Amateurfunkstelle
Funkgeräte einer Amateurfunkstelle

Als Amateurfunkstelle bezeichnet man die Geräte, die sich ein Funkamateur für den Amateurfunkdienst zusammengestellt hat.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Die Vollzugsordnung für den Funkdienst definiert:

Amateurfunkstelle: Funkstelle des Amateurfunkdienstes.

Das deutsche Amateurfunkgesetz von 1997 definiert:

Eine Amateurfunkstelle ist eine Funkstelle, die aus einer oder mehreren Sendefunkanlagen und Empfangsfunkanlagen einschließlich der Antennenanlagen und der zu ihrem Betrieb erforderlichen Zusatzeinrichtungen besteht und die auf mindestens einer der im Frequenznutzungsplan für den Amateurfunkdienst ausgewiesenen Frequenzen betrieben werden kann.

Historisches

Erste europäische Amateurfunkstellen waren in Großbritannien aufgrund des Wireless Telegraphie Act von 1904 möglich geworden. Erste offizielle Sendegenehmigungen für Amateurfunkstellen in den USA wurden am 13. November 1912 erteilt. In Deutschland erhielten anerkannte Funkvereine ab November 1924 Versuchsender-Genehmigungen. Da die Clublizenzen nur von wenigen Funkamateuren genutzt werden konnten und Individuallizenzen im allgemeinen nicht vergeben wurden, kam es in der Folgezeit zu verstärktem illegalen Betrieb.

Mobile Amateurfunkstelle

Im Rahmen der Deregulierung wird die Genehmigung inzwischen nicht mehr nur auf eine feste Amateurfunkstelle beschränkt, sondern lässt auch Funkbetrieb von mobilen und tragbaren Amateurfunkstellen (z. B. Handfunkgeräten) zu.

Bekannte Amateurfunkstellen

Sowohl auf der Raumstation Mir war eine Amateurfunkstelle, genau wie sie heute auf der ISS ist. Ebenso besitzen viele der Forschungsstationen in der Antarktis eine Amateurfunkstelle.

Tipps für die erste Amateurfunkstelle

Der Aufbau der ersten Amateurfunkstelle hängt stark von der Klasse des Amateurfunkzeugnisses ab und den eigenen Wünschen. Funkamateure Klasse-E-Rufzeichen fangen oft mit einem Handfunkgerät an oder nutzen ein Mobilfunkgerät an einer fest montierten Antenne. Teurer sind die Stationsfunkgeräte. Hier ist zu beachten, dass ein Dual-Band-Gerät für den gleichzeitigen Empfang auf dem 2-m- und auf dem 70-cm-Band zwar etwas mehr Geld kostet, aber dafür höheren Komfort bietet. Es ist zu klären, ob man eine drehbare Mehrelement-Antenne aufbauen kann, vielleicht auch nur für eines der erwähnten Amateurbänder. Ist dies der Fall, dann sollte die Anschaffung eines (eventuell gebrauchten) Allmode-Transceiver ins Auge gefasst werden, der außer FM auch SSB kann. Denn mit SSB erreicht man auf dem UKW-Bändern die größten Reichweiten. Für den FM-Lokalfunkverkehr baut man sich dann noch eine einfache Vertikale Rundstrahlantenne auf. Bei diesen Überlegungen sollte man bedenken, dass eine Antenne für das 70-cm-Band naturgemäß kleiner ist als eine für das 2-m-Band, aber der 2-m-Frequenzbereich in der Regel mehr Funkaktivität bietet.

Schwieriger ist die Entscheidung bei Kurzwelle. Man benötigt einen Transceiver und eine möglichst frei und hoch aufgebaute Antenne. Eine Groundplane-Antenne hat einen relativ geringen Platzbedarf. Sie wird sehr häufig für die drei kleinsten KW-Bänder (20 m, 15 m und 10 m Wellenlänge) verwendet. Für 80 m und 40 m verwendet man am besten einen Doppeldipol oder eventuell eine W3DZZ-Multibandantenne. Evtl. kann man auch eine Drahtantenne mit selbstgewickelten Verlängerungsspulen verwenden oder notfalls einen Draht beliebiger Länge (je nach Platzverhältnissen) anpassen. Wenn man Platz und Möglichkeit zum Aufbau eines Drehrichtstrahlers hat, sollte man sich einen Dreielement-Beam zulegen, wenn möglich in einer idealen Höhe von 20 Metern über Grund.

Als weiteres Zubehör braucht man für die Funkstation: eine SWR-Messbrücke (Standing-Wave-Ratio) und eine genau gehende Uhr, die generell auf UTC eingestellt wird. Für Telegrafie benötigt man eine gute Hand-Morse-Taste, ggf. eine elektronische Morsetaste. Als Kopfhörer verwendet man gute, leichte, offene Systeme, so dass man von dem Umgebungsgeräuschen nicht abgeschnitten wird oder die Ohren nicht zusehr darunter schwitzen. Kopfhörer mit geschlossenen Gummimuscheln kann man nicht lange aufbehalten. Für digitale Betriebsarten benötigt man außerdem einen PC mit Tastatur, Maus und Monitor.

