Amazon Kindle
Amazon Kindle 3
Amazon Kindle 2
Amazon Kindle DX

Amazon Kindle [ˈæməzən 'kɪndl̩] ist eine Gerätegattung von Amazon, mit der elektronische Bücher (E-Bücher bzw. E-Books), elektronische Zeitschriften und elektronische Zeitungen (E-Papers) von Amazon heruntergeladen und gelesen werden können. Das erste Gerät war in den Vereinigten Staaten seit November 2007 erhältlich. Amazon bietet für seine Geräte nach eigenen Angaben über 800.000 elektronische Bücher und eine Reihe von elektronischen Zeitungen überwiegend in englischer Sprache an. Darunter befinden sich inzwischen über 40.000 deutsche Bücher (Stand September 2011).[1]

Am 9. Februar 2009 stellte Amazon auf einer Pressekonferenz den Kindle 2, Nachfolger des Kindle 1, vor. Dieser wurde sowohl technisch verbessert als auch im Design verändert.[2]

Seit dem 4. März 2009 bietet Amazon in den USA eine ebenfalls „Kindle“ genannte Applikation für das iPhone an. Weitere Anwendungen, mit der die Kindle-Inhalte dargestellt werden können, gibt es für die Plattformen Mac OS X, iPad und Blackberry, seit dem 28. Juni 2010 für Android und seit Januar 2011 für Windows Phone 7.[3]

Seit dem 19. Oktober 2009 war der Kindle außerhalb der USA auch in Deutschland und in hundert weiteren Staaten erhältlich. Bestellt werden konnte der Kindle lange Zeit nur über die US-Amazon-Seite, mittlerweile geht dies auch über die deutsche Amazon-Seite. Eine internationale Version des Kindles wurde verfügbar, in der ein 3G-Modul (UMTS-Modem) verbaut wurde, mit dem Inhalte „weltweit“ auf den Kindle abgerufen werden können.

Seit dem 21. April 2011 wurde der Kindle der dritten Generation in den Versionen Wi-Fi und 3G – allerdings weiterhin nur mit einer englischen Benutzerführung – auch über Amazon.de verfügbar. Zeitgleich eröffnete Amazon.de einen Kindle-Shop.[1]

Eine vierte Version der Kindle-Geräte ist seit dem 28. September 2011 in den USA[4] verfügbar und ein Modell ist seit dem 12. Oktober 2011 in Deutschland erhältlich. Erstmals enthalten die Geräte mehrsprachige Menüführungen und werden – wie bisher – als Wi-Fi- oder 3G-Versionen mit Touchscreen sowie in einer Version ohne Touchscreen nur mit Wi-Fi erhältlich sein. Gleichzeitig stellte Amazon auch den Tablet-PC Kindle Fire vor, welcher ab dem 15. November 2011 in den USA ausgeliefert wird.[5] Zwar wird das Fire deutlich günstiger sein als der Konkurrent iPad, aber neben einem Dual-Core-Prozessor weder mit Kamera, noch Mikrofon ausgestattet sein, was die Nutzung von manchen Diensten wie Videotelefonie unmöglich macht.

