Amateurreporter

Leserreporter sind Amateure, also keine Journalisten mit einschlägiger medienspezifischer Qualifikation, die den Print- oder Onlinemedien Texte und Bilder zur Veröffentlichung anbieten oder Hinweise zu Themen oder Ereignissen geben. In Deutschland bemühen sich seit 2006 vor allem die BILD und das Magazin Stern um Amateurfotos, seltener um Texte von Leserreportern.

Heute kombinieren Redaktionen meist beides: redaktionelle Inhalte und von Amateuren erstellte Inhalte.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Seit Mitte 2006 rufen der Stern und die BILD gezielt und großformatig zum Einsenden von Fotos auf und honorieren veröffentlichte Fotos. BILD bietet zurzeit 100 bis 500 Euro pro Bild eines Leserreporters und hat diesen einen speziellen Presseausweis für Leserreporter zum Selbstausschneiden und -personalisieren zur Verfügung gestellt. Der Stern bietet für Bildeinsendungen eine an den Tarifen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing orientierte Vergütung, die etwa bei 140 Euro liegt.

Einige Medien wie BBC oder die Saarbrücker Zeitung lehnen eine Bezahlung für sogenannten User Generated Content ab.

Außer Internet und Zeitungen verwenden auch Fernsehsender von Amateuren eingesendetes Bild- und Videomaterial, sofern keine professionellen Aufnahmen vorliegen, in großem Umfang zuerst die CNN nach dem Tsunami 2004. Die Einsender waren Touristen. Sie wurden nicht als Reporter bezeichnet.

„Der Leserreporter ist eine unglaubliche Erweiterung der Recherche- und Berichterstattungsmöglichkeiten und erhöht gleichzeitig ungeheuer die Leser-Blatt-Bindung“, erklärte Nicolaus Fest, Mitglied der Bild-Chefredaktion.[1] Jedes Foto werde vor dem Abdruck juristisch geprüft.

In einer Weiterführung des Konzepts setzt Andre Zalbertus Hobby-Reporter als Live-Berichterstatter im Lokalfernsehen center.tv[2] ein[3].

Europa

In Europa war die norwegische Boulevardzeitung VG das erste Printmedium, das Leserfotos gezielt nutzte. [4]. Als erste deutsche Zeitung folgte die Saarbrücker Zeitung im Januar 2006, allerdings ohne Honorar zu zahlen. Nach ihren Angaben erhielt sie bis zum Herbst 2006 auf diese Weise 92 kostenlos veröffentlichte Bilder.[1] Die meisten Anregungen für die Lokalredaktionen.

Abgrenzung

Bürgerreporter, englisches Pendant citizen journalists, die sich mit eigenen Themen und oft in eigenen Medien an die Öffentlichkeit wenden, sind etwas anderes, vgl. den Beitrag Graswurzel-Journalismus.

Kritik

Fachleute sehen das Phänomen des Leserreporters überwiegend kritisch. Der DJV etwa erklärte in einer Pressemitteilung vom 5. Dezember 2006, die Arbeit von gut ausgebildeten und professionell arbeitenden Bildjournalisten werde durch die Verwendung des Materials von "Hobbyknipsern" entwertet.[5] Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung sagte 2006: „Wir haben auf vernünftige verantwortungsvolle Weise den Leserreporter eingeführt, und durch 'Bild' ist der vorher positiv besetzte Begriff ins Negative verkehrt worden“.[1]

Der Medienjurist Johannes Eisenberg fürchtet Angriffe auf Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre durch eine „flächendeckende allgegenwärtige Promi-Jagd“.[6] Die Bonner Initiative Qualität im Journalismus schrieb im Oktober 2006: „Bürgerreporter sammeln Informationen über Personen, ohne hinreichende Kenntnisse über Persönlichkeitsrechte, Datenschutz, die Bedingungen verdeckter Recherche sowie über ethische Standards journalistischer Arbeit zu haben. Bürgerreporter (...) sind selbst unkalkulierbaren Haftungs- und Strafrisiken ausgesetzt.“ [7]

Beim Transrapid-Unglück stammte das von der Bild veröffentlichte Foto von einem der Feuerwehrmänner, die eigentlich bei den Bergungsarbeiten helfen sollten, während eine Bild-Leserin mit einem Hobby-Piloten trotz eines dort vorübergehend verhängten Flugverbotes über der Unglücksstelle kreiste und die Rettungshubschrauber behinderte.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes befürchtet noch mehr Probleme mit Schaulustigen und untersagte Feuerwehrleuten, am Einsatzort Foto- oder Filmaufnahmen zu machen.

Quellen

  1. a b c Bericht in Medium. Magazin für Journalisten, Ausgabe 10/2006
  2. center.tv Köln: Veedelsreporter
  3. Center.TV lässt Hobby-Reporter live berichten
  4. FAZ-Online 25. Juli 2006 [1]
  5. Deutscher Journalistenverband [2]
  6. Aufsatz von Johannes Eisenberg [3]
  7. initiative-qualitaet.de [4]

Weblinks


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