Amor fati
Friedrich Nietzsche, 1882 (Photographie von Gustav-Adolf Schultze)

Friedrich Wilhelm Nietzsche (* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen; † 25. August 1900 in Weimar) war ein deutscher Philosoph, Dichter und klassischer Philologe.

Im Alter von 24 Jahren wurde Nietzsche Professor für klassische Philologie in Basel. Bereits zehn Jahre später legte er wegen Krankheiten, die ihn sein Leben lang begleiteten, die Professur nieder. Von nun an reiste er als heimatloser und noch recht unbekannter Autor zwischen Frankreich, Italien, Deutschland und der Schweiz umher. Als er 44 Jahre alt war, brach eine schwere Geisteskrankheit aus. Die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte Nietzsche in der Pflege seiner Mutter und seiner Schwester. Erst zu dieser Zeit erlangten seine Schriften größere Resonanz.

Der junge Nietzsche fühlte sich der Philosophie Schopenhauers verbunden. Später wollte er Schopenhauers Pessimismus überwinden und stellte eine radikale Lebensbejahung in den Mittelpunkt seiner Philosophie.

Sein Werk enthält tiefgreifende Kritiken an Moral, Religion, Philosophie, Wissenschaft und Formen der Kunst. Der als lebensschwach empfundenen Gegenwart stellte er oft das antike Griechenland gegenüber. Wiederkehrendes Ziel von Nietzsches Angriffen ist vor allem die christliche Moral sowie die christliche und platonistische Metaphysik. Er stellte den Wert der Wahrheit überhaupt in Frage und wurde damit Wegbereiter moderner und postmoderner philosophischer Ansätze. Auch Nietzsches Konzepte, etwa des „Übermenschen“, des „Willens zur Macht“ oder der „ewigen Wiederkunft“, geben bis heute Anlass zu Deutungen und Diskussionen.

Nietzsches Denken hat weit über die Philosophie hinaus gewirkt und ist bis heute unterschiedlichsten Deutungen und Bewertungen begegnet. Seine Schriften entbehren einer strengen Systematik; er hat oft den Aphorismus als Ausdrucksform des Gedankens gewählt. Sowohl sein Prosastil als auch seine Gedichte und der pathetisch-lyrische Stil von Also sprach Zarathustra haben ihm auch als Schriftsteller Anerkennung verschafft. Das biographische und psychologische Interesse an der Person Nietzsche ist deutlich stärker als bei anderen Philosophen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend (1844–1869)

Nietzsche im Alter von 17 Jahren, 1861

Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren, einem Dorf nahe Lützen in der preußischen Provinz Sachsen. Seine Eltern waren der lutherische Pfarrer Carl Ludwig Nietzsche und dessen Frau Franziska, geborene Oehler (1826–1897). In den Familien beider Elternteile gab es einen hohen Anteil protestantischer Geistlicher. Seinen Vornamen erhielt er zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., an dessen 49. Geburtstag er geboren wurde.

Die Schwester Elisabeth kam 1846 zur Welt. Nach dem Tod des Vaters 1849 und des jüngeren Bruders Ludwig Joseph (1848–1850) zog die Familie nach Naumburg (Saale). Der spätere Justizrat Bernhard Dächsel wurde formal zum Vormund der Geschwister Friedrich und Elisabeth bestellt.

Nietzsche als 18-Jähriger, 1862

Von 1850 bis 1856 lebte Nietzsche im Naumburger „Frauenhaushalt“ zusammen mit Mutter und Schwester, Großmutter und zwei unverheirateten Tanten väterlicherseits sowie dem Dienstmädchen. Erst durch die Erbschaft der 1856 verstorbenen Großmutter konnte die Mutter sich mit den Kindern eine eigene Wohnung nehmen. Der junge Nietzsche besuchte zunächst eine allgemeine Knabenschule, wo er sich isoliert fühlte; daraufhin wurde er auf eine Privatschule geschickt, wo er erste Jugendfreundschaften mit Gustav Krug und Wilhelm Pinder, beide aus angesehenen Häusern, knüpfte. Nach dem Privatunterricht besuchte er ab 1854 das Domgymnasium Naumburg. Nachdem bereits dort seine besondere Begabung im musischen und sprachlichen Bereich aufgefallen war, durfte er seine Ausbildung von 1858 bis 1864 am angesehenen Internat Schulpforta fortsetzen. Hier lernte er als bleibende Freunde Paul Deussen und Carl Freiherrn von Gersdorff kennen. Seine schulischen Leistungen waren sehr gut; daneben fand er immer wieder Zeit zum Dichten und Komponieren. In Schulpforta konnte er durch den Unterricht und den Zugang zur Literatur sein Wissen erheblich erweitern. Insbesondere bildete sich hier seine Vorstellung der Antike und, zum Teil damit einhergehend, seine Distanz zur eher kleinbürgerlich-christlichen Welt seiner Familie heraus. In dieser Zeit lernte Nietzsche auch den älteren, einstmals politisch engagierten Dichter Ernst Ortlepp kennen, dessen Persönlichkeit den vaterlosen Knaben beeindruckte. Von Nietzsche besonders geschätzte Lehrer, mit denen er nach seiner Schulzeit noch in Verbindung blieb, waren Wilhelm Corssen, der spätere Rektor Diederich Volkmann sowie Max Heinze, der übrigens 1897, als Nietzsche entmündigt war, zu dessen Vormund bestellt wurde.

Nietzsche als Artillerist, 1868

Im Wintersemester 1864/65 begann Nietzsche an der Universität Bonn das Studium der klassischen Philologie und der evangelischen Theologie. Zusammen mit Deussen wurde er Mitglied der Bonner Burschenschaft Frankonia, die er ein Jahr später wieder verließ, weil ihm das Verbindungsleben missfiel. Neben seinem Studium vertiefte er sich in Werke der Junghegelianer, etwa in Das Leben Jesu von David Friedrich Strauß, Das Wesen des Christentums von Ludwig Feuerbach oder Bruno Bauers Evangelienkritiken. Dies bestärkte ihn in dem Entschluss, das Theologiestudium – zur großen Enttäuschung seiner Mutter – nach einem Semester abzubrechen.

Nietzsche wollte sich nun ganz auf die klassische Philologie konzentrieren, war jedoch mit seiner Lage in Bonn unzufrieden. Er nahm den Wechsel des Philologieprofessors Friedrich Ritschl nach Leipzig (in Folge des Bonner Philologenstreits) und ähnliche Pläne seines Freundes Gersdorff zum Anlass, ebenfalls nach Leipzig zu wechseln. In den folgenden Jahren sollte Nietzsche zu Ritschls philologischem Musterschüler werden, obwohl er in Bonn noch eher dessen Konkurrenten Otto Jahn zugeneigt war. Ritschl war für Nietzsche wohl auch zeitweise eine Vaterfigur, ehe Richard Wagner (siehe unten) diese Stelle einnahm.

Im Oktober 1865, kurz bevor Nietzsche das Studium in Leipzig aufnahm, verbrachte er zwei Wochen in Berlin bei der Familie seines Studienfreundes Hermann Mushacke. Dessen Vater, Eduard Mushacke, hatte in den 1840er Jahren zu einem Debattierzirkel um Bruno Bauer und Max Stirner gehört. Dass Nietzsche bei diesem Besuch mit Stirners berüchtigtem, 1845 erschienenen Buch Der Einzige und sein Eigentum konfrontiert wurde, liegt nahe, lässt sich aber nicht eindeutig belegen. [1] Jedenfalls wandte Nietzsche sich unmittelbar danach einem Philosophen zu, der Stirner und dem Junghegelianismus denkbar fern stand: Arthur Schopenhauer. Ein weiterer Philosoph, den er in seiner Leipziger Zeit für sich entdeckte, war Friedrich Albert Lange, dessen Geschichte des Materialismus 1866 erschien. In erster Linie setzte Nietzsche jedoch zunächst sein philologisches Studium fort. In dieser Zeit knüpfte er eine enge Freundschaft mit seinem Kommilitonen Erwin Rohde.

Hatte er im sogenannten Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich, in dessen Verlauf auch Leipzig preußisch besetzt wurde, noch eine Einziehung vermeiden können, so wurde Nietzsche 1867 als Einjährig-Freiwilliger bei der preußischen Artillerie in Naumburg verpflichtet. Nach einem schweren Reitunfall im März 1868 war er dienstunfähig; die Kurzeit nutzte er zu weiteren philologischen Arbeiten, die er in seinem letzten Studienjahr fortsetzte. Von großer Bedeutung sollte sein erstes Zusammentreffen mit Richard Wagner 1868 werden.

Professor in Basel (1869–1879)

Auf Empfehlung Friedrich Ritschls und Betreiben Wilhelm Vischer-Bilfingers wurde Nietzsche 1869 zum außerordentlichen Professor für klassische Philologie an die Universität Basel berufen, noch bevor er seine Promotion ehrenhalber und Habilitation bekommen hatte. Zu seiner Tätigkeit gehörte auch das Lehren am Basler Gymnasium am Münsterplatz (Pädagogium). Als seine wichtigste Erkenntnis auf dem Gebiet der Philologie sah er die Entdeckung an, dass die antike Metrik nur auf der Länge von Silben basierte (quantitierendes Prinzip), im Gegensatz zur modernen, akzentuierenden Metrik.[2]

Erwin Rohde, Carl von Gersdorff und Nietzsche im Oktober 1871

Auf eigenen Wunsch wurde Nietzsche nach dem Umzug nach Basel aus der preußischen Staatsbürgerschaft entlassen und war für den Rest seines Lebens staatenlos.[3] Dennoch diente er im Deutsch-Französischen Krieg für kurze Zeit als Sanitäter auf deutscher Seite. Die Gründung des Deutschen Reichs und die anschließende Ära Otto von Bismarcks nahm er von außen und mit einer grundsätzlichen Skepsis wahr.