Inhaltsverzeichnis

Technische Eckdaten

  • Der Bildschirm der monochromen Kindle-Modelle basiert auf dem Konzept des elektronischen Papiers. Diese Modelle haben keine Hintergrundbeleuchtung und sind auch im Sonnenlicht mit hohem Kontrast gut zu lesen.
  • Die Kindle-Modelle mit dem Zusatz „3G“ haben eine Mobilfunk-Schnittstelle nach dem CDMA2000/EVDO-Standard. Über das sogenannte Whispernet können über Mobilfunk-Provider wie Sprint Nextel und Vodafone „weltweit“ elektronische Bücher, Zeitschriften und Zeitungen aus dem Kindle-Store, dem Webshop von Amazon, gekauft oder abonniert werden. Dabei fallen keine zusätzlichen Übertragungsentgelte an. Über eine „Leseprobe“ können ca. 20 % der E-Books kostenlos gelesen werden; nach Bezahlung wird das gesamte E-Book innerhalb von 60 Sekunden auf den Kindle übertragen.
  • Die gekauften Bücher, Zeitschriften und Zeitungen können durch eine Digitale Rechteverwaltung (DRM) geschützt sein.
  • Unterstützte Anzeigeformate sind Kindle (.azw), Text (.txt), HTML (.html), Microsoft Word (.doc), Bild (.jpeg, .gif, .png, .bmp), Portable Document Format (.pdf) und Mobipocket (.mobi, .prc).
  • Der Kindle (bis 3. Generation und Keyboard, Fire) kann auch Audiodateien (MP3 (.mp3), Audible Audio (.aa)) abspielen und hat neben einem eingebauten Lautsprecher auch einen 3,5-mm-Klinke-Stereo-Ausgang.
  • Die Systemsoftware des Kindle basiert auf GNU/Linux; der Quelltext ist von Amazon schon vor der Veröffentlichung des Produktes veröffentlicht worden.[6]

Geräte

Die taiwanesische Firma Prime View International Co., Ltd stellte den Kindle 2 und den Kindle DX im Auftrag von Amazon her. Im Juni 2009 hat Prime View International die US-amerikanische Firma E Ink Corporation, den Hersteller der Displays für den Kindle, übernommen.[7]

Kindle 1

Amazon Kindle, erste Version

Das erste Modell des Kindle wurde am 19. November 2007 vorgestellt.[8]

  • Die Akkulaufzeit beträgt bei eingeschalteter Drahtlosschnittstelle rund zwei Tage, bei ausgeschalteter Drahtlosschnittstelle etwa 8000 Seitenwechsel.
  • Das Gerät wiegt 292 Gramm und misst 19,1 mal 13,5 mal 1,8 Zentimeter.
  • Speicher: 2 GB (davon 1,4 GB beschreibbar)

Kindle 2

Am 9. Februar 2009 kündigte Amazon das zweite Modell, den Kindle 2, an, der seit dem 23. Februar 2009 zum Preis von 359 US-Dollar verkauft wurde; später (Juni 2010) lag der Preis bei 189 USD[9]. Das Gerät verfügte über eine längere Batterielaufzeit, einen um rund 20 Prozent schnelleren Bildaufbau sowie eine Sprachausgabe; zudem wurde die Dicke des Gerätes von etwa 2 auf 1 Zentimeter reduziert.[10] Der Kindle 2 hatte 2 GB internen Flash-Speicher, von denen 1,4 GB dem Nutzer zur Verfügung standen, sodass dort bis zu circa 1.500 Bücher abgelegt werden konnten. Im Gegensatz zum ersten Modell hatte der Kindle 2 keinen Steckplatz für SD-Speicherkarten mehr.[11] Um den Absatz zu fördern, wurde Stephen Kings seinerzeit neue Novelle UR exklusiv für den Kindle verfügbar gemacht.[12]

Einem frühen Bericht der Website iFixit.com zufolge arbeitete der Kindle 2 mit einem in 90-Nanometer-Technik gefertigten ARM11-Prozessor von Freescale mit 532 MHz Taktfrequenz, 2 GiB moviNAND-Flash-Speicher sowie einem Lithium-Polymer-Akku mit 3,7 V elektrischer Spannung und 1530 mAh Kapazität.[13]

Seit dem 19. Oktober 2009 wurde in den USA zusätzlich zum ursprünglichen US-Modell Kindle 2 eine internationale Version angeboten, die dem US-Modell weitgehend baugleich war, aber nicht das Telekommunikationsnetz von Sprint, sondern das Mobiltelefonnetz von AT&T nutzte. Darüber hinaus nutzte es auch Netzwerktechniken wie UMTS, EDGE und GSM. Nach Angaben von Amazon war die internationale Version dadurch in mehr als 100 Ländern verwendbar.[14] Am 22. Oktober 2009 wurde die rein amerikanische Version ganz aus dem Handel genommen.

