Amazonienhaus der Wilhelma
Amazonienhaus der Wilhelma im Frühjahr

Das Amazonienhaus der Wilhelma ist ein großes Gewächshaus im Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten Wilhelma. Es bildet einen Landschaftsabschnitt des Regenwaldes von Amazonien mit Flora und Fauna nach. Die im Jahr 2000 eingeweihte Anlage gehört zu den Attraktionen der Wilhelma.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Die Hülle des Amazonienhauses der Wilhelma ist aus speziellem Isolierglas gebaut

Landschaftsgestaltung

Die Einrichtung des für Besucher auf festen Wegen begehbaren Amazonienhauses empfindet brasilianischen Regenwald nach. Nach dem Eingang beginnt ein mit Wandtafeln ausgehängter Vorraum. Von hier führt eine Tür in das eigentliche Amazonienhaus. Kennzeichnend ist der Einbau von Wasserläufen: Kurz nach dem Eingang läuft etwa ein kleiner Bach über den Weg. Im Amazonienhaus der Stuttgarter Wilhelma existieren zwei größere Gewässer mit Wasserfällen, von denen eines als Gehege fungiert. Eine Besonderheit im Bau ist ein Gang zu einer Glasscheibe, wodurch in das als Gehege genutzte Gewässer eingesehen werden kann. Den Ausgang bildet ein dem Eingang ähnlicher Vorraum.

Technik

Im Amazonienhaus herrschen ganzjährig Temperaturen von mindestens 24 bis 28 °C und eine Luftfeuchtigkeit von etwa 80 %, wodurch leistungsfähige technische Einrichtungen nötig werden. Die Gebäudehülle aus lichtdurchlässigem und wirksamen Spezialisolierglas unterstützt Temperatur und Lichteinfall, bei geringer Sonneneinstrahlung sorgen 48 zusätzliche Leuchten für Licht. Zur Klimatisierung und Befeuchtung der circa 30.000 Kubikmeter Luft im Amazonienhaus sorgt eine Klimaanlage. Im Sommer wird die Kühlung und Befeuchtung des Hauses durch Sprühmechanismen unterstützt. Außerdem gibt es mittels einer Hochdrucknebelanlage an einem Wasserfall am Eingang und Ausgang eine „Ziervernebelung“, um den Besuchern Regenwaldeindruck zu vermitteln. Die Entsalzung, Reinigung und Enthärtung des Wassers im Haus wird mit einer Filteranlage bewerkstelligt, welche mehr als 100 Kubikmeter Wasser des Wasserlaufes im Amazonienhaus einmal stündlich vollständig durchlaufen und reinigen lassen kann. Die Technik ist so installiert, dass sie nicht oder nur schwerlich für Besucher sichtbar ist.

Botanik

Der Schwerpunkt des Amazonienhauses liegt auf Botanik. Das Amazonienhaus enthält circa 2000 Pflanzen in 350 Arten. Der gesamte Innenraum des Hauses ist mit Epiphyten bepflanzt. Am Eingang zum Innenraum stehen unter anderem ein Kuhbaum und eine Meertraube. Weiter entfernt vom Eingang befindet sich ein Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis), welcher sich durch bis zu acht Kilogramm schwere Früchte charakterisiert. Auf den Kanonenkugelbaum folgt ein Ameisenbaum und eine Gruppe Assaipalmen. Weiter hinten im Haus wachsen Nadelkissenbäume (Brownea sp.) und ein Parakautschukbaum (Hevea brasiliensis). An einer Wegbiegung nach letzteren genannten Bäumen finden sich Bananenstauden (Musa sp.), Papayabäume (Carica papaya), Maniok (Manihot esculenta) und Kakaobäume (Theobroma cacao), typische Bäume der Plantagenwirtschaft.

Tierbestand und Gehege

im Amazonienhaus

Die ersten Gehege finden sich nur kurz nach dem Eingang; eines enthält Weißkopfsakis (Pithecia pithecia), ein anderes Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas), letztere sind in Freiheit stark bedroht. Die Goldkopflöwenäffchen gehören der brasilianischen Regierung und sind Teil eines Wiederansiedlungsprojektes. Wenig weiter hinten im Haus befinden sich zwei Schwarze Brüllaffen (Alouatta caraya) in einem Gehege. Beide Brüllaffen stammen aus der Zucht eines Zoos in der großbritannischen Stadt Twycross. Etwas weiter entfernt befindet sich ein mit Terrarien gesäumter Weg. Das größte enthält Grüne Leguane (Iguana iguana) und Tropfenkröten (Bufo guttatus), ein weiteres großes einen Grünen Hundskopfschlinger (Corallus caninus) und eine Regenbogenboa (Epicrates cenchria). Kleinere Terrarien enthalten verschiedene Froscharten. Vorbei an einer großen Voliere mit Dottertukanen (Ramphastos vittelinus) gelangt der Besucher zu einer Treppe, welche ihn zu einer Glasscheibe führt, durch welche in das als Gehege fungierende Gewässer auch unter Wasser einsehen kann. Dort leben diverse Schildkröten, Breitschnauzenkaimane (Caiman latirostris), Gabelbärte (Scleropages sp.), Schwarze Pacus (Colossoma macropomum), Pfauenaugenbuntbarsche (Astronotus ocellatus) und etliche andere Tiere sowie Rotschulterenten (Callonetta leucophrys) und Sonnenrallen (Eurypyga helias). Am Ausgang des Hauses liegt ein Gehege für Nasenbären (Nasua sp.). Eine Besonderheit des Amazonienhauses sind freifliegende Vögel: Der Besucher kann zahmen Trompetervögeln (Psophia sp.) und 22 verschiedenen Arten von Sperlingsvögeln begegnen.

Entstehung

Das Amazonienhaus wurde 2000 eingeweiht. Der Bau kostete 18 Millionen Deutsche Mark. An der Realisierung des Projektes beteiligte sich der „Verein der Freunde und Förderer der Wilhelma“ mit 7,9 Millionen Deutschen Mark, womit dieser Verein das bisher größte Projekt unterstützte.

Literatur

  • Amazonienhaus. In: Dieter Jauch: Wilhelma. G. Ad. Stehn's, Stuttgart 2004/2005; S. 136-147. ISBN 3-87779-064-X
48.8063888888899.2080555555555

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