Jon Anderson
Jon Anderson bei einem Yes-Konzert 1977

Jon Anderson (* 25. Oktober 1944 als John Roy Anderson in Accrington, Lancashire, England) ist ein britischer Rockmusiker und -sänger, der vor allem durch seine Mitgliedschaft bei der Progressive-Rock-Band Yes bekannt geworden ist. Charakteristisches Merkmal Andersons ist sein hoher, klarer Gesang.

Inhaltsverzeichnis

Karriere

Little John’s Skiffle Group und The Warriors (1954 - 1967)

Schon als Junge musste John Anderson (er strich das h erst später, in seiner Londoner Zeit) zum Einkommen seiner Familie beitragen. Er arbeitete unter anderem als Milchmann. Sein musikalischer Werdegang begann dann 1954, als der Zehnjährige als Waschbrettspieler Mitglied der "Little John’s Skiffle Group" ist, die vornehmlich Stücke von Lonnie Donegan spielte. 1962 trat er als Sänger der Band The Warriors seines Bruder Tony bei, die sich zeitweise auch The Electric Warriors nannte.
Die anderen Bandmitglieder waren Michael Brereton (Leadgitarre), Rodney Hill (Rhythmusgitarre), David Foster (Bass) und der spätere King-Crimson-Schlagzeuger Ian Wallace. Die Band spielte vornehmlich in Nordengland und veröffentlichte zwei Singles bei Decca: "You Came Along" und "Don’t Make Me Blue". Während einer Konzertreise nach Deutschland verließ Anderson die Warriors.

Auf dem zweiten Yes-Album "Time and a Word" finden sich zwei Stücke, die Anderson zusammen mit David Foster geschrieben hatte: "Sweet Dreams" und das Titelstück "Time and a Word".

Hans Christian, Gun (1968)

Anderson veröffentlichte zwei Singles unter dem Künstlernamen "Hans Christian": "Never My Love", eine Coverversion des damals aktuellen Hits von The Association, und "The Autobiography Of Mississippi Hobo".

Kurzzeitig war er Mitglied der Band "The Gun" der Brüder Paul und Adrian Gurvitz. Er hatte allerdings nur einen einzigen Auftritt, bevor er die Band verlassen musste. Die Band hatte danach, im Oktober 1968, einen großen Hit mit "Race With The Devil". Das Cover ihres ersten Albums gestaltete der Fantasy-Künstler Roger Dean, der später für zahlreiche Yes-Albumcover verantwortlich zeichnen sollte. Die Gurvitz-Brüder wurden später vor allem durch ihre Zusammenarbeit mit Ginger Baker in der Band "Baker Gurvitz Army" bekannt.

Yes (seit 1968)

In diesem Jahr hielt sich Anderson mit einem Job im Londoner La Chasse Club über Wasser. Der Club-Manager Jack Barrie stellte ihn dem Bassisten Chris Squire vor, der zu dieser Zeit mit seiner Band Mabel Greer’s Toyshop unterwegs war. Anderson trat Squires Band bei, die sich nach einigen Umbesetzungen im Sommer 1968 nach einem Vorschlag des Gitarristen Peter Banks in "Yes" umbenannte. Die Urbesetzung war: Anderson, Squire, Banks, Bill Bruford (Schlagzeug) und Tony Kaye (Orgel).

Anderson sang mit der Band bis 1978 neun Studioalben ein. Während der Arbeit an dem nie veröffentlichten 10. Album (Paris Sessions) in Paris verließ er zusammen mit Rick Wakeman aus künstlerischen, finanziellen und persönlichen Gründen die Band. Yes verwarfen daraufhin das mit Anderson erarbeitete Material, ersetzten Anderson und Wakeman durch Trevor Horn und Geoff Downes von den Buggles und schrieben ihr 10. Studioalbum "Drama".

Anderson widmete sich daraufhin verstärkt seiner Zusammenarbeit mit Vangelis (Alben "Short Stories", 1980 und "The Friends of Mr. Cairo", 1981) und startete mit den Alben "Song Of Seven" (1980) und "Animation" (1982) eine Solokarriere.

