Am Anfang war das Wort

Am Anfang war das Wort (hebräisch: מוות בחוג לספרות, wörtlich: Tod in der Fakultät für Literatur) ist der zweite Band der Reihe um den Kriminalinspektor Michael Ochajon der israelischen Autorin Batya Gur. Das Original erschien 1989 im Keter Publishing House, Jerusalem, die deutsche Erstausgabe 1995 im Goldmann Verlag in München. Der deutsche Titel zitiert den Anfangssatz des Evangelium nach Johannes.

Ort und Zeit

Die Handlung spielt in den Städten Jerusalem und Eilat in Israel sowie in New York City und einem nicht näher erläuterten Ort in den Südstaaten der USA, im Juni und Juli 1986.

Inhalt

Der Oberinspektor der Jerusalemer Kriminalpolizei Michael Ochajon fährt ein Wochenende lang nach Eilat ans Meer, wo sein Sohn einen Tauchkurs belegt. In diesem Tauchkurs befand sich auch der Doktorand an der Fakultät für Hebräische Literatur in Jerusalem Ido Duda’i. Dieser taucht nach einem Tauchgang nicht mehr auf. Bald stellt sich heraus, dass er ermordet wurde, indem jemand Kohlenmonoxid in seine Pressluftflaschen gefüllt hat.

Michael Ochajon fährt zurück nach Jerusalem, wo am nächsten Tag an der Fakultät für Hebräische Literatur der Professor und berühmte Lyriker Scha’ul Tirosch tot aufgefunden wird. Er wurde erschlagen und ist schon seit zwei Tagen tot.

Kurz darauf verhört Ochajon alle, die etwas wissen könnten. Es stellt sich heraus, dass Ido Duda’i nach seiner Rückkehr von einem Studienaufenthalt in den USA völlig verändert war, und dass der ermordete Lyriker eine Affäre mit der Frau eines anderen Professors, Tuwja Schaj hatte. Dieser wusste zwar davon, hat aber weder seine Frau noch Tirosch je zur Rede gestellt. Außerdem hat er kein Alibi für die Tatzeit.

Außerdem findet die Polizei heraus, dass Scha’ul Tirosch 1979 sein Sabbatjahr in Kanada verbrachte, wohin ihm eine heutige Doktorandin, Ja’el Eisenstein, nachreiste und ihn heiratete. Während ihrer dortigen Schwangerschaft wurde sie von ihm verlassen, kehrte nach Israel zurück und sah sich gezwungen abzutreiben, weswegen sie heute unfruchtbar ist.

Zur selben Zeit beendet Michael Ochajons langjährige, mit einem anderen Mann verheiratete Freundin Maja ihre gemeinsame Beziehung, da ihr Mann Multiple Sklerose bekommen hat. Das nimmt Michael sehr mit.

Am nächsten Tag redet Ochajon mit Arie Klein, einem Professor für Mittelalterliche Hebräische Lyrik, der gerade von einem einjährigen Aufenthalt in New York zurückgekommen ist. Ido Duda’i lebte bei ihm, als er in den USA war. Er erzählt, Ido sei ganz normal gewesen, bis er einmal in den Südstaaten ein Interview mit einem Freund des inzwischen verstorbenen Anatoli Ferbers gemacht habe. Anatoli Ferber ist ein Dichter, der in einem sowjetischen Gulag Gedichte geschrieben hat, die Scha’ul Tirosch für ihn veröffentlicht hat.

Zur selben Zeit stellt sich heraus, dass Tirosch eine Woche vor Ido Duda’is Tod Kohlenmonoxidflaschen bestellt hatte. Er war Idos Mörder. Aber warum?

Michael Ochajon beschließt in Amerika, den Freund Anatoli Ferbers zu treffen. Über New York fliegt er in die Südstaaten, wo er mit dem schwerkranken Mann über seine Gedichte spricht. Dabei stellt sich heraus, dass Scha’ul Tirosch damals nicht Ferbers, sondern seine eigenen Gedichte veröffentlicht hatte, die eher mittelmäßig waren. Danach hatte er immer wieder ein paar von Ferbers brillanten Gedichten veröffentlicht und sie als seine ausgegeben. Ido Duda’i hatte das auch herausgefunden und Tirosch zur Rede gestellt. Deswegen hatte er Ido ermordet.

Als Michael Ochajon nach Jerusalem zurückkehrt, gesteht Tuwja Schaj, dass er Scha’ul Tirosch ermordet hatte. Schaj bewundert die Perfektion der Kunst über alles, Menschen sind ihm vollkommen egal, und deswegen hatte er Tirosch jahrelang verehrt und ihm jeden Wunsch erfüllt, ihm sogar seine Frau überlassen. Er dachte ein Genie habe Anspruch auf so etwas. Aber als Ido ihm erzählte, dass Scha’ul Tirosch gar kein Genie war, wurde er wütend und stellte Tirosch zur Rede. Dieser weigerte sich, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu erzählen, woraufhin Tuwja Schaj ihn aus Wut mit einer silbernen Statuette von seinem Schreibtisch erschlug.


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