Amuthon

Die Geschichte Emdens beginnt um zirka 800, als friesische Kaufleute an der Emsmündung eine Handelsniederlassung anlegten. Im Laufe der Jahrhunderte war Emden – wie Ostfriesland – wechselnden Herrschaften unterworfen.

Zugehörigkeit Emdens zu deutschen Teilstaaten/Ländern:

Abkürzungen: Fst. = Fürstentum; Grafs. = Grafschaft; Han. = Königreich Hannover; Prß. = Preußen

Anmerkungen zu der Zeit der Napoleonischen Kriege: Von 1806 bis 1810 gehörte Ostfriesland kurzzeitig zu den Niederlanden, von 1810 bis 1813 dann zu Frankreich und von 1813 bis zum Ausgang des Wiener Kongresses dann wieder offiziell zu Preußen. Nach dem Kongress trat Preußen Emden und Ostfriesland schließlich an das Königreich Hannover ab.

Inhaltsverzeichnis

Mittelalter (bis 1494)

Als friesische Handelsniederlassung an der Mündung der Eemese (Ems) wurde das mittelalterliche Amuthon um 800 n.Chr. gegründet. Dieser durch das fränkische Reich geschützte Handelsplatz und Warenumschlagsort steigerte seine Wichtigkeit um Mitte des 11. Jahrhunderts als Münzstätte enorm. Die erste urkundliche Erwähnung Emdens als Zollstätte geht auf das Jahr 1244 zurück. Die Häuptlingsfamilie der Cirksenas besetzte 1433 mit Hilfe der Hanse Emden. Graf Ulrich I. machte 1464 die Emder Burg zu seinem Amtssitz.

Frühe Neuzeit (1495–1648)

Der Handelsstadt Emden wurde 1495 das Stadtwappen verliehen.

Zu einem Großhafen europäischer Bedeutung konnte Emden sich erst Mitte des 16. Jahrhunderts entwickeln. Dafür waren vor allem folgende Faktoren entscheidend:

  • die Aufnahme von reformierten Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden,
  • eine Blockade der niederländischen Häfen durch die Spanier,
  • Getreideexporte nach Westfalen,
  • Seehandel mit den Skandinaviern,
  • Entwicklung neuer friesischer Schiffstypen.
Emden um 1575

Infolge der Freiheitskämpfe in den Niederlanden strömten zwischen 1570 und 1600 mehr als 6.000 reformierte niederländische Flüchtlinge nach Emden. Durch die Aufnahme dieser Exilanten wurde Ostfriesland, insbesondere aber Emden, in dieser Zeit politisch, wirtschaftlich und religiös stark geprägt.

Im Jahr 1595, nach mehreren der Bevölkerung gegenüber ziemlich rücksichtslosen Steuererhöhungen und Gesetzen, setzten die Emder Bürger im Zuge der Emder Revolution den von dem Grafen Edzard II. eingesetzten Rat der Stadt ab und nahmen die gräfliche Burg ein. Edzard II. sah sich gezwungen, seine Residenz nach Aurich zu verlegen. Mit dem Vertrag von Delfzijl vom 15. Juli 1595 musste sich der Graf verpflichten, auf den Großteil seiner Rechte in Emden zu verzichten.

Die Niederlande unterstützten dieses Unternehmen, indem sie eine Schutztruppe nach Emden schickten, die erst 1744 nach dem Tod des letzten Cirksena und dem folgenden Übergang von Ostfriesland an Preußen wieder abzog. Emden erreichte als „Satellit” der Niederlande de facto die Stellung einer freien Reichsstadt und schloss sich mit dem reformierten Südwesten immer enger an die calvinistische Kirche der Niederlande an. Dadurch wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts niederländisch zur Standardsprache des gehobenen Bürgertums in Emden.

Emder Kaufleute gründeten 1633 eine Fehnkolonie im Zentrum Ostfrieslands, Großefehn. Es ist damit nach Papenburg die zweitälteste Fehnsiedlung Deutschlands. Von Großefehn aus wurde mit kleinen Schiffen Torf als Brennmaterial nach Emden transportiert.

Niedergang nach dem Dreißigjährigen Krieg (1649–1743)

Emden um 1730

Ihre Blütezeit in Sachen Wirtschaft hatte die Stadt Emden im späten 16. Jahrhundert. Zwischenzeitlich kam es zur Verlagerung des Flussbettes der Ems, die Bedeutung des Hafens wurde dadurch stark verringert.

