Ju-jutsu

Deutsches Ju-Jutsu ist ein modernes, offenes Selbstverteidigungssystem für die Praxis des täglichen Lebens sowie klassische Kampfkunst in einem. Ju-Jutsu als (übersetzt) „sanfte Kunst“ basiert hauptsächlich auf Selbstverteidigungstechniken. Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar, und durch beständiges Üben werden die Bewegungsabläufe automatisiert. In Kombinationen können die Techniken dann sinnvoll verbunden und in der freien Verteidigung gegen freie Angriffe als echte Selbstverteidigung angewendet werden. Bei dieser Methode wird bereits mit einer kleinen Auswahl von Verteidigungstechniken von Anfang an ein größtmöglicher Nutzeffekt durch variable Anwendung erzielt. Bestehende Konzepte werden kontinuierlich erweitert und optimiert, ohne sich an die Einschränkungen bestimmter Stile oder Philosophien zu halten (vgl. hierzu Jeet Kune Do).

Der Sport wird durch die Dachverbände Deutscher Ju-Jutsu-Verband (DJJV) und Deutsches Dan-Kollegium (DDK) organisiert. Diese entwickeln auch das Regelsystem weiter, regeln die Prüfungsvorschriften, verleihen Gürtelgrade und organisieren Wettkämpfe.

Ju-Jutsuka im traditionellen Keikogi beim Üben

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünge

Die Wurzeln des Ju-Jutsu sind Aikido, Judo (die selbst wiederum aus Jiu Jitsu entstanden sind) und Karate. Aus jeder dieser Kampfkünste wurden die für das System Ju-Jutsu besten Techniken vereint. Die Techniken wurden auf die Bedürfnisse des Ju-Jutsu abgestimmt und werden deshalb nicht zwingend genau so ausgeführt wie in der Original-Budosportart, der sie entstammen.

Aikido: Hebel- und Wurftechniken
Judo: Fall-, Wurf- und Bodentechniken
Karate: Atemi-Techniken (Schläge und Tritte)

Durch die Reformierung im Jahr 2000 sind über die drei oben genannten Kampfstile hinaus Techniken aus Kampfsportarten wie Kick- oder Thaiboxen, Kali-Arnis-Escrima, Wing Chun, Ringen usw. aufgenommen worden. Beispielsweise wurde die Messer- und Stockabwehr zum Großteil den philippinischen Kampfkünsten entnommen.

Entstehung

1967 wurden Franz-Josef Gresch, Werner Heim, Otto Brief, Richard Unterberger, Klaus Münstermann und weitere Dan-Träger vom Deutschen Dan-Kollegium damit beauftragt, Techniken aus Jiu Jitsu, Judo, Karate, Aikido und anderen Kampfsportarten zu einem neuen Selbstverteidigungssystem zusammenzustellen. Auftraggeber war das Bundesinnenministerium, das für Polizei, Zoll, Justiz und Streitkräfte ein effektives, stiloffenes und -übergreifendes System der waffenlosen Selbstverteidigung suchte. So nahm man aus den erwähnten Kampfkunststilen diejenigen Techniken, die für die tägliche Praxis dieser Berufsgruppen am sinnvollsten erschienen und fasste sie zusammen. Da die „sanften“ Techniken gegenüber Tritten und Schlägen überwogen, nannte man das Ganze „Sanfte Kunst“, Ju-Jutsu. Die erste vollständige Fassung des neuen Regelsystems wurde am 22. April 1969 veröffentlicht. 1990 wurde der eigenständige Dachverband „Deutscher Ju-Jutsu Verband“ gegründet, welcher unabhängig vom Deutschen Judobund und dem Deutschen Dan-Kollegium ist. Die Bundesgruppe Ju-Jutsu im Deutschen Dan Kollegium hat sich im Jahr 1992 aufgelöst. Im Jahr 2000 im DJJV wurde eine neue Prüfungsordnung in Kraft gesetzt. Unter der Leitung von Bernd Hillebrand, 6. Dan und damaliger Technischer Direktor im DJJV, hat eine Arbeitsgruppe das Programm grundsätzlich überarbeitet. Aspekte des methodischen Aufbau, Verbesserung des Zweikampfverhaltens und eine deutlich breitensportlichere, auf Wettkampf gerichtete Ausrichtung standen dabei im Vordergrund.

Entwicklung

Durch sein offenes Konzept fand Ju-Jutsu schnell Anhänger unter den Bediensteten der Sicherheitsbehörden (Polizei, Justiz, Bundespolizei, Zoll), die es als waffenlose Selbstverteidigung in ihrer Behörde kennen gelernt hatten. Diese trugen es aus den Behörden in Sportvereine, und bald entstanden unterschiedlichste Dachverbände, in denen Ju-Jutsu betrieben wurde. Um organisiert Sport in Form von Wettkämpfen zu betreiben, und um einheitliche und vergleichbare Graduierungsstandards zu haben, erließen diese Verbände für ihre Bereiche gültige Prüfungs- und Wettkampfordnungen, so dass Ju-Jutsu in der Folge nicht mehr das so gänzliche offene System wie ehedem war. Auch wenn diese Prüfungsordnungen den Umfang der Techniken nicht beschnitten, sondern lediglich festlegten, welche Techniken mindestens für eine Graduierung erbracht werden müssen, entstand für viele, auch viele Ju-Jutsuka, der Eindruck, dass es sich nur bei diesen Techniken um die „amtlichen“ Techniken handele. Verschiedenste Prüfungs- und Wettkampfvorschriften waren bundesweit verbreitet.

Prinzip und Technik

Ju-Jutsu besteht aus folgenden Elementen:

Ju bedeutet nachgeben oder ausweichen oder wörtlich „sanft“, Jutsu „Kunst“ oder „Kunstgriff“. Der Begriff Ju-Jutsu bedeutet somit in etwa „Sanfte Kunst“. Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen. Falls erforderlich, kann ein Angriff jedoch auch in direkter Form mit Atemi-Techniken (Schlag-, Tritt- und Blocktechniken) abgewehrt werden. Alle Angriffe können in harter oder weicher Form nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit angewendet werden. Daher ist die freie Übersetzung von Ju „flexibel“. Also ist Ju-Jutsu die Kunst, flexibel bzw. vielseitig auf einen Angriff zu reagieren.

Gürtelgrade

Der Gürtelgrad zeigt den Fortschritt einer Person im Ju-Jutsu an. Erworben wird der Gürtel durch Bestehen einer Prüfung oder durch Verleihung. Dan-Grade, die höher als 5. Dan sind, können nur noch verliehen werden. Man unterscheidet gemeinhin in Schüler- (Kyu-) und Meister- (Dan-)Grade. Träger des 6. Dan oder höher werden auch als Großmeister bezeichnet.

Schülergrade (Kyu)

Prüfungen bis zum 3. Kyu werden im Verein durchgeführt. Die Prüfungen zum 1. und 2. Kyu werden in manchen Bundesländern auch noch im Verein, in anderen jedoch auf Landesebene durchgeführt. Grundsätzlich wird bei einer Prüfung zum 1. oder 2. Kyu ein zweiter, vereinsfremder Prüfer hinzugezogen. Häufig werden die Kyu-Grade „halbiert“ und Abstufungen, so genannte Mon-Grade, gemacht. So werden bei Ju-Jutsuka unter 14 Jahren dann z. B. Weiß-Gelb-, Gelb-Orange- oder auch Orange-Grüngürtel vergeben, welche ebenfalls durch Prüfungen erworben werden.

6. Kyu: Weißgurt
6.1. Kyu: Weißgurt mit gelbem Aufnäher
6.2. Kyu: weiß-gelber (halbgelber) Gürtel
5. Kyu: Gelbgurt
5.1. Kyu: Gelbgurt mit orangem Aufnäher
5.2. Kyu: gelb-oranger (halboranger) Gürtel
4. Kyu: Orangegurt
4.1. Kyu: orange-grüner (halbgrüner) Gürtel
3. Kyu: Grüngurt
2. Kyu: Blaugurt
1. Kyu: Braungurt

Meistergrade (Dan)

1. Dan: Schwarzgurt
2. Dan: Schwarzgurt
3. Dan: Schwarzgurt
4. Dan: Schwarzgurt
5. Dan: Schwarzgurt
6. Dan: Rot-Weiß-Gurt
7. Dan: Rot-Weiß-Gurt
8. Dan: Rot-Weiß-Gurt
9. Dan: Rotgurt
10. Dan: Rotgurt

Am Gürtelende können Streifen zur Unterscheidung der Dan-Grade getragen werden. Es ist auch möglich, Rot-Schwarz anstatt Rot-Weiß zu tragen.

Wettkampfsysteme

Im Ju-Jutsu finden verschiedene Wettkämpfe statt, welche von unterschiedlichen Gruppen und Verbänden ausgerichtet werden. Die Disziplinen sind Duo-System, Fighting-System, Formenwettkampf sowie der Allkampf.

Das Ju-Jutsu Fighting und Duo System unterscheiden sich in erster Linie darin, dass beim Fighting jeder für sich („Mann gegen Mann“ mit frei wählbaren Techniken und Taktiken) kämpft. Beim Duo geht ein Kämpferpaar an den Start und präsentiert perfekte und spektakuläre Selbstverteidigungskombinationen, die von 5 Kampfrichtern (vergleichbar dem Eiskunstlauf) mit 1 bis 10 Punkten bewertet werden. Beide Kampfformen werden auf einer Mattenfläche (jap. Tatami) von 12 x 12 Metern ausgetragen. Beim Fighting sind ein Hauptkampfrichter (HK) und zwei Seitenkampfrichter (SK) im Einsatz, beim Duo ein Hauptkampfrichter und fünf Seitenkampfrichter.

Ju-Jutsu Fighting

Kampfverlauf und allgemeine Regelungen

Die Kampfzeit eines Kampfes beträgt 1 x 3 Minuten. Bis ins Jahr 2000 waren es noch 2 x 2 Minuten mit einer Minute Kampfpause. Es wird gemäß der internationalen Vorgaben mit rotem oder blauem Gürtel gekämpft. Das Tragen einer Schutzausrüstung, bestehend aus Schienbein- und Spannschützer, Handschützer und Tiefschützer ist Pflicht, bei der Jugend sind ebenfalls der Zahnschutz und bei Jungen der Tiefschutz Pflicht. Schienbein- und Spannschützer sowie Handschützer müssen in der Gürtelfarbe getragen werden. Erstaufgerufener bei einem Kampf trägt rot, Zweitaufgerufener blau.

Die drei Teile

Der Ju-Jutsu-Fighting-Wettkampf besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil versuchen die Kämpfer, durch Schläge und Tritte (Atemitechniken) zu punkten. Dabei dürfen nur runde, das heißt seitlich ankommende Tritte und Schläge verwendet werden, welche den Kopf nur leicht berühren dürfen (Leichtkontakt). Bei Atemitechniken zum Kopf wird auf eine kontrollierte Ausführung geachtet. Zum ersten Teil gehören auch Atemitechniken zum Körper, welche ebenfalls kontrolliert ausgeführt werden müssen, jedoch mit etwas stärkerem Kontakt erlaubt sind (Halbkontakt). Hier sind gerade Techniken erlaubt. Nach ca. 20 Sekunden sollten beide Kämpfer in den Griffkontakt übergegangen sein, andernfalls gibt es eine Strafe. Ab diesem Moment befinden sich die Kämpfer im Teil zwei. In diesem Teil wird versucht, den Gegner ausschließlich durch einen Wurf oder einen Hebel zu Boden zu bringen. Der Bodenkampf bildet dann den dritten Teil. Hier ist das Ziel, seinen Gegner 15 Sekunden mit Hilfe einer Festlegetechnik zu halten oder ihn durch eine Würge- oder Hebeltechnik vorzeitig zum Abklopfen zu bringen. Sollte nach 3 Minuten kein Gewinner feststehen (Punktegleichstand Wazaari und Ippon), so wird nach einer Pause von einer Minute eine zweite Kampfzeit von 3 Minuten gekämpft. Die minimale Erholungszeit zwischen 2 Kämpfen liegt bei 5 Minuten. Zwischen den drei Teilen kann beliebig gewechselt werden: Lösen des Griffes im Teil 2 führt zum Übergang in den Teil 1. Aufstehen aus Teil 3 führt bei Griff zum Übergang in den Teil 2, ohne Griff in den Teil 1.

Kampfrichter

Es gibt drei Mattenkampfrichter (einen Hauptkampfrichter und zwei Seitenkampfrichter) und einen Tischkampfrichter. Der Tischkampfrichter ist für die richtige Zählung der Wertungen, Punkte und Bestrafungen verantwortlich. Der Hauptkampfrichter vergibt zusammen mit den Seitenkampfrichtern die Wertungen und leitet den Kampf; so signalisiert er beispielsweise den Beginn und das Ende einer Haltezeit.

Wertung im Ju-Jutsu-Fighting-Wettkampf

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Wertungen:

  • Wazaari: kleine Wertung, 1 Punkt
  • Ippon: große Wertung, 2 oder 3 Punkte

Kleine Wertungen bekommen die Kämpfer für zum teilgeblockte Atemitechniken (Teil 1), für unsaubere Würfe und Übergänge vom Stand zum Boden (Teil 2) sowie für das kontrollierte Halten des Gegners am Boden über 10 bis 14 Sekunden. Große Wertungen erhalten Kämpfer für in Kombination geschlagene und ungeblockte Atemitechniken (Teil 1). In Teil 2 erhält der Kämpfer einen Ippon für Hebel- oder Würgetechnik im Stand, bei denen der Gegner abklopft, oder für perfekte Würfe. In Teil 3 erhält der Kämpfer einen Ippon für das kontrollierte 15 Sekunden lange Halten des Gegners. Für Hebel- und Würgetechniken am Boden, bei denen der Gegner abklopft, erhält der Kämpfer einen Ippon mit 3 Punkten.

Punktezählung und Full-Ippon

Die 3 Kampfrichter signalisieren durch farbige Armbinden und das senkrechte (Ippon) oder waagrechte (Wazaari) Heben des entsprechenden Armes ihre Wertung. Diese werden mehrheitlich durch alle drei Kampfrichter getroffen, und die Punkte werden addiert. Erreicht ein Kämpfer in allen drei Teilen einen Ippon (Full Ippon) so gewinnt er unabhängig vom Punktestand den Kampf vorzeitig.

Strafpunkte

Verstößt ein Kämpfer gegen Regeln, wird er wie folgt bestraft:

  • Shido: für leichte Vergehen; Gegner erhält einen Punkt
  • Chui: für schwere Vergehen; Gegner erhält zwei Punkte
  • Hansukumake: für besonders schwere Vergehen; Disqualifikation, der Gegner gewinnt

Shido werden nicht summiert, jedoch ergeben 2 Chui ein Hansokumake und haben somit die Disqualifikation zur Folge. Beispiele für leichte Vergehen ist zu passive oder selbstgefährdende Kampfweise, Tieftritte oder Schlagen des Gegners am Boden oder während des Griffkontaktes. Schwere Vergehen sind beispielsweise eine zu harte Kampfweise oder das Werfen des Gegners aus der Kampfläche heraus. Hebel auf die Wirbelsäule oder das Genick sowie die absichtliche Verletzung des Gegners sind Beispiele für besonders schwere Vergehen und führen zur Disqualifikation.

Ziel des Wettkampfes

Das Ziel des Wettkampfsystems ist es, eine möglichst realistische Verteidigungssituation zu symbolisieren. Ein Wettkämpfer ist im Kampf einer Stresssituation ausgesetzt, in der er sich behaupten muss. In einer Wettkampfsituation werden Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, Schnelligkeit, mentale und körperliche Belastbarkeit und eine optimale Technikausführung gefordert. Ebenfalls muss ein Kämpfer taktisch kämpfen können und sekundenschnell seine Techniken umstellen können. Daher müssen genau diese für die Selbstverteidigung notwendigen Eigenschaften speziell trainiert werden. Die Kampfrichter sind angewiesen, darauf zu achten, dass die Techniken von den Kämpfern kontrolliert ausgeführt werden. Natürlich hat das Ju-Jutsu-Wettkampfsystem außer dem nützlichen Selbstverteidigungsaspekt noch mehr zu bieten. Dank der Vielfältigkeit der erlaubten Techniken hat jeder Kämpfer die Möglichkeit seinen individuellen Stil und Taktik zu entwickeln und umzusetzen. Das wichtigste am Sport sollte jedoch immer im Vordergrund stehen, und das ist der Spaß am Sport und damit auch das Fairplay.

In Deutschland gibt es verschiedene Arten von Turnieren, auf denen sich die Kampfsportler messen können, z. B.:

Nachwuchsturniere (z. B. Pader Fighting Cup in Paderborn, Geldener Challenge Cup in Geldern)
Qualifikationsturniere (Landesmeisterschaften, Gruppenmeisterschaften West, Süd, Nord und Ost sowie Deutsche Einzelmeisterschaften)
Internationale Turniere (German Open, Hamburg Open)

Die deutschen internationalen Turniere sind ebenfalls Qualifikationsturniere, allerdings für die Weltmeisterschaften. Mitglieder des Landes- und Bundeskader sind auf Nachwuchsturnieren nicht startberechtigt; diese Turniere haben die Funktion, den Nachwuchs zu fördern und nicht durch überlegene Gegner zu verschrecken. Weiter gibt es Turnierformen, die nur innerhalb der Polizei oder nur durch immatrikulierte Studenten ausgetragen werden dürfen (Polizeimeisterschaften, Hochschulmeisterschaften).

Kampfklassen

Die Kampfklassen unterscheiden sich nach Alter, Gewicht und Geschlecht.

Bei den Altersklassen wird zwischen Senioren, U 21, U 18, U 15, U 12, U 10 usw. unterschieden. Ausschlaggebend für die Einordnung in die Altersklassen ist das Geburtsjahr des Kämpfers.

Folgende Gewichtsklassen gelten für Frauen (Senioren):

  • bis 55 kg
  • bis 62 kg
  • bis 70 kg
  • über 70 kg

Folgende Gewichtsklassen gelten für Männer (Senioren):

  • bis 62 kg
  • bis 69 kg
  • bis 77 kg
  • bis 85 kg
  • bis 94 kg
  • über 94 kg

In der U12 und jünger gibt es keine festen Gewichtsklassen, sondern es erfolgt eine Aufteilung, bei der die Kämpfer maximal 5 kg Unterschied haben dürfen.

Duo-System

In einem Duo-Wettkampf treten je zwei Partner gemeinsam an und führen nach vorgebenen Angriffen einen Schaukampf vor. Bewertet werden hierbei u. a. die Sauberkeit und Präzision, mit der die gezeigten Techniken angewendet werden, sowie der dynamische Gesamteindruck. Für einen Betrachter ist es oft nicht erkennbar, dass es sich um einen einstudierten Schaukampf handelt, da geübte Duo-Kämpfer eine einer wirklichen Auseinandersetzung entsprechende Dynamik an den Tag legen.

Formenwettkampf

Beim Formenwettkampf werden Kampfkunsttechniken mit Showeffekten zu einem Gesamtkunstwerk vereinigt. Hier wird in der Tat die Show bewertet. Sehr bekannt sind etwa die Red Tigers des DJJV.

Wettkampfsystem Ju-Jutsu-Allkampf

Information: Der Ju-Jutsu-Allkampf und das Regelwerk ist ein Wettkampfsystem, welches außerhalb des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes und des DKK stattfindet. Das Allkampf-System hat sich grundsätzlich zum Ziel gemacht weitgehend realistische Bedingungen im Rahmen einer kämpferischen Auseinandersetzung zu schaffen, politische Aktivitäten größerer Verbände auszuschließen, freundschaftliche Atmosphäre unter den Kämpfern zu schaffen, faire und sportliche saubere Kämpfe und Bedingungen und allen fairen Kampfsportlern eine faire und harte Plattform für deren Aktivitäten zu bieten.

Im Ju-Jutsu-Allkampf gibt es folgende Punktwertung. Es werden nur gezielte und kontrolliert ausgeführte Techniken bewertet.

  • Atemitechniken:
    • Treffer mit Hand oder Fuß: 1 Punkt
    • Gut erkennbarer, schön ausgeführter Treffer mit dem Fuß oder der Hand: 2 Punkte
  • Wurftechniken:
    • Klar erkennbare und sauber ausgeführte Wurftechnik: 2 Punkte
    • Zu Boden bringen ohne erkennbare Technik oder unsauberer Wurf: 1 Punkt
  • Bodentechniken
    • Erlaubte Atemitechniken zum Kopf oder Körper: 1 Punkt
    • Haltetechnik in der Bodenlage 15 Sekunden lang: 2 Punkte
    • Hebeltechnik im Ansatz oder durchgeführt oder angesetzter Würger oder durchgeführt: 3 Punkte

Haltetechniken in der Bodenlage werden nur bewertet, wenn der Gegner seinerseits keine gezielten Atemitechniken anbringen kann, z. B. durch Kontrolle der Arme.

Die Gewichtsklassen werden vom Ausrichter nach Bedarf festgelegt. Sie können abweichend von der Ausschreibung ggf. auch noch nach dem Wiegen und Feststellung der Beteiligung zusammengelegt beziehungsweise geändert werden. Eine Einteilung in folgende Gewichtsklassen wird empfohlen:

  • Weiblich: * Männlich: –60 kg / -65 kg / –70 kg / -75 kg / –80 kg / -85 kg / –90 kg / +90 kg

Ein Kampf dauert zwei Minuten, eine Minute Pause und noch einmal zwei Minuten (zwei Runden). Der Kampf kann jedoch frühzeitig durch einen Kämpfer beendet werden, indem dieser seinen Gegner zur Aufgabe zwingt (z. B. durch Anwendung von Hebel- oder Würgetechniken), durch technische Überlegenheit besiegt (zwölf Punkte Vorsprung) oder durch Auszählen des Gegners siegt (KO).

Deutsche Meister im Ju-Jutsu-Allkampf sind unter anderem Christian Viola (Hamburg), Oliver Brumme (Berlin) und Jörg Schulze (Köln).

Der Ju-Jutsu-Allkampf wurde mit Einführung des offiziellen Wettkampfsystemes abgeschafft. Lediglich Randgruppen betrieben diesen weiterhin.

Praxis

Ju-Jutsu war bis vor einigen Jahren als Ausbildungsinhalt vieler deutschen Polizeien, der Justiz (Strafvollzug) sowie des Zolls. In den 1990er Jahren fand im Bereich des DJJV eine Neuausrichtung des Ju-Jutsus weg vom reinen Selbstverteidigungssystem hin zu einer deutlich breitensportlicheren und wettkampforientierteren Sportart hin statt. Gleichwohl blieb die effektive Selbstverteidigung der Hauptschwerpunkt. Mit Ausnahme des Strafvollzuges NRW wird Ju-Jutsu auch noch heute bei allen anderen deutschen Sicherheitsbehörden praktiziert, allerdings nicht als „reines“ Ju-Jutsu, sondern als sog. „waffenlose Selbstverteidigung“. Hierbei fallen eher „sportliche“ Elemente weg und andere praxisgerechtere (aber „unsportlichere“) Techniken sind hinzugekommen. Die Selbstverteidungstechniken werden innerhalb des DJJV ständig auf besonderen Bezirks-, Landes- und Bundeslehrgängen, zu denen nur Angehörige der Sicherheitsbehörden zugelassen sind, aktualisiert und weiterentwickelt.

Ju-Jutsu hat in diesen Bereichen des öffentlichen Dienstes vor allem deswegen eine hohe Verbreitung, weil es durch sein offenes Konzept viele Techniken aus anderen Systemen enthält. Zudem enthält es als „sanfte Kunst“ eben ein breites Repertoire an Zugriffs- und Sicherungstechniken, bei denen der Angreifer unverletzt bleibt. Diese Erfahrungen aus der Praxis (vorwiegend aus dem Polizei- und Strafvollzugsalltag) werden im Ju-Jutsu wie erwähnt bis hin zur Bundesebene ständig ausgetauscht, aktualisiert und angepasst. In nahezu allen Vereinen sind dem zu Folge entsprechende Amtsträger zu finden. Viele (ehemalige) Angehörige von Spezialeinheiten sind als Trainer oder Funktionär tätig.

Literatur

  • Deutscher Ju-Jutsu-Verband e.V.: Ju-Jutsu 1x1. Satzung, Ordnungen, Prüfungs- und Verfahrensordnungen, Wettkampfregeln, Kaderordnung, Anschriftenverzeichnis
  • Herbert Velte: Ju-Jutsu Wörterbuch. 2001
  • Jürgen Wedding, Dieter Rast: Ju-Jutsu Allkampf. Boorberg 2003, ISBN 3-415-03195-0.

Weblinks


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