Nach den gescheiterten XYZ-Sessions hatte Chris Squire zusammen mit dem Yes-Schlagzeuger Alan White und dem südafrikanischen Sänger und Gitarristen Trevor Rabin das Projekt "Cinema" gegründet (s. "90125"). Die Plattenfirma hielt es allerdings für notwendig, dass die neue Band einen alleinigen Frontmann bekam. Als Squire an Anderson herantrat, war dieser von dem neuen Songmaterial so begeistert, dass er spontan zusagte, auf dem neuen Album zu singen. Eine Umbenennung in "Yes" lag damit, schon aus Marketing-Gründen, nahe, da man somit keine neue Band auf dem Markt etablieren musste.

Während der Arbeiten an den beiden darauffolgenden Yes-Alben "90125" und "Big Generator" übernahm Rabin immer mehr die Führung der Band, die seit den 1970er Jahren Anderson innezuhaben gewohnt war. Frustriert verließ er 1988 die Band zum zweiten Mal und gründete mit drei ehemaligen Yes-Mitgliedern das Projekt "Anderson, Bruford, Wakeman, Howe". Nach nur einem Album und einer erfolgreichen Welttournee fusionierte Anderson die beiden Bands zu einem achtköpfigen Yes-Lineup, das großen kommerziellen Erfolg zu versprechen schien. Als dieser jedoch nach einem aus sehr heterogenem Material der beiden Bands zusammengestückelten Album (Union, 1991) und einer weiteren Welttournee ausblieb, reduzierte man Yes auf Druck der Plattenfirma auf die 80er-Besetzung Anderson, Kaye, Rabin, Squire, White.

Damit war Anderson wieder Vollmitglied bei Yes, was er bis heute geblieben ist.

Von 2004 bis 2008 legten Yes die längste Pause ihrer Bandgeschichte ein. Manche behaupten dass diese lange Abstinenz weniger auf die gesundheitlichen Probleme Andersons (und Wakemans) zurückzuführen seien, sondern ihren Gründe darin hätten, dass Andersons spirituelle Führerin, die 'Divine Mother' Audrey Kitagawa, die ihm, wie er selbst sagt, dabei hilft, "in die vierte Dimension zu sehen", dringend davon abgeraten hat, vor 2008 live aufzutreten. Dies war jedenfalls von Anderson als Grund für die Absage eines Auftritts an der PG School of Rock Music im Juli 2007 angegeben worden und man hatte schon früher Gründe spiritueller Natur von ihm gehört. Mittlerweile hat das Management aufgrund der Verärgerung mancher Fans (und der anderen Bandmitglieder, vor allem Steve Howes, Squires und Whites) zwar von dieser Erklärung Abstand genommen und die gesundheitlichen Gründe wieder ins Spiel gebracht.

Eine für den Sommer geplante Yes-Comeback-Tournee wurde am 4. Juni 2008 aufgrund gesundheitlicher Probleme Andersons abgesagt. Einige Wochen zuvor war dieser mit einem akuten Asthma-Anfall ins Krankenhaus eingeliefert worden, infolgedessen er für 2 Minuten klinisch tot war. Trotz schneller Erholung rieten ihm seine Ärzte von einer Konzerttournee ab. Die Ankündigung eines neuen Albums wird jedoch weiterhin aufrechterhalten.

Jon & Vangelis (1975 - 1991)

Im Sommer 1975 nahm Anderson für das Album "Heaven and Hell" des griechischen Keyboarders Vangelis den Song "So Long Ago, So Clear" auf. Es war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit, die mit dem ersten Jon & Vangelis-Album "Short Stories" 1980 erfolgreich zu werden begann. Das Duo veröffentlichte bis 1983 drei Alben, ein viertes, letztes, kam 1991 dazu.

1982 kam der Jon & Vangelis-Titel I’ll find my Way home bis auf Platz 6 der deutschen Single-Charts.

Olias of Sunhillow (1975/76)

1975 nahmen sich alle damaligen Yes-Mitglieder eine Auszeit, um an Soloprojekten zu arbeiten. Jon Andersons Album "Olias of Sunhillow" erschien als letztes, 1976.