In Basel begann 1870 die bis in die Zeit von Nietzsches Umnachtung andauernde Freundschaft zu seinem Kollegen Franz Overbeck, einem atheistischen Theologieprofessor. Nietzsche schätzte auch den älteren Kollegen Jacob Burckhardt, der jedoch ihm gegenüber höflich, aber bestimmt Distanz wahrte.

Bereits im Jahre 1868 hatte Nietzsche in Leipzig Richard Wagner sowie dessen spätere Frau Cosima kennen gelernt. Beide verehrte er zutiefst und war seit Beginn seiner Zeit in Basel häufig Gast im Haus des „Meisters“ in Tribschen bei Luzern. Dieser nahm ihn zeitweise in seinen engsten Kreis auf, schätzte ihn aber vor allem als Propagandisten für die Gründung des Bayreuther Festspielhauses.

1872 veröffentlichte Nietzsche Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Nietzsches erstes größeres Werk, das in seiner Untersuchung über den Ursprung der Tragödie eine exakte philologische Methode durch philosophische Spekulation ersetzte, wurde von seinen altphilologischen Kollegen – auch Ritschl – zumeist nicht verstanden, abgelehnt und totgeschwiegen. Durch die Polemik Zukunftsphilologie! von Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff kam es allerdings zu einer kurzen öffentlichen Kontroverse, in die Rohde, inzwischen Professor in Kiel, und sogar Wagner auf Nietzsches Seite eingriffen. Nietzsche bemerkte seine zunehmende Isolation in der Philologie und hatte sich bereits Anfang 1871 erfolglos um den philosophischen Lehrstuhl in Basel beworben, der nach Gustav Teichmüllers Weggang freigeworden war: der Lehrstuhl ging an Rudolf Eucken.

Nietzsche um 1875

Auch die vier Unzeitgemäßen Betrachtungen (1873–1876), in denen er von Schopenhauer und Wagner beeinflusste Kulturkritik übte, fanden nicht die erhoffte Resonanz. Im Umkreis Wagners hatte Nietzsche inzwischen Malwida von Meysenbug und Hans von Bülow kennengelernt; auch begann die Freundschaft mit Paul Rée, dessen Einfluss ihn vom Kulturpessimismus seiner ersten Schriften abbrachte. Seine Enttäuschung über die ersten Bayreuther Festspiele von 1876, wo er sich von der Banalität des Schauspiels und der Niveaulosigkeit des Publikums abgestoßen fühlte, nahm er zum Anlass, sich von Wagner zu entfernen. Die frühere unterwürfige Anhängerschaft schlug in Ablehnung und schließlich radikale Gegnerschaft um.

Mit der Publikation von Menschliches, Allzumenschliches 1878 wurde die Entfremdung von Wagner und Schopenhauerscher Philosophie offenbar. Auch die Freundschaften zu Deussen und Rohde hatten sich merklich abgekühlt. In dieser Zeit unternahm er mehrere Versuche, eine junge, heiratswillige – und vermögende – Frau zu finden, worin er vor allem von der mütterlichen Gönnerin Malwida von Meysenbug unterstützt wurde. Diese Pläne zerschlugen sich aber.

Seit der Kindheit auftretende Krankheiten – starke Kurzsichtigkeit bis zu praktischer Blindheit, Migräneanfälle und Magenstörungen – nahmen zu und zwangen ihn, immer längere Urlaube von seiner Lehrtätigkeit zu nehmen. 1879 musste er sich wegen steigender Häufigkeit von Anfällen mit heftigen Kopf- und Augenschmerzen sowie Erbrechen frühzeitig pensionieren lassen.

Freier Philosoph (1879–1889)

Getrieben von seinen Krankheiten auf der ständigen Suche nach für ihn optimalen Klimabedingungen reiste er nun viel und lebte bis 1889 als freier Autor an verschiedenen Orten. Dabei lebte er vor allem von der ihm gewährten Pension, erhielt aber auch mitunter Zuwendungen von Freunden. Im Sommer hielt er sich meist in Sils-Maria, im Winter vorwiegend in Italien (Genua, Rapallo, Turin) und auch in Nizza auf. Hin und wieder besuchte er auch die Familie in Naumburg; mehrfach kam es zu Zerwürfnissen und Versöhnungen mit seiner Schwester. Sein früherer Schüler Peter Gast (eigtl. Heinrich Köselitz) wurde zeitweilig zu einer Art Privatsekretär. Köselitz und Overbeck waren Nietzsches beständigste Vertraute.

Aus dem Wagnerkreis war ihm vor allem Meysenbug als mütterliche Gönnerin erhalten geblieben. Kontakt hielt er daneben mit dem Musikkritiker Carl Fuchs, zunächst auch mit Paul Rée. Anfang der 1880er erschienen mit Morgenröte und Die fröhliche Wissenschaft weitere Werke im aphoristischen Stil von Menschliches, Allzumenschliches.

Lou von Salomé, Paul Rée und Nietzsche; von Nietzsche arrangierte Fotografie, 1882

1882 lernte er durch Vermittlung von Meysenbug und Rée in Rom Lou von Salomé kennen. Nietzsche fasste schnell weitreichende Pläne für die „Dreieinigkeit“ mit Rée und Salomé. Die Annäherung an die junge Frau gipfelte in einem mehrwöchigen gemeinsamen Aufenthalt in Tautenburg, mit Nietzsches Schwester Elisabeth als Anstandsdame. Nietzsche sah Salomé bei aller Wertschätzung weniger als gleichwertige Partnerin denn als begabte Schülerin an. Er verliebte sich in sie und hielt über den gemeinsamen Freund Rée um ihre Hand an; Salomé lehnte ab. Unter anderem aufgrund von Intrigen Elisabeths zerbrach die Beziehung zu Rée und Salomé im Winter 1882/1883; der angesichts neuer Krankheitsschübe und beinahe vollständiger Isolation – mit Mutter und Schwester hatte er sich der Salomé wegen überworfen – von Suizidgedanken geplagte Nietzsche flüchtete nach Rapallo, wo er in nur zehn Tagen den ersten Teil von Also sprach Zarathustra zu Papier brachte.

Waren ihm schon nach dem Bruch mit Wagner und Schopenhauers Philosophie nur wenige Freunde erhalten geblieben, so stieß der völlig neue Stil im Zarathustra selbst im engsten Freundeskreis auf Unverständnis, das höchstens durch Höflichkeit überdeckt wurde. Nietzsche war sich dessen durchaus bewusst und pflegte seine Einsamkeit geradezu, wenn er auch oft darüber klagte. Den kurzzeitig gehegten Plan, als Dichter in die Öffentlichkeit zu treten, gab er auf. Daneben plagten ihn Verlegersorgen; seine Bücher wurden so gut wie nicht gekauft. Den vierten Teil des Zarathustra gab er 1885 nur noch als Privatdruck mit einer Auflage von 40 Exemplaren heraus, die als Geschenk für „solche, die sich um ihn verdient machten“ gedacht waren, von denen Nietzsche lediglich 7 verschenkte.

Nietzsche kündigt Heinrich Köselitz den Titel seines neuen Buchs an

1886 ließ er Jenseits von Gut und Böse auf eigene Kosten drucken. Mit diesem Buch und den 1886/87 erscheinenden Zweitauflagen von Geburt, Menschliches, Morgenröte und Fröhlicher Wissenschaft sah er sein Werk als vorerst abgeschlossen an und hoffte, dass sich bald eine Leserschaft entwickeln würde. Tatsächlich stieg das Interesse an Nietzsche nun an, wenn auch sehr langsam und von ihm selbst kaum bemerkt.

Neue Bekanntschaften Nietzsches in diesen Jahren waren Meta von Salis und Carl Spitteler, auch ein Treffen mit Gottfried Keller war zustande gekommen. 1886 war seine Schwester, inzwischen verheiratet mit dem Antisemiten Bernhard Förster, nach Paraguay abgereist, um die „germanische“ Kolonie Nueva Germania zu gründen – ein Vorhaben, das Nietzsche für lächerlich befand. Im brieflichen Kontakt setzte sich die Abfolge von Streit und Versöhnung fort, persönlich sollten sich die Geschwister aber erst nach Friedrichs Zusammenbruch wiedersehen.

Nietzsche hatte weiterhin mit wiederkehrenden schmerzhaften Anfällen zu kämpfen, die längere Arbeiten unmöglich machten. 1887 schrieb er in kurzer Zeit die Streitschrift Zur Genealogie der Moral. Er wechselte nun Briefe mit Hippolyte Taine, dann auch mit Georg Brandes, der Anfang 1888 in Kopenhagen die ersten Vorträge über Nietzsches Philosophie hielt.