Kindle DX

Am 6. Mai 2009 hatte Amazon den Kindle DX[15] angekündigt, der aufgrund seines größeren Bildschirms auch für das Lesen von Zeitungen und Magazinen geeignet ist. Der 9,7-Zoll-E-Ink-Bildschirm kann 16 Graustufen darstellen. Seine Auflösung beträgt 1.200 x 824 Pixel bei 150 ppi. Unter dem Display sitzt die Kindle-typische Tastatur. Das Gehäuse ist 264 x 180 mm groß und 9,7 mm dick. Das Gewicht beträgt 536 Gramm.

Der Kindle DX kam am 10. Juni 2009 in den US-Handel[16]. Das Gerät wird exklusiv über Amazon.com verkauft und kostet 379 US-Dollar. Eine internationale Version ist seit 2010 erhältlich.[17]

Kindle 3

Am 29. Juli 2010 kündigte Amazon die dritte Generation des Kindle an, die im Vergleich zu ihren Vorgängern flacher, schneller und günstiger ist. Das Gerät wurde seit August 2010 ausgeliefert und ist in zwei Versionen (WiFi/WiFi+UMTS) erhältlich. Der Preis sank dabei auf 139 US-Dollar beziehungsweise 189 Dollar, je nach Ausstattung. Die Displaygröße der zweiten Generation von sechs Zoll wurde beibehalten, allerdings war eine Erhöhung des Kontrasts um 50 Prozent gelungen. Dank WiFi und dem auf WebKit basierenden (als "experimentell" bezeichneten) Browser ist das Betrachten von Web-Inhalten möglich, etwa Artikel von Online-Magazinen ("Article Mode").

Seit April 2011 wird der Kindle 3 auch bei Amazon Deutschland angeboten; der Preis liegt bei 159 € (WiFi+3G), wobei er seit dem 28. September 2011 in Abgrenzung zum Kindle Touch als Kindle Keyboard 3G geführt wird.[1] Der Vertrieb des Kindle Keyboard (WiFi) wurde mit Anfang November 2011 für Europa (wieder) eingestellt.

Kindle 4

Amazon Kindle 4

Am 28. September 2011 hat Amazon die vierte Generation des Kindle angekündigt; diese besteht aus dem Kindle, dem Kindle Touch und dem Kindle Fire, die alle ohne physische Tastatur auskommen. Stattdessen werden Texteingaben über eine virtuelle Tastatur vorgenommen. Damit verbunden ist es erstmalig möglich, europäische Sonderzeichen einzugeben. Die Monochrom-Reader Kindle und Kindle Touch haben ein 6-Zoll-E-Ink-Display, der Kindle Touch hat darüber hinaus einen optischen Touchscreen. Im Gegensatz dazu hat der Kindle Fire einen farbigen 7-Zoll-LCD-Bildschirm mit kapazitivem Multi-Touchscreen.

Im deutschen Onlineshop kann derzeit (Stand Oktober 2011) von den neuen Modellen ausschließlich der Kindle ohne Touchscreen bestellt werden; in den USA ist dieser seit September erhältlich, während für die anderen Modelle Vorbestellungen entgegengenommen werden.

