Amt Schlüchtern

Das Amt Schlüchtern war ein historisches Amt der Grafschaft Hanau-Münzenberg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Herren von Hanau erhielten das Amt 1316 als Ulrich II. von Hanau das Gericht Brandenstein und zunächst die Hälfte des Gerichts Schlüchtern von den Grafen von Rieneck kaufte. Es handelte sich um ein Lehen des Bischofs von Würzburg, der diesem Verkauf zustimmte. Die zweite Hälfte des Amtes Schlüchtern erhielt Hanau 1377 im Tausch gegen die Burg Büttert. Das Kloster Schlüchtern begab sich 1457 endgültig in die Schutzherrschaft Hanaus.

Die Eigenschaft als Würzburger Lehen führte nach der Reformation zu Spannungen zwischen der nun zunächst lutherischen, ab 1597 reformierten Grafschaft Hanau-Münzenberg und dem römisch-katholischen Bistum Würzburg. Ein langjähriger Prozess vor dem Reichskammergericht dauerte von 1571 – 1624 und endete mit einem Restitutionsmandat zugunsten Würzburgs. 1628 – 1631 war Schlüchtern deshalb von Würzburg besetzt, 1631 – 1637 wieder von Hanau und ab 1637 wieder von Würzburg. 1656 kam es zu einem Vergleich, bei dem Hanau sich in Schlüchtern gegen Würzburg durchsetzte und dem Bistum dafür Orb überließ.[1]

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel das Amt mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der Anfang des 19. Jahrhunderts das Kurfürstentum Hessen wurde. Dort wurde es mit der Verwaltungsreform von 1821 großteils dem neu gebildeten Landkreis Schlüchtern zugeschlagen. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert und ist nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Bundeslandes Hessen geworden. Mit der hessischen Gebietsreform von 1974 wurde der ehemalige Landkreis Schlüchtern dem Main-Kinzig-Kreis zugeschlagen.

Bestandteile

Literatur

  • E. Bernstein: Geschichte der Stadt und des Klosters Schlüchtern mit besonderer Rücksicht an Fulda. In: Buchonia III, 3, Fulda 1828, S. 164-188.
  • Dersch Wilhelm: Hessisches Klosterbuch. Quellenkunde zur Geschichte der im Regierungsbezirk Cassel, der Provinz Oberhessen und dem Fürstentum Waldeck gegründeten Stifter, Klöster und Niederlassungen von geistlichen Genossenschaften. Marburg 1915. S. 108f.
  • Dommerich: Urkundliche Geschichte der allmählichen Vergrößerung der Grafschaft Hanau von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Aussterben des Hauses 1736. In: Mitteilungen des Hanauer Bezirksvereins für Geschichte und Landeskunde 1/2 (1860), S. 107, 195, 128.
  • Regenerus Engelhard: Erdbeschreibung der Hessischen Lande Casselischen Antheiles mit Anmerkungen aus der Geschichte und aus Urkunden erläutert. Teil 2, Cassel 1778, ND 2004, S. 801ff.
  • Karl Geist und Ludwig Steinfeld: Das Schlüchterner Land. Liebeserklärung an eine Landschaft. Schlüchtern 1982.
  • Franziska Haase: Ulrich I., Herr von Hanau 1281-1306. Masch. Diss. Münster 1924, S. 11.
  • C. Hessler [Bearb.]: Der Kreis Schlüchtern. In: Hessische Landes- und Volkskunde 1,2, S. 637-661.
  • J. Koltermann: Der Streit um das Kloster Schlüchtern. Masch. Diss, Marburg 1920.
  • U. Krüger-Löwenstein: Kloster Schlüchtern und Herrschaft Hanau am Ende des 15. Jahrhunderts. In: Festschrift für W. Heinemeyer zum 65. Geburtstag. Aus Geschichte und ihren Hilfswissenschaften, hrsg.: H. Bannasch u. H.-P. Lachmann, 1979, S. 581-601.
  • Georg Malfeld: Über die territoriale Zusammensetzung und die alten Herrschaftsverhältnisse des Kreises Schlüchtern. In: Hessenland 41 (1930) Marburg, S. 260ff.
  • Ludwig Neundörfer und Hermann Michler: Die Geschichte vom Schlüchtern-Plan. Frankfurt 1950.
  • Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter. Diss. Darmstadt u. Marburg, 1986.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926, S. 426f.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 2000, S. 325, 461, 469f.
  • Wahrhafter Bericht, was es mit dem Kloster Schlüchtern, so in der Grafschaft Hanau gelegen, für eine Beschaffenheit habe, und was wohl ermeldeter Grafschaft, wegen solches Klosters in den Jahren 1624, 1625, 1626, 1627 und 1628 durch das, vom damaligen Herrn Bischofen von Würtzburg, und Hertzog in Francken vom kayserlichen Hofe ausgewürkte Mandatum de restituendo, darauf erlangtes Urtheil und erfolgte Execution, tam quoad justitiam causae quam processum für höchste Beschwerungen zugezogen worden; für 16 Jahren also verfast, und nunmehr der Wahrheit zu Stewer in offenen Druck kommen. o.O. 1647.

Einzelnachweise

  1. Dersch.

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