Im selben Jahr schrieb Nietzsche fünf Bücher, teilweise aus umfangreichen Aufzeichnungen für das zeitweise geplante Werk Der Wille zur Macht. Seine Krankheiten schienen nachgelassen zu haben, im Sommer war er in regelrechter Hochstimmung. Ab Herbst 1888 trugen seine Schriften und Briefe stärker werdende Anzeichen von Größenwahn; die zunehmenden Reaktionen auf seine Schriften, vor allem auf die Polemik Der Fall Wagner vom Frühjahr, wurden von ihm maßlos überbewertet. An seinem 44. Geburtstag entschloss er sich, nach der Vollendung der Götzen-Dämmerung und des zunächst zurückgehaltenen Antichrist, die Autobiographie Ecce homo zu schreiben. Im Dezember begann ein Briefwechsel mit August Strindberg; Nietzsche glaubte, kurz vor dem internationalen Durchbruch zu stehen, versuchte, seine alten Schriften vom ersten Verleger zurückzukaufen, und wollte über Übersetzungen in die wichtigsten europäischen Sprachen verhandeln. Überdies plante er die Veröffentlichung der Kompilation Nietzsche contra Wagner und der Gedichte Dionysos-Dithyramben.

In geistiger Umnachtung (1889–1900)

„Kleiner Nietzsche-Kopf“, Radierung von Hans Olde nach der Fotoserie „Der kranke Nietzsche“, 1899

Anfang Januar 1889 erlitt er in Turin einen geistigen Zusammenbruch; kleine Schriftstücke – „Wahnzettel“ – die er an enge Freunde, aber auch zum Beispiel an Cosima Wagner und Jacob Burckhardt sandte, waren eindeutig vom Wahnsinn gezeichnet. Als Ursache für den Zusammenbruch wurde progressive Paralyse als Folge von Syphilis vermutet. Diese Diagnose und die Ursache für Nietzsches Krankheitsbild überhaupt bleiben allerdings zweifelhaft und sind bis heute umstritten.[4]

Grab Friedrich Nietzsches in Röcken

Der durch die Wahnzettel an Burckhardt und ihn selbst alarmierte Overbeck brachte Nietzsche zunächst in ein Irrenhaus in Basel. Von dort wurde der inzwischen geistig vollständig Umnachtete von seiner Mutter in die Psychiatrische Universitätsklinik in Jena unter Leitung Otto Binswangers gebracht. Ein Heilungsversuch Julius Langbehns, der von sich aus Kontakt zur Mutter aufgenommen hatte, scheiterte. 1890 durfte die Mutter ihn schließlich bei sich in Naumburg aufnehmen. Zu dieser Zeit konnte er zwar gelegentlich kurze Gespräche führen, Erinnerungsfetzen hervorbringen und unter einige Briefe von der Mutter diktierte Grüße setzen, verfiel jedoch schnell und plötzlich in Wahnvorstellungen oder Apathie und erkannte auch alte Freunde nicht wieder.

Über das weitere Verfahren mit den teilweise noch ungedruckten Werken berieten zunächst Overbeck und Köselitz. Letzterer begann eine erste Gesamtausgabe. Gleichzeitig setzte eine erste Welle der Nietzsche-Rezeption ein.

Die Schwester kehrte nach dem Suizid ihres Mannes 1893 aus Paraguay zurück, ließ bald die Köselitzsche Ausgabe einstampfen, gründete das Nietzsche-Archiv und übernahm Stück für Stück die Kontrolle über Nietzsche und die Herausgabe aller seiner Werke. Die hochbetagte Mutter konnte dem kaum mehr Widerstand entgegensetzen, Overbeck wurde ausgebootet, Köselitz schließlich eingespannt.

Nietzsche selbst, dessen Verfall sich fortsetzte, bekam von alldem nichts mit. Nach dem Tod der Mutter 1897 lebte er in der Villa Silberblick in Weimar, wo er von seiner Schwester gepflegt und wie ein Schaustück ausgestellt wurde. Er überstand mehrere Schlaganfälle, infolge derer er allerdings teilweise gelähmt war und weder aufstehen noch sprechen konnte. Am 25. August 1900 starb er an den Folgen einer Lungenentzündung und eines weiteren Schlaganfalls. Er wurde an der Röckener Dorfkirche neben seinen Eltern und dem kleinen Bruder im Familiengrab beigesetzt.

Denken und Werk

Nietzsche begann sein Werk als Philologe, begriff sich selbst aber zunehmend als Philosoph oder als „freier Denker“ (vergleiche Freidenker, Freigeist). Er gilt als Meister der aphoristischen Kurzform und des mitreißenden Prosa-Stils. Einige Interpreten halten auch die scheinbar wenig strukturierten Aphorismenbücher für geschickt „komponiert“. Die Werke sind zuweilen mit einer Rahmenhandlung, Vor- und Nachwort, Gedichten und einem „Vorspiel“ versehen.

Nietzsche hat wie kaum ein zweiter Denker die Freiheit der Methode und der Betrachtung gewählt. Eine definitive Einordnung seiner Philosophie in eine bestimmte Disziplin ist daher problematisch. Nietzsches Herangehensweise an die Probleme der Philosophie ist mal die des Künstlers, mal die des Wissenschaftlers und mal die des Philosophen. Viele Stellen seines Werks können auch als psychologisch bezeichnet werden, wobei dieser Begriff erst später seine heutige Bedeutung bekam. Viele Deuter haben auch einen engen Zusammenhang zwischen seinem Leben und seinem denkerischen Werk gesehen, so dass über Nietzsches Leben und Persönlichkeit weit mehr geforscht und geschrieben worden ist, als dies bei anderen Philosophen der Fall ist.

Übersicht zum Werk

Oft wird Nietzsches Denken und Werk in bestimmte Perioden eingeteilt. Die folgende Aufteilung geht in Grundzügen auf Nietzsche selbst zurück und ist seit dem Nietzschebuch Lou Andreas-Salomés (1894) in ähnlicher Form von fast allen Interpreten verwendet worden.

Titelblatt des Erstdrucks der Geburt der Tragödie
  • Die Wagnerianisch-Schopenhauerische Zeit (1872–1876), die vor allem im Zeichen dieser beiden Männer steht und romantische Einflüsse zeigt. Sie umfasst die Werke:
  • Die „freigeistige“ Zeit 1876–1882. Nietzsche löst sich zunehmend vom persönlichen Einfluss Wagners und von der philosophischen Prägung durch Schopenhauer. Vor allem zu Beginn dieser Periode steht die wissenschaftlich-empirische Erkenntnis im Vordergrund. Daher wird diese Phase in Nietzsches Werk auch oft als „positivistisch“ bezeichnet. An Stelle der früheren zusammenhängenden Abhandlungen treten jetzt Aphorismensammlungen, worin sich unter anderem der Einfluss der von Nietzsche sehr geschätzten französischen Moralisten widerspiegelt:
  • Das zentrale Werk Also sprach Zarathustra (1883–1885), in dem neue Lehren in symbolisch-dichterischer Sprache formuliert werden. Oft werden Also sprach Zarathustra und die Spätschriften zusammengefasst.
  • Die späten Werke (1886–1888), in denen die bisherigen Ansätze weiter ausgeführt und zunehmend in polemische Schärfe gebracht werden. Neben Aphorismen und Sentenzen finden sich nun wieder längere Abhandlungen. Zu dieser Periode zählen:

Es gibt allerdings einige Überschneidungen und Brüche in diesem Schema. So fügte Nietzsche den Zweitauflagen der Geburt der Tragödie und der Fröhlichen Wissenschaft von 1887 ein selbstkritisches Vorwort bzw. ein fünftes Buch hinzu. Bedeutsam ist auch die zu Lebzeiten unveröffentlichte Schrift Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne von 1872, in der Nietzsche viele seiner späteren Gedanken vorwegnimmt. Einige Themen – etwa das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft – behandelt Nietzsche in allen Zeiträumen, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven und mit entsprechend unterschiedlichen Antworten.

Dieses Facsimile ist die getreue Reproduction eines von Nietzsche ursprünglich für das „Menschliche Allzumenschliche“ bestimmten Epilogs. (Original-Bildunterschrift der Werksausgabe von 1900, Leipzig.) – Jetzt im Nachlass, KSA 8: 24[10]. Ein weiteres Faksimile eines Manuskriptes findet sich im Artikel Faksimile.

Neben seinen philosophischen Betrachtungen veröffentlichte Nietzsche auch Gedichte, in denen seine philosophischen Gedanken bald heiter, bald dunkel und schwermütig ausgedrückt werden. Sie hängen mit den Prosawerken zusammen: Die Idyllen aus Messina (1882) gingen in die zweite Auflage der Fröhlichen Wissenschaft ein, während einige der Dionysos-Dithyramben (1888/89) Überarbeitungen von Stücken aus Also sprach Zarathustra sind.

