

Literatur

Siehe unter: Altes Ägypten/Literaturliste

  • Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten. Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. C.H. Beck, München 2006. ISBN 3-406-54988-8

Weblinks

deutsch
englisch

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Wolfgang Helck/Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. S. 20


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