Amplitudenvibrato

Mit Tremolo bezeichnet man einen elektronisch oder mechanisch erzeugten Klangeffekt, bei dem fortlaufend in kurzen Zeitabständen die Amplitude und somit die Lautstärke des musikalischen Signals moduliert wird. Vom Tremolo zu unterscheiden ist das Vibrato. Unter Vibrato versteht man die überwiegend tieffrequente, sinusförmige Modulation der Frequenz eines Signals als Frequenzvibrato. Der Ausdruck Tremolo kommt aus dem Italienischen und kann mit Zittern übersetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterungen zur Definition

Ein Amplitudenvibrato ist im Sprachgebrauch der Musiker ein häufig anzutreffender, jedoch physikalisch nicht exakter, mit Tremolo synonymer Begriff. Die Verbindung der Wörter "Amplitude" und "Vibrato" zu "Amplitudenvibrato" sagt somit aus, dass die Amplitude des Signals sinusförmig moduliert wird. Der Schalldruck oder die analoge elektrische Größe eines Klangs schwankt also mit der Vibrato- oder besser Tremolofrequenz zwischen einem Minimal- und einem Maximalwert, wobei die Hüllkurve eine tieffrequente sinusförmige Schwingung darstellt. Tremolofrequenzen liegen üblicherweise bei 5 bis 8 Hz, langsamere Schwankungen werden als "Wimmern" empfunden, während höhere Tremolofrequenzen zu einer Rauigkeit des Klangeindrucks führen.

  •  Beispiel für ein Tremolo ("Amplitudenvibrato") durch Amplitudenmodulation?/i

Bei Klängen von natürlichen Musikinstrumenten ist eine Schwankung der Amplitude nahezu immer mit einer Schwankung der Frequenz verbunden, wobei die beiden Modulationsfrequenzen in den meisten Fällen in Phase sind, d. h. eine Frequenzerhöhung ist mit einem Amplitudenanstieg verbunden. Die Stärke des Tremolos oder Amplitudenvibratos (Amplitudenhub) wird in Prozent der Ausgangsamplitude angegeben, während der Frequenzhub des Vibratos in cent angegeben wird.

Die Kurvenform des Vibratosignals ist bei Klängen von mechanischen Musikinstrumenten selten sinusförmig, sie hängt vielmehr von der Art der Klangerzeugung und der Form der Resonanzkurve des Instruments ab.

Die Extremversion eines Tremolos ist ein rhythmischer Gater-Effekt (der z. B. in Trance- und Techno-Musik auf Synthie-Pads angewandt wird).

Tremoloerzeugung bei akustischen Musikinstrumenten

Blechblasinstrumente: durchgehender Luftstrom bei rapidem Wechsel zweier Ventilkombinationen, die den gleichen Ton erzeugen (Alternativ-, Hilfs- oder Spezialgriffe, "False Fingerings"). Der Effekt ist nur mit Pumpventilen (Perinet-Ventilen) befriedigend ausführbar, vgl. Ventil (Blasinstrument) und bei der Posaune konstruktionsbedingt selbstverständlich ausgeschlossen.

Holzblasinstrumente: durchgehender Luftstrom bei rapidem Wechsel zweier Klappenkombinationen, die den gleichen Ton erzeugen (Alternativ-, Hilfs- oder Spezialgriffe, "False Fingerings"). Zu beachten ist hierfür der Unterschied zwischen deutschem und Böhmsystem der Applikatur bei Klarinetten und Saxophonen, nicht aber bei Flöte, Oboe, Englischhorn, Heckelphon und Fagott

Streicher: rapider Bogenwechsel (von Abstrich und Aufstrich) auf sehr kurzer Strecke (innerhalb weniger Zentimeter) auf derselben Tonhöhe

Schlaginstrumente: dieselbe Anschlagstelle wird schnellstmöglich repetiert. Bei einer Snaredrum (kleiner Trommel) oder einem Becken wäre das ein sogenannter Wirbel

Tasteninstrumente: dieselbe Taste wird je nach Musikpassage entweder mit 2 Fingern je einer Hand oder mit mehreren Fingern derselben Hand (Repetitionsmechanik beim Flügel) ausgeführt

Zupfinstrumente: derselbe abgegriffene Saitenton wird durch Wechselschlag repetiert, entweder mit einem Plektrum (charakteristisch für Mandoline, Balalaika und Bouzouki), oder mit den Fingern (insbesondere bei der klassischen und der Flamenco-Gitarre).