  • Kindle Unter dem Namen Kindle wird ein Einsteiger-Modell angeboten. Gegenüber dem Vorgänger-Modell sind Akku-Kapazität und Speichergröße reduziert und die Vorlesefunktion ist entfallen. Die virtuelle Tastatur wird über einen Cursor angesteuert. Amazon.com bietet das Gerät in zwei Varianten an: Ein Werbe-subventioniertes Modell zu 79 $ und ein Modell ohne Werbung für 109 $. Das Werbe-freie Modell wird von Amazon.de für 99 € angeboten.
  • Kindle Touch Der Kindle Touch verfügt über einen Multi-Touchscreen und entspricht hinsichtlich Akku-Kapazität und Speichergröße dem Vorgänger-Modell Kindle 3, das nun als Kindle Keyboard angeboten wird. Die Variante Kindle Touch 3G verfügt zusätzlich über eine Mobilfunk-Komponente. Beide Touch-Modelle werden derzeit (Stand Oktober 2011) nur von Amazon.com angeboten.
  • Kindle Fire Der Kindle Fire kann neben der „klassischen“ E-Book-Reader-Funktion u. a. Multimedia-Inhalte wie Musik und Filme wiedergeben. Aufgrund dieser Eigenschaften und seines vergleichsweise geringen Preises von 199 US-$ kann er als „Einsteiger-Tablet-PC“ betrachtet werden. Experten stufen den Kindle Fire als Konkurrenz für das Apple iPad ein. Grund sei die große Auswahl an Medien, die Amazon über seine Internetplattform zum Kauf anbietet und der im Vergleich zum iPad deutlich niedrigere Preis. Das Gerät wird ausschließlich mit Wi-Fi zu kaufen sein.[5] Mit dem Kindle Fire führt Amazon eine neue Web-Browser-Technologie ein: Amazon Silk.[18] Dabei werden Funktionen des Browsers in die Amazon-Cloud-Technologie EC2 ausgelagert, um Geschwindigkeitssteigerungen zu realisieren.[19] Amazon nennt das Prinzip „Split Browsing“. Alle Internet-Zugriffe des Browsers werden somit durch eine Amazon-eigene Plattform geführt. Der Kindle Fire nutzt eine abgewandelte Version vom Android als Betriebssystem, das vom Hersteller an die Anforderungen des Geräts angepasst wurde.[20]
  • Kindle Keyboard Mit der Einführung der 4. Generation der Kindle-Modelle werden die Geräte der 3. Generation nunmehr unter den Namen Kindle Keyboard (nur USA) und Kindle Keyboard 3G weiter angeboten.

Kindle auf anderen Plattformen

Es ist möglich, Kindle-Bücher auch auf anderen Plattformen, momentan Mac- und Windows-Computer, Android-Mobiltelefone, Apple iPhone und iPod touch, Blackberry-Mobiltelefonen sowie Windows Phone 7, zu lesen. Auf der jeweiligen Plattform wird dazu eine Software als App installiert. Über das Amazon Whispernet werden Bücher, Notizen, Lesezeichen etc. synchronisiert. Des Weiteren wird auf allen verbundenen Geräten stets die zuletzt gelesene Stelle angezeigt.

  • Kindle for iPad/iPhone Seit dem 4. März 2009 bietet Amazon in den USA über den Apple AppStore eine „Kindle for iPhone“ genannte Applikation für das iPhone und den iPod touch an, mit der die Kindle-Inhalte dargestellt werden können. Die Applikation setzt das iPhone OS 2.1 voraus. Seit dem 14. Dezember 2009 ist die Applikation auch für deutsche Benutzer erhältlich. Zwischenzeitlich wurde die Applikation aus dem App-Store durch Apple entfernt, Grund war das fehlende in-App Payment, inzwischen ist sie allerdings wieder verfügbar.
  • Kindle für Mac/Windows Seit November 2009 ist für Windows als „Kindle for PC“ und seit dem 18. März 2010 für Mac als „Kindle for MAC" bei Amazon eine kostenlose Software verfügbar, die es erlaubt, Kindle-Bücher auch auf dem Computer zu lesen. Die Bedienung ist an den Kindle angelehnt.
  • Kindle for Android Seit Juli 2010 ist im Android Market eine „Kindle for Android" genannte Software verfügbar, die es erlaubt, Kindle-Bücher auch auf einem Android-Mobiltelefon zu lesen.
  • Kindle for BlackBerry Für viele BlackBerry-Modelle ist ein Kindle-Reader verfügbar. Obwohl das Programm laut Webseite nur für die US zur Verfügung steht kann es auf BlackBerries installiert werden und die über Kindle für Mac/Windows gekauften Kindle-Bücher werden damit synchronisiert.
  • Kindle for Windows Phone 7 Auch für Windows Phone 7 ist seit Anfang Januar 2011 eine Anwendung erhältlich.