"Olias of Sunhillow" erzählt den Hintergrund einer Geschichte, die der Yes-Illustratior Roger Dean auf den Yes-Albumcovers von "Fragile", "Close to the Edge", "Yessongs" und "Tales from Topographic Oceans" darstellt, den Zerfall eines Planeten und die Reise seiner Bruchstücke als „Sporen“ für neue Welten und die Flucht eines Raumschiffs von der zerberstenden Welt: Drei mythische Anführer, Olias, Ranyart und Qoquaq, vereinen die vier verfeindeten Stämme des dem Untergang geweihten Planeten Sunhillow, bauen durch Olias’ Gesang das lebendige Schiff "Moorglade Mover" und bringen die Bevölkerung vor der drohenden Katastrophe in die Sicherheit ihrer neuen Heimat, der Erde. Diese Geschichte wird durch die Musik, über die Covergestaltung des Künstlers Dave Roe und eine Erzählung vermittelt, die auf einem, frühen Ausgaben des Albums beiliegenden Bogen zusätzlich ins Deutsche übersetzt ist.

Anderson verwendet dabei Zahlensymbolik: Die vier Anfangsbuchstaben der Stammesnamen stehen für die der Stämme unserer Welt, in Andersons Weltbild "Negro, Asian, Oriental and Nordic". Der Erdkreis Sunhillows steht für die 1 und die drei Anführer für die 3. Dementsprechend wird das Symbol Olias’ auf der Rückseite des Albumcovers von einem Kreis, einem Dreieck und einem Quadrat gebildet. Der Kreis steht für das Einssein aller und für Sunhillow, das Dreieck für die Anführer Olias, Ranyart und Qoquaq (es spielt auch auf die Dreieinigkeit an), das Quadrat wiederum steht für die Individualität der Stämme. Damit ähnelt des Olias-Symbol deutlich dem der Rosenkreuzer.

Anderson verknüpft diese Motive, die zumeist klassischen Mythologien entlehnt sind (Exodus, Noah und die Arche, die Dreifaltigkeit) mit zeitgenössischen esoterischen Themen (das Album ist von „The Initiation of Life“ und „The Finding of the third Eye“, zwei Büchern der spirituellen Autorin Vera Stanley-Adler inspiriert), die auch zentrale Elemente des Yes-Mythologie sind: eine positive Haltung der Welt und dem Leben gegenüber, Mystizismus, Prophetie, Frieden, Respekt vor der Natur, Hoffnung für die Zukunft und nicht zuletzt die Kraft der Musik (Olias formt das Schiff durch seinen Gesang).

Die Musik selbst ist geprägt von der visionären Kraft und dem Reichtum an musikalischer Erfahrung, die Anderson mitbringt. Er fügt 23 Themen zu einem geschlossenen Album ohne konventionelle Songstrukturen zusammen, dass er durch die Überlagerung vieler Tonspuren zu einem dichten Gewebe melodischer und rhythmischer Figuren formt, die fließend ineinander übergehen. Machart und Soundgestalt dieses Album sind damit einzigartig, es gilt als Vorläufer und Prototyp der in den 1980ern aufkommenden "New Age Musik", "Olias of Sunhillow" ist zusammen mit Chris Squires "Fish out of Water" das am stärksten stilprägende Solo-Album eines Yes-Musikers.

Anderson trug in dieser Zeit auch einen Beitrag zu Yes-Schlagzeuger Alan Whites Solo-Album "Ramshackled" bei.

Spätere Solo-Arbeiten

Seit 1979 veröffentlichte Anderson mehr oder weniger regelmäßig Soloalben, die die Entwicklung des Künstlers zur eigenständigen Musikerpersönlichkeit dokumentieren. Hervorzuheben sind u. a. "Song of Seven" (1979), das mit dem gleichnamigen Titelstück ein kleines Meisterwerk enthält und auf dem mit "Some are Born" und "Days" zudem von Yes nicht verwendetes Material zu hören ist und "Change we Must" (1994), das mit klassisch inspiriertem Material, etwas moderner Klassik und orchestrierten Klassikern wie "State Of Independence" oder "Hearts" eine gelungene Veröffentlichung darstellt. Das Album "Toltec" (1994) erinnert als "Konzeptalbum" mit seinem exotischen, von vielen Percussioninstrumenten geprägten, fließendem Sound wieder an das vielgelobte Debüt "Olias Of Sunhillow" (1976). Auch die anderen Alben bieten eine große Bandbreite verschiedener Stile, von Rock ("Animation"), Pop ("In The City Of Angels", "The More you know") über Latin Pop ("Deseo"), Unplugged ("Earthmotherearth") bis hin zu meditativer Musik ("Angel’s Embrace"), Irish Folk ("The Promise Ring") und Weihnachtsliedern im modernen Popgewand.("3 Ships"). Mit dem Einzug der neuen Medien in das Alltagsleben im 21. Jahrhundert hat sich auch das Produktionsverhalten Jon Andersons’ geändert. Seit dem letzten regulären Album "The More You Know" hat der Künstler etliche seiner Arbeiten, meist einzelne Songs, Kollaborationen mit anderen Musikern oder Produzenten, ausschließlich im Internet veröffentlicht, manche Songs sogar nur auf bestimmten Plattformen wie z. B. 'Twitter'. Seine vielfältigen Soloaktivitäten, ein deutliches Signal seiner Vitalität und Geschäftigkeit nach einer Phase der Krankheit und Genesung und seine diversen Liveaktivitäten werden auf 'youtube' ausführlich dokumentiert.

