Amani (Institut)
Das Biologisch-Landwirtschaftliche Institut Amani, vor 1910

Das Biologisch-Landwirtschaftliche Institut Amani war das zentrale Forschungsinstitut für diese Aufgaben in den deutschen Kolonien.

Inhaltsverzeichnis

Gründung

Vorläufer des Amani-Instituts war die in West-Usambara seit 1896 aufgebaute biologisch-landwirtschaftliche Teststation Kwai. Hier arbeitete Robert Koch an seiner berühmten Schwarzwasser-Arbeit, die sich mit den Gefahren der Chinin-Intoleranz bei der Behandlung mit Chinin ergab und vielfach, vor allem unter Europäern, in Afrika zum Tode führte.

Die Versuchsstation Kwai wurde bald Staatsdomäne und schließlich an den langjährigen Pächter Illich verkauft. Das Amani-Institut wurde bereits im September 1902 auf Anregung von Franz Stuhlmann im Hinterland der Hafenstadt Tanga, in den Usambara-Bergen gegründet. Anfang 1903 nahm es seine Arbeit auf und wurde von Zimmermann geleitet, ehe Karl Braun das Institut als Leiter übernahm, um danach erneut von Zimmermann geführt zu werden. Zimmermann und seine spezialisierten Mitarbeiter arbeiteten noch bis 1920 in Amani, ehe die englische Mandatsregierung sie entließ. Von 1905 bis Ende 1906 war Franz Stuhlmann persönlich Direktor in Amani. Der institutseigene Chemiker war zu dieser Zeit Marx. Für die Arbeit mit den einheimischen afrikanischen Arbeitern waren Herr Eick und anfänglich Pächter Illich (Kwai)zuständig.

Institut

Das Institut war seinerzeit das modernste seiner Art auf dem afrikanischen Kontinent und sollte in wissenschaftlicher Hinsicht eine Konkurrenz zum niederländischen Forschungsinstitut und Botanischen Garten in Buitenzorg auf Java werden. Mit der Gründung wurde dem Institut eine Landfläche von 300 ha zugeordnet. Stuhlmann führte hier die erste systematische Anpflanzung von Chinarindenbäumen in Ostafrika ein, die zur Herstellung von Chinin gegen Malaria Verwendung finden sollten. Ebenso wurde von Amani aus die Anpflanzung hunderter Kampferbäume in Usambara geleitet. 1906 hielt sich hier Robert Koch und sein Team (u. a. F. K. Kleine, M. Beck, Robert Kudicke) im Rahmen der Erforschung der afrikanischen Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis) auf, ehe sie ihren Arbeitsplatz an den Viktoriasee verlegten. Stuhlmann hatte sich zwecks botanischer Forschung Albrecht Zimmermann, der seit 1896 in Buitenzorg gearbeitet hatte, nach Amani geholt und machte ihn anfänglich zum leitenden Direktor; anschließend zum Stellvertreter und 1911 erneut zum Direktor. Zimmermann war vorzugsweise als Spezialist des Kaffeeanbaus bekannt und hatte das Institut binnen kurzer Zeit zu internationaler Anerkennung bringen können. Es wurde für alle Kolonialmächte (Belgien, Frankreich,Italien,Portugal und England) in Afrika zum Mittelpunkt botanischer und landwirtschaftlicher Forschungen. Hier wurden auf gesonderten Flächen sogar Düngungsforschungen betrieben. Man befasste sich mit einheimischen Giftpflanzen (z. B. Jatropha spez.), die von den Einheimischen z. B. als Pfeilgift benutzt wurden. Pflanzenphysiologie, Insektenkunde oder Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfung gehörten ebenso wie die Erforschung von Anbaumethoden oder die von einheimischer Pflanzenmedizin zum Arbeitsgebiet des kaiserlichen Instituts. Alle Mikroskope des Instituts stammten von Carl Zeiss in Jena, die Glaswaren vorzugsweise aus Lauscha. Fast alle Listen über die damals moderne Laboreinrichtung sind noch im Nationalarchiv von Tansania, in Dar es Salaam, erhalten.