Marktposition und Vermarktung

Bisher gibt es keine offiziellen Angaben zur Zahl der bisher verkauften Kindle-Geräte, Schätzungen schwankten Anfang 2010 um 3.000.000 verkauften Geräten bis Ende 2009.[21] Im März veröffentlichte IDC in einer Studie weltweite Verkäufe von rund 12,8 Millionen E-Book-Readern für das Jahr 2010, darunter 48 % (≈ 6,1 Mio.) Amazon-Kindle-Modellen.[22]

Bei der Vermarktung von Kindle bedient sich Amazon der Strategie des Viral-Marketings, des Marketings durch Empfehlung. In einem von Amazon betriebenen Online-Kontaktforum mit dem Slogan „See a Kindle in Your City“[23] haben Interessenten und potenzielle Käufer die Möglichkeit, Kontakt zu einem bereits überzeugten Nutzer des E-Book-Readers in ihrer Umgebung zu knüpfen, sich mit diesem zu treffen, das Gerät anzuschauen und sich erklären zu lassen. Auf diese Weise ist seit der Markteinführung des Geräts ein recht großes und weiter wachsendes soziales Netzwerk vor allem in den US-Metropolen entstanden.

Ähnliche Produkte anderer Hersteller sind Sony Reader und iLiad.

Im Februar 2009 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Stephen King die Novelle Ur, die derzeit exklusiv nur über ein Kindle verfügbar ist und in der es auch inhaltlich um dieses Gerät geht.

Nach gescheiterten Verhandlungen mit den deutschen Telekommunikationsanbietern verkündete Amazon im Juni 2009, dass Kindle in absehbarer Zeit nicht auf dem deutschen Markt erscheinen wird.[24] Seit dem 19. Oktober 2009 ist er jedoch auch in Deutschland verfügbar. Seit dem 21. April 2011 ist der deutsche Kindle Store mit deutschen Inhalten online.[1]

Im Juli 2009 sank der Preis um ein Siebtel auf 299 Dollar[25] und in China erscheint ein Plagiat des Kindle 2.[26]

Im Sommer 2010 wurden bei Amazon USA mehr Kindle-Bücher als Hardcover-Bücher erworben. So verkaufte das Versandhaus im Juni 2010 auf 100 konventionelle Bücher 180 Kindle-Bücher. Damit hat sich der Verkauf der E-Books im ersten Halbjahr 2010 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 mehr als verdreifacht. Ein Grund für die gestiegenen Zahlen ist der gesunkene Preis für das Kindle-Gerät, der den Verkauf der Geräte verdreifacht hat. Im Juli 2010 lag der Preis der Hardware bei 189 US-Dollar.[27] Am 19. Mai 2011 gab Amazon bekannt, dass seit 1. April 2011 auf 100 gedruckte Bücher 105 kostenpflichtige E-Books bei Amazon.com verkauft wurden; nicht eingerechnet wurden kostenlose E-Books.[28][29]

Gegenüber dem iPad von Apple hat das Kindle den Vorteil, dass man auch unter starker Sonneneinstrahlung lesen kann. Dies nutzte man für eine vergleichende Werbung[30] bei der das Kindle als Sieger hervorging.

„Kindle Direct Publishing“

Mit „Kindle Direct Publishing“ (KDP) stellt Amazon eine Plattform bereit, die es Autoren und (kleinen) Verlagen erlaubt, eBooks bei Amazon zu veröffentlichen. Der Dienst wird kostenfrei angeboten und erlaubt den Autoren, bis zu 70 % Tantiemen zu beziehen. Bei der Veröffentlichung legt der Autor u. a. den Verkaufspreis und das Verbreitungsgebiet fest. Auch die Entscheidung, ob das eBook mit oder ohne DRM versehen wird, legt der Autor bzw. der Verlag fest.[31]

Digitale Rechteverwaltung (DRM)

Das Amazon-Kindle-System, bestehend aus „Kindle-Shop“, Kindle-Geräten und Lese-„Apps“ für PCs, Tablets und Smartphones, integriert eine digitale Rechteverwaltung, DRM. Über den Kindle-Shop gekaufte DRM-geschützte Bücher können nur auf Geräten und Apps gelesen werden, die auf ein Amazon-Konto registriert sind. Eine Weitergabe der eBooks soll dadurch verhindert werden.