Lange Zeit umstritten war die Bedeutung von Nietzsches Nachlass, dessen Rezeption zudem von der fragwürdigen Publikation durch das Nietzsche-Archiv erschwert wurde (vergleiche Nietzsche-Ausgabe). Extrempositionen bezogen hier einerseits Karl Schlechta, der zumindest im vom Archiv publizierten Nachlass nichts fand, was nicht auch in Nietzsches veröffentlichten Werken zu finden sei;[5] und andererseits etwa Alfred Baeumler und Martin Heidegger, die Nietzsches veröffentlichtes Werk nur als „Vorhalle“ sahen, während sich die „eigentliche Philosophie“ im Nachlass befinde.[6] Inzwischen herrscht eine mittlere Position vor, die den Nachlass als Ergänzung der veröffentlichten Werke begreift und darin ein Mittel sieht, Nietzsches Denkwege und Entwicklungen besser nachzuvollziehen. Vergleiche: Nietzsche-Rezeption.

Nietzsches Denken ist vielfach verschieden interpretiert worden. Es enthält Brüche, verschiedene Ebenen und fiktive Standpunkte lyrischer Personen („Ein Fälscher ist, wer Nietzsche interpretiert, indem er Zitate aus ihm benutzt. […] Im Bergwerk dieses Denkers ist jedes Metall zu finden: Nietzsche hat alles gesagt und das Gegenteil von allem.“, Giorgio Colli). Eine kanonische Wiedergabe ist sehr schwierig.

Die Frage, inwieweit das weitgehende Fehlen einer Systematik von Nietzsche beabsichtigt war oder sogar Ausdruck seiner Weltsicht ist, hat man in der Rezeption ausführlich diskutiert. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird sie eher bejaht. Vergleiche hierzu unten den Abschnitt Kritik an Religion, Metaphysik und Erkenntnistheorie.

Im Folgenden sollen einige zentrale Gedanken vorgestellt werden.

Kritik der Moral

Eines der wichtigsten Objekte von Nietzsches Kritik spätestens seit Menschliches, Allzumenschliches ist die Moral im Allgemeinen und die christliche Moral im Besonderen. Nietzsche wirft der bisherigen Philosophie und Wissenschaft vor, herrschende Moralvorstellungen unkritisch übernommen zu haben; wahrhaftig freies und aufgeklärtes Denken habe sich dagegen, wie der Titel eines Buchs sagt, Jenseits von Gut und Böse zu stellen. Dies hätten alle abendländischen Philosophen seit Platon, insbesondere auch Kant, versäumt.[7] Nietzsche untersucht oft Werturteile nicht auf ihre vermeintliche Gültigkeit hin, sondern beschreibt Zusammenhänge zwischen der Erschaffung von Werten durch einen Denker oder eine Gruppe von Menschen und deren biologisch-psychologischer Verfassung. Es geht ihm also um die Frage des Werts von moralischen Systemen überhaupt:

Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat.“ (Zur Genealogie der Moral [8])

Diese Form der Kritik auf einer Meta-Ebene ist ein typisches Kennzeichen von Nietzsches Philosophie. Vergleiche: Metaethik.

Er selbst führt diese Kritik mit Methoden der Geschichts-, Kultur- und Sprachwissenschaft exzessiv aus und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Herkunft und Entstehung moralischer Denkweisen, etwa in Zur Genealogie der Moral. Wichtige Begriffe seiner Moralkritik sind:

  • Herren- und Sklavenmoral: Herrenmoral sei die Haltung der Herrschenden, die zu sich selbst und ihrem Leben Ja sagen könnten, während sie die anderen als „schlecht“ (Wortstamm: „schlicht“) abschätzten. Sklavenmoral sei die Haltung der „Elenden […], Armen, Ohnmächtigen, Niedrigen […], Leidenden, Entbehrenden, Kranken, Hässlichen“[9], die zuerst ihr Gegenüber – die Herrschenden, Glücklichen, Ja-Sagenden – als „böse“ bewerteten und sich selbst dann als deren „guten“ Gegensatz ausmachten. Es sei vor allem die Moral des Christentums gewesen, die eine solche Sklavenmoral zum Teil selbst hervorgerufen, in jedem Fall aber begünstigt und sie dadurch zur herrschenden Moral gemacht habe.
  • Ressentiment: Dies sei das Grundempfinden der Sklavenmoral. Aus Missgunst, Neid und Schwäche schüfen sich die „Missratenen“ eine imaginäre Welt (zum Beispiel das christliche Jenseits), in der sie selbst die Herrschenden sein und ihren Hass auf die „Vornehmen“ ausleben könnten.
  • Mitleid und Mitfreude: Während der Pessimist Schopenhauer Mitleid ins Zentrum seiner Ethik gestellt hat, um seine Philosophie der Verneinung des Lebens umzusetzen, drehte Nietzsche die These vom Mitleiden nach seinem Bruch mit der Schopenhauerschen Philosophie um: Weil das Leben zu bejahen sei, gelte das Mitleid – als Mittel zur Verneinung – als Gefahr. Es vermehre das Leiden in der Welt und stehe dem schöpferischen Willen entgegen, der immer auch vernichten und überwinden müsse – andere oder auch sich selbst. [10] Aktive Mitfreude im Gegensatz zum passiven Mitleid oder eine grundsätzliche Lebensbejahung (amor fati) seien die höheren und wichtigeren Werte.

Die Gedankengänge werden von Nietzsche zu einer immer radikaleren Kritik am Christentum, etwa in Der Antichrist, gebündelt. Dieses sei nicht nur nihilistisch in dem Sinne, dass es der sinnlich wahrnehmbaren Welt jeden Wert abspreche – eine Kritik, die in Nietzsches Verständnis auch den Buddhismus trifft –, sondern im Gegensatz zum Buddhismus auch aus Ressentiment geboren. Das Christentum habe jede höhere Art Mensch und jede höhere Kultur und Wissenschaft behindert. In den späteren Schriften steigert Nietzsche die Kritik an allen bestehenden Normen und Werten: Sowohl in der bürgerlichen Moral als auch im Sozialismus und Anarchismus sieht er die Nachwirkungen der christlichen Lehren am Werk. Die ganze Moderne leide an décadence. Dagegen sei nun eine „Umwertung aller Werte“ nötig. Wie genau allerdings die neuen Werte ausgesehen hätten, wird aus Nietzsches Werk nicht eindeutig klar. Diese Frage und ihr Zusammenhang mit den Aspekten des Dionysischen, des Willen zur Macht, des Übermenschen und der Ewigen Wiederkunft werden bis heute diskutiert.

„Gott ist tot“ – Der „europäische Nihilismus“

Mit dem Stichwort „Gott ist tot“ wird oft die Vorstellung verbunden, dass Nietzsche den Tod Gottes beschworen oder herbeigewünscht habe. Tatsächlich trifft dies nur in einem gewissen Sinne zu. Nietzsche verstand sich hier vielmehr als Beobachter. Er analysierte seine Zeit, vor allem die seiner Auffassung nach inzwischen marode gewordene (christliche) Moral. Nietzsche war zudem nicht der Erste, der die Frage nach dem „Tod Gottes“ stellte. Hegel äußerte diesen Gedanken bereits 1802 und sprach von dem „unendlichen Schmerz“ als einem Gefühl, „worauf die Religion der neuen Zeit beruht - das Gefühl: Gott selbst ist tot“.

Die bedeutendste und meistbeachtete Stelle zu diesem Thema ist der Aphorismus 125 aus der Fröhlichen Wissenschaft mit dem Titel „Der tolle Mensch“. Der stilistisch dichte Aphorismus enthält Anspielungen auf klassische Werke der Philosophie und Tragödie. Dieser Text lässt den Tod Gottes als bedrohliches Ereignis erscheinen. Dem Sprecher darin graut vor der Schreckensvision, dass die zivilisierte Welt ihr bisheriges geistiges Fundament weitgehend zerstört hat:

„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“

Dieser unfassbare Vorgang würde gerade wegen der großen Dimension lange brauchen, um in seiner Tragweite erkannt zu werden: Ich komme zu früh, sagte er dann, ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert, – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Und weiter wird gefragt: Ist nicht die Größe dieser Tat [Gott getötet zu haben, Anm.] zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Unter anderem aus diesem Gedanken heraus erscheint später die Idee des „Übermenschen“, wie sie vor allem im Zarathustra dargestellt wird: „Tot sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.“

Das Wort vom Tod Gottes findet sich auch in den Aphorismen 108 und 343 der Fröhlichen Wissenschaft; das Motiv taucht auch mehrmals in Also sprach Zarathustra auf. Danach verwendete Nietzsche es nicht mehr, befasste sich aber weiter intensiv mit dem Thema. Beachtenswert ist hier etwa das nachgelassene Fragment „Der europäische Nihilismus“ (datiert 10. Juni 1887), in dem es nun heißt: „,Gott‘ ist eine viel zu extreme Hypothese.“[11]

Nietzsche kam zu dem Schluss, dass mehrere mächtige Strömungen, vor allem das Aufkommen der Naturwissenschaften und der Geschichtswissenschaft, daran mitgewirkt haben, den christlichen Gott unglaubwürdig zu machen und damit die christliche Weltanschauung zu Fall zu bringen. Durch die Kritik der bestehenden Moral, wie Nietzsche selbst sie betrieb, würde die Moral hohl und unglaubwürdig und bräche schließlich zusammen. Mit dieser radikalisierten Kritik stand Nietzsche einerseits in der Tradition der französischen Moralisten wie etwa Montaigne oder La Rochefoucauld, die die Moral ihrer Zeit kritisierten, um zu einer besseren zu gelangen; andererseits betonte er mehrfach, nicht nur die Heuchelei von Moral, sondern die herrschenden „Moralen“ selbst – im wesentlichen immer die christliche – zu bekämpfen. Um dies in einen Begriff zu fassen, bezeichnete er sich selbst als „Immoralist“.