Preußen, Niederlande, Frankreich (1744–1814)

Nach dem Tod des letzten Fürsten von Ostfriesland, Carl Edzard aus dem Hause Cirksena (Regierungszeit 1734–1744), fiel Ostfriesland an Preußen.

Im Jahr 1751 gründete der preußische König Friedrich der Große die Emder Ostasiatische Handelskompanie, deren Schiffe überseeische Waren (vor allem Tee und Porzellan) aus dem chinesischen Kanton nach Emden brachten. Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1756 führte allerdings schon nach kurzer Zeit den Niedergang der Handelskompanie herbei, so dass sie 1765 aufgelöst wurde.

Die Hannoversche Zeit (1815–1866)

Nach dem Wiener Kongress wurde Ostfriesland (und damit auch Emden) dem Königreich Hannover zugeschlagen. In diese Zeit fiel der Bau der Hannoverschen Westbahn von Emden in Richtung Münster – eine Eisenbahnstrecke, die später für den Transport von Erz und Kohle in das bzw. aus dem Ruhrgebiet große Bedeutung erlangen sollte.

Wieder preußisch: Aufstieg zur Industriestadt (1867–1913)

Die „Rückkehr” nach Preußen wurde in Emden und Ostfriesland im allgemeinen begrüßt. Die Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen, so hofften viele Emder, würde auch wirtschaftlich wieder bessere Zeiten bringen. Noch allzu wach war die Erinnerung an die erste preußische Regierung in den Jahren zwischen 1744 und 1806. Für Ostfriesland im Allgemeinen brachte sie Fortschritte bei der Kultivierung der Moore und im Küstenschutz, für Emden im besonderen eine – wenn auch bescheidene – Belebung des Handels nach Jahrzehnten der Stagnation.

Diese Hoffnungen blieben nicht unerfüllt. In den Jahren zwischen den deutschen Einigungskriegen und dem Ersten Weltkrieg verzeichnete Emden einen deutlichen Aufschwung in der industriellen Entwicklung. Bereits 1867 wurde eine Papierfabrik eröffnet (sie blieb bis um 1900 größter Arbeitgeber der Stadt mit zirka 160 bis 180 Beschäftigten), 1875 folgte die Cassens-Werft. Zudem wurde durch den Lückenschluss der Eisenbahnstrecke (Bremen-)Oldenburg-Leer (1869) nun auch ein durchgehender Bahnanschluss nach (Süd-)Osten geschaffen.

Der Aufstieg zu einer bedeutenden Hafen- und Industriestadt ist jedoch untrennbar mit dem Namen von Leo Fürbringer (18431923) verknüpft. Er amtierte als Oberbürgermeister von 1878 bis 1913, diese Zeit trägt noch heute seinen Namen: die „Ära Fürbringer”. In jenen Jahrzehnten wurde der Emder Hafen zum Seehafen des Ruhrgebietes ausgebaut, eine industrielle Entwicklung schloss sich an.

Im Zusammenspiel mit dem Emder Abgeordneten im Preußischen Landtag, Carl Schweckendieck, machte sich Fürbringer für den Ausbau der Hafenanlagen stark. Dabei kamen Emden die Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches zugute: Man wollte eine eigene Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der See, um von der (niederländischen) Rheinmündung unabhängig zu sein. Der Emder Hafen bot dabei gute Voraussetzungen: Zum einen ist es der westlichste Seehafen Deutschlands, zum zweiten ist die Entfernung vom rheinisch-westfälischen Industrierevier nach Emden die kürzeste – kürzer als zu allen anderen deutschen Seehäfen.

Allerdings: Außer der in den 1850ern fertiggestellten Bahnstrecke zwischen Emden, Münster und dem Ruhrgebiet gab es nur wenig Transportmöglichkeiten. Insbesondere fehlte eine Anbindung für Binnenschiffe. Daher erfolgte in den Jahren zwischen zirka 1880 und 1900 ein deutlicher Ausbau der Binnenlandverbindungen des Emder Hafens. In erster Linie ist hier der Bau des Dortmund-Ems-Kanals (18921899) zu nennen, ergänzt um den Ems-Seitenkanal von Oldersum nach Emden.

In den 1880er Jahren wurde zudem eine innerostfriesische Kanalverbindung gebaut: der Ems-Jade-Kanal (18801888). Dieser verbindet Emden mit Wilhelmshaven und sollte eine Verlegung von Militärschiffen möglich machen, ohne dabei über die Nordsee fahren zu müssen. Im Zuge des Baus des Ems-Jade-Kanals wurde auch die in Europa einzigartige Kesselschleuse erbaut (1886/1887).

