Amphidromie
Amphidromien in den Weltmeeren
Amphidromien in der Nordsee

Als Amphidromie (von Griech.: ἀμφίδρομος ἀmfίdromos = umlaufend/-fließend; amphis = ringsum, dromos = Lauf) bezeichnet man den Verlauf einer Gezeitenwelle in einem Meeresbecken, bei dem die Phasenlinien sternförmig um einen Punkt herumlaufen. An diesem als amphidromischer Punkt bezeichneten Ort tritt kein Tidenhub auf. Die Gezeitenwellen laufen im oder gegen den Uhrzeigersinn um die amphidromischen Punkte.

Physikalisch handelt es sich um Kelvinwellen. Die Gezeitenwellen werden unter anderem an Landmassen reflektiert und es entstehen stehende Wellen. Durch den zusätzlichen Einfluss der Corioliskraft entarten die zu den stehenden Wellen gehörenden Knotenlinien zu einzelnen Punkten, eben jenen amphidromischen Punkten.

Erscheinungsformen

Die beiden Bilder zeigen die amphidromischen Systeme der Weltmeere bzw. der Nordsee. Die sternförmig von den amphidromischen Punkten ausgehenden Phasenlinien verbinden Punkte gleichen Tidenstands. D.h. an den verbundenen Orten treten Hoch- und Niedrigwasser gleichzeitig auf. In der Regel nimmt die Höhe der Gezeitenwelle (Tidenhub) mit dem Abstand zu den amphidromischen Punkten zu. Dies erklärt, warum Ebbe und Flut an der Ostküste Englands stärker ausgeprägt sind als in Cuxhaven. In gezeigter Weltkarte wird die Amplitude der Gezeitenwelle durch die Farbe dargestellt. Die gebogenen schwarzen Pfeile illustrieren die Rotationsrichtung. Länge und Lage dieser Pfeile beschreiben eine Sechs-Stunden-Periode.

In der Nordsee befinden sich amphidromische Punkte zwischen der dänischen und der norwegischen Küste über der Jütlandbank und vor Norfolk.

Literatur

  • E. Brown, A. Colling, D. Park, J. Phillips, D. Rothery, J. Wright: Waves, Tides and Shallow-Water Processes. The Open University, Walton Hall, Milton Keynes, England 2006, ISBN 0-7506-4281-5.
  • H. V. Thurman, A. P. Trujillo: Introductory Oceanography. Pearson Prentice Hall, Upper Saddle River, New Jersey 2004, ISBN 0-13-143888-3.

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