2000-Watt-Gesellschaft

Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein energiepolitisches Modell, das im Rahmen des Programms Novatlantis an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) entwickelt wurde. Gemäß dieser Vision sollte der Energiebedarf jedes Erdenbewohners einer durchschnittlichen Leistung von 2000 Watt entsprechen.

Inhaltsverzeichnis

Modell

Die genannten 2000 Watt (2 kJ pro Sekunde) entsprechen dem Wert von 1990 mit einem Weltjahresverbrauch von 17.500 kWh (Kilowatt-Stunden) pro Person. Wird das Modell weiter ins Detail gerechnet, heißt dies: 2000 Joule pro Sekunde bzw. 48 Kilowattstunden pro Tag bzw. 17'500 Kilowattstunden pro Jahr bzw. ein Verbrauch von rund 1'700 Liter Heizöl oder Benzin pro Jahr und Person. [1]

Projekte wie Minergie P oder Passivhaus verfolgen das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Energiebedarf weltweit derzeit (2006) auf dem Niveau von 2000 Watt. Doch sind die Unterschiede zwischen den Ländern enorm: Während es in den Entwicklungsländern einige hundert Watt sind, haben Industrieländer sechs bis sieben Mal höheren Verbrauch als die angestrebten 2000 Watt. Das nachhaltige Energieverbrauchsmodell soll den jährlichen Ausstoß von Treibhausgasen (vor allem CO2) senken. Nach diesem Modell sollen 500 Watt pro Kopf aus fossilen Energien und zusätzliche 1500 Watt pro Kopf aus erneuerbare Energien stammen.

Die Machbarkeit der 2000-Watt-Gesellschaft wird von gewissen Fachleuten mit Hinweis auf Graue Energie in importierten Waren sowie auf Rebound-Effekte in Frage gestellt. Denkbare Alternative wäre der Ansatz eines größeren Energiebedarfs als das 2000-Watt-Modell vorsieht und einer Bereitstellung größerer Mengen durch erneuerbare Energien. Wobei künftig das Verhältnis zwischen Energieeffizienz (Energiesparen) und zusätzlich hergestellter erneuerbarer Energie (Nachhaltigkeit) maßgeblich durch den Markt bestimmt wird.

Schweiz

Die Schweiz hat zurzeit einen Wert der stetigen Leistung von ca. 5000–6000 Watt pro Bewohner. Man muss bis ins Jahr 1960 zurückgehen, um einen Verbrauch von 2000 Watt festzustellen. Gemäß den Spezialisten der ETHZ ist es möglich, mittelfristig ohne Komforteinbußen auf diesen Wert zurückzukehren. Dies soll vor allem durch Erhöhung der Effizienz an Gebäuden, Geräten und Fahrzeugen geschehen, aber auch durch die Entwicklung neuer Technologien. Es sind jedoch Impulse aus der Politik notwendig, um eine solche Entwicklung einzuleiten. Dies zeigen auch die Rechenmodelle zur Energieverfügbarkeit Zürich 2035 und Zürich 2050.

In der Volksabstimmung vom 30. November 2008 haben die Stimmberechtigten der Stadt Zürich eine Änderung der Gemeindeordnung beschlossen, welche die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft zum Ziel hat.[2]

Deutschland

Für Deutschland hat der umweltpolitische Dachverband DNR im Mai 2011 einen Sechs-Punkte-Plan[3] zum Umbau des Energiesystems mit dem Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft vorgelegt.[4]

Im April 2011 beschloss die Stadt Radolfzell, eine 2000-Watt-Gesellschaft bis 2050 anzustreben.[5]

Anhang

Belege

  1. http://www.selezione.ch/2000-watt-gesellschaft.htm
  2. Abstimmungszeitung der Stadt Zürich
  3. Sechs-Punkte-Plan: Der Umbau des Energiesystems in Deutschland
  4. Naturschutzring plädiert für 2.000-Watt-Gesellschaft – dapd vom 3. Mai 2011
  5. Energetische Rosskur für RadolfzellSüdkurier vom 20. April 2011

Literatur

  • Paul Scherrer Institut: Die 2000-Watt-Gesellschaft: Norm oder Wegweiser?, 2007, Online
  • Eberhard Jochem et al.: European Symposium Steps towards a 2000 Watt per capita society - the White Paper on R&D, 2004, (englisch), Online
  • Thomas Schneider: Kernindikatoren für die Nachhaltigkeit von Städten und Kantonen, 2003

Weblinks

Siehe auch


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