20.000 Meilen unter dem Meer (1954)
Filmdaten
Deutscher Titel 20.000 Meilen unter dem Meer
Originaltitel 20,000 Leagues Under the Sea
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1954
Länge 122 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Richard Fleischer
Drehbuch Earl Felton
Produktion Walt Disney
Musik Al Hoffman
Paul J. Smith
Kamera Franz Planer
Schnitt Elmo Williams
Besetzung

Der Science-Fiction-Film 20.000 Meilen unter dem Meer von 1954 ist eine Adaption des gleichnamigen Romans des französischen Autors Jules Verne. Erstmals wirkten bekannte Hollywood-Schauspieler in einem Disney-Film mit. Auch war er der erste Disney-Film im CinemaScope-Breitwandverfahren. Noch heute gilt er als Kultfilm, insbesondere wegen seiner bemerkenswerten Spezialeffekte und des außergewöhnlichen Szenenbildes des Fantasie-U-Bootes Nautilus.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Im Jahr 1868 kursieren Gerüchte über ein Seeungeheuer, welches Schiffe auf allen Weltmeeren angreift. Der französische Professor und Ozeanograf Pierre Aronnax begibt sich mit seinem Diener Conseil an Bord eines Kriegsschiffes, um das Seeungeheuer zu stellen. Begleitet werden sie vom Harpunier Ned Land, der das Tier erlegen soll. Nach langem, vergeblichem Suchen kommt es schließlich zur Begegnung mit dem Ungeheuer, wobei dieses das Kriegsschiff angreift und schwer beschädigt. Dabei gehen Arronax, Conseil und Ned Land über Bord.

Später treffen die drei an Bord der Nautilus wieder aufeinander, dem vermeintlichen Seeungeheuer, welches sich als ein Unterseeboot entpuppt. Das Kommando über das Boot und eine auf ihn eingeschworenen Mannschaft hat der geheimnisvolle Kapitän Nemo. Er nimmt die drei gefangen, wogegen sich insbesondere Ned Land von Beginn an heftig sträubt und später vergeblich zu fliehen versucht. Arronax hingegen sieht sich in einem Dilemma: Auf der einen Seite verehrt er Nemo und dessen naturwissenschaftliche und technische Pionierleistungen, andererseits ist ihm bewusst, dass Nemo ein kaltblütiger Mörder und die Nautilus sein Tötungsinstrument ist. Conseil hält anfangs zu seinem Herrn, steht aber zunehmend Nemo kritisch gegenüber.

Während ihrer Zeit an Bord der Nautilus erleben die drei Gefangenen und Nemo zahlreiche Abenteuer. Sie gehen unter Wasser auf die Jagd, entdecken einen Schatz, werden von Einheimischen Neu Guineas angegriffen, liefern sich einen Kampf mit einem Riesenkalmar und werden von einem Kriegsschiff beschossen, wobei die Nautilus schwer beschädigt wird.

Im Verlauf der Handlung erfährt der Zuschauer mehr über die Figur des Nemo. Einst wurde er in einem Gefangenenlager festgehalten, um ihm „sein Geheimnis“ zu entlocken. Als er fliehen konnte, folterten seine Peiniger seine Familie zu Tode. Auf der abgelegenen Pazifikinsel Vulkania baute Nemo mit einigen Mitflüchtlingen die Nautilus. Seitdem führt er einen Rachefeldzug gegen kriegführende Nationen (bzw. deren Schiffe), da er in ihnen das Grundübel der menschlichen Zivilisation sieht.

Auf Vulkania, dem Stützpunkt der Nautilus, kommt es zum Showdown: Ned Land war es gelungen, einige Kriegsschiffe hierhin zu leiten, um Nemos Basis zu stürmen. Nemo gelingt es zwar noch, dort eine Zeitbombe scharf zu machen, wird aber auf dem Weg zurück zur Nautilus lebensbedrohlich verletzt. Er beschließt, zusammen mit seinem U-Boot, der Mannschaft und den drei Gefangenen unterzugehen. Doch Arronax, Conseil und Ned Land können diesen Plan vereiteln und fliehen. Der Film endet mit einer gewaltigen Explosion von Vulkania und der versinkenden Nautilus.

Im Film wird suggeriert, Nemos „Geheimnis“ sei die Erfindung der Atomkraft bzw. der Atombombe. Mit ersterer betreibt er die „Nautilus“, mit letzterer vernichtet er am Ende des Filmes Vulkania, um alle Spuren seiner Existenz zu beseitigen. Die Ambivalenz der Atomkraft, Fluch und Segen zugleich zu sein, wird in mehreren Zitaten deutlich. So sagt Arronax, auf die Atomkraft anspielend: „Wenn Ihr Geheimnis enthüllt wird, dann verändert es die Welt.“ Woraufhin Nemo, auf die Atombombe anspielend, entgegnet: „Oder zerstört sie.“ und schließt am Filmende mit den Worten: „Aber ich sehe Hoffnung für spätere Zeiten, wenn die Menschheit reif ist für ein neues, besseres Leben, dann wird ihr die Natur dies Geheimnis offenbaren. In einer schöneren Zukunft.“

Die Nautilus

Nautilus-Design von Harper Goff
Hauptartikel: Nautilus (Jules Verne)

Die Nautilus des Films stammt von Production Designer Harper Goff. Er wich stark von den Beschreibungen Vernes ab. Sein Boot war deutlich kantiger und wölbte sich im Mittelteil stärker aus. Außerdem verfügte es über einen Zackenkamm auf der Oberseite. Goffs Nautilus ist die heute wohl bekannteste Darstellung des Tauchbootes.

Dreharbeiten

Die Taucherszenen waren die bis dahin umfangreichsten Unterwasseraufnahmen, die jemals für einen Spielfilm gedreht wurden. Zeitweise mussten bis zu 40 Taucher unter Wasser choreografiert werden. Die Taucheranzüge, eine Mischung aus Helmtauch- und Drucklufttauchgerät, setzten auch technisch neue Maßstäbe. Die Aufnahmen entstanden teils in den Gewässern der Bahamas vor Jamaika, wo auch schon Teile der Verfilmung von 1916 entstanden, teils im Studioaquarium.

Neben dem Interior wurde von der Nautilus lediglich das Oberdeck in Originalgröße für Szenen gebaut, in denen sich Schauspieler auf dem Boot bewegten. Es bestand überwiegend aus Holz und Fiberglas und war auf einem Schwimmkörper montiert. Damit konnten sowohl Außenaufnahmen im künstlichen See (Fox Lake), als auch Studioaufnahmen gemacht werden (Wet Set). Für die Szene, in denen die Nautilus unter Ned Land, Arronax und Conseil wegtaucht, wurde eine Nautilus-Rückenflosse auf das Deck der USS Redfish montiert, ein U-Boot der Balao-Klasse aus dem Zweiten Weltkrieg.

Für alle anderen Darstellungen der Nautilus wurden zwei Modelle verwendet. Ein Modell von elf Fuß Länge (ca. 3,6 Meter) diente für Unterwasseraufnahmen der Nautilus im Studioaquarium. Das Modell konnte selbst nicht tauchen, sondern glitt an dünnen Schnüren durch das Wasser, die später retuschiert wurden. Es besaß lediglich einen Elektromotor, der den Propeller drehte, sowie einige Lampen für die Beleuchtung. Das größere Modell von 22 Fuß Länge (ca. 7,3 Meter) bestand nur aus dem oberen Teil des Rumpfes. Es wurde ebenfalls durch das Wasser gezogen und wurde für Szenen verwendet, in denen die Nautilus aufgetaucht zu sehen war, bzw. auf- oder abtauchte. Für die Angriffszenen wurden um das Modell herum Glühlampen montiert, um das markante Leuchten hervorzurufen. Außerdem erzeugte ein Wasserwerfer am Bug eine starke Bugwelle, um größere Kraft und Geschwindigkeit der Nautilus zu suggerieren.

Die mit Abstand aufwändigste Szene war der Kampf mit dem Riesenkalmar. Die erste Version spielte bei ruhiger See bei Sonnenuntergang und kostete rund 300.000 US-Dollar. Walt Disney war mit dieser Version jedoch nicht zufrieden, da sie ihm an Dramatik mangelte. Er ordnete eine Neubearbeitung an, in welcher das „Monster“ größer und realistischer aussehen sollte. 28 Männer waren nötig, um die Tentakel des zwei Tonnen schweren Modells zu bewegen. Die neue Version spielte bei Dunkelheit und schwerem Sturm. Dieser wurde von 30 Windmaschinen erzeugt, welche das Wasser so hoch aufwirbelten, dass es Jahre dauerte, bis das gesamte Filmset wieder abgetrocknet war. James Mason wäre bei den Dreharbeiten beinahe ertrunken.[1] Nach den Änderungen hatten sich die Kosten für die Szene auf knapp 1.000.000 US-Dollar mehr als verdreifacht. Auch insgesamt wurde das Budget stark überzogen. Disneys Geldgeber stellten ihm mehrere Kredite von bis zu 1.500.000 US-Dollar aus, so dass er vor dem Filmstart Schulden in Höhe von 5.000.000 US-Dollar hatte. Diese wurden durch die Einspielergebnisse jedoch um ein Vielfaches wieder eingespielt.

Der Film feierte am 23. Dezember 1954 in den USA Premiere und kam am 20. Januar 1956 in die westdeutschen Kinos. In der DDR lief er erst zehn Jahre später, am 7. Januar 1966, an.

Unterschiede zwischen dem Film und dem Buch

Der Film und das Buch unterscheiden sich zum Teil deutlich. Felton bedient sich in seinem Drehbuch einiger Elemente aus Vernes Buch Die Erfindung des Verderbens. So übernimmt er beispielsweise die Erfindung eines starken Sprengstoffes und legt sie in seinem Werk als Entwicklung der Atombombe aus. Auch die Hilfegesuche per Flaschenpost sind übernommen. Nemos Insel Vulkania, eine Erfindung Feltons, erinnert an Back Cup Island, jenes Eiland, das in Die Erfindung des Verderbens dem Piraten Ker Karraje als Basis dient.

Weitere Unterschiede:

  • Laut Verne wird die Nautilus mit Elektrizität angetrieben. Der Film suggeriert jedoch Atomkraft als Antriebsenergie.
  • Im Buch spricht Conseil von sich selber immer in der dritten Person, im Film jedoch in der ersten.
  • Nemos Seehund Esmerelda taucht nur im Film auf.
  • Verne beschreibt Ned Land als äußert wortkarg und verschlossen. Im Film wird er jedoch als redselig und extrovertiert dargestellt.
  • Im Film wird Ned Land als Strafe für sein aufmüpfiges Verhalten in einem Lagerraum eingesperrt.
  • Im Film rettet Ned Land Kapitän Nemo vor dem Riesenkalmar, im Buch wird er stattdessen von Kapitän Nemo gerettet.
  • Im Original wird die Nautilus als „dünn und langgestreckt wie eine Zigarre“ dargestellt. Im Film erscheint sie kraftvoll und mit komplett anderer Formgebung.
  • In Vernes Vorlage steuert das Unterseeboot am Ende auf den Moskenstraumen zu. Es bleibt unklar, ob es versinkt, denn in Die geheimnisvolle Insel tritt es erneut in Erscheinung. Im Film geht das Schiff nach der Explosion Vulkanias unter.

Hintergründe

Ebenfalls im Jahr 1954 lief das erste Atom-U-Boot, das ebenfalls auf den Namen Nautilus getauft wurde, in den USA vom Stapel. Mit diesem gelangen den USA vier Jahre später die erste erfolgreiche Unterquerung des Nordpols. Obwohl die Disney-Studios damals bemüht waren, der US-Regierung im Kampf gegen die damals schon kritische Haltung der amerikanischen Bevölkerung gegenüber der Atomkraft beizustehen, wirkte das Werk durch die Darstellung der zerstörerischen Kraft einer Atombombe eher wie ein Antikriegsfilm des Kalten Krieges, weshalb die Disney-Studios 1956 den Lehrfilm Unser Freund, das Atom produzierten, welcher die Vorteile der Atomkraft hervorheben und betonen sollte (und mit kommentierten Szenen aus der Disney-Verfilmung von 1954 beginnt).

Kritiken

„Ungeachtet des bisweilen konfusen Dialogs einprägsam – trickreiche Unterhaltung, besonders für Jugendliche.“

Lexikon des internationalen Films

„Mit modernen Gedanken angereicherte Disney-Fassung des utopischen Romans von Jules Verne, die auf schauprächtige und doch legitime Art die Lust am phantastischen Abenteuer überreich befriedigt. Sehenswert besonders für die Jugend ab 12. “

Evangelischer Film-Beobachter, Nr. 190a/1966

„Prädikat 'Wertvoll'“

Filmbewertungsstelle Wiesbaden

Auszeichnungen

Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem auch zwei Preise bei der Oscarverleihung 1955:

Nominiert war das Werk zusätzlich noch in der Kategorie Bester Schnitt.

DVD-Veröffentlichung

  • 20.000 Meilen unter dem Meer. Special Edition. Buena Vista Home Entertainment 2003

Literatur

  • Jules Verne: 20000 Meilen unter den Meeren (Originaltitel: Vingt mille lieues sous les mers). Deutsch von Gisela Geisler. Deutscher Bücherbund, Stuttgart und München 1986, 500 S. − die wohl vollständigste deutschsprachige Edition mit sämtlichen Illustrationen der französischen Originalausgabe
  • Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter Meer. Roman (Originaltitel: Vingt mille lieues sous les mers). 2 Bände. Deutsch von Peter Laneus (Band 1) und Peter G. Hubler (Band 2). Mit Illustrationen von de Neuville und Riou sowie einem Nachwort von Peter Costello. Diogenes, Zürich 1998, 368/442 S., ISBN 3-257-20244-X (Band 1) und ISBN 3-257-20245-8 (Band 2)
  • Leonard Maltin: The Disney Films. 3. Auflage, 384 S. Hyperion, New York 1995, ISBN 0-7868-8137-2

Einzelnachweise

  1. Filmanalyse von Glenn Abel vom The Hollywood Reporter

Weblinks


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