Amsdorff
Nikolaus von Amsdorf

Nikolaus von Amsdorf (* 3. Dezember 1483 in Torgau; † 14. Mai 1565 in Eisenach) war ein deutscher Theologe und kirchenpolitischer Reformator.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren als Sohn des Amtmann von Mühlberg Georg von Amsdorf und seiner Frau Katharina von Staupitz, der Schwester des Johann von Staupitz, besuchte er 1497 die Leipziger Thomasschule und bezog im Sommersemester 1500 die dortige Universität Leipzig. Nachdem er sich am 15. Februar 1502 den Grad eines Baccalaurus erworben hatte, wechselte er am 18. Oktober desselben Jahres an die Universität Wittenberg. Dort wurde er 1511 Lizentiat der Theologie nachdem er im Jahr zuvor bereits das Dekanat der Philosophischen Fakultät innegehabt hatte. Er dozierte in Philosophie und Theologie, wurde Kanonikus am Allerheiligenstift und hatte mehrfach das Rektorat inne. Trotz dieses starken Engagements an der Universität gab es bis 1516 kaum engere Kontakte zwischen ihm und Luther.

In diesem genannten Jahr wurden Amsdorfs Thesen bekannt, die sich aus Luthers Römerbriefvorlesung 1515/16 ergaben. Diesen stimmte er nach anfänglicher Ablehnung immer stärker zu. Daraufhin schließt er sich dem Kreis um Melanchthon, Linck und Karlstadt an, die zu dieser Zeit neben Luther Reform und Reformation vorantrieben.

Unter dem Einfluss Luthers wurden aus dem Skotisten ein Theologe der Reformation. Zwar durchlitt er nicht die Anfechtungen Luthers (was wohl kaum einer dieses Kreises tat), wurde aber trotzdem einer der schärfsten Verfechter einer uneingeschränkten Rechtfertigungslehre.

1519 begleitete Amsdorf Luther zur Leipziger Disputation. Im gleichen Jahre bemühte er sich um die Reform der Universität, um die Abschaffung der Reliquiendienste und der Pfründe.

Die Freundschaft zwischen den Wittenberger Reformatoren wurde zu dieser Zeit immer fester. So widmete Luther seine Schrift An den christlichen Adel und Melanchthon seine Ausgabe der Wolken des Aristophanes Amsdorf. 1521 begleitete er Luther abermals auf einem wichtigen Weg, zum Wormser Reichstag, und wurde auch Zeuge der Gefangennahme auf dem Rückweg. In der folgenden Zeit fungierte Amsdorf als Verbindungsmann zwischen den Wittenbergern, dem Kurfürsten und Luther und trieb neben Melanchthon die Reformation weiter voran. U. a. hielt er nach Luthers Vorlage eine Vorlesung über den Hebräerbrief ab. Die Führungsrolle in Luthers Abwesenheit fiel den beiden sichtlich schwer, besonders während der so genannten Wittenberger Bewegung.

Als die Zwickauer Propheten nach Wittenberg kamen, geriet Amsdorf, der immer zu schnelleren und radikaleren Reformen als Luther bereit war, in deren Einfluss. Denn deren Abschaffung der Messfeier und die Abtuung der Bilder befürwortete er oder duldete sie zumindest mit Wohlwollen. Auch wenn er wegen des daraus entstehenden Aufruhrs und der Gewalt zweifelte, so konnte doch erst Luther selbst nach seiner Rückkehr am 6. März 1521 von der Notwendigkeit des Bruches mit ihnen und somit auch mit Karlstadt überzeugen. In der Folgezeit arbeitete Amsdorff an der Übersetzung der Bibel mit und drang auf die Reformation des Allerheiligenstiftes, lehnte auch ab, dessen Dechant zu werden.

Am 24. September 1524 kam Amsdorff nach Magdeburg, um dort der erste Superintendent zu werden. Als Pfarre wurde ihm St. Ulrich gegeben. Auch in Magdeburg gab es Uneinigkeit unter den reformatorisch Gesinnten. So vertrat z. B. der Arzt Dr. Cyclop eine calvinistische Position zum Abendmahl und blieben die Domprediger bei der alten Lehre von den guten Werken. Gegen dies alles war aus der Sicht des sich streng an Luther haltenden vorzugehen. In mehreren Schriften äußerte sich Amsdorff gegen Melchior Hofmann, besonders wegen dessen Offenbarungsverständnis. Neben seinem Dienst in Magdeburg wurde er u. a. auch noch nach Einbeck und Goslar gerufen, um dort der Reformation zum Durchbruch zu verhelfen.

1542 wurde er von Luther als Bischof von Naumburg „ordiniert und eingeweiht“.[1] 1547 musste er von dort fliehen und wurde durch den altgläubigen (katholischen) Julius von Pflug ersetzt.

Seine letzten Jahre verlebte er in Eisenach. Von dort aus bekämpfte er verbissen alle, die seiner Ansicht nach Luthers Sache verrieten. Dazu gehörte für ihn sogar Melanchthon.

Klärung zur Namensverwirrung

Zur Zeit der Reformatoren wurde die Schreibung der Namen noch nicht so streng genommen. Martin Luther z. B. trug sich selbst bei Studienbeginn als Martin Luder de Mansfeld ein. (Im Wittenberger Doktorbuch erscheint der Eintrag 1512 in der gleichen Schreibweise.) So gibt es von Amsdorff folgende Namensvarianten: Ambsdorf, Amsdorff, Amstorff, Ambsdorff, und sogar Ampsdorff. Er selbst schrieb sich meist Amsdorff.

Die Städte Magdeburg und Eisenach haben eine Straße (Amsdorfstraße) nach ihm benannt. Auch in der Stadt Naumburg (Saale) an der Saale gibt es eine Straße mit seinem Namen.

Literatur

  • Peter Brunner: Nikolaus von Amsdorf als Bischof von Naumburg: Eine Untersuchung zur Gestalt des evangelischen Bischofsamtes in der Reformationszeit. (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 179) Gütersloh: G. Mohn 1961.
  • Irene Dingel (Hg.): Nikolaus von Amsdorf (1483–1565): Zwischen Reformation und Politik. (Leucorea-Studien zur Geschichte der Reformation und der Lutherischen Orthodoxie 9.) Leipzig 2008. ISBN 978-3-374-02636-4
  • Heinz Scheible: Melanchthons Briefwechsel. Personen A-E. Band 11. Stuttgart; Bad Canstatt 2003.
  • Schwarz, G. Kawerau: Amsdorf, Nikolaus von. In: Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE) Bd. 1, (1896), S. 464–467
  • Hans Stille: Nikolaus von Amsdorf: Sein Leben bis zu seiner Einweisung als Bischof in …, B. Sporn 1937.
  • Eberhard Völker: Nicolaus von Amsdorf (1483–1565) – Ein Leben für die „reine Lehre“ (In: Beiträge zur Goslarer Kirchengeschichte. Die Vorträge der Amsdorfabende, hrsg. von Otmar Hesse, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2001, S. 57–82 [= Beiträge zur Geschichte der Stadt Goslar. Goslarer Fundus. 49])
  • Heinz Wiessner, Ernst Devrient: Das Bistum Naumburg; Walter de Gruyter, Naumburg Halle (Saale), ISBN 3-11-015570-2

Weblinks

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Peter Brunner: Nikolaus von Amsdorf als Bischof von Naumburg. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1961. S. 60f.



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