Die seewärtige Erreichbarkeit des Emder Hafens wurde im Jahre 1883 entscheidend verbessert: Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Nesserlander Schleuse eingeweiht

Die Gründung der Nordseewerke im Jahre 1903 kann als der Startpunkt zur durchgreifenden Industrialisierung Emdens begriffen werden. Zwar geriet die Werft schon nach wenigen Jahren in eine wirtschaftliche Schieflage – die Stadt Emden musste zum Erhalt der Werft und der Arbeitsplätze eingreifen. Doch durch den Einstieg des Ruhr-Industriellen Hugo Stinnes (1911) gelang der endgültige Durchbruch zu einer modernen Werft – sie besteht bis heute.

1913 wurde die Große Seeschleuse eingeweiht. Mit einer Länge von 260 Metern galt sie zu diesem Zeitpunkt als die größte Seeschleuse der Welt. Mit dem Bau der Schleuse wurde auch ein neues Hafenbecken angelegt, der Neue Binnenhafen. Hier wurden vornehmlich Erze und Kohle umgeschlagen.

Die Zeit der Weltkriege (1914–1945)

Das Ende des Ersten Weltkrieges brachte für die Versorgungslage in Ostfriesland kaum Einschnitte. Die Bevölkerung war überwiegend ländlich geprägt und konnte sich selbst ernähren. Mit Ihren Überschüssen bedienten die Bauern einen Markt, der begierig alles aufnahm. Dies änderte sich jedoch mit Beginn der Inflation. In den Jahren 1921 und 1922 kam es zu einem weltweiten Konjunktureinbruch. Am 3. Juli 1922 hatte die Mark noch ein Hundertstel des Wertes vom August 1914, am 3. Oktober 1922 nurmehr ein Tausendstel bis schließlich im November 1923 der Kurs für 1 US-Dollar 4,2 Billionen Mark entsprach. Als schließlich die Rentenmark eingeführt wurde, war der Wohlstand der Bauern, ihre finanziellen Rücklagen bis auf kümmerliche Reste dahingeschmolzen. Erschwerend kam für Emden hinzu, dass der Niedergang der Industrie im Ruhrgebiet und die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich die Stadt von ihrer Lebensader abschnitten und die heimische Industrie, namentlich den Schiffbau lahm legten. All dies führte zu einem Erstarken der radikalen politischen Flügel. In der von seiner Schiffsindustrie geprägten Stadt Emden profitierte die KPD von den Entlassungen auf den Werften. Zum Ende der Weimarer Republik erhielt der Nationalsozialismus immer mehr Zulauf. Bei den Reichstagswahlen 1932 wählten 44,2 % der Stimmberechtigten im Regierungsbezirk Aurich die NSDAP. Die Wahlen von 1932 und 1933 besiegelten schließlich das Ende der jungen Demokratie. Für die jüdische Bevölkerung begann die Zeit der Vertreibung und Diskriminierung. Dies veranlasste viele der ansässigen Juden zur Flucht. Unter den schon 1933 geflohenen Juden befand sich auch Max Windmüller, der sich in den Niederlanden unter seinem Decknamen Cor später dem Widerstand der Gruppe Westerweel anschloss und viele jüdische Kinder und Jugendliche rettete. Zeitungsmeldungen zufolge emigrierten von 1933 bis 1938 130 Personen, 50 verzogen in andere Städte. Nach einer anderen Quelle lebten am 1. September 1938 noch 430 Juden in der Stadt, was bedeuten würde, dass etwa ein Viertel der jüdischen Bevölkerung Emden von 1933 bis zum Herbst 1938 – vor der Reichspogromnacht – verlassen hatte[1].

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 beteiligten sich Emder SA-Truppen an den von der Reichsleitung der Nationalsozialisten befohlenen Ausschreitungen gegen die Juden, die später als Reichskristallnacht oder Novemberpogrome 1938 bezeichnet wurden. Die Synagoge wurde niedergebrannt und alle männlichen Juden über Oldenburg in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, aus dem sie erst nach Wochen zurückkehren konnten. Die Diskriminierung hielt weiter an. Ende Januar 1940 führte eine Initiative ostfriesischer Landräte und des Magistrats der Stadt Emden zu der Weisung der Gestapo-Leitstelle Wilhelmshaven, wonach Juden Ostfriesland bis zum bis zum 1. April 1940 verlassen sollten. Die ostfriesischen Juden mussten sich andere Wohnungen innerhalb des deutschen Reiches (mit Ausnahme Hamburgs und der Linksrheinischen Gebiete) suchen. 1941 gehörte Emden zu den ersten 12 Städten im Reich, aus denen Juden in den Osten deportiert wurden. Die letzten jüdischen Einwohner wurden 1942 deportiert.