Die Station baut man auf einem Schreibtisch auf, bei dem man hinten eine etwa 35 cm tiefe Konsole montiert. Der Transceiver mit Netzteil und Lautsprecher, sowie der Monitor für den Computer stehen auf der Konsole. Darunter stehen die Zubehörteile, wie Morsetaste, Konverter, Tastatur und Maus. Der Schreibtisch sollte tiefgenug sein, damit ein DIN-A4-Logbuch und etwas Schmierpapier vor der Funkstation noch genug Platz findet.

Ferner sollte man mit mindestens 12 Steckdosen genug Platz für zukünftige Erweiterungen lassen und diese mit einem 30-mA-FI-Schutzschalter abgesichert und mit einem gut zugänglichen Hauptschalter abschaltbar sein. Dieser sollte allerdings die elektrische Uhr und die Schreibtischlampe nicht mit abschalten.

Technisches

Hinsichtlich der Qualität der Amateurfunkstelle gelten für den Amateurfunkdienst die gleichen strengen Grenzwertforderungen wie für alle anderen Funkdienste. Das gilt sowohl für die elektrischen Parameter der Funkgeräte, aber auch für die Wahrung des Schutzes von Personen vor elektromagnetischen Abstrahlungen der Antenne. Ein Funkamateur muss die Einhaltung dieser Grenzwerte gegenüber den zuständigen Behörden gegebenenfalls nachweisen können. Ein wesentlicher Unterschied ergibt sich hinsichtlich der Störfestigkeit der Empfänger: Da der Funkamateur auch noch sehr schwache Signale empfangen will, muss sein Empfänger sehr empfindlich sein. Hierdurch kann es passieren, das ein elektrisches Gerät in der Nachbarschaft (PC, Garagentorantrieb, etc.) den Empfang besonders auf Kurzwelle stört, obwohl das störende Gerät die zulässigen Grenzwerte einhält. Funkgeräte kann man selber bauen oder auch fertig kaufen. Ein Kurzwellenfunkgerät kostet etwa ab 500 Euro. Dann benötigt man für den Kurzwellenfunkverkehr noch eine Außenantenne. Das ist mindestens ein zehn oder zwanzig Meter langer Draht im Garten oder ein Stab von etwa 5 m Länge auf dem Dach. Zur Not geht es auch mit einer Drahtantenne auf dem Dachboden des Hauses. Für den Funkbetrieb auf Ultrakurzwelle genügt ein 50 cm langer Stab, eventuell auch im Zimmer. Für größere Reichweiten ist natürlich eine Richtantenne auf dem Hausdach besser; bei sehr hohen Frequenzen ist der Einsatz einer Parabolantenne sinnvoll.

Rechtliches

Die einzelne Amateurfunkstelle unterliegt nur noch in wenigen Ländern, z. B. Spanien einer Genehmigungspflicht. In den übrigen Ländern genügt es oft, wenn man die festen Standorte der Amateurfunkstellen bei der zuständigen Behörde anmeldet. Sendebetrieb ist aber in jedem Fall nur Personen mit entsprechender Lizenz erlaubt.

Wie schon beschrieben gelten hinsichtlich der Qualität der Amateurfunkstelle die gleichen strengen Grenzwertforderungen wie für alle anderen Funkdienste. Davon abweichend darf der Funkamateur den Grad der Störfestigkeit seiner Amateurfunkstelle selbst bestimmen.

Abweichend von den für andere Sendefunkstellen festgelegten Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit in der Umwelt ist es Funkamateuren gestattet, ihre Amateurfunkstelle gegenüber der zuständigen Behörde (Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen) selbst anzuzeigen. Da die Funkamateure durch die abgelegte Prüfung ihr Fachwissen nachgewiesen haben, wird ihnen die Kompetenz für die notwendigen rechnerischen und messtechnischen Betrachtungen zugetraut, in denen nachgewiesen wird, dass dort keine zu hohen Feldstärken auftreten, wo sich andere Personen befinden können. Auf Antrag wird jedoch auch eine Standortbescheinigung ausgestellt, in der die Behörde die notwendige Beurteilung vornimmt.

Automatische Amateurfunkstellen

Automatische Amateurfunkstellen sind z. B. Funkbaken, Packet Radio-Digipeater oder Relaisstationen.

Antennen von Amateurfunkstellen

Amateurfunkstellen fallen zuerst durch die großen Antennenanlagen auf. Durch die breite Streuung der Amateurbänder sind unterschiedlich große Antennen nötig, wenn man auf den gebräuchlichsten Bändern funken will. Die Sammlung von Antennen wird gerne auch als Antennenwald bezeichnet.

Amateurfunkstellen werden aber auch oft nur für ein Wochenende oder eine Woche aufgebaut. Meist findet dieses auf einer Wiese oder einem Feld statt, daher kommt der Name Fieldday. Hier wird alle benötigte Technik von verschiedenen Funkamateuren zusammengetragen und zusammen genutzt. Meist wird diese Zeit auch für große Antennenversuche eingeplant. Abends klingt die Bastelei oft in einer gemütlichen Runde mit Grill und Funkbetrieb aus.


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