Amt für Schönheit der Arbeit

Das Amt für Schönheit der Arbeit war ein Verband der Nationalsozialistischen Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Es war Teil der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) und gehörte zur Robert Ley unterstehenden Deutschen Arbeitsfront (DAF), die in Folge des Verbots der Gewerkschaften im Mai 1933 nach der Machtübernahme der NSDAP im Deutschen Reich als Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschaffen worden war. Aufgabe des Amtes war die Verbesserung von Ergonomie und Arbeitssicherheit.

Vorgeschichte

Bereits früher gab es Bestrebungen von Unternehmern, durch den Bau von Arbeitersiedlungen und Freizeitanlagen die Belegschaft an den Betrieb zu binden und einer Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaften oder sozialistischen Verbänden entgegenzuwirken. Kantinen sparten den Arbeitern die Zeit für den Nachhauseweg und ermöglichten somit auch den Frauen zu arbeiten, wenn sie sich nicht ums Kochen kümmern mussten.

Mit dem Amt für Schönheit der Arbeit wurde eine zentrale, im System des NS-Regimes verankerte Organisation geschaffen, die solche Verbesserungen im Sinne der NS-Ideologie planen sollte.

Aktivitäten

Gemeinschaftshaus bei Linden und Funke (Iserlohn), 1936 nach Plänen des Amtes eröffnet

Das Amt für Schönheit der Arbeit existierte vom 27. November 1933 bis kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Es publizierte diverse Broschüren mit detaillierten Plänen, zum Beispiel für die Einrichtung von Waschräumen und Toiletten, ohne Verwendung von Metallen, die für die Rüstungsindustrie von Bedeutung waren. Auf Veranlassung des Amtes wurden Kantinen, Aufenthaltsräume, Werksbibliotheken, Sport- und Sanitäranlagen eingerichtet sowie Kameradschaftsabende und Werks-Sportfeste organisiert. Die Kosten dieser Maßnahmen beliefen sich bis 1939 auf circa 200 Millionen Reichsmark, die von den Unternehmen getragen werden mussten. Betriebe, die die Vorgaben des Amtes besonders eifrig umsetzten, erhielten den Ehrentitel „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“.

Die Aktionen des Amtes für Schönheit der Arbeit standen unter jährlich wechselnden Mottos:

  • 1934: „Entrümpelung der Betriebe“
  • 1935: „Kampf dem Betriebslärm“
  • 1936: „Gutes Licht, gute Arbeit“
  • 1937: „Saubere Menschen im sauberen Betrieb“
  • 1938: „Gesunde Luft im Arbeitsraum“
  • 1939: „Warmes Essen im Betrieb“

Mit Kriegsbeginn ersetzte die Steigerung der Produktivität die Aktivitäten zu Verbesserung der Situation von Arbeitern. Maßnahmen wie eine gute Ausleuchtung von Arbeitsplätzen dienten der Senkung von Ausschuss, verbesserte Hygiene senkte die Zahl von Krankenständen. Nahmen die Mitarbeiter ihre Mahlzeiten im Betrieb ein, konnte der Verbrauch besser gesteuert werden, vor allem der von unerwünschten Importprodukten. Nebenbei konnten zentral die Gespräche der Mitarbeiter belauscht werden und somit die Solidarisierung in der Kleingruppe am Arbeitsplatz eingedämmt werden. Den gleichen Zielen dienten auch Sportanlagen.


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