Amphibienpanzer
Russischer Radschützenpanzer BTR-80 bei der Fortbewegung im Wasser. Deutlich zu erkennen ist der aufgestellte Wasserabweiser sowie die beiden Schnorchelrohre auf der Motorjalousie zum Ableiten der Abgase

Schwimmpanzer sind schwimmfähige Panzerfahrzeuge; das Spektrum reicht hierbei von leichten Aufklärungs- und Schützenpanzern bis hin zu Kampfpanzern.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Bereits im Ersten Weltkrieg gab es Versuche, Panzern amphibische Fähigkeiten zu verleihen. Da sich die damaligen Panzer als zu schwerfällig erwiesen, wurden die Versuche nicht weiter verfolgt. Außerdem widersprach ein schwimmfähiger Panzer der damaligen Einsatzdoktrin.

Amerikanischer ABC-Abwehrpanzer M93 Fuchs

1931 entwickelte Carden-Loyd Ltd. einen ersten voll schwimmfähigen Prototyp einer Tankette, die AE 11. Sie war sehr leicht, verfügte über Pontons, die den Auftrieb gewährleisteten, und wurde durch eine zusätzliche Schraube angetrieben. Nach ihrem Vorbild sollte bald eine ganze Reihe von Fahrzeugen entstehen. Da die britische Regierung an dem Gerät nicht interessiert war, wurden Lizenzen unter anderem an die Sowjetunion verkauft. Dort war man allerdings nicht an einem simplen Nachbau der Tankette interessiert, sondern konstruierte ein ganze Reihe schwimmfähiger Panzer zu Aufklärungszwecken, wie etwa den T-37 und den T-40. Während des Zweiten Weltkriegs erwiesen sich diese Panzer den Modellen der Deutschen Wehrmacht als unterlegen. Um Gewicht für den Auftrieb zu sparen, war bei diesen Fahrzeugen bewusst bei Panzerung und Bewaffnung Gewicht eingespart worden. Erste Versuche, schwer gepanzerte Fahrzeuge schwimmfähig zu machen, stellten Amerikaner und Briten im Vorfeld ihrer Landung in der Normandie an. Die Amerikaner verfügten bereits über leichte amphibische Transportpanzer wie das LVT, die Briten über das Terrapin Mk.1, die Panzerung war aber bei beiden Modellen zu schwach. Deshalb begann man mit der Modifikation des M4 Sherman, der Luftsäcke aus Fallschirmleinen erhielt, die den Auftrieb gewährleisteten. Eine am Heck befindliche Schraube ermöglichte den Vortrieb. Das Ergebnis wurde DD-Tank genannt. Diese Fahrzeuge erwiesen sich als Fehlschlag. Am schwer umkämpften Omaha Beach kam kein einziger der Panzer an, da sie abgetrieben wurden.

In der Nachkriegszeit wurde das Konzept des Schwimmpanzers vor allem von den Staaten des Warschauer Pakts weiter verfolgt. Dies begründet sich vor allem auf den Einsatzgrundsätzen für Panzer des Warschauer Pakts. Dazu wurden auf russischer Seite leichten Panzer für den Lufttransport wie der PT-76, die BMD-Serie oder die Schützenpanzer der BMP-Reihe [1] entwickelt. Alle diese Fahrzeuge waren schwimmfähig. Ziel war es, schnell und ohne großen pioniertechnischen Aufwand Gewässer zu überqueren, um Brückenköpfe zu bilden. Im Vergleich zu den Modellen des Zweiten Weltkriegs waren diese Panzer schwer bewaffnet. Sie führten Panzerabwehrraketen mit sich oder konnten voll ausgerüstete Gruppen Infanterie befördern.

Antriebskonzepte

Propellerantrieb

Diese Art des Unterwasserantriebs war die erste Möglichkeit, Panzern Vortrieb im Wasser zu ermöglichen. Sie wurde dem Schiffbau entlehnt. Am Heck des Fahrzeugs befinden sich dazu ein oder zwei Propeller (Schrauben). Bei der Wasserfahrt wird der Antrieb umgeschaltet und die Getriebewelle treibt den Propeller an. In der Anfangszeit erfolgte die Steuerung noch über ein kleines Ruder, mittlerweile werden zumeist die Propeller für die Steuerung verwendet.

Kettenantrieb

Ein LVT(A)-4 während der Wasserfahrt

Der US-amerikanische LVT-Transportpanzer für amphibische Operationen war der erste Panzer, der auch im Wasser durch seine Kette angetrieben wurde. Ursprünglich war das Fahrzeug für die zivile Nutzung als Rettungsfahrzeug in den Everglades in Florida gedacht. Die militärische Variante war gepanzert und bewaffnet. Der Antrieb mit der Kette im Wasser erwies sich in mehrfacher Hinsicht als vorteilhaft. Zum Einen muss der Antrieb nicht umgestellt werden und zum Anderen verändert sich die Steuerung nicht. Nachteilig ist jedoch, dass die Fahrzeuge im Wasser verhältnismäßig langsam sind. Die meisten Fahrzeuge mit einem solchen Antrieb dienen als Landungsboote oder Nachschubfahrzeuge, während im Laufe des Zweiten Weltkrieges auch Kampfunterstützungsfahrzeuge auf Basis des LVT entwickelt wurden.

Wasserstrahlantrieb

Die neuste Entwicklung des Antriebes ist der Wasserstrahlantrieb. Dabei saugen Lenzpumpen Wasser an, das unter Hochdruck nach hinten ausgestoßen wird und so den Vortrieb erreicht. Der Antrieb funktioniert nach dem Rückstoßprinzip.

Sonstige Besonderheiten

Aufgeklapptes Schwallschild

Ein Schwimmpanzer muss neben einem Antrieb im Wasser auch über genügend Auftrieb verfügen. Das wird bei vielen Fahrzeugen durch einen vorn aufstellbaren Wasserabweiser (Schwallschild) erreicht. Dieser bricht die Bugwelle, bevor sie den Panzerbug selbst überspülen und so den Panzer nach unten drücken kann. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Wasser unter den Panzer gedrückt wird und gewährt somit zusätzlichen Auftrieb. Bei einigen Panzern ist die Wanne so konstruiert, dass der Effekt ohne Abweiser von der Wanne selbst erzielt wird. Der britische Scimitar benutzt einen beiklappbaren Grundschirm, um die Grundfläche zu vergrößern und damit mehr Auftrieb zu erzeugen.

Literatur

  • Philip Trewhitt: "Panzer". Neuer Kaiserverlag, Augsburg 2005, ISBN 3-7043-3197-x
  • Robert Jackson: "Panzer - Modelle aus aller Welt von 1915 bis heute". Parragon Books Ltd., Bath, UK, ISBN 978-1-4075-0670-8
  • Christoopher F. Foss/David Miller: "Moderne Gefechtswaffen". Stocker-Schmid VerlagsAG, Dietikon Schweiz, ISBN 3-7276-7092-4
  • Roger Ford: "Panzer von 1916 bis heute". Karl Müller Verlag, Erlangen, ISBN 3-86070-676-4

Anmerkungen

  1. siehe BMP-1, BMP-2, BMP-3

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