Das Chagall-Musical

In den 80er und 1990er Jahren arbeitete Anderson an einem bis heute unveröffentlichten Musical über den Maler Marc Chagall. Von den meisten Stücken dieses Musicals existieren bislang nur Demoversionen. Lediglich zwei Songs sind bis heute veröffentlicht worden: Picasso, ein Song über den Maler Pablo Picasso, als Bonustrack auf der Rhino-Version des Yes-Albums Tormato (im Video YesYears sieht man Anderson kurz, wie er das Stück singt und sich dabei auf einer Akustikgitarre selbst begleitet) und Chagall Duet auf Andersons Solo-Album Change we must.

Weitere Zusammenarbeit

Außerdem arbeitete er neben seinen Solo-Aktivitäten im Laufe der Jahre als Gastsänger bei vielen anderen Künstlern und Projekten mit, u. a. King Crimson, Album "Lizard", Kitarō, Album "Dream", Mike Oldfield, Album "Crises" u. Single "Shine", Tangerine Dream, Soundtrack "Legend", Dream Theater, Album "Systematic Chaos", Toto, Album "The Seventh One", Soundtrack "Metropolis", Soundtrack "St Elmos’ Fire", Glass Hammer, Album "Culture Of Ascent" u. a.m.

Familie

Jon Anderson ist in zweiter Ehe mit Jane Luttenberger verheiratet. Er hat drei Kinder aus erster Ehe, Deborah Anderson, die mit der französischen Elektropop-Band Télépopmusik unterwegs ist (Album Angel Milk, 2005), Jade Anderson, die eine eigene Sängerkarriere verfolgt, und Damion Anderson, ebenfalls Musiker.

Diskografie

Mit Yes

siehe Yes

Mit Vangelis (Jon & Vangelis)

  • Short Stories (1980)
  • The Friends of Mr. Cairo (1981)
  • Private Collection (1983)
  • Page of Life (1991)

Mit Anderson, Bruford, Wakeman, Howe

siehe Anderson, Bruford, Wakeman, Howe

Mit Rick Wakeman

  • 2010 Living Tree

Singles als Hans Christian Anderson

  • 1968 Never My Love / All Of The Time
  • 1968 Autobiography Of A Mississippi Hobo / Sonata Of Love

Solo-Alben als Jon Anderson

  • 1976 Olias Of Sunhillow
  • 1979 Song Of Seven
  • 1982 Animation
  • 1985 3 Ships
  • 1988 In The City Of Angels
  • 1992 Dream
  • 1994 Change We Must
  • 1994 Deseo
  • 1995 The Deseo Remixes
  • 1995 Angels Embrace
  • 1996 Toltec
  • 1997 The Promise Ring
  • 1997 Earth Mother Earth
  • 1998 The More You Know
  • 2005 Tour Of The Universe (DVD)
  • 2011 Survival & Other Stories

Weitere Solo-Aktivitäten

  • 1984 Soundtrack - Metropolis
    • Cage Of Freedom
  • 1985 Soundtrack - Scream For Help
    • Silver Train
    • Christie
  • 1985 Soundtrack - St. Elmo’s Fire
    • This Time Was Really Right
  • 1986 Soundtrack - Biggles
    • Do You Want To Be A Hero
    • Chocks Away
  • 1989 Various Artists - Requiem For The America / Songs From The Lost World
    • Within The Lost World
    • Far Far Cry

Quellen und Weblinks


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