Es besteht heute weitgehende Übereinstimmung, dass Nietzsche sich nicht als Befürworter des Nihilismus sah, sondern ihn als Möglichkeit in der (nach-) christlichen Moral, vielleicht auch als eine geschichtliche Notwendigkeit sah. Über den Atheismus Nietzsches im Sinne des Nichtglaubens an einen metaphysischen Gott sagen diese Stellen wenig aus, siehe hierzu den Abschnitt Kritik an Religion, Metaphysik und Erkenntnistheorie.

Kunst und Wissenschaft

Das Begriffspaar „apollinisch-dionysisch“ ist von Nietzsche in der Philosophie der Kunst bekannt gemacht worden, auch wenn es schon von Schelling verwendet wurde. Mit den Namen der griechischen Götter Apollon und Dionysos bezeichnet Nietzsche in seiner frühen Schrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik zwei gegensätzliche Prinzipien der Ästhetik. Apollinisch ist demnach der Traum, der schöne Schein, das Helle, die Vision, die Erhabenheit; dionysisch ist der Rausch, die grausame Enthemmung, das Ausbrechen einer dunklen Urkraft. In der attischen Tragödie ist Nietzsche zufolge die Vereinigung dieser Kräfte gelungen. Das „Ur-Eine“ offenbare sich dem Dichter dabei in der Form von dionysischer Musik und wird mittels apollinischer Träume in Bilder umgesetzt. Auf der Bühne sei die Tragödie durch den Chor geboren, der dem Dionysischen Raum gibt. Als apollinisches Element komme der Dialog im Vordergrund und der tragische Held hinzu.

Sokrates habe die Wissenschaft über die Kunst gestellt und so zum Niedergang der griechischen Tragödie beigetragen.

Die griechische Tragödie sei durch Euripides und den Einfluss des Sokratismus zugrunde gegangen. Hierdurch sei vor allem das Dionysische, aber auch das Apollinische aus der Tragödie getrieben worden, sie selbst sei zu einem bloß dramatisierten Epos herabgesunken. Die Kunst habe sich in den Dienst des Wissens und sokratischer Klugheit gestellt und sei zur reinen Nachahmung geworden. Erst im Musikdrama Richard Wagners sei die Vereinigung der gegensätzlichen Prinzipien wieder gelungen.

In späteren Schriften rückt Nietzsche von dieser Position ab; insbesondere sieht er in den Werken Wagners jetzt keinen Neuanfang mehr, sondern ein Zeichen des Verfalls. Auch seine grundsätzlichen ästhetischen Betrachtungen variiert er: In den Schriften der „positivistischen“ Periode tritt die Kunst deutlich hinter die Wissenschaft zurück. Nunmehr ist für Nietzsche „der wissenschaftliche Mensch die Weiterentwickelung des künstlerischen“ (Menschliches, Allzumenschliches [12]), ja sogar „[d]as Leben ein Mittel der Erkenntnis“ (Die fröhliche Wissenschaft [13]).

Erst nach Also sprach Zarathustra greift Nietzsche wieder deutlicher auf seine frühen ästhetischen Ansichten zurück. In einem Notizbuch von 1888 heißt es:

„Die Kunst und nichts als die Kunst! Sie ist die große Ermöglicherin des Lebens, die große Verführerin zum Leben, das große Stimulans des Lebens.“[14]

In den späten Schriften entwickelt er auch den Begriff des Dionysischen weiter. Die Gottheit Dionysos dient zur Projektion mehrerer wichtiger Lehren, und Ecce homo schließt mit dem Ausruf „Dionysos gegen den Gekreuzigten!

Kritik an Religion, Metaphysik und Erkenntnistheorie

Mit der Kritik der Moral hängt eine Kritik bisheriger Philosophien zusammen. Gegen metaphysische und religiöse Konzepte ist Nietzsche grundsätzlich skeptisch. Die Möglichkeit einer metaphysischen Welt sei zwar nicht widerlegbar, aber sie gehe uns auch nichts an:

„Es ist wahr, es könnte eine metaphysische Welt geben; die absolute Möglichkeit davon ist kaum zu bekämpfen. […] aber Alles, was […] bisher metaphysische Annahmen werthvoll, schreckenvoll, lustvoll gemacht, was sie erzeugt hat, ist Leidenschaft, Irrthum und Selbstbetrug; die allerschlechtesten Methoden der Erkenntniss, nicht die allerbesten, haben daran glauben lehren. Wenn man diese Methoden, als das Fundament aller vorhandenen Religionen und Metaphysiken, aufgedeckt hat, hat man sie widerlegt. Dann bleibt immer noch jene Möglichkeit übrig; aber mit ihr kann man gar Nichts anfangen, geschweige denn, dass man Glück, Heil und Leben von den Spinnenfäden einer solchen Möglichkeit abhängen lassen dürfte. – Denn man könnte von der metaphysischen Welt gar Nichts aussagen, als ein Anderssein, ein uns unzugängliches, unbegreifliches Anderssein; es wäre ein Ding mit negativen Eigenschaften. – Wäre die Existenz einer solchen Welt noch so gut bewiesen, so stünde doch fest, dass die gleichgültigste aller Erkenntnisse eben ihre Erkenntniss wäre […]“ (Menschliches, Allzumenschliches [15])

Alle metaphysischen und religiösen Spekulationen seien dagegen psychologisch erklärbar; sie hätten vor allem der Legitimation bestimmter Moralen gedient. Die jeweilige Art zu denken, die Philosophien der Philosophen sind nach Nietzsche auch aus deren körperlicher und geistiger Verfassung sowie ihren individuellen Erfahrungen abzuleiten.

„In der That, man thut gut (und klug), zur Erklärung davon, wie eigentlich die entlegensten metaphysischen Behauptungen eines Philosophen zu Stande gekommen sind, sich immer erst zu fragen: auf welche Moral will es (will er –) hinaus?“ (Jenseits von Gut und Böse [16])

Nietzsche wendet diese These auch in seinen Selbstanalysen an und weist wiederholt darauf hin, dass wir die Welt notwendigerweise stets perspektivisch wahrnehmen und auslegen. Schon die Notwendigkeit, sich in Sprache auszudrücken und damit Subjekte und Prädikate anzusetzen, sei eine vorurteilsbehaftete Auslegung des Geschehens (Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne). Damit nahm Nietzsche Ansätze moderner Sprachphilosophien vorweg.

Er würdigt die Skeptiker als den einzigen „anständigen Typus in der Geschichte der Philosophie“ (Der Antichrist [17]) und äußert grundsätzliche Vorbehalte gegen jede Art von philosophischem System. Es sei unredlich zu meinen, die Welt lasse sich in eine Ordnung einpassen:

„Ich misstraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.“ (Götzen-Dämmerung [18])

In seiner Autobiographie Ecce homo beschrieb er ein letztes Mal sein Verhältnis zu Religion und Metaphysik:

„‚Gott‘, ‚Unsterblichkeit der Seele‘, ‚Erlösung‘, ‚Jenseits‘ lauter Begriffe, denen ich keine Aufmerksamkeit, auch keine Zeit geschenkt habe, selbst als Kind nicht, – ich war vielleicht nie kindlich genug dazu? – Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebniss, noch weniger als Ereigniss: er versteht sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu neugierig, zu fragwürdig, zu übermüthig, um mir eine faustgrobe Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker –, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken! …“[19]

