Amal-Miliz

Die schiitische Amal-Miliz (französisch milice Amal, arabisch ‏أفواج المقاومة اللبنانية‎, deutsch auch „Amal-Bewegung“) im Libanon war der bewaffnete Arm der noch heute existierenden Amal-Bewegung unter dem Vorsitz von Nabih Berri (seit 1981). Der Name der Bewegung, Amal, wird allgemein mit „Hoffnung“ übersetzt, steht aber gleichzeitig für die Anfangsbuchstaben der Worte Afwadsch al-muqawama al-lubnaniyya (arabisch أفواج المقاومة اللبنانية, zu Deutsch „Bataillone des libanesischen Widerstandes“).

Gegründet wurde die Amal 1975 nach dem Ausbruch der ersten Phase des libanesischen Bürgerkrieges von dem schiitischen Imam Musa as-Sadr, der im August 1978 unter mysteriösen Umständen in Libyen verschwand. Das Verhältnis der Amal zu Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi blieb seitdem gespannt.

Die Amal-Bewegung und ihre Miliz rekrutieren sich vor allem im südlichen Libanon und in Süd-Beirut. Beim durch die israelische Invasion 1982 erzwungenen Abzug der PLO aus West-Beirut übergaben die Palästinenser ihre schweren Waffen an die Amal-Miliz, die damit ein Übergewicht über die rivalisierende schiitische Hisbollah errang, die 1982 wiederum von iranischen Spezialisten verstärkt wurde.

Ein Bündnis mit der drusischen PSP von 1983 zerbrach 1986. Unter ihrem neuen prosyrischen Führer Nabih Berri änderte sich auch das Verhältnis zur vorwiegend sunnitischen PLO, offene Kämpfe brachen aus. Die PLO schloss daraufhin Bündnisse mit der Hizbollah gegen die Amal.

Höhepunkt der Auseinandersetzungen waren die Jahre 1986-88. Überraschend hatte die kaum 700 Mann starke Miliz der Libanesischen Kommunistischen Partei die damals 12-20.000 Mann starke Amal-Miliz in West-Beirut angegriffen. Den zunächst chancenlosen Kommunisten kam die von Israel unterstützte Miliz (6.000 Mann) des Drusenführers Walid Dschumblat zu Hilfe. In erbitterten Straßenkämpfen verlor die Amal schnell fast ganz West-Beirut. Ihre Niederlage wurde aber 1987 durch den Einmarsch syrischer Truppen in die libanesische Hauptstadt abgewendet.

Mit syrischer Hilfe versuchte die Amal, nun nicht nur West-Beirut, sondern auch Süd-Beirut zurückzugewinnen. Ihr Angriff auf die Hizbollah scheiterte, im Gegenzug eroberten die Hizbollah und ihre Verbündeten fast 90 % Süd-Beiruts, ehe syrische Truppen auch dort eingriffen um einen Waffenstillstand zu erzwingen, den die "Schiiten-Brigade" der libanesischen Armee unter General Jabr Lofti überwachte.

Besonders dramatisch entwickelte sich der Kampf um die PLO-Lager Sabra und Schatila. Ebenso wie die Phalangisten griff die Amal die Lager im Zuge ihrer Kämpfe gegen die PLO mehrfach an. Bei ihrer Belagerung von Schatila hungerte und dürstete die Amal die Verteidiger mit Billigung der Syrer monatelang aus; nur einen Kilometer entfernt stationierte syrische Truppen griffen nicht ein.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1991 gab die Amal ihre Waffen an die Syrer ab und söhnte sich mit der Hisbollah aus. Beide bilden seitdem gemeinsame Wahllisten, die Nabih Berri mehrmals den Posten des Parlamentspräsidenten sicherten.


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