Amazonasmandel
Paranussbaum
Paranussbaum (Bertholletia excelsa)

Paranussbaum (Bertholletia excelsa)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Topffruchtbaumgewächse (Lecythidaceae)
Gattung: Bertholletia
Art: Paranussbaum
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Bertholletia
Bonpl.
Wissenschaftlicher Name der Art
Bertholletia excelsa
Bonpl.
Ein Same des Paranussbaums
Aufgeschnittene Kapselfrucht
Paranüsse, handelsübliche Form

Der bis zu 50 Meter hohe Paranussbaum (Bertholletia excelsa) gehört zu den Topffruchtbaumgewächsen (Lecythidaceae). Den botanischen Gattungsnamen Bertholletia erhielt der Baum zu Ehren des französischen Chemikers Claude Louis Berthollet (1748–1822). Die Samen sind als Paranuss, auch Amazonasmandel oder Amazonaskastanie (portugiesisch: Castanha-do-brasil oder Castanha-do-pará) bekannt, benannt nach dem brasilianischen Bundesstaat Pará.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Paranussbäume sind bis zu 50 Meter hohe Bäume. Der Stamm ist zylindrisch mit rissiger Borke, er erreicht Brusthöhendurchmesser bis drei, in Ausnahmen bis fünf Meter. Die Äste sind wenig verzweigt, die Blätter stehen wechselständig, gedrängt an den Zweigenden. Die Blätter sind länglich, sie messen etwa 20 bis 35 Zentimeter Länge bei 7 bis 15 Zentimeter Breite, der Blattstiel ist 2 bis 3,5 Zentimeter lang. Die Blätter enden mit einer kleinen aufgesetzten Spitze. Der Blattrand ist glatt oder leicht gekerbt und gewellt. Die Unterseite der Blätter erscheint weißlich, da sie dicht mit Papillen besetzt ist.

Der Blütenstand steht endständig am Zweig oder erscheint aus einer Blattachsel. Er ist traubig oder etwas verzweigt. Der Fruchtknoten ist unterständig, meist vierkammrig, ein Blütenstiel ist kaum auszumachen. Die zygomorphen Blüten sind hellgelb bis weiß, etwa 3 Zentimeter im Durchmesser. Die freien Enden der zwei Kelchblätter überlappen sich nicht. Die sechs Blütenblätter bilden mit ihren unteren Hälften eine schüsselförmige Blüte, die oberen Hälften sind weit ausgebreitet. Die fruchtbaren Staubblätter stehen in einer Vielzahl ringförmig zusammen. Ausgehend von diesem Ring wölbt sich eine Haube halbkugelförmig über die fruchtbaren Staubblätter. Im Innern ist diese Haube zuerst glatt, am Ende trägt sie unfruchtbare staubblattähnliche Anhängsel. An der Ansatzstelle dieser Anhängsel wird Nektar produziert.

Die Frucht ist rund, etwa 10 bis 12, gelegentlich auch bis 16 Zentimeter im Durchmesser. Jede Frucht enthält 10 bis 25 Samen. Bei der Reife öffnet sich die Frucht an der stängelabgewandten Seite. Allerdings ist die Öffnung kleiner als die Samen, so dass die Frucht samt Samen zu Boden fällt. Die Samen sind etwa 2 × 5 Zentimeter groß, sie besitzen eine verholzte Samenschale, Keimblätter sind nicht vorhanden.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet liegt in den Regenwäldern Südamerikas. Es reicht im Westen bis an den Fuß der Anden (Bolivien, Kolumbien und Peru), beinhaltet das brasilianische Amazonastiefland, im Norden gibt es Vorkommen in Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana. Einige Vorkommen könnten auf die Nutzung und Verbreitung durch Menschen zurückgehen.

Die Standorte befinden sich auf nicht überschwemmten Flächen (terra firme). Die Trockenzeit dauert im Verbreitungsgebiet etwa drei bis fünf Monate.

Lebenszyklus

Die herabgefallenen Früchte des Paranussbaums werden von Agutis aufgenagt und die Samen gefressen. Da die Agutis die nicht verzehrten Reste verteilen und vergraben, tragen diese Nagetiere entscheidend zu Verbreitung und Erhalt der Paranussbestände bei. Die Samen keimen erst nach 12 bis 18 Monaten, manche auch erst nach Jahren. Die Keimung erfolgt leichter, wenn die harte Fruchtschale entfernt wurde, aber auch Samen, die nicht aus der Frucht befreit wurden, können keimen. Samen und Keimlinge sind gegen Austrocknen empfindlich, oft wachsen sie an schattigen Standorten.

Die jungen Bäume benötigen zum Wachstum Licht und sind darauf angewiesen, dass sich eine Lücke im Kronendach öffnet. Dann wachsen sie relativ schnell heran und erreichen eine Wachstumsgeschwindigkeit von 50 Zentimeter pro Jahr. Gepflanzte Exemplare mit genügend Licht erreichten nach 18 Jahren eine Höhe von 28 Metern und einen Durchmesser von 45 Zentimeter. Die ersten Blüten und Früchte erscheinen erst, wenn die Pflanze 100 bis 120 Jahre alt ist. Die Bäume können über 300 Jahre alt werden.