Weitere Gedanken

Ewige Wiederkunft
Nietzsches zuerst in Die fröhliche Wissenschaft auftretender und in Also sprach Zarathustra als Höhepunkt vorgeführter „tiefster Gedanke“ und das „größte Schwergewicht“ ist die Vorstellung, dass alles Geschehende schon unendlich oft geschehen ist und unendlich oft wiederkehren wird. Man solle deshalb derart leben, dass man die immerwährende Wiederholung eines jeden Augenblickes nicht nur ertrüge, sondern sogar begrüßen würde. Dieser „tiefste Gedanke“ überfiel Nietzsche bei einer Wanderung im Engadin nahe Sils-Maria. Trotz seiner nur sehr oberflächlichen naturwissenschaftlichen Bildung versuchte Nietzsche für die Ewige Wiederkunft auch wissenschaftliche Begründungen zu geben.
Im Hintergrund dieses Gedankens steht die Forderung, das Leben zu bejahen, um es so zu leben, dass man jeden Augenblick noch unendlich oft durchleben will. „Doch alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit“ lautet folglich ein zentraler Satz in Also sprach Zarathustra. Eng mit der „Ewigen Wiederkunft“ hängt wohl der Amor fati (lat. „Liebe zum Schicksal“) zusammen. Dies ist für Nietzsche eine Formel zur Bezeichnung des höchsten Zustands, den ein Philosoph erreichen kann, und zwar die Form der höchstgesteigerten Lebensbejahung.[20]
Über die „ewige Wiederkunft“, ihre Bedeutung und Stellung in Nietzsches Gedanken herrscht keine Einigkeit. Während einige Deuter sie als Zentrum seines gesamten Denkens ausmachen, haben andere sie als störenden „Fremdkörper“ in Nietzsches Lehren, als fixe Idee Nietzsches, gesehen.
Übermensch
An einen Fortschritt in der Geschichte der Menschheit – oder in der Welt überhaupt – glaubt er nicht. Für Nietzsche ist folglich das Ziel der Menschheit nicht an ihrem (zeitlichen) Ende zu finden, sondern in ihren immer wieder auftretenden höchsten Individuen, den Übermenschen. Die Gattung Mensch als Ganzes sieht Nietzsche nur als einen Versuch, eine Art Grundmasse, aus der heraus er „Schaffende“ fordert, die „hart“ und mitleidlos mit anderen und vor allem mit sich selbst sind, um aus der Menschheit und sich selbst ein wertvolles Kunstwerk zu schaffen. Als negatives Gegenstück zum Übermenschen wird in Also sprach Zarathustra der letzte Mensch vorgestellt. Dieser steht für das schwächliche Bestreben nach Angleichung der Menschen untereinander, nach einem möglichst risikolosen, langen und „glücklichen“ Leben ohne Härten und Konflikte. Das „über“ kann nicht nur für eine höhere Stufe relativ zu einer anderen stehen, sondern kann auch im Sinne von „hinüber“ verstanden werden, also eine Bewegung ausdrücken. Der Übermensch ist daher nicht unbedingt als Herrenmensch über dem letzten Menschen zu sehen. Eine rein politische Deutung gilt der heutigen Nietzscheforschung als irreführend. Der „Wille zur Macht“, der sich im Übermenschen konkretisieren soll, ist demnach nicht etwa der Wille zur Herrschaft über Andere, sondern ist als Wille zum Können, zur Selbstbereicherung, zur Selbstüberwindung zu verstehen.
Wille zur Macht
Der „Wille zur Macht“ ist erstens ein Konzept, das zum ersten Mal in Also sprach Zarathustra vorgestellt und in allen nachfolgenden Büchern zumindest am Rande erwähnt wird. Seine Anfänge liegen in den psychologischen Analysen des menschlichen Machtwillens in der Morgenröte. Nietzsche führte es in seinen nachgelassenen Notizbüchern ab etwa 1885 viel umfassender aus. Es ist zweitens der Titel eines von Nietzsche auch als Umwertung aller Werte geplanten Werks, das nie zustande kam. Aufzeichnungen dazu gingen vor allem in die Werke Götzen-Dämmerung und Der Antichrist ein. Drittens ist dies der Titel einer Nachlasskompilation von Elisabeth Förster-Nietzsche und Peter Gast, die nach Ansicht dieser Herausgeber dem unter Punkt zwei geplanten „Hauptwerk“ entsprechen soll.
Die Deutung des Konzepts „Wille zur Macht“ ist stark umstritten. Für Martin Heidegger war dies Nietzsches Antwort auf die metaphysische Frage nach dem „Grund alles Seienden“: Laut Nietzsche sei alles „Wille zur Macht“ im Sinne eines inneren, metaphysischen Prinzips, so wie dies bei Schopenhauer der „Wille (zum Leben)“ ist. Die entgegengesetzte Meinung vertrat Wolfgang Müller-Lauter: danach habe Nietzsche mit dem „Willen zur Macht“ keineswegs eine Metaphysik im Sinne Heideggers wiederhergestellt – Nietzsche war ja gerade Kritiker jeder Metaphysik – sondern den Versuch unternommen, eine in sich konsistente Deutung alles Geschehens zu geben, die die nach Nietzsche irrtümlichen Annahmen sowohl metaphysischer „Sinngebungen“ als auch eines atomistisch-materialistischen Weltbildes vermeidet. Um Nietzsches Konzept zu begreifen, sei es angemessener, von den (vielen) „Willen zur Macht“ zu sprechen, die im dauernden Widerstreit stehen, sich gegenseitig bezwingen und einverleiben, zeitweilige Organisationen (beispielsweise den menschlichen Leib) bilden, aber keinerlei „Ganzes“ bilden; die Welt sei ewiges Chaos. Zwischen diesen beiden Interpretationen bewegen sich die meisten anderen, wobei die heutige Nietzscheforschung derjenigen Müller-Lauters deutlich näher steht. Gerade der Begriff Macht weist jedoch bei Nietzsche bei seiner stets auf das Individuum ausgerichteten Weltanschauung auf neuere Verständnisformen voraus, wie wir sie z.B. bei Hannah Arendt[21] – hier jedoch bezogen auf den Menschen in der Gesellschaft – finden: die grundsätzliche Möglichkeit aus sich heraus gestaltend „etwas zu machen“.

Einflüsse

Aus seiner Jugend im Pfarrhaus und im kleinbürgerlich-frommen „Frauenhaushalt“ ergaben sich Nietzsches erste praktische Erfahrungen mit dem Christentum. Schon sehr bald entwickelte er hier einen kritischen Standpunkt; so las er früh Schriften von Ludwig Feuerbach und David Friedrich Strauß. Wie früh diese Entfremdung von der Familie begann und wie viel Einfluss sie auf Nietzsches weiteren Denk- und Lebensweg hatte, ist Gegenstand einer andauernden Debatte in der Nietzsche-Forschung.

Auch der frühe Tod des Vaters dürfte Nietzsche beeinflusst haben, jedenfalls wies er selbst oft auf dessen Bedeutung für ihn hin. Dabei ist zu beachten, dass er ihn selbst kaum kannte, sondern sich aus Familienerzählungen ein wohl idealisiertes Bild des Vaters machte. Als freundlicher und beliebter, aber körperlich schwacher und kranker Landpfarrer taucht er in Nietzsches Selbstanalysen immer wieder auf.

Schon in seiner Jugend war Nietzsche von den Schriften Ralph Waldo Emersons und Lord Byrons beeindruckt, den seinerzeit tabuisierten Hölderlin erkor er zu seinem Lieblingsdichter. Auch Machiavellis Werk Der Fürst las er bereits privat in der Schulzeit.

Wie stark der Einfluss des Dichters Ernst Ortlepp oder die Ideen von Max Stirner beziehungsweise des ganzen Junghegelianismus' auf Nietzsche waren, ist umstritten. Der Einfluss Ortlepps ist vor allem von Hermann Josef Schmidt hervorgehoben worden. Über den Einfluss Stirners auf Nietzsche wird bereits seit den 1890ern debattiert. Einige Interpreten sahen hier höchstens eine flüchtige Kenntnisnahme, andere, als erster Eduard von Hartmann, erhoben einen Plagiatsvorwurf. Bernd A. Laska vertritt die These, Nietzsche habe infolge der Begegnung mit dem Werk Stirners, welches ihm vom Junghegelianer Eduard Mushacke vermittelt worden sei, eine „initiale Krise“ durchgemacht, die ihn zu Schopenhauer führte. Dies gilt in der Nietzscheforschung als Außenseitermeinung. [22]

Im Philologiestudium bei Ritschl lernte er neben den klassischen Werken selbst vor allem philologisch-wissenschaftliche Methoden kennen. Dies dürfte einerseits die Methodik seiner Schriften beeinflusst haben, was insbesondere in der Genealogie der Moral deutlich wird, andererseits aber auch sein Bild von der strengen Wissenschaft als mühselige Arbeit für mittelmäßige Geister. Seine eher negative Haltung zum Wissenschaftsbetrieb an den Universitäten gründete zweifellos in eigenen Erfahrungen sowohl als Student als auch als Professor.

An der Universität versuchte Nietzsche den von ihm geschätzten Jacob Burckhardt zu Gesprächen zu gewinnen, las auch einige von dessen Büchern und hörte sich sogar Vorlesungen des Kollegen an. Mit dem Freund Franz Overbeck hatte er in der Basler Zeit einen regen Gedankenaustausch, auch später half ihm Overbeck in theologischen und kirchengeschichtlichen Fragen aus.

Werke bekannter Schriftsteller wie Stendhal, Tolstoi und Dostojewski machte Nietzsche sich für sein eigenes Denken ebenso zunutze wie solche heute eher unbekannter Autoren wie William Edward Hartpole Lecky oder Fachgelehrter wie Julius Wellhausen. Zu seinen Ansichten über die moderne décadence las und bewertete er etwa George Sand, Gustave Flaubert und die Brüder Goncourt.

Schließlich lässt sich Nietzsches Interesse an Wissenschaften von der Physik (besonders Roger Joseph Boscovichs System) bis zur Nationalökonomie belegen. Er meinte auch, durch seine Krankheiten ein besseres Wissen über Medizin, Physiologie und Diätetik erlangt zu haben als manche seiner Ärzte. Tatsächlich war sein naturwissenschaftliches Wissen aber eher oberflächlich.

Wagner und Schopenhauer

„Ich gehöre zu den Lesern Schopenhauers, welche, nachdem sie die erste Seite von ihm gelesen haben, mit Bestimmtheit wissen, dass sie alle Seiten lesen werden und auf jedes Wort hören werden, das er überhaupt gesagt hat.“[23]

Ab Mitte der 1860er übten die Werke Arthur Schopenhauers großen Einfluss auf Nietzsche aus; dabei bewunderte Nietzsche aber schon zu Beginn weniger den Kern der Schopenhauerschen Lehre als die Person und den „Typus“ Schopenhauer, das heißt in seiner Vorstellung den wahrheitssuchenden und „unzeitgemäßen“ Philosophen. Eine weitere wesentliche Inspiration war dann die Person und die Musik Richard Wagners. Die Schriften Richard Wagner in Bayreuth (Vierte Unzeitgemäße Betrachtung) und vor allem die Geburt der Tragödie feiern dessen Musikdrama als Überwindung des Nihilismus ebenso wie eines platten Rationalismus. Diese Verehrung schlug spätestens 1879 nach Wagners vermeintlicher Hinwendung zum Christentum (in Parsifal) in Feindschaft um. Über die Gründe für diese Wandlung legte Nietzsche vor allem in Der Fall Wagner und in Nietzsche contra Wagner Rechenschaft ab.