Amani sollte der größte Botanische Garten der Welt werden. Entsprechend wurden dort Pflanzen und Bäume aus aller Welt angepflanzt, von denen noch im Jahre 2001 etwa 3000 verschiedene Arten in und um Amani zu finden sind. Für den Botanischen Garten in Berlin-Dahlem sammelte man Pflanzen und Samen, man schickte z. B. Palmensetzlinge nach Frankfurt am Main bzw. zum Botanischen Garten der Universität Leipzig; und man legte ein Herbarium an. Teile davon findet man heute noch in Lushoto (ehem. Wilhelmstathal).

Forschungen

Versuchsfeld des Chinarindenbaumes

1903–1908 arbeitete der Zoologe Julius Vossler in Amani. Das Institut kooperierte eng mit dem Botanischen Garten in Berlin und der Botanischen Zentralstelle für die deutschen Kolonien, insbesondere mit Engler zusammen, dem Kurator für tropische Pflanzen aus den Kolonien. Das Institut befasste sich u. a. mit dem Anbau von „Medizinalpflanzen“ wie z. B. dem Chinarindenbaum, dem Kampferbaum, Eukalyptus (Blauer Eukalyptus, (Eucalyptus globulus) oder dem Niembaum, aber auch mit Pflanzen, die narkotische Wirkung (z. B. Indischer Hanf oder Jatrophaarten) für medizinische Zwecke hervorbringen konnten. Selbst mit einer möglichen Nutzung der einheimischen Aloe-Arten befasste man sich.

Schon 1897 hatte Richard Hindorf unter Schwierigkeiten den Sisalanbau in Deutsch-Ostafrika eingeführt, indem er das mexikanische Monopol darauf durch den Bezug von Pflanzen aus Florida umging. Insgesamt erreichten damals lediglich 65 Pflanzen lebend Ostafrika. Amani nahm sich also auch der Ausbreitung des Sisalanbaus an, der vor allem dort betrieben werden sollte, wo sich Kaffeeanbau als unwirtschaftlich erwiesen hatte.

In Amani arbeiteten 1905 und auch 1906 Robert Koch und Friedrich Karl Kleine im Rahmen der Erforschung der Schlafkrankheit. Hier legte Koch seine erste Tsetse-Fliegenzucht an, die seit August 1905 von Robert Kudicke betreut, 1906 aufgegeben wurde. Forschungen zum Rückfallfieber und die Anlage einer bedeutenden Zecken-Zucht wurden hier ebenfalls betrieben.

Nachwirkung

Vom Amani-Institut aus trat das Usambaraveilchen durch die Grafen von Pückler über Hamburg und Berlin seinen Siegeszug auf deutschen Fensterbänken und in ganz Europa an.

Gegenwart

Das Amani-Institut arbeitet auch heute noch als botanisch-landwirtschaftliches Institut in Tansania. Es hat allerdings seit 1920 an Bedeutung verloren. Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehört die Erforschung neuer Anbaumethoden sowie die Betreuung bzw. Anleitung einheimischer Bauern. Seine einst überaus bedeutende Bibliothek befindet sich teilweise in der Universität von Dar es Salaam, mit der das Institut sehr eng kooperiert.In Amani befinden sich noch etwa 3000 verschiedene Baumarten. Von den alten Chinarindenbaum-Plantagen ist so gut wie nichts mehr erhalten. Sie wurden Mitte bis Ende der 1960ern fast völlig zerstört. Das Amani-Institut arbeitet besonders eng mit der Landwirtschaftsuniversität in Morogoro zusammen und müht sich auch in forstlicher Hinsicht seinen Einfluss im Lande zu erhalten. Doch die finanzielle Gesamtlage des Instituts ist seit Jahrzehnten äußerst schlecht, international anerkannte Forschungsprojekte blieben bislang aus.

Quellen

  • Wilhelm Anring: Deutsch-Ostafrika, Berlin 1939
  • Pürschel-Trostberg: The agricultural advance of amani-institute during german colonial time, research paper 2001, National archive of Tansania, Dar es Salaam 2001.
  • Berhard Zepernick: Zwischen Wirtschaft und Wissenschaft - die deutsche Schutzgebiets-Botanik, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 13 (1990) 207-217

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