Amratien
Ithyphallische Skulptur der Naqada-Kultur, Elfenbein, Amratien, 4. Jahrtausend v. Chr., Größe: 24 cm, Louvre

Die Naqada-Kultur, auch Negade-Kultur, ist die bedeutendste der prähistorischen ägyptischen Kulturen. Sie wird in drei einzelne Perioden unterteilt; insgesamt dauerte die Naqada-Periode 1500 Jahre an. An diesen Zeitabschnitten können die Fortschritte in technologischer, sozialer und politischer Hinsicht der prädynastischen Periode bis zur Gründung des ägyptischen Staates abgelesen werden.

Den Namen erhielt die Kultur von der oberägyptischen Stadt Naqada oder Negade, ca. 80 km nördlich von Luxor auf dem Westufer des Nils. Dort wurden von Flinders Petrie im 19. Jahrhundert über 3.000 Gräber, die vor der frühdynastischen Zeit zu datieren sind, gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Naqada I (ca. 4500 bis 3900 v. Chr.)

Diese Periode hatte ihren Ursprung im Gebiet zwischen Luxor und Abydos als Folgekultur der Badari-Kultur, mit der sie auch einige Zeit parallel verlief und in die schließlich durch die Naqada-Kultur über Generationen ersetzt wurde. Sie wird auch als Amra-Kultur oder Amratien bezeichnet, da in dem Ort El-Amra nur Funde aus dieser Periode gemacht worden sind.

Naqada I ist von jenseits des 1. Nilkatarakts bis nach Norden in die Region von Assiut bekannt. Möglicherweise war sie sogar bis nach Fajum verbreitet. Die Naquada-I-Periode stellte nur eine rein kulturelle Einheit dar. Von einem Staatsgebilde kann hier noch keine Rede sein.

Kunst und Keramik

Die Keramik, die zu Beginn der Periode geometrische Formen als Dekor aufwies, war rein rotpoliert und unifarben oder rotpoliert mit schwarzem Rand. Die Keramiken wurden cremefarben bemalt, wobei besonders Kreuzschraffuren sehr häufig auftreten. Spätere Dekors beinhalten Tierbilder von Tieren des Niltals, teilweise sogar Jagd-, Kampf- und Kultdarstellungen. Auf einigen Funden sind Darstellungen von Schiffen erkennbar. Allerdings sind die Abbildung menschlicher Figuren in dieser Zeit rar.
Interessant ist auch der Fund sich kegelförmig (Konisch) öffnender, hoher Gegenstände, aus denen sich später Töpfe und Flaschen entwickelten. Dabei wurden alle Keramiken mit der Hand und ohne Zuhilfenahme der Töpferscheibe gefertigt.
Die Menge an menschlicher Figuren steigt an. Dabei finden sich bärtige Männerfiguren, die an Elfenbeinstäbe oder Anhänger angearbeitet worden sind, und eine große Anzahl an Frauenfiguren; bislang sind nur drei weibliche Idole gefunden worden, die der Badari-Kultur zugeordnet werden.

Naqada II (ca. 3900 bis 3300 v. Chr.)

Diorit-Vase aus Neqada II, ~ 30 cm.

Auch diese Periode wird heute (analog zu Naqada I) nach der Stadt Girza als Girzéen oder Girza-Kultur benannt, in der wiederum nur Funde aus dieser kulturellen Entwicklungsphase Ägyptens gemacht worden sind.

Der schnelle Zuwachs an Wissen und die daraus resultierenden Weiterentwicklungen der Technik zeichneten diese Periode aus, die zu Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. begann. Das Anfertigen von Stein- und Tongefäßen geschah nun nicht mehr nur für den Eigenbedarf. Auch die Metallverarbeitung trat weiter in den Vordergrund.

Ein Ballungsraum der Kultur lag in Hierakonpolis. Statt der einfach gebauten runden Hütten gab es hier auch schon rechteckige Hütten. Für besondere soziale Schichten des Volkes wurden spezielle Bestattungsorte angelegt. Es entstand ein Elitedenken. In Hierakonpolis scheint es einen Regierungsbezirk gegeben zu haben. Die Grundlagen zum späteren Königtum wurde wahrscheinlich hier gelegt.

Kunst und Keramik

Der Keramik-Stil der Naqada-I-Periode verliert immer mehr an Bedeutung. Aus Mergeltonen gefertigte Schüsseln, Vasen, Teller und Tassen tauchten auf. Dieses Material war deutlich schwerer bearbeiten, doch entstanden harte Keramiken, in denen Lebensmittel längerfristig gelagert werden konnten. Außerdem entstanden kugelförmige, bauchige Gefäße, die mit geometrischen Mustern bemalt wurden. Sie wurden reichlich mit Tier- und Pflanzendarstellungen dekoriert. Allerdings waren Bootsdarstellungen mit Kajüten und Emblemstandarten die noch häufigeren Dekorationen.

Naqada III (ca. 3300 bis 3000 v. Chr.)

Diese Periode unterscheidet sich von der vorangehenden hauptsächlich durch die Grabbeigaben hoch gestellter Personen. Im Zeitraum dieser Periode wurden besonders die Städte Buto und Minshat Abu Omar besiedelt.

Kunst und Keramik

Keramiken wurden in der Ausfertigung immer weiter perfektioniert und erstmalig zeigen Funde dieser Periode hieroglyphische Aufschriften.

Literatur

  • R. Schulz; M. Seidel: Ägypten. Die Welt der Pharaonen. Könemann, Köln 1997, ISBN 3-89508-541-3

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