Ambiorix
Ambiorixdenkmal in Tongeren

Ambiorix war in der Zeit um 54/53 v. Chr. neben Catuvolcus einer von zwei Königen des keltischen Stammes der Eburonen[1], der am Nordrand der Eifel zwischen Rhein und Maas siedelte. Unter seiner Führung lehnten sich die Eburonen im November 54 v. Chr. gegen die römische Besatzungsmacht auf. Bei Atuatuca wurden dabei eineinhalb Legionen vernichtet.

Inhaltsverzeichnis

Der Aufstand des Ambiorix gegen die römische Fremdherrschaft

Berühmt wurde Ambiorix durch seinen Sieg gegen Caesar, der die verheerendste Niederlage der Römer während des gesamten Gallischen Kriegs darstellte. Im Herbst 54 v. Chr. legte Cäsar eine Legion und 5 Kohorten (= 15 Kohorten) unter dem Kommando der Legaten Quintus Titurius Sabinus und Lucius Aurunculeius Cotta in ihr Winterlager bei Atuatuca, dem befestigten Platz mitten im Gebiet der Eburonen. Die bildliche Darstellung einer eburonischen Münze soll durch Anlehnung an Münzmotive der rechtsrheinischen Ubier gezielt zur Vorbereitung des Ambiorix-Aufstands gedient haben[2].

Caesar skizziert Ambiorix im 5. Buch des Gallischen Krieges als einen listigen und skrupellosen Anführer. Dabei legt er dem eburonischen König einen langen Text indirekter Rede in den Mund, aus dem sich einige biographische Details aus seinem Leben ergeben. Danach hatte Ambiorix einen Sohn, der beim benachbarten Stamm der Atuatuker als Geisel gehalten, von Caesar befreit und zum Vater zurückgeschickt worden war. Offenbar stand Ambiorix in gutem Kontakt mit Caesar, ein Bote verkehrte regelmäßig zwischen ihnen.

Ambiorix Sieg über die römischen Legionen in Atuatuca beruhte auf einer List, die einige Ähnlichkeit mit der Taktik des Arminius bei der Varus-Schlacht aufweist. Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen veranlasste er den Legaten Quintus Titurius Sabinus, den Kommandanten des römischen Winterlagers, das in Atuatuca eingerichtet worden war, zur planlosen Flucht. Die Streitkräfte des Ambiorix griffen gezielt den langgestreckten und schwer zu verteidigenden Tross der Römer an, der sich in ungünstiger Lage in einem Talkessel befand. Ein Großteil der Legionäre kam um. Caesar schildert Ambiorix als hervorragenden Taktiker und Feldherrn, der die Lage schnell erkennt und angemessen reagiert.

Nach diesem Sieg suchte Ambiorix sofort die benachbarten Stämme auf, um sie ebenfalls zum Aufstand zu bewegen. Sowohl die Atuatuker, als auch die Nervier scheinen sich Ambiorix angeschlossen zu haben. Auch die Treverer waren unter ihrem Fürsten Indutiomarus an dem Aufstand beteiligt. Erst durch Caesars Eingreifen wurde die Aufstandbewegung niedergeschlagen. Am Winterende Anfang 53 v. Chr. wurde Ambiorix mit seinen Eburonen in einen Bündnisvertrag mit Treverern, Nerviern, Atuatucern, Menapiern, Senonen, Carnuten und den diesseitigen Germanen einbezogen. Diese Aufstandbewegung brach aber schnell in sich zusammen.

Rachefeldzug gegen Ambiorix

Im Herbst 53 v. Chr. griff Caesar in einem Rachefeldzug die Eburonen und ihren König Ambiorix an, um sich für die Niederlage von Atuatuca zu rächen. Ambiorix konnte offenbar nur mit knapper Not einem römischen Kommandounternehmen entkommen. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Stande, eigene Truppen zusammenzuziehen und musste den Römern das Land seines Stammes preisgeben. Sein Mitkönig Catuvolcus nahm sich daraufhin das Leben. Der römische Feldherr Julius Casar behauptet, Catuvolkus habe nicht die in sein Land eingefallenen plündernden und brandschatzenden und mordenden Römer, sondern vielmehr seinen Rivalen Ambiorix als Schuldigen des Unheils betrachtet, und Ambiorix als Anstifter des gescheiterten Aufstandes verflucht[3]. Möglicherweise war die öffentliche Verfluchung des Ambiorix durch Catavolkus für Catavolkus die einzige Möglichkeit, wenigstens für eine wenige der Seinen das Leben vor den Römern zu schützen. Die Römer plünderten das Stammesgebiet der Eburonen nachhaltig.

Auch bei seinem Rachefeldzug im Jahre 51 v. Chr. konnte Caesar des Ambiorix nicht habhaft werden. Da er nicht mehr daran glaubte, den flüchtigen Ambiorix fassen zu können, verheerte er noch einmal das eburonische Stammesgebiet. Danach verliert sich Ambiorix' Spur im Dunkel der Geschichte. Nach Florus soll er sich vor seinen Verfolgern bei den rechtsrheinischen Germanen in Sicherheit gebracht haben.

Nachwirken

Die Riesenfigur des Ambiorix in der Ducasse d'Ath

Sein Nachwirken ist bis heute groß. Er gilt als Freiheitsheld der Gallier in ihrem Kampf gegen Caesar. Besonders das belgische Tongern sieht sich in enger Verbindung zu dem keltischen König. Dort wurde auch ein Ambiorix-Denkmal errichtet. Ambiorix wird neben Vercingetorix und Ariovist als einer der schwersten Gegner Caesars bezeichnet[4]. Mit Ambiorix in Verbindung gebracht wird ein im Jahr 2000 gefundener Münzschatz von 102 keltischen Goldmünzen aus den Jahren 54/53 v. Chr., der im Gallo-Römischen Museum von Tongeren ausgestellt wird. Ambiorix ist auch eine der Riesenfiguren der Ducasse d'Ath.

Antike Quellen

  • Gaius Iulius Caesar: Commentarium libri VII de bello Gallico, Buch 5, 24-37; 6, 32–40 [Hauptquelle]
  • Livius: Ab Urbe Condita liber CVI (Periocha)
  • Cassius Dio: Römische Geschichte, Buch 40, 5, 6, 7
  • Florus: Epitoma de Tito Livio bellorum omnium annorum, VII Bellum Gallicum, XLV

Literatur

  • Klaus DüwelAmbiorix. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1973, S. 249.
  • Joachim Dalfen: Das Himmelfahrtskommando des Q. Titurius Sabinus. In: Christian-Friedrich Collatz u. a. (Hrsg.): Dissertatiunculae criticae. Würzburg 1998.
  • Otto Seel: Ambiorix. In: Detlef Rasmussen (Hrsg.): Caesar. Darmstadt 1967, S. 279–338 (Wege der Forschung, Band 43).
  • Michel Rambaud: Le „portrait“ d’Ambiorix. In: Hommages à Jean Cousin. Rencontres avec l’antiquité classique. Paris 1983, S. 113–122.

Weblinks

 Commons: Ambiorix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Livius nennt Ambiorix "rex" (Ambiorige duce, Eburonum rege, per. CVI)
  2. Eburonischer Goldstater Sch 31 I, Heinrichs, Verwicklung, S.281ff. mit Abb.
  3. De bello Gallico VI, 31
  4. RGA, 2A, Bd. 1

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