Amr ibn Al-As

Amr ibn al-As (arabischعمرو بن العاص‎, DMG ʿAmr ibn al-ʿĀs; * um 580; † 664 in Ägypten) war ein Gefährte des Propheten Mohammed sowie ein Feldherr und Politiker, der Ägypten für die Muslime eroberte.

Leben

Amr ibn al-As entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Mekka, die dem Stamm der Quraish angehörte. Sein Vater gehörte zu den Gegnern des Propheten. Bei seinem Übertritt zum Islam im achten Jahr nach der Hedschra (629-630) muss er schon im reifen Mannesalter gestanden haben, bei seinem Tod anfangs 664 soll er über 80jährig gewesen sein. Er gewann Stämme in Nordarabien für den neuen Glauben und begann um 633 mit der Eroberung von Palästina. Am 30. Juli 634 besiegte er gemeinsam mit Chalid ibn al-Walid die Byzantiner in der Schlacht bei Adschnadain sowie 636 in der Schlacht am Jarmuk.

639 griff Amr mit 4.000 Mann im Auftrag des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab das byzantinische Ägypten an. Nach der Eroberung der Festung Pelusium und dem Sieg bei Heliopolis im Juli 640 über 18.000 Byzantiner ergab sich das Land den Eroberern. Nur in Alexandria konnten sich die Byzantiner behaupten. Erst nachdem 642 den Christen unter dem koptischen Patriarchen von Alexandria die Glaubensfreiheit zugesichert worden war, kam die Stadt unter die Kontrolle der Muslime.

Als Statthalter von Ägypten residierte Amr in Fustat, einer neu gegründeten Lagerstadt, die die Vorgängerin von Kairo werden sollte. Er ordnete in den eroberten Gebieten sehr geschickt die Regierungsverhältnisse und trug in außerordentlicher Weise dazu bei, die unterworfenen Völkerschaften dem Islam gefügig zu machen. Er ließ die Amr-Moschee in Fustat errichten und den Kanal zwischen Nil und dem Roten Meer wieder instandsetzen, um die Versorgung Arabiens mit ägyptischem Getreide sicherzustellen.

Nachdem Amr wegen zu geringer Steuereinnahmen 644 abgesetzt worden war, kehrte er 645, als die Byzantiner Alexandria besetzten, in sein Amt zurück. 646 vertrieb er diese schließlich aus der Stadt. In dieser Zeit soll er auch die Zerstörung der antiken Bibliothek von Alexandria angeordnet haben. Dies ist allerdings eine Legende, da die Bibliothek schon zuvor ihre Bedeutung verloren hatte.

Während der Statthalterschaft von ʿAmr kam es auch mit den Nubiern in Südägypten zu Kämpfen. Deren erfolgreicher Widerstand führte zu einem Waffenstillstand (hudna) mit den Muslimen unter ʿAbd Allāh ibn Saʿd ibn Abī Sarḥ, nach welchem die Nubier gegen die jährliche Lieferung von 360 Sklavinnen und Sklaven von den Arabern Getreide und Textilien erhalten sollten. Die Sklaven, unversehrte, gesunde Personen, keine Kinder, waren beim Statthalter von Assuan abzuliefern. Der Vertrag, der sich auf die Bewohner der im 6. Jahrhundert christianisierten Gebiete zwischen Assuan und Alwa beschränkte, ist sowohl beim Lokalhistoriker Ibn ʿAbd al-Hakam [1] als auch bei al-Balādhurī[2] überliefert. In einigen Überlieferungen wird er auf April 652 datiert.[3] Der Vertrag hatte bis in die Zeit der Fatimiden Bestand.[4]

Nachdem Amr vom dritten Kalifen Othman unmittelbar nach dessen Machtübernahme 644 erneut als Statthalter abberufen und durch Abd Allah ibn Sa'd ersetzt worden war, schürte er insgeheim die Opposition gegen den Kalifen. Einige Monate nach der Ermordung des Kalifen Othman fand die Kamelschlacht statt. Nach deren Ausgang, als nur noch die beiden Gegner Ali und Muawiya übrigblieben, trat Amr aus seiner bisherigen Untätigkeit heraus und schloss sich Muawiya an. In der Schlacht von Siffin 657 befehligte er die syrische Kavallerie. Die Einsetzung des für Ali verhängnisvollen Schiedsgerichts erfolgte auf seine Anregung. Als Muawiya 661 zum Kalifen ausgerufen wurde, betraute dieser ihn mit der ägyptischen Statthalterschaft, die Amr bis zu seinem Tode 664 innehatte.

Literatur

  • Encyclopédie de l'Islam, Bd. 1, S. 464.

Einzelnachweise

  1. Charles C. Torrey (Hrsg): The history of the conquest of Egypt, North Africa and Spain, known as the Futūḥ Miṣr. New Haven 1927. S. 188-189
  2. Philip Khūrī Hitti (Hrsg): The Origins of the Islamic State, Columbia University 1916. S. 380-381
  3. Muḥammad Ḥamīdullāh: Maǧmūʿat al-waṯāʾiq as-siyāsiyya lil-ʿahd an-nabawī wal-ḫilāfa ar-rāšida (Sammlung der politischen Dokumente aus der Zeit der Prophetie und der rechtgeleiteten Kalifen). Beirut 1969. S. 393-394; Nr. 369; Wilhelm Heffening: Das islamische Fremdenrecht bis zu den islamisch-fränkischen Staatsverträgen. Eine rechtshistorische Studie zur Fiqh. Neudruck der Ausgabe Hannover 1925. 1975. S. 96-97
  4. The Enzyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 8, S. 88

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