Amrehn
Franz Amrehn (links) bei einem Besuch in Ost-Berlin (1964)

Franz Klemens Amrehn (* 23. November 1912 in Berlin; † 4. Oktober 1981 in West-Berlin) war ein deutscher Politiker (CDU). Er war von 1950 bis 1969 Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und von 1969 bis zu seinem Tod Mitglied des Deutschen Bundestages.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Amrehn besuchte die Hindenburg-Realschule und danach das Siemens-Reform-Realgymnasium in Berlin. Er absolvierte im Jahr 1932 das Abitur und machte eine Banklehre. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Bankkaufmann und war danach bis 1945 als Soldat tätig. Im Jahr 1945 kehrte er im Rang eines Oberfeldwebels schwer verwundet aus dem Krieg zurück. Er studierte nach Kriegsende Rechtswissenschaften und war daneben Geschäftsführer eines Berliner Unternehmens. Im Jahr 1952 hatte er beide Staatsprüfungen hinter sich und wurde Rechtsanwalt. Ab 1964 war er auch Notar.

Politik

Landespolitik in Berlin

Amrehn trat 1945 der CDU bei und war von 1946 bis 1948 Bezirksverordneter in Berlin-Steglitz. Im Jahr 1950 wurde er in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, wo er von 1952 bis 1955 Vizepräsident war. Dem Abgeordnetenhaus gehörte er noch bis 1969 an, während dessen war er von 1961 bis 1969 erster Landesvorsitzender der CDU in Berlin. Von 1961 bis 1973 gehörte er auch dem Bundesvorstand an.

Nach der Wahlniederlage Walther Schreibers in Berlin 1954 bildete der neue Regierende Bürgermeister Otto Suhr (SPD) trotz einer Mehrheit für die SPD von 64 Mandaten gegen 63 Mandaten für CDU und FDP eine große Koalition unter SPD-Führung. Dem neuen Senat gehörte Amrehn als Bürgermeister an. Nach dem Tod Otto Suhrs am 30. August 1957 nahm er bis zur Wahl Willy Brandts zum Nachfolger Suhrs kommissarisch die Amtsgeschäfte des Regierenden Bürgermeisters von Berlin wahr. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 1958 war Amrehn erstmals Spitzenkandidat seiner Partei und somit Herausforderer Willy Brandts. Die Berliner CDU legte zwar um 7,3 Prozentpunkte auf 37,7 % zu, gleichzeitig aber erzielte die SPD mit einem Stimmenzuwachs von 8,0 Prozentpunkten und einem Endergebnis von 52,6 % die absolute Mehrheit. Obwohl die FDP an der Fünfprozenthürde scheiterte und somit nur SPD und CDU im Berliner Parlament vertreten waren, setzte Brandt vor dem Hintergrund des Chruschtschow-Ultimatums seine Große Koalition fort. Amrehn blieb als Bürgermeister im Senat.

Im Jahr 1963 war Amrehn erneut Spitzenkandidat seiner Partei und erneuter Herausforderer Brandts. Unmittelbar zuvor drohte die Koalition zu platzen, da die CDU sich weigerte, einem geplanten Treffen Brandts mit Nikita Chruschtschow zuzustimmen. Weite Teile der Berliner sahen darin eine vergebene Chance, wieder Bewegung in die festgefahrene Berliner Situation zu bringen. Die CDU sackte um 8,9 Prozentpunkte ab (28,8% der Stimmen), während die SPD um 9,3 Prozentpunkte auf 61,9 % der Stimmen zulegte. Die CDU ging daraufhin in die Opposition, Amrehn wurde Oppositionsführer. Im Jahr 1967 trat er zum dritten mal als Spitzenkandidat der CDU an, diesmal gegen den neuen Regierenden Bürgermeister Heinrich Albertz (SPD). Obgleich die CDU einen Teil der Verluste der letzten Wahl wettmachen konnte und sich auf 32,9 % der Stimmen verbesserte, konnte die SPD ihre absolute Mehrheit mit 56,9 % der Stimmen deutlich behaupten. Amrehn zog sich nach der erneuten Niederlage aus der Landespolitik zurück.

Bundespolitik

Amrehn war vom 20. Oktober 1969 bis zu seinem Tod am 4. Oktober 1981 für West-Berlin vier Wahlperioden lang Abgeordneter der CDU im Deutschen Bundestag. In allen Wahlperioden war er ordentliches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Im Jahr 1962 wurde er Ehrenbürger von Rhodos, im selben Jahr erhielt er auch das Große Silberne Ehrenkreuz der Republik Österreich und 1963 das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland. Sein Nachlass wird vom Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin verwaltet.

Literatur

  • Rudolf Vierhaus und Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 1, A–M. München 2002, S.14f.



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