Amschel Mayer Rothschild
Amschel Mayer von Rothschild

Amschel Mayer Freiherr von Rothschild (* 12. Juni 1773 in Frankfurt am Main; † 6. Dezember 1855 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Bankier aus der Rothschildfamilie. 1817 wurde er von Kaiser Franz II. von Österreich geadelt, 1822 in den österreichischen Freiherrnstand erhoben.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Amschel Mayer Rothschild war der älteste Sohn von Mayer Amschel Rothschild, dem Gründer der Dynastie Rothschild, und seiner Frau Gutle geb. Schnaper. Bereits in jungen Jahren arbeitete er im Familienunternehmen. 1810 nahm ihn der Vater zusammen mit seinen vier Brüdern als Teilhaber des Bankhauses "M.A. Rothschild & Söhne" auf. Nach dem Tod des Vaters 1812 wurde Amschel Mayer Rothschild neues Familienoberhaupt und übernahm die Leitung des Bankhauses., das ab 1813 seinen Sitz in einem klassizistischen Neubau in der Fahrgasse hatte. Es war zugleich auch der Stammsitz der Rothschildbanken in London, Paris, Wien und Neapel, denen seine Brüder vorstanden. Als der vorsichtigste der fünf Söhne Mayer Amschel Rothschilds, war er stets um die Liquidität der Bank besorgt, ging Risiken möglichst aus dem Weg und bevorzugte eher kleinere Geschäfte. Außerdem versuchte er die europaweit stark wachsenden Geschäfte der Familie Rothschild abzubremsen, was wiederholt zu Streitigkeiten zwischen den Brüdern führte.

Rothschild konzentrierte sich auf die Fortsetzung der Tätigkeit als Hoffaktor verschiedener deutscher Fürsten. Die von seinem Vater mit Hilfe von Carl Friedrich Buderus aufgebauten Beziehung zum Hof von Hessen-Kassel spielten dabei eine wichtige Rolle. Daneben war Amschel Mayer Rothschild auch Schatzmeister und Finanzier des Deutschen Bundestages in Frankfurt. Seine guten Beziehungen zu fast allen deutschen Mittel- und Kleinstaaten halfen M.A. Rothschild & Söhne zwischen 1820 und 1830 das Bankhaus Gebrüder Bethmann als im deutschsprachigen Raum führenden Emittent von Staatsanleihen zu verdrängen. Frankfurt wurde zum wichtigsten Börsenplatz und Zentrum des Kapitalmarkts in Deutschland. Aus dem Geschäft mit Industrieanleihen und -aktien hielt sich das Frankfurter Rothschildhaus hingegen heraus. Durch die Bereitstellung von Krediten an andere, auf diesem Gebiet aktive Banken (z.B. Sal. Oppenheim in Köln) war man aber indirekt an solchen Geschäften beteiligt. Eine Ausnahme von diesem Vorgehen bildete lediglich 1835 die federführende Beteiligung an einem Konsortium zur Errichtung der Taunusbahn.

Auch wenn das Vermögen von M.A. Rothschild & Söhne unter Amschel Mayer Rothschilds Leitung weiter anstieg, so verlor das Frankfurter Mutterhaus dennoch im Vergleich mit den stark expandierenden Rothschildbanken in London und Paris an Bedeutung. Trotzdem blieben Letztere offiziell nur Filialen von M.A. Rothschild & Söhne. Solange Gutle Rothschild, die Mutter der fünf Brüder Rothschild, noch lebte, blieb Frankfurt auch der Hauptversammlungsort der Familie Rothschild.

Amschel Mayers 1796 geschlossene Ehe mit Eva Hanau blieb kinderlos. Zur Sicherung der Nachfolge adoptierte er seinen Neffen Mayer Carl von Rothschild, den Sohn von Carl Mayer von Rothschild in Neapel. Mayer Carl war zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Carl von Rothschild seit 1852 Teilhaber und führte das Frankfurter Bankhaus nach dem Tode Amschel Mayers weiter.

