Ammern (Tübingen)

Ammern ist ein ehemaliger Weiler an der Ammer westlich von Tübingen, von dem heute noch der Ammerhof mit der Ammerhofkapelle erhalten ist.

Der Weiler, der zuerst als "villa ambra" benannt wurde, lag direkt an der alten Ost-West-Verbindung durch das Ammertal und bestand bereits im Mittelalter. Als die Pfalzgrafen von Tübingen im Jahr 1171 das Chorherrenstift Obermarchtal stifteten, zählte zu diesem auch das Gut mit dem Hof Ammern und der dort bereits seit dem Mittelalter befindlichen Kapelle. Im Jahr 1600 wurde unter Abt Riedgasser ein Neubau der Kapelle errichtet. Ab 1707 befand sich in Ammern eine Statthalterei des Stiftes Obermarchtal. Seit 1708 befand sich hier neben der Landwirtschaft auch eine Gastwirtschaft. Nach den Beschädigungen der Kapelle im Dreißigjährigen Krieg wurde diese 1733 neu errichtet, unter Abt Edmund II. und dem Baumeister Tiberius Moosbrugger dann im Jahr 1765 nochmals vergrößert. Im Jahr 1749 war in Ammern eine eigene katholische Pfarrei eingerichtet worden, die die Katholiken im weiten Umfeld des ansonsten protestantischen Tübingens betreute. Zugleich mit der Bedeutung der Kapelle für das Umland verschwand das Dorf Ammern allerdings allmählich.

Erst im Jahr 1803 kam Ammern im Laufe der Säkularisation von der Herrschaft Marchtal an den Fürsten von Thurn und Taxis. Im Jahr 1807 wurde die Pfarrei aufgehoben und mit der katholischen Stadtpfarrei von Tübingen vereinigt. Die Kapelle diente fortan als Heuschober. Nach weiteren Besitzerwechseln kam das Gut Ammern 1852 schließlich an die königlich-württembergische Hofkammer, das Gut gehörte fortan politisch zur Gemeinde Derendingen, mit welcher es 1934 nach Tübingen eingemeindet wurde. 1935 wurde die Teilgemeinde Ammern, 1978 die Markung Ammern aufgelöst. Früher besaß Ammern außerdem einen Haltepunkt an der Ammertalbahn, dieser wurde jedoch aufgelassen.

In den 1980er Jahren wurde die Ammerhofkapelle wieder restauriert und mit der Altarweihe durch den Weihbischof Bernhard Rieger am 17. Juni 1991 wieder als Kirche in Betrieb genommen. Die Kirche wird heute im Sommer für Samstagabendgottesdienste sowie für Andachten und Hochzeiten genutzt und ist der Pfarrei St. Johannes Tübingen zugeordnet.

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