Ischtar


Ischtar

DINGIRIštar, Ischtar; (Nebenform westsemitisch Išḫara, neuassyrisch Ištar-Aššuritu) war eine mesopotamische Himmelsgöttin und wurde in ihren Nebenformen auch als Göttin der Liebe, des Krieges und der Fruchtbarkeit verehrt. Sie verkörperte den Planeten Venus. Die namentliche Pluralform "ištaratu" galt als Begriff der "Weiblichkeit".

Inhaltsverzeichnis

Ištar in Babylon und Assur

Ischtar-Tor im Pergamon-Museum in Berlin

Ištar war als Gleichsetzung der sumerischen Inanna die wichtigste babylonische Göttin. Jedes Jahr feierte man in Babylonien die Göttin Ištar, die sowohl als Morgen- als auch als Abendstern, die Venus, verehrt wurde. Als Morgenstern wurde sie mit der Sonne in Verbindung gebracht, weshalb ihr in dieser Rolle die männlichen Attribute zugeschrieben wurden; als Abendstern entsprechend wegen der Gleichsetzung mit dem Mond die weiblichen Eigenschaften. Ištar konnte so in drei Geschlechtern auftreten: Männlich, weiblich und Zwitter. Ihr Symboltier ist der Löwe.

Im Vorderasiatischen Museum (Pergamonmuseum) in Berlin ist das Ischtar-Tor, eines der Tore Babylons, zu besichtigen. Auch in Assyrien war Ištar eine der wichtigsten Göttinnen. Sie galt als Gründerin von Ninive.

Laut Herodot mussten sich die babylonischen Frauen fremden Männern gegen Entgelt hingeben, bevor sie heiraten durften. Die Einnahmen wurden dem großen Ištar-Tempel gespendet (Tempelprostitution). Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptung ist in der Forschung umstritten.

Ištar in weiteren Ländern

Auch die hurritische Göttin Šauška wird oft mit Ištar gleichgesetzt. Manche Forscher vertreten die Ansicht, dass die ägyptische Göttin Isis aus der babylonischen Ischtar entstanden sei. Das ist aber umstritten.

Rezeption

Abraham Merritt versetzte in seinem Roman The Ship of Ishtar einen modernen Menschen in die akkadische Götterwelt.

In Neil Gaimans The Sandman – Brief Lives wird Ištar als Gottheit beschrieben (gleichzeitig auch Astarte sowie Dumuzis Schwester Belili). Diese arbeitet auf Grund des Mangels an religiöser Verehrung, die für Götter überlebenswichtig ist, in einem Stripclub (mit der Begründung „even a little worship is better than nothing“, dt.: „ein wenig Verehrung ist besser als gar nichts“). Thematisiert werden im Zusammenhang mit und durch Ištar unter anderem Tempelprostitution und die Auswirkungen eines Matriarchats.

Sonstiges

Der Planet Venus verfügt über zwei Kontinente, von denen der größere den Namen Ištar erhielt.

Außerdem taucht die Göttin Ischtar im Horrorfilm Blood Feast von Herschell Gordon Lewis auf, der 1963 als erster Splatterfilm überhaupt in die Kinos kam und 2002 mit Blood Feast 2 – All You Can Eat eine Fortsetzung durch denselben Regisseur bekam. In den Filmen tötet ein ägyptischer Caterer junge Frauen für ein Festmahl, um die Göttin Ištar wieder zum Leben zu erwecken.

1987 wurde mit Dustin Hoffman, Warren Beatty, Haluk Bilginer und Isabelle Adjani in den Hauptrollen ein Film mit dem Titel Ishtar gedreht. Er erntete äußerst schlechte Kritiken und konnte seine Produktionskosten bei weitem nicht einspielen.

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Freydank u.a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien, VMA-Verlag, Wiesbaden 1997 ISBN 3-928127-40-3
  • Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen, Artemis & Winkler, Stuttgart 2004 ISBN 3760823068
  • Walter-Jörg Langbein: Maria Magdalena. Die Wahrheit über die geliebte Jesu, Aufbau-Tb-Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-7466-8146-7.

Weblinks

The Assyro-Babylonian Mythology FAQ


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