Der Verlag bzw. der Autor legt fest, ob ein eBook mit oder ohne DRM versehen ist, nicht Amazon. DRM-freie eBooks sind im Amazon Kindle-Shop erkennbar in der Produktinformation: Wenn dort „Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung“ steht, ist der Titel DRM-frei. Das betrifft insbesondere den großen Fundus an gemeinfreien Texten („kostenlose Klassiker“).

Das DRM des Kindle wurde geknackt, so dass eine Entfernung des Kopierschutzes unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist.

Das Kindle-DRM ist Amazon-spezifisch. Auch Mitbewerber unterstützen DRM, sie nutzen meist EPUB als Datei-Format und zur Rechteverwaltung „ADEPT DRM“, das durch Adobe Digital Editions bekannt ist.

Kritik

  • DRM: Amazon behält sich vor, den Zugriff auf DRM-geschützte eBooks zu verbieten, wenn der Verdacht besteht, dass ein Nutzer das DRM umgehen will. Durch die Bindung an einen Amazon-Account haben DRM-behaftete eBooks des Kindle-Shops keinen Wiederverkaufswert und der Zugang zu Informationen kann nachträglich beschränkt werden.[32] Einige Funktionen des Kindle sind ohne oder mit einem gesperrten Kundenkonto bei Amazon nicht benutzbar. [33]
  • Löschen von E-Books: Am 17. Juli 2009 löschte Amazon bestimmte über den Kindle Store gekaufte Kindle-Texte, darunter Animal Farm und Nineteen Eighty-Four von George Orwell von den Geräten seiner Kunden, da dem Verleger die Rechte zur Veröffentlichung als E-Book fehlten.[34][35] Nach lauten Protesten verkündete der Amazon-Sprecher Drew Herdener, dass dies in Zukunft nicht mehr vorkommen solle.[36]
  • Vorlesefunktion: Die Vorlesefunktion des aktuellen Kindle verletzt nach Ansicht des Autorenverbandes Authors Guild die Audiorechte der Autoren und sei illegal. Der Kindle mache aus Büchern Hörbücher, ohne dass diese Zweitverwertung von Amazon vergütet würde.[37] Aus diesem Grund hat Amazon den Verlegern die Möglichkeit eingeräumt, bei einzelnen Büchern die Vorlesefunktion zu deaktivieren.
  • Privatsphäre: Der Web-Browser-Technologie Silk des Kindle Fire protokolliert auf Amazons Servern URLs, IP-Adresse und MAC im Allgemeinen bis zu 30 Tage.[38] Datenschützer sehen darin einen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer.[39]
  • Standards: Der weitverbreitete EPUB-Standard für elektronische Bücher wird nicht unterstützt.
  • Rechnung/absetzbarer Beleg für gekaufte E-Books Der deutsche Käufer von digitalen Kindle E-Books kann keine ordentliche Rechnung für die E-Books erhalten bzw. Quittung, um den Kauf von Kindle E-Books z. Bs. steuerlich geltend zu machen. Amazon.de argumentiert dazu, dass der Kindle bzw. die Kindle E-Books nicht an gewerbliche Käufer (z. B. gewöhnliche Selbstständige) verkauft würden. Dieses steht so nicht in der Artikelbeschreibung. Der Käufer der E-Books erfährt dies zumeist erst dann, wenn er eine Rechnung für ein gekauftes E-Book vermisst. Amazon verkauft das Kindle-Gerät mit Rechnung und MWSt.-Ausweis, die Kindle E-Books als Download aus Luxemburg werden ohne Rechnungsstellung ausgeliefert.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Amazon Kindle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Amazon.de: Kindle-Shop, abgerufen am 28. September 2011