Notation

Das Tremolo muss bei Blasinstrumenten eindeutig von der Flatterzunge spieltechnisch und in der Notation unterschieden werden. Das Tremolo wird nämlich in allen Fällen von den Händen und der Spielmechanik ausgeführt, die Flatterzunge - wie der Name schon erwarten lässt - mit der Zunge und nicht mit der Spielmechanik. Da das Tremolo, teilweise auch frz. Timbretriller genannt, in geschriebener Musik (= Noten) eine vergleichsweise neue Errungenschaft ist, obwohl die Spielpraxis Jahrzehnte älter ist, fehlt noch ein eigenes Symbol für das Tremolo bei Blasinstrumenten. Das eingebürgerte Zeichen, das auch bei allen anderen Instrumenten üblich ist, hat sich traditionell bei Blasinstrumenten als Flatterzunge durchgesetzt und nicht als Tremolozeichen. Wer also ein Tremolo kompositorisch wünscht oder in Transkriptionen von Soli benötigt und schriftlich festhalten will, muss verbalsprachlich den Zusatz tremolo hinzufügen, um den Unterschied deutlich zu machen.

Griffproblematik

Die Wahl der Griffe für Klappen oder Ventile muss dem Musiker überlassen bleiben, sofern der Komponist nicht selbst das Instrument beherrscht. Wichtig ist zu wissen, dass auf allen Blasinstrumenten sehr viele Töne grifftechnisch bedingt von einem Tremolo ausgeschlossen sind, sodass sich Komponisten, die das Instrument nicht beherrschen, bei Profis erkundigen müssen, ob ein Tremolo auf einem bestimmten Ton überhaupt möglich ist. Grifftechnisch ausgeschlossen bedeutet: Entweder gibt es überhaupt keine alternativen Griffmöglichkeiten, oder es handelt sich um sogenannte "Gabelgriffe", die in derselben Hand liegen und in hohem Tempo, wie es ein Tremolo fordert, nicht im Wechsel ausgeführt werden können.

Diese schriftlich noch selten anzutreffende Spielweise ist noch nicht in Instrumentenbüchern oder -schulen für Blasinstrumente etabliert. Schriftliche Anleitungen oder Grifftabellen zur Ausführung eines Tremolos bei Blasinstrumenten finden sich daher nur in Ausnahmefällen in Spezialveröffentlichungen (s.u.).

Literatur

  • Jürgen Meyer, Akustik und musikalische Aufführungspraxis. 5. Auflage 2004, Edition Bochinsky. ISBN 3-932-27595-0 oder ISBN 3-923-63901-5
  • Robert Dick, Neuer Klang durch neue Technik. Erläuterungen und Übungen zu neuen Spielweisen auf der Flöte, Frankfurt, Zimmermann, 1993, ISBN 3-921729-58-0
  • Peter Veale/Claus-Steffen Mahnkopf: Die Spieltechnik der Oboe, Kassel: Bärenreiter, 1994, ISBN 3-7618-1210-8
  • Carin Levine und Christina Mitropoulos-Bott, Die Spieltechnik der Flöte, Band 1, Flöte - Partitur (The Techniques of Flute Playing - La technique de la flûte), Bärenreiter Verlag, Kassel, 2002
  • Carin Levine und Christina Mitropoulos-Bott, The Techniques of Flute Playing. Die Spieltechnik der Flöte, Band 2: Piccolo, Alto and Bass, Kassel: Bärenreiter Verlag, Kassel, 2004
  • Gerhard Krassnitzer: Multiphonics für Klarinette mit deutschem System und andere zeitgenössische Spieltechniken. Edition Ebenos, Aachen 2002

Siehe auch

Weblinks


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