Glauben

Rothschild blieb den Traditionen des orthodoxen Judentums treu und war ein ausdrücklicher Gegner der jüdischen Reformbewegung. Er lehnte 1843 die Berufung des liberalen Rabbiners Leopold Stein nach Frankfurt ab und zog seine Zusage, den Bau einer neuen Hauptsynagoge mit 250.000 Gulden zu unterstützen, zurück. Als die Freie Stadt Frankfurt 1844 eine neue Wechselordnung einführte, die jüdische Bankiers vorschrieb auch am Sabbat und anderen jüdischen Feiertagen Wechsel akzeptieren zu müssen, ließ Rothschild öffentlich verkünden, dass er sich an diese Bestimmung nicht halten werde.

Rothschild bemühte sich auch um die rechtliche Gleichstellung der über 4000 Frankfurter Juden, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausmachten. In der Konstitutionsergänzungsakte, der 1816 erlassenen Verfassung der Freien Stadt Frankfurt, waren ihre bürgerlichen Rechte erneut beschnitten worden unter Berufung auf den mehrheitlichen Willen der christlichen Bürgerschaft, vor allem des Handwerks und des Handels, die die Konkurrenz der jüdischen Bürger fürchteten. Mit Unterstützung von Fürst Metternich und dem preußischen Staatsminister Hardenberg und anderen Fürsten veranlaßte Rothschild zwischen 1816 und 1824 mehrere Bittschriften der Israelitischen Gemeinde die Gleichstellung der Frankfurter Juden betreffend an den Senat der Freien Stadt. 1824 wurden die Juden als Israelitische Bürger den Christen privatrechtlich gleichgestellt, aber erst 1864 hob Frankfurt als zweiter deutscher Staat nach dem Großherzogtum Baden (1862) alle Beschränkungen der Bürgerrechte auf und stellte die Juden den übrigen Bürgern gleich.

Wohltätigkeit

Anders als sein Vater, dessen wohltätiges Wirken in der jüdischen Tradition der Zedaka stand, begründete Amschel Mayer Rothschild die umfangreiche Stiftungstätigkeit der Familie Rothschild. 1849 errichtete er die Freiherrlich Amschel Meyer von Rothschild´sche Stiftung für die armen Israeliten der Stadt Frankfurt am Main, der er testamentarisch 1,2 Millionen Gulden vermachte. Diese Stiftung erhielt zudem den Auftrag, das Haus zum Grünen Schild, also das Stammhaus der Familie Rothschild, zu erhalten und für wohltätige Zwecke zu verwenden. Darüber hinaus förderte er das jüdische Leben Frankfurts auch durch zahlreiche Spenden, z.B für die Synagogen, Krankenhäuser und Krankenkassen).

1816 erwarb Rothschild ein Gartenhaus in der Bockenheimer Landstraße 10, das er durch Friedrich Rumpf zu einem klassizistischen Palais ausbauen ließ. Das Palais wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, der zugehörige Park ist als Rothschildpark bis heute erhalten. Sein Stadthaus Zeil 34 wurde später zum Rothschildschen Altersheim (1944 zerstört). Rothschild besaß ferner seit 1837 die Grüneburg, die Stalburger Öd im Nordend und den Kühhornshof.

Sein Grab befindet sich auf dem Alten jüdischen Friedhof in der Rat-Beil-Straße. Das Grabmal wurde von Eduard Schmidt von der Launitz gestaltet.

Literatur

  • Georg Heuberger (Hrsg.): Die Rothschilds. Eine europäische Familie. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-1201-2;
  • Georg Heuberger (Hrsg.): Die Rothschilds. Beiträge zur Geschichte einer europäischen Familie. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-1202-0;
  • Manfred Pohl: Amschel Meyer Rothschild. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, S. 132 f.

Siehe auch


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