Amadeu Antonio Stiftung
Logo der Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts. Ihr Ziel ist es, die Zivilgesellschaft zu stärken, die der rechtsextremen Alltagskultur, nicht nur in den östlichen Bundesländern, entgegentritt. Ihr Motto ist „Ermutigen, Beraten, Fördern“. Dafür werden Initiativen und Projekte unterstützt, die gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vorgehen und sich für demokratische Strukturen engagieren sowie für den Schutz von Minderheiten eintreten.

Inhaltsverzeichnis

Amadeu Antonio

Die Stiftung wurde nach Amadeu Antonio Kiowa benannt, der im November 1990 von Neonazis getötet wurde. Er war eines der ersten Todesopfer rassistischer Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung. Die jugendlichen Täter wurden zu Bewährungs- und maximal vierjährigen Haftstrafen wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt; wer die tödlichen Schläge ausführte, war nicht nachzuweisen.

Geschichte

Die Stiftung wurde 1998 gegründet. Stifter ist Karl Konrad Graf von der Groeben, Schirmherr der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, die Vorsitzende des Vorstands Anetta Kahane, Stellvertreterin Dr. Pia Gerber. Der sechsköpfige Stiftungsrat wacht über die Einhaltung des Stifterwillens, entscheidet in Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung und berät den Vorstand. Mitglieder des Stiftungsrate sind: Rupert Graf Strachwitz (Vorsitzender), Christian Petry, Uta Leichsenring, Prof. Dr. Andreas Zick, Andrea Böhm und Sanem Kleff. Verwaltet wird die Stiftung durch die SFGM, Stiftungs- und Forschungsgruppe Modellprojekte gGmbH. Der Kreis der Freunde und Förderer der Stiftung wird durch Ria Gräfin von der Groeben vertreten. Geschäftsführung und Stiftungskoordination Timo Reinfrank.

Im April 2003 startete die Stiftung zusammen mit der Zeitschrift stern die Internetplattform „Mut gegen rechte Gewalt“, ein Onlinemagazin über aktuelle Entwicklungen in den Bereich Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und wirkungsvolle Gegenstrategien.

Im Oktober 2005 ging der Opferfonds Cura der Amadeu Antonio Stiftung online. Die Website soll eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen und neue Spender gewinnen. Außerdem informiert die Webseite Opfer von rechtsextremen Gewalttaten schnell über Hilfe, Unterstützung und Beratungsangebote.

Schwerpunkt und Organisation

Schwerpunkt der Amadeu Antonio Stiftung ist die fachliche und finanzielle Förderung vieler lokaler Initiativen und Projekte in den Bereichen Opferschutz und -hilfe, Schule und Jugend, nichtrechte Jugendkultur und kommunale Netzwerke, die demokratisches Handeln stärken und die Zusammenarbeit öffentlicher und privater Partner suchen.

Projektförderung

Die Stiftung unterstützt unbürokratisch und verteilt das Geld gezielt, zum Beispiel an Opferberatungsstellen, Flüchtlingsinitiativen, die mit Schulen zusammenarbeiten wollen oder an Jugendliche, die Demokratieprojekte selbst beginnen. Bekanntestes Förderprojekt ist das Neonazi-Aussteigerprojekt EXIT.

Seit Bestehen der Stiftung (1998) konnten 450 Projekte mit 2,8 Millionen Euro gefördert werden (vgl. AAS-Website, Stand September 2010). Die Projekte nicht nur zu fördern, sondern auch zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen, sieht die Stiftung als ihre wichtigste Aufgabe. Die Projekte werden aus Spendenmitteln und den Erträgen des Stiftungskapitals gefördert. Das Gesamtbudget der Stiftung betrug 2009 ca. 900.000 Euro, davon werden etwa 600.000 Euro für operative Projekte verwendet, die aber über Programme der Bundesregierung und anderer Stiftungen finanziert werden.

Operative Stiftungsarbeit

Die Stiftung arbeitet operativ und überregional mit eigenen Projekten in der Kinder- und Menschenrechtsbildung, bei der Entwicklung und Fortbildung von Projekten gegen aktuellen Antisemitismus, in Kooperation mit antirassitischen Projekten gegen Alltagsrassismus und bei der Förderung und Vernetzung von Bürgerstiftungen, die sich für demokratische Kultur engagieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Öffentlichkeitsarbeit für Projekte gegen Rechtsextremismus. Daher arbeitet die Amadeu Antonio Stiftung seit 2000 eng mit dem Magazin stern im Rahmen der „Aktion Mut gegen rechte Gewalt“ zusammen. Teil der Kampagne ist u. a. die Website unter mut-gegen-rechte-gewalt.de. Zudem erstellt die Stiftung in Kooperation mit dem Blick nach Rechts im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung monatlich Schwerpunkte zur Rechtsextremismus-Thematik. Seit 2009 arbeitet die Stiftung auch mit der Wochenzeitung Die Zeit im Rahmen des Internetportals Netz gegen Nazis zusammen.

Kein Ort für Neonazis

Unter dem Titel Kein Ort für Neonazis betreibt die Amadeu Antonio Stiftung eine zivilgesellschaftlichen Kampagne mit dem Ziel, im Vorfeld von Landtags- und Kommunalwahlen in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Problematik der Anwesenheit rechtsextremer Parteien in Landesparlamenten und Kreistagen zu schaffen. Inhalte der Kampagne sind dabei Aktivierung und Vernetzung lokaler Akteure, sowie Hilfe und finanzielle Unterstützung bei kleineren Projekten engagierter Bürger und Initiativen.[1] Teil der Kampagne ist auch die Mobilisierung gegen regionale und bundesweite Neonaziaufmärsche, Konzerte und Veranstaltungen. 2008 fand die Kampagne erstmals in Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Brandenburg im Landkreis Barnim statt, 2009 in Thüringen, 2010/2011 in Mecklenburg-Vorpommern [2]

Kooperationspartner

Die Stiftung hat ca. 300 Kooperationspartner in Ost- und Westdeutschland, darunter viele kleine Projekte und Initiativen auf lokaler Ebene. In Deutschland besteht eine strategische Partnerschaft mit der Freudenberg Stiftung und dem Nachrichtenmagazin stern. Auf europäischer und internationaler Ebene arbeitet sie u. a. mit der King Baudouin Fondation, dem European Foundation Center, dem WINGS-Netzwerk (Worldwide Initiatives for Grantmaker Support), dem NETWORK OF EUROPEAN FOUNDATIONS (NEF) und der Ford Foundation zusammen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Kein Ort für Neonazis
  2. Neonazis sagen ihr "Fest der Völker" in Pößneck ab

Weblinks


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