  2. Heise-online: Kindle die Zweite, 9. Februar 2009
  3. pocketnow.com: Kindle For Windows Phone 7 Available In The Marketplace, Zugriff am 19. Februar 2011
  4. Kindle im US-Amazon-Shop, abgerufen am 28. September 2011.
  5. a b Focus Online: Amazon bringt iPad-Konkurrenz und neue E-Book-Reader
  6. amazon.com: Source Code Notice, Kernelquellen des Kindle
  7. golem.de: Kindle-Auftragshersteller kauft E Ink, 2. Juni 2009
  8. winfuture.de: Kindle: Revolutionärer Bücher-iPod von Amazon?, 19. November 2007
  9. PC Games Hardware, 22. Juni 2010
  10. golem.de: Amazon stellt Kindle 2 vor, 9. Februar 2009
  11. Kindle 2 Frequently Asked Questions. Amazon.com. Abgerufen am 11. Februar 2009.
  12. UR, Exclusively on Amazon's Kindle (englisch). Stephen King. Abgerufen am 10. Februar 2009.
  13. Kindle 2 Teardown. iFixit.com. Abgerufen am 25. Februar 2009.
  14. Amazon's Kindle e-reader to go international
  15. lesen.net: Amazon Kindle DX
  16. lesen.net: Amazon Kindle DX kommt gut an, 12. Juni 2009
  17. Winfuture.de: Amazon Kindle DX: Ab 2010 international erhältlich, 9. Oktober 2009
  18. Amazon Silk
  19. Amazon Silk: Cloud-Browser für den Kindle Fire auf www.netzwelt.de
  20. "Amazon Kindle Fire: Der iPad-Killer im Überblick" auf plonki.com
  21. computerbase.de: Amazons Kindle bereits millionenfach verkauft?, 30. Januar 2010
  22. Nearly 18 Million Media Tablets Shipped in 2010 with Apple Capturing 83% Share; eReader Shipments Quadrupled to More Than 12 Million Pressemeldung von IDC vom 10. März 2011.
  23. amazon.com: See a Kindle in Your Area
  24. PC Professionell: Amazon Kindle kommt vorerst nicht nach Deutschland, 29. Juni 2009
  25. boersenblatt.net: Amazon Kindle 60 Dollar billiger, 10. Juli 2009
  26. lesen.net: Kindle-Klon aus China, 12. Juli 2009
  27. Business Wire: Verkaufszahlen des Kindle steigen im zweiten Quartal mit jedem Monat Finanznachrichten.de, 20. Juli 2010
  28. ebookreader-und-ebooks.de: Amazon.com verkauft mehr Ebooks als normale Bücher, 20. Mai 2011
  29. Amazon.com Now Selling More Kindle Books Than Print Books. News Release bei Amazon.com vom 19. Mai 2011.
  30. Kindle schlägt iPad
  31. Kindle Direct Publishing
  32. defective by design.org: The Kindle Swindle, 12. Dezember 2007
  33. golem.de: Kindle-Besitzer aufgeschmissen nach Account-Sperrung , 17. April 2009
  34. ZDF Mediathek: eBook Händler können Lizenzen auflösen – Nutzungsrechte erklärt von Axel Kossel vom c't-Magazin, Filmbeitrag aus dem ZDF morgenmagazin vom 24. Juli 2009
  35. The New York Times: Brad Stone: Amazon Erases Orwell Books From Kindle, 17. Juli 2009
  36. cnet-news: Amazon says it won't repeat Kindle book recall, 17. Juli 2009
  37. Spiegel online: US-Autoren halten neuen Kindle für illegal, 11. Februar 2009
  38. Amazon Silk Terms & Conditions. amazon.com. Abgerufen am 21. Oktober 2011.
  39. Silk-Browser besorgt Datenschützer auf spiegel.de

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