Am Ende der Regenzeit verlieren die Bäume einen Teil oder sogar alle ihre Blätter. Die Blüten erscheinen in der Trockenzeit. Setzt der Regen wieder ein, treiben die Bäume unterhalb der alten Blütenstände neue Zweige und Blätter aus. Die Blütezeit eines einzelnen Baumes dauert drei bis acht Wochen, die einzelne Blüte hält aber nur einen Tag. Sie öffnet sich in den frühen Morgenstunden, am Nachmittag fällt die Blüte zu Boden. Die Bestäubung geschieht durch Insekten, die kräftig genug sind, um zwischen Haube und Blütenblättern hindurch zu den Staubblättern und zum Nektar zu gelangen. Bestäuber sind Bienen aus den Gattungen Bombus, Centris, Epicharis, Eulaema und Xylocopa. Bis zur Reife der Frucht vergehen 14 bis 15 Monate, so dass die Früchte zu Beginn der Regenzeit herabfallen.

Nutzung

Die Kapselfrüchte stammen nicht aus Pflanzungen, sondern fast komplett aus Wildsammlungen. Sie werden vom Boden aufgelesen und zu Sammelstellen gebracht; die Erntezeit erstreckt sich über ein halbes Jahr während der Regenzeit. Neben dem hohen Eiweiß- und Fettgehalt – bis zu 70 % – besitzt die Paranuss im Vergleich zu anderen Nussarten auch noch einen sehr hohen Anteil an Mineralstoffen (Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor, Selen und Zink). Sie lagert allerdings auch Barium und natürliche radioaktive Stoffe (wie Radium-226 und Radium-228) ein.

Wegen der besonders harten Schale des Fruchtkerns kommt sie oft geschält in den Handel. Vorteilhafter ist es allerdings, die Nüsse ungeschält zu kaufen, da sie wegen des hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fettsäuren relativ leicht ranzig werden und schimmelanfällig (Aflatoxine) sind. Der in der EU gültige Grenzwert für den maximal zulässigen Anteil von Aflatoxinen in Paranüssen wurde im Jahr 2003 auf 4 ppb herabgesetzt.

Paranüsse sind ein Beispiel für Extraktivismus. Durch die langlebigen und lange produktiven Bäume machen sich Entnahmen von Früchten zunächst kaum bemerkbar. Dennoch führt eine zu intensive Sammlung der Nüsse nach einiger Zeit zu einem Mangel an nachwachsenden jungen Bäumen.

Mori berichtet von brasilianischen Erntemengen im Jahr 1970 von 104.487 to und 1980 von etwa 40.000 to.[1] Für das Jahr 2000 gibt Collinson nur noch eine Menge von 20.000 to an, die sich auf Bolivien (50 %), Brasilien (40 %) und Peru mit 10 % verteilen.[2]

Inhaltsstoffe der Paranuss

100 g Paranüsse haben einen Brennwert von 2743 kJ und enthalten:[3]

Bestandteil Menge
Wasser 3,5 g
Proteine 14,3 g
Zucker 2,3 g
Stärke 0,25 g
Ballaststoffe 7,5 g
Fette 66,4 g
gesättigte Fettsäuren 15,1 g
ungesättigte Fettsäuren 25,5 g
mehrfach ungesättigte Fettsäuren 20,6 g
Natrium 3 mg
Magnesium 376 mg
Phosphor 725 mg
Kalium 659 mg
Kalzium 160 mg
Eisen 2,4 mg
Selen 1917 µg
Vitamin C 0,7 mg
Vitamin B6 0.1mg
Vitamin B12 0 mg
Vitamin E 5,7 mg

Systematik und botanische Geschichte

Der Paranussbaum (Bertholletia excelsa) ist die einzige Art in der Gattung Bertholletia. Innerhalb der Familie der Lecythidaceae sind die nächsten Verwandten in der Gattung Lecythis zu finden.

Die Art wurde erstmals 1808 von Aimé Bonpland wissenschaftlich beschrieben.[4]

Siehe auch

Belege

Die Informationen dieses Artikels stammen aus:

  • S. A. Mori, G. T. Prance: The Lecythidaceae Pages. The New York Botanical Garden, Bronx, New York. Bertholletia excelsa
  • Pieter A. Zuidema, René G. A. Boot: Demography of the Brazil nut tree (Bertholletia excelsa) in the Bolivian Amazon: impact of seed extraction on recruitment and population dynamics. In: Journal of Tropical Ecology, Bd. 18, S. 1–31, 2002.
  • Bertholletia excelsa in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: Americas Regional Workshop (Conservation & Sustainable Management of Trees, Costa Rica, November 1996), 1998. Abgerufen am 9. Mai 2006

Des weiteren werden zitiert:

  1. The Brazil Nut Industry – Past, Present, and Future, Scott A. Mori, The New York Botanical Garden
  2. Economic Viability of Brazil Nut Trading in Peru Chris Collinson et al, University of Greenwich
  3. USDA National Nutrient Database for Standard Reference, release 21 (2008), United States Department of Agriculture - Agricultural Research Service
  4. A. Bonpland: Plantes equinoxiales.... Paris, 1808, S. 122. Scan bei botanicus.org

Weblinks


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