Am 31. März 1940 wurde Emden zum erstmalig von englischen Flugzeugen angegriffen und bombardiert. Die wohl größte Katastrophe, die jemals in Emden stattfand, war die Bombardierung durch alliierte Bomberverbände während des Zweiten Weltkrieges, als am 6. September 1944 mehr als 80% des Stadtgebiets zerstört wurden. Von alliierte Bombereinheiten wurden in mehreren Wellen etwa 1500 Sprengbomben, 10.000 Brandbomben und 3000 Phosphorbomben abgeworfen.

Nach Kriegsende gab es Überlegungen auf Seiten der Niederlande, weite Teile Deutschlands, darunter auch Emden, zu annektieren. Konkrete Ansprüche stellten die Niederlande dann allerdings neben einigen Grenzstreifen vor allem auf den Dollart, die Emsmündung und Borkum. Durch Einpolderung und die Umleitung des Flussbetts sollte Emdens Hafen „trockengelegt” werden, um den Seehandel auf Delfzijl umzuleiten. Die Annexion scheiterte jedoch am Widerstand der Westalliierten.

Emden nach dem Zweiten Weltkrieg (seit 1946)

Emden und Ostfriesland wurden 1946 Teil des neu gebildeten Niedersachsen. Der Wiederaufbau der im Krieg stark zerstörten Stadt zog sich bis in die 1960er Jahre hin – noch zu Beginn jenes Jahrzehnts gab es in der Stadt mehrere Barackenlager, da Wohnraum weiterhin knapp war. Einer der heute prominentesten Bewohner eines solchen Barackenlagers dürfte der aus Emden stammende Regisseur Wolfgang Petersen gewesen sein.

Die Zeit des Wirtschaftswunders ging allerdings auch an Emden nicht spurlos vorbei: Bereits zu Beginn der 1950er liefen auf den Emder Werften (Nordseewerke, Cassens-Werft und Schulte & Bruns, letztere existiert nicht mehr) wieder Schiffe vom Stapel, nachdem die Besatzungsmächte entsprechende Beschränkungen aufgehoben hatten. 1959 wurden die Erdölwerke Frisia errichtet, 1965 nahm das Volkswagenwerk seine Produktion auf.

Etwa Mitte der Sechziger Jahre war auch der Wiederaufbau der zerstörten Stadt vorerst abgeschlossen. Am symbolträchtigsten war dabei sicherlich die Eröffnung des Rathauses im Jahre 1962. Die Wiedereröffnung fand am 6. September statt, also exakt 18 Jahre nach der schwersten Bombardierung. Seit Ende der Sechziger Jahre wurden auch in Emden – wie in vielen anderen größen Städten des Bundesgebietes – auf massive Bebauung mit Hochhäusern gesetzt (wobei Hochhaus hier definiert ist als Gebäude mit acht oder mehr Stockwerken). Dabei spielte der ehemalige gewerkschaftseigene Konzern Neue Heimat ein herausragende Rolle. Insbesondere in den Stadtteilen Barenburg und Borssum wurden bis Mitte der Siebziger Jahre mehrere Hochhäuser errichtet. In Barenburg entstanden unter anderem die so genannten Glaspaläste, die größten Wohnhäuser Ostfrieslands. Seinerzeit waren Stadtplaner davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl Emdens auf bis zu 75.000 wachsen könnte.

Die Große Kirche
Johannes á Lasco-Bibliothek

Waren bereits 1945 auf Druck der britischen Besatzungsmacht Larrelt und Harsweg eingemeindet worden, so wurde im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform im Jahre 1972 das Stadtgebiet nochmals (und bislang letztmalig) erheblich erweitert. Mit der Erweiterung um Wybelsum, Logumer Vorwerk, Twixlum und Petkum erreichte die Stadt ihre heutige Ausdehnung von gut 112 Quadratkilometern. Seitdem machen landwirtschaftlich genutzte Flächen den größten Anteil am Stadtgebiet aus – obschon die Landwirtschaft für die Wertschöpfung und die Zahl der Arbeitsplätze in der Stadt nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

An der Knock im Westen Emdens wurde Mitte der 1970er eine Anlandestation für Erdgas aus norwegischen Feldern in der Nordsee errichtet. 1977 wurde das erste Gas angelandet. In jene Zeit fallen auch die ersten Überlegungen zum Bau des Dollarthafens – einem gigantischen Hafenerweiterungsprojekt, das allerdings wegen des Widerstands der benachbarten Niederlande nie umgesetzt wurde. Auch Umweltschützer hatten vehement gegen das Projekt gekämpft.

