Ameisenfarm

Ein Formicarium ist ein Behälter oder eine Anlage aus Behältern zur Beobachtung und Haltung von Ameisen. Es ist daher ein spezielles Terrarium, das den Lebensraum einer Ameisenart nachbildet.

Formicarium mit Ytong-Nest

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile eines Formicariums

Ein Nest sollte immer mit einem weiteren Behälter verbunden werden, wo die Ameisen sich mit Futter versorgen und Abfälle entsorgen können („Arena“).

Ein vollständiges Formicarium besteht mindestens aus dem „Nest“, der „Arena“, den Verbindungsröhren oder -schläuchen und einer geeigneten Ausbruchssicherung, so dass die Ameisen nicht unkontrolliert das Formicarium verlassen können.

Hinzu kommen Gerätschaften zur Klimaregulation (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Helligkeit).

Oft sind Formicarien zweckentfremdete Behältnisse, die mit einem Ameisennest und einer Ausbruchssicherung versehen werden. Mittlerweile gibt es aber auch Händler, die geeignete Behälter und Zubehör verkaufen.

Nesttypen

Gasbeton

Man kann ein Nest aus einem Gasbeton-Stein (Ytong oder Porenbeton) fertigen. Dazu nimmt man einen solchen Stein und ritzt, meißelt oder fräst Gänge und Kammern in eine oder mehrere Flächen des Steins. Auf diese Seiten werden dann Glas oder Plexiglas-Scheiben geklebt. Diese Scheiben sollten durch eine rote Folie verdunkelt werden. Das Nestklima lässt sich ausgezeichnet von außen durch angefertigte Wasserspeicher regeln.

Gips

Ein Nest aus Gips ist einem Gasbeton-Nest sehr ähnlich; bis auf den Unterschied, dass Gips luftundurchlässig ist, wodurch sich die Schimmelgefahr im Nestinneren erhöht.

Glasscheiben mit Erde (Ameisenfarm)

Ameisenfarm

Zur Herstellung werden zwei Glas- oder Plexiglasscheiben aufrecht, parallel und dicht nebeneinander in einem Rahmen befestigt und der Zwischenraum mit Erde gefüllt. Diese sehr bekannte Haltungsform von Ameisen erlaubt den Ameisen selbständig Gänge und Nestkammern zwischen die beiden Scheiben zu graben, so dass man als Beobachter einen guten Einblick in das Nest erhält.

Haltung in Gelfarmen

Die sogenannten Gelfarmen, die mit farbigem Gelee gefüllt sind, haben sich nicht als geeignete Umgebung für Ameisen erwiesen. Langlebige Kolonien oder gar Nachzuchten sind in solchen Behältern nicht bekannt.

Reagenzglas (Neströhrchen)

Einfaches Neströhrchen ohne Bewohner

Junge Kolonien werden oft vorübergehend in solchen Nestern herangezogen, bis ab einer gewissen Koloniegröße ein größeres Formicarium angeboten wird. Manche volksschwachen Ameisenarten können auch für immer darin gehalten werden.

Für den Bau eines Neströhrchens füllt man ein Reagenzglas zu einem Viertel bis zu einem Drittel mit Wasser und schiebt dann Watte in das Reagenzglas bis zum Wasser. Die Watte sollte sich vollsaugen und den so entstandenen „Wassertank“ fest verschließen. Der vordere Bereich bildet die „Nistkammer“. Das Reagenzglas wird mit luftdurchlässigem Material (z.B. einem zweiten Wattebausch) verschlossen und wird üblicherweise waagrecht gelagert. Zusätzlich empfiehlt sich die Abdunkelung mit Alufolie oder roter Sichtfolie.

Ausbruchssicherungen

Verschließen des Formicariums

Das Verschließen der Formicarien ist recht simpel (z. B. Tupperdose mit Deckel), jedoch birgt es eine Menge Nachteile: da die Luft gar nicht oder nur sehr schlecht zirkulieren kann, ist die Schimmelgefahr sehr hoch. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Fütterung, die ab einer gewissen Volksgröße im Formicarium erfolgen muss, da man sonst die Tiere nur sehr umständlich alle wieder ins Formicarium zurück bekommt. Da die Ameisen das Formicarium nicht verlassen können, muss der Halter die Futterreste und sonstigen Abfälle seiner Schützlinge entfernen, um die Schimmelgefahr zu senken.

Wassergraben

Das Anlegen eines Wassergrabens um ein Formicarium lässt sich ebenfalls recht einfach bewerkstelligen. Die Nachteile liegen hier zum einen in der ständigen Wartung des Wasserstandes, da dieses langsam verdunstet und zum anderen in der Tatsache, dass kleinere Ameisenarten wie etwa Lasius niger den auf dem Wasser abgelagerten Staub als Brücke nutzen können. Abhilfe können hier jedoch einige Tropfen Spülmittel schaffen, da diese die Oberflächenspannung herabsetzen.

Rasierschaum

Frischer Rasierschaum hält Ameisen erfolgreich zurück, jedoch sind bei dieser Methode die „Wartungsarbeiten“ enorm, da der Rasierschaum regelmäßig erneuert werden muss. Nebenbei ist das ganze sehr geruchsintensiv.

Öl

Durch Anstreichen steiler Wände mit (Paraffin-)Öl wird den Ameisen das Erklimmen dieser deutlich erschwert, wenn nicht sogar gänzlich verhindert. Der Vorteil liegt hier in der besonders einfachen Umsetzung der Sicherung und des geringen Wartungsaufwandes. Leider verenden oftmals viele Tiere am Öl, da es ihnen die Atemorgane (Tracheen) verklebt.

Talkum

Talkum wird zuerst mit Wasser zu einem Brei vermischt, der dann auf die Wände aufgetragen wird. Nach einer Trocknungszeit von 1 bis 2 Tagen muss bei besonders kleinen Ameisenarten, wie z. B. bei Pheidole pallidula die Talkumoberfläche mit dem Finger oder einem feinen Haarpinsel aufgeraut werden. Versuchen die Ameisen dann über die Talkumschicht zu laufen, bröseln die winzigen Partikel ab und die Tarsen finden keinen Halt. Dies ist bei erfahrenen Halter die bevorzugte Methode, da sie sehr sicher ist und selten erneuert werden muss (nur ca. 1x pro Jahr).

PTFE

siehe PTFE. Auch als Teflon bekannt. PTFE wird flüssig aufgetragen. Nach dem Trocknen bildet es einen dünnen Film, der keinerlei Unebenheiten bietet. So finden die Ameisen keinen Halt. Wichtig ist, dass PTFE wirklich sehr dünn aufgetragen wird, da sich sonst Risse bilden, an denen die Ameisen Halt finden. Ein weiteres Problem sind die Silikonnähte. Da PTFE auf diesen schlecht hält, wird dieses Problem manchmal dadurch gelöst, dass ein Streifen Tesa-Film über das Silikon geklebt wird und anschließend mit PTFE bestrichen wird.

Hinweise zur Haltung mitteleuropäischer Ameisenarten

Da alle mitteleuropäischen Ameisen eine Winterruhe halten, ist es empfehlenswert das Formicarium transportabel zu gestalten, falls der Unterbringungsort nicht ganzjährig den Außentemperaturen entspricht.

Die Haltung von besonders geschützten Tierarten, darunter die meisten Waldameisen, ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten.

Hinweise zur Haltung exotischer Ameisenarten

Oft werden die Risiken unterschätzt, die mit der Haltung von exotischen Ameisenarten einhergehen[1] [2]:

  • Das Risiko biologischer Invasoren: Obwohl nicht jede absichtlich oder unabsichtlich freigelassene Kolonie lebensfähige Populationen entwickeln kann, so gibt es doch einige Arten, die eine erhebliche Gefahr für die einheimische Flora und Fauna darstellen könnten. Da Ameisen in vielen Ökosystemen dominant sind besteht die Gefahr, dass sich weitere Neozoen wie die bereits eingeschleppte Pharaoameise oder die Argentinische Ameise etablieren. Der Ausbruch einer Blattschneiderameisen-Art (später als Acromyrmex octospinosus bestimmt) in Köln 2006 ist dokumentiert und wurde sogar von der örtlichen Kölner Boulevardpresse wahrgenommen.[3][4]
  • Es besteht die Gefahr, dass Parasiten und Pathogenen auf einheimische Ameisen überspringen und diese Arten nachhaltig geschädigt werden
  • Risiko der „intraspezifischen Homogenisierung“ (Entstehung homogener Mischpopulationen, die möglicherweise Anpassungsmerkmale an bestimmte Habitate verlieren)

Gesetzliche Regelungen zum Kauf und Verkauf von exotischen Arten, wie etwa bei Reptilien oder Spinnen, gibt es jedoch nicht in Europa.

Einzelnachweise

  1. BUSCHINGER A.: Risiken und Gefahren zunehmenden internationalen Handels mit Ameisen zu Privat-Haltungszwecken (Hymenoptera:Formicidae). In: Myrmecologische Nachrichten, Dezember 2004, pp. 79-82. Abgerufen am 01.06.2007.
  2. Alfred Buschinger: Infektionsgefahr durch exotische Ameisen. In: Myrmecologische Nachrichten 6, 2004, pp. 79-82. Abgerufen am 12.09.2007.
  3. Kahlfraß durch tropische Ameisen. In: Kölner Stadt-Anzeiger. Abgerufen am 01.06.2007.
  4. Tropische Ameisen werden zur Gefahr. In: Kölner Stadt-Anzeiger. Abgerufen am 01.06.2007.

Literatur

  • Bert Hölldobler, Edward O. Wilson: Ameisen. Die Entdeckung einer faszinierenden Welt. Aus dem Amerikanischen von Susanne Böll. Birkhäuser Verlag, Basel - Boston - Berlin 1995. ISBN 3-7643-5152-7
  • Bert Hölldobler, Edward O. Wilson: Journey to the Ants. A Story of Scientific Exploration. Harvard University Press, Cambridge MA - London 1994 (engl. Origin.). ISBN 0674485254
  • Walter Kirchner: Die Ameisen., ISBN 3-406-44752-X
  • Bianca Beyer: Das spannende Leben im heimischen Wohnzimmer - Eine Einführung in die Ameisenhaltung 2. Auflage, 2006 ,[1]

Weblinks


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