Auch Schopenhauer sah er nun kritischer und meinte, gerade in dessen Pessimismus und Nihilismus ein zeittypisches und daher rückwärtsgewandtes Phänomen zu sehen. Freilich fand er auch 1887 noch lobende Worte für Schopenhauer, der „als Philosoph der erste eingeständliche und unbeugsame Atheist [war], den wir Deutschen gehabt haben“, und schrieb:

„[Nun kommt] auf eine furchtbare Weise die Schopenhauerische Frage zu uns: hat denn das Dasein überhaupt einen Sinn? – jene Frage, die ein paar Jahrhunderte brauchen wird, um auch nur vollständig und in alle ihre Tiefe hinein gehört zu werden. Was Schopenhauer selbst auf diese Frage geantwortet hat, war – man vergebe es mir – etwas Voreiliges, Jugendliches, nur eine Abfindung, ein Stehen- und Steckenbleiben in eben den christlich-asketischen Moral-Perspektiven, welchen, mit dem Glauben an Gott, der Glaube gekündigt war … Aber er hat die Frage gestellt“.[24]

Nietzsches Rezeption anderer Philosophien

Sein Wissen über Philosophie und Philosophiegeschichte hat Nietzsche sich nicht systematisch aus den Quellen angeeignet. Er hat es vornehmlich aus Sekundärliteratur entnommen: vor allem aus Diogenes Laertios zu den antiken Philosophen und aus Friedrich Albert Langes Geschichte des Materialismus sowie Kuno Fischers Geschichte der neuern Philosophie zu späteren Autoren. Platon und Aristoteles waren ihm aus der Philologie bekannt und auch Gegenstand einiger seiner philologischen Vorlesungen, aber besonders letzteren kannte er nur lückenhaft. Mit den Vorsokratikern befasste er sich zu Anfang der 1870er Jahre intensiv, vor allem auf Heraklit kam er noch später zurück. Aus Schule und Studium kannte er die Schriften von Homer, Hesiod und Thukydides.

Für die Ethik Spinozas, die Nietzsche zeitweise anregte, war ihm Fischers Werk die Hauptquelle. Kant lernte er ebenfalls durch Fischer (und Schopenhauer, s. oben) kennen; im Original las er vermutlich nur die Kritik der Urteilskraft. Zum deutschen Idealismus um Hegel übernahm er für einige Zeit die scharfe Kritik Schopenhauers. Später ignorierte er die Richtung; die Lektüre der Originalwerke hielt er offenbar für entbehrlich. Bedenkenswert ist, dass sich bei Nietzsche zu den Junghegelianern (Feuerbach, Bauer und Stirner) keine nennenswerten Äußerungen finden, obwohl er sie als Denker einer „geistesregen Zeit“ ansah, [25] auch keine zu Karl Marx, obwohl er sich verschiedentlich über den politischen Sozialismus äußerte.

Weitere von Nietzsche rezipierte Quellen waren die französischen Moralisten wie La Rochefoucauld, Montaigne, Vauvenargues, Chamfort, Voltaire und Stendhal. Die Lektüre Blaise Pascals vermittelte ihm einige neue Einsichten zum Christentum.

Hin und wieder setzte sich Nietzsche polemisch mit den seinerzeit populären Philosophen Eugen Dühring, Eduard von Hartmann und Herbert Spencer auseinander. Vor allem von letzterem und den deutschen Vertretern der Evolutionstheorie um Ernst Haeckel bezog er sein Wissen um die Lehren Charles Darwins.

Vereinzelt ist in der Nietzsche-Forschung darauf hingewiesen worden, dass Nietzsches Kritik an anderen Philosophien und Lehren auf Missverständnissen beruhe, eben weil er sie nur durch entstellende Sekundärliteratur kannte. Dies betrifft insbesondere Nietzsches Aussagen zu Kant und der Evolutionslehre. Auch dieses Thema ist aber umstritten.

Wirkung

siehe Hauptartikel Nietzsche-Rezeption

Werke und Ausgaben

Eingeklammerte Jahreszahlen geben das Jahr der Entstehung, mit Kommata abgetrennte das Jahr der Erstveröffentlichung an.

Philologische Werke

  • Zur Geschichte der Theognideischen Spruchsammlung, 1867
  • De Laertii Diogenis fontibus, 1868/69
  • Homer und die klassische Philologie, 1869
  • Analecta Laertiana, 1870
  • Das florentinische Tractat über Homer und Hesiod, 1870 (siehe: Certamen Homeri et Hesiodi)

Philosophisches, Dichtungen und Autobiografisches

  • Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern (1872) KSA 1:
    • I. Über das Pathos der Wahrheit
    • II. Gedanken über die Zukunft unserer Bildungsanstalten
    • III. Der griechische Staat
    • IV. Das Verhältnis der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur
    • V. Homers Wettkampf
  • Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, 1872 KSA 1
  • Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn (1872) KSA 1
  • Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen (1873) KSA 1
  • Unzeitgemäße Betrachtungen, 1873–1876 KSA 1 und 2
  • Menschliches, Allzumenschliches – Ein Buch für freie Geister (mit zwei Fortsetzungen), 1878–1880 KSA 2
  • Morgenröte – Gedanken über die moralischen Vorurteile, 1881 KSA 3
  • Idyllen aus Messina, 1882 KSA 3
  • Die fröhliche Wissenschaft („la gaya scienza“), 1882 KSA 3
  • Also sprach Zarathustra – Ein Buch für Alle und Keinen, 1883–1885 KSA 4
  • Jenseits von Gut und Böse – Vorspiel einer Philosophie der Zukunft, 1886 KSA 5
  • Zur Genealogie der Moral – Eine Streitschrift, 1887 KSA 5
  • Der Fall Wagner – Ein Musikanten-Problem, 1888 KSA 6
  • Dionysos-Dithyramben, 1889 KSA 6
  • Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert, 1889 KSA 6
  • Der Antichrist – Fluch auf das Christentum, 1895 KSA 6
  • Nietzsche contra Wagner, 1895 KSA 6
  • Ecce homo – Wie man wird, was man ist (1888) 1908 KSA 6

Musik

Seit seiner Jugend musizierte Nietzsche und komponierte zahlreiche kleinere Stücke.

Bedeutend sind:

  • Manfred-Meditation, 1872. Zum Manfred von Lord Byron. Nach der vernichtenden Kritik Hans von Bülows[26] gab Nietzsche das Komponieren größtenteils auf.
  • Hymnus an die Freundschaft, 1874. Hörprobe
  • Gebet an das Leben, NWV 41, 1882, und Hymnus an das Leben, Chor und Orchester, 1887: Nietzsche vertonte 1882 ein Gedicht von Lou von Salomé. Peter Gast arbeitete dies zu einer Komposition für gemischten Chor und Orchester um, die 1887 unter Nietzsches Namen veröffentlicht wurde. Hörprobe

Mehr zu Nietzsches Musik und weitere Hörbeispiele hier.

Ausgaben

Zur ausführlichen Publikationsgeschichte siehe: Nietzsche-Ausgabe

Gesamtausgaben – vollständige, ausführlich kommentierte Ausgaben, die in jeder guten Bibliothek zu finden sind:

  • Werke. Kritische Gesamtausgabe Sigle: KGW [auch: KGA (Verlag)], hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin und New York 1967ff.
  • Briefe. Kritische Gesamtausgabe Sigle: KGB, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. Berlin und New York 1975–2004

Studienausgaben – Taschenbuchausgaben:

  • Sämtliche Werke, Kritische Studienausgabe in 15 Bänden Sigle: KSA, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. München und New York 1980. ISBN 3-423-59065-3
  • Sämtliche Briefe. Kritische Studienausgabe Sigle: KSB, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. München und New York 1986. ISBN 3-423-59063-7

Literatur

Philosophiebibliographie: Friedrich Nietzsche – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema (Nähere bibliographische Angaben finden sich in den meisten der aufgeführten Bücher und Titel, siehe auch die Bibliographien bei den Weblinks.)

Zur Biografie
  • Charles Andler: Nietzsche, sa vie et sa pensée. Brossard, Paris 1920–1931 (6 Bände), spätere Auflagen (3 Bände, jeweils zwei zusammengefasst) bei Gallimard, ISBN 2-07-020127-9, ISBN 2-07-020128-7, ISBN 2-07-020129-5. (Detaillierte Gesamtdarstellung, Rezeptionsgrundlage vieler französischer Autoren.)
  • Ivo Frenzel: Friedrich Nietzsche in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, Neuausgabe 2000, ISBN 3-499-50634-3.
  • Curt Paul Janz: Friedrich Nietzsche. Biographie. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1981, ISBN 3-423-04383-0 (Das Standardwerk zu Nietzsches Leben, in drei umfangreichen Bänden.)
  • Christian Niemeyer (Hrsg.): Nietzsche-Lexikon. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 3-534-20844-7.
  • Henning Ottmann (Hrsg.): Nietzsche-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000. ISBN 3-476-01330-8
  • Werner Ross: Der ängstliche Adler. 1980, ISBN 3-423-30736-6 und
  • Werner Ross: Der wilde Nietzsche oder Die Rückkehr des Dionysos. dva, Stuttgart 1994, ISBN 3-421-06668-X (Zwei antithetische Akzentuierungen von Nietzsches Charakter aus der Sicht eines Literaturwissenschaftlers)
  • Hermann Josef Schmidt, Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche (4 Bände), Berlin/Aschaffenburg 1991–1994, ISBN 3-922601-23-5 (akribische psychologische Studie über Nietzsches Kindheit und Jugend)
  • Stiftung Weimarer Klassik, Raymond J. Benders u.a. (Hrsg.): Friedrich Nietzsche: Chronik in Bildern und Texten. dtv, München 2000, ISBN 3-423-30771-4
  • Pia Daniela Volz: Nietzsche im Labyrinth seiner Krankheit. Königshausen und Neumann, Würzburg 1990, ISBN 3-88479-402-7 (Standardwerk zu Nietzsches Krankengeschichte)
Zur Philosophie
  • Günter Abel: Nietzsche. Die Dynamik der Willen zur Macht und die ewige Wiederkehr. de Gruyter, Berlin und New York 1998 (2., erw. Auflage), ISBN 3-11-015191-X. (Versuch der Klärung des häufig missverstandenen Begriffes.)
  • Keith Ansell Pearson (Hrsg.): A Companion to Nietzsche. Oxford / Malden: Blackwell 2006, ISBN 1-4051-1622-6.
  • Maudemarie Clark: Nietzsche on Truth and Philosophy, Cambridge 1990, ISBN 978-0-521-34850-8.
  • Gilles Deleuze: Nietzsche und die Philosophie. Europäische Verlagsanstalt/eva, Hamburg 1976, ISBN 3-434-46183-3. (Klassiker der französischen Nietzsche-Rezeption.)
  • Jacques Derrida: Sporen. Die Stile Nietzsches Frankfurt 1969. (Versucht zu zeigen, dass Nietzsches Denken kein Zentrum hat.)
  • Günter Figal: Nietzsche. Eine philosophische Einführung Reclam, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-009752-5.
  • Karl Jaspers: Nietzsche. Einführung in das Verständnis seines Philosophierens. de Gruyter, Berlin und New York 1981 (Erstauflage 1935), ISBN 3-11-008658-1. (Jaspers sucht als Philosoph und als Psychiater Zugang zu Nietzsches Denken.)
  • Walter Arnold Kaufmann: Nietzsche: Philosoph – Psychologe – Antichrist. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-80023-0. (Wichtiges Werk der angelsächsischen Nietzsche-Interpretation.)
  • Mazzino Montinari: Friedrich Nietzsche: eine Einführung. de Gruyter, Berlin und New York 1991, ISBN 3-11-012213-8. (Von einem der Herausgeber der Kritischen Gesamtausgabe Nietzsches.)
  • Wiebrecht Ries: Nietzsche zur Einführung. Junius, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-393-X
  • Stefan Lorenz Sorgner/H. James Birx/ Nikolaus Knoepffler (Hg.): Wagner und Nietzsche: Kultur-Werk-Wirkung: Ein Handbuch. Reinbek b. Hamburg, Rowohlt, 2008. ISBN 978-3-499-55691-3
  • Bernhard H. F. Taureck: Nietzsche-ABC. Reclam, Leipzig 1999, ISBN 3-379-01679-9
  • Gianni Vattimo: Nietzsche: eine Einführung. Metzler, Stuttgart 1992, ISBN 3-476-10268-8
Zur Rezeptionsgeschichte
Jahrbücher
  • Nietzsche-Studien: Internationales Jahrbuch für die Nietzsche-Forschung. Berlin: de Gruyter. ISSN 0342-1422
  • Nietzscheforschung: Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft, hrsg. im Auftrag der Förder- und Forschungsgemeinschaft Friedrich Nietzsche e. V. - Berlin: Akad.-Verl.
  • New Nietzsche Studies. The Journal of the Nietzsche Society. ISSN 1091-0239

Weblinks

Texte und Zitate
Linksammlungen, Bibliografie und Untersuchungen

Belege

  1. Vgl. Bernd A. Laska: Nietzsches initiale Krise. In: Germanic Notes and Reviews, vol. 33, n. 2, fall/Herbst 2002, pp. 109-133 (online)
  2. Bornmann, Fritz: Nietzsches metrische Studien in: Nietzsche-Studien 18 (1989), S. 472-489. Erst mit Paul Maas’ 1923 erschienenem Werk Griechische Metrik setzte sich diese Erkenntnis in der Altphilologie durch.
  3. Hecker, Hellmuth: Nietzsches Staatsangehörigkeit als Rechtsfrage in: Neue Juristische Wochenschrift, Jg. 40, 1987, Nr. 23, S. 1388-1391; vgl. His, Eduard: Friedrich Nietzsches Heimatlosigkeit in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Bd. 40, 1941, S. 159-186. Die von einigen Autoren, darunter auch Deussen und Montinari, verbreitete Behauptung, Nietzsche wäre Schweizer Staatsbürger geworden, ist falsch.
  4. Mit einigen Vorbehalten vertreten etwa die Werke von Janz, Ross und Kaufmann die Syphilis-Theorie. Für eine materialreiche Darstellung von Nietzsches Krankheiten siehe das Werk von Volz. In letzter Zeit wird die Syphilis-Theorie von einigen Fachleuten angezweifelt, u. a. von dem Neurologen Richard Schain: The Legend of Nietzsche's Syphilis. Westport, Conn.: Greenwood Press 2001 (Contributions in Medical Studies, vol. 46) oder dem medizinischen Psychologen Leonard Sax: What was the cause of Nietzsche’s dementia pdf in: Journal of Medical Biography 2003, Nr. 11, S. 47–54
  5. Karl Schlechta: Philologischer Nachbericht in: Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden, München 1954 ff., Band 3, S. 1405.
  6. Wolfgang Müller-Lauter: «Der Wille zur Macht» als Buch der ‚Krisis‘ philosophischer Nietzsche-Interpretation in: Nietzsche-Studien 24 (1995), S. 223–260, hier S. 233. Siehe Heidegger, Nietzsche (GA 43), S. 11 und Baeumler, Die Unschuld des Werdens (1930), Einführung, S. IX.
  7. Morgenröthe, Vorrede (KSA 3, S. 11–17).
  8. Zur Genalogie der Moral, Erste Abhandlung, Anmerkung nach Abschnitt 17 (KSA 5, S. 289).
  9. Zur Genealogie der Moral, Erste Abhandlung, Abschnitt 7 (KSA 5, S. 267).
  10. Vergleiche etwa Der Antichrist, Kapitel 7 (KSA 6, S. 172 ff.).
  11. KSA 12, 5[71], S. 211–217, hier S. 212.
  12. Menschliches, Allzumenschliches, Viertes Hauptstück, Aphorismus 222 „Was von der Kunst übrig bleibt“ (KSA 2, S. 186).
  13. Die fröhliche Wissenschaft, Viertes Buch, Aphorismus 324 „In media vita“ (KSA 3, S. 553).
  14. KSA 13, 17[3], S. 522 und 521.
  15. Menschliches, Allzumenschliches, Erstes Hauptstück, Aphorismus 9, „Metaphysische Welt“ (KSA 2, S. 29 f.).
  16. Jenseits von Gut und Böse, Erstes Hauptstück, Aphorismus 6 (KSA 5, S. 20).
  17. Der Antichrist, Kapitel 11 (KSA 6, S. 178).
  18. Götzen-Dämmerung, Sprüche und Pfeile Nr. 26 (KSA 6, S. 62).
  19. Ecce homo, Warum ich so klug bin, 1. Abschnitt (KSA 6, S. 278).
  20. Die fröhliche Wissenschaft, Viertes Buch, Aphorismus 276 „Zum neuen Jahre“ (KSA 3, S. 521).
  21. Hannah Arendt: Macht und Gewalt. (Originalausgabe: On Violence. New York 1970). Piper, TB; München, Zürich; 1. Auflage 1970, 15. Aufl. 2003, ISBN 3-492-20001-X
  22. Vgl. Bernd A. Laska: Nietzsches initiale Krise. In: Germanic Notes and Reviews, vol. 33, n. 2, fall/Herbst 2002, pp. 109-133 (online)
  23. Schopenhauer als Erzieher, Kapitel 2 (KSA 1, S. 346).
  24. Die fröhliche Wissenschaft, Fünftes Buch, Aphorismus 357 „Zum alten Probleme: »was ist deutsch?«“ (KSA 3, S. 599 ff.).
  25. Vgl. Bernd A. Laska: Nietzsches initiale Krise. In: Germanic Notes and Reviews, vol. 33, n. 2, fall/Herbst 2002, pp. 109-133 (online)
  26. Brief Hans von Bülows an Nietzsche, 24. Juli 1872, KGB II/4 Nr. 347, S. 51-54 Internet


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