Seit 1973 ist Emden Standort einer Fachhochschule. Das kulturelle Angebot der Stadt wurde um die Nordseehalle (erbaut 1972) und das Neue Theater erweitert.

Ungefähr in der Mitte der 1980er Jahre begann die Hinwendung zum Tourismus. Im Ratsdelft, dem ältesten Teil des Emder Hafens, wurden 1984 das Museumsschiff Amrumbank (ein ehemaliges Feuerschiff) und 1988 der Seenotkreuzer Georg Breusing vertäut. Am 3. Oktober 1986 eröffnete der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Kunsthalle Emden, die auf Initiative des Emder Publizisten Henri Nannen erbaut wurde.

Die Johannes á Lasco-Bibliothek hat seit 1995 ihren Standort in der Großen Kirche im Herzen der Stadt. Seit 1996 ist Emden keine Garnisonsstadt mehr: Das ABC-Abwehrbataillon 110 zog ab, die Karl von Müller-Kaserne steht seitdem leer.

Die wichtigsten Daten im Überblick

Jahr Ereignis
um 800 Gründung einer friesischen Handelssiedlung
1224 Emden wird Münzstätte. Ein Emder Schiff wird erstmals in London beurkundet.
um 1400 Konflikte mit der Hanse wegen des Seeräuberunwesens (u. a. Klaus Störtebeker), Besetzung Emdens durch Hamburg (Rückkehr der Hamburger 1447)
1495 Verleihung des Stadtwappens durch König (später Kaiser) Maximilian I.
1509 Cosmas-und-Damian-Flut, Durchbruch des Dollarts, die Ems fließt nun einige Kilometer am Emder Hafen vorbei, der zusehends verlandet.
1540 Johannes á Lasco kommt nach Emden (Erster Superintendent 1543)
ab ca. 1560 Emden wird europäischer Umschlagplatz
ab ca. 1570 Zustrom mehrerer Tausend Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden
1571 Emder Synode: Emden wird Standort der moederkerk (ndl.: Mutterkirche) des nordwesteuropäischen Calvinismus.
1574/76 Bau des Rathauses
1582 Bau des Nesserlander Höfts, eines Leitwerks, das die Ems wieder am Emder Hafen vorbeizwingt (Bestand bis 1616)
1595 Emder Revolution, Vertreibung des Grafen nach Aurich
1604 Johannes Althusius wird Emder Stadtsyndikus
1606 Beginn der Anlage des Emder Walls
1614 Der niederländische Festungsbaumeister Johan van Valckenburg wird zur Planung des Wallbaus hinzugezogen
1618 Beginn des Dreißigjährigen Krieges, Emden bleibt wegen der kurz zuvor errichteten Wallanlagen von der Einnahme verschont
1621 Als letzter der elf Zwinger (Bastionen) des Walls wird der Emszwinger fertiggestellt
1635 Bau des Hafentors durch Martin Faber
1643 Bau der Neuen Kirche durch Martin Faber
1682 Gründung der kurbrandenburgischen Afrikanischen Compagnie in Emden unter Beteiligung Emder Kaufleute; Ziel: Abwicklung des Handels mit kurbrandenburgischen Kolonien in Afrika. Stationierung eines Marinebataillons.
1744 Annexion Ostfrieslands durch Preußen, von Emden maßgeblich mitbetrieben
1751 Gründung der Emder Ostasiatischen Handelskompanie (1765 wieder aufgelöst). Friedrich der Große besucht Emden (ein weiteres Mal 1755).
1803 Bau der (ersten) katholischen Kirche
1807 Emden wird mit Ostfriesland niederländisch
1810 Emden wird mit Ostfriesland französisch (Département Ems-Oriental)
1814 Gründung der Naturforschenden Gesellschaft zu Emden
1815 Emden kommt mit Ostfriesland zum Königreich Hannover
1820 Gründung der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer (heute umgangssprachlich: die Kunst) als Reaktion auf den Ausverkauf von Kulturgütern in andere Regionen
1856 Fertigstellung der Hannoverschen Westbahn in Richtung Münster und des ersten Emder Bahnhofes
1861 Der Emder Oberzollinspektor Georg Breusing gründet den ersten Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Deutschland
1866 Emden wird mit Ostfriesland wieder preußisch
1869 Besuