Alvin Plantinga
Alvin Plantinga (2009)

Alvin Plantinga (* 15. November 1932 in Ann Arbor, Michigan, USA) ist ein amerikanischer Philosoph mit Arbeitsschwerpunkten in der Modallogik, Ontologie, Epistemologie und Religionsphilosophie.

1958 wurde er an der Yale University zum Ph.D promoviert. Von 1964 bis 1982 war er Professor am Calvin College in Grand Rapids (Michigan), seit 1982 an der University of Notre Dame in South Bend (Indiana).

Sein Forschungsschwerpunkt war zunächst die Modallogik (The Nature of Necessity, 1974).

Er versuchte den ontologischen Gottesbeweis von Anselm von Canterbury umzuformulieren und legte eine Verteidigung des christlichen Glaubens gegen den Vorwurf vor, das Übel in der Welt schließe die Existenz eines gütigen Gottes aus (God, Freedom & Evil, 1974). Sein Hauptargument ist, dass die Existenz von Wesen mit freiem Willen impliziert, dass es für Gott unmöglich sein kann, eine Welt zu schaffen, in der es keine Übel gibt. (Sogenannte Free-Will Defense)

Seit Ende der 70er Jahre entwickelte er seine „Reformierte Epistemologie“ (Faith and Rationality, hrsg. von A. Plantinga und N. Wolterstorff, 1983; Warrant: the Current Debate 1993; Warrant and Proper Function, 1993; Warranted Christian Belief, 2000).

Sein Grundgedanke ist, dass Glaube an Gott ein “proper basic belief” sein kann. „Proper basic beliefs“ sind Überzeugungen, die nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden müssen und auch nicht aus anderen Überzeugungen abgeleitet werden können. Für Überzeugungen wie „2x2=4“, „Vor meinem Haus steht ein Baum“, „Ich hatte heute morgen Corn Flakes zum Frühstück“ kann ich keine Argumente oder Beweise bringen, dennoch können diese Überzeugungen Wissen sein. Sie sind basale Überzeugungen, die von einzelnen Modulen unseres kognitiven Vermögens in einer entsprechenden Umgebung gebildet werden. Man spricht bezüglich derartiger Positionen meist von epistemischem Fundamentalismus.

Auch der Glauben an Gott bildet sich nach Plantinga meist auf basale Weise. Beim Anblick etwa des Sternenhimmels kann sich spontan die Überzeugung bilden „Gott hat diese Welt geschaffen“.

Nach Plantinga ist es genauso vernünftig, diesem Teil unseres Erkenntnisvermögens zu vertrauen, wie etwa unserer Erinnerung oder unserem logischen Denken – vorausgesetzt es gibt keine zwingenden Argumente dafür, dass eine bestimmte Überzeugung falsch ist.

Da es solche zwingenden Argumente (defeater) für Plantinga in Bezug auf den Glauben an Gott und überhaupt in Bezug auf den christlichen Glauben nicht gibt, hält er diese Glaubensüberzeugungen für rational gerechtfertigt.

Kritisch betrachtet werden Plantingas Argumente unter anderem von J.L. Mackie in dessen Werk Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes. Kritisiert wird Plantinga auch für seine öffentlich bekundete Unterstützung der Intelligent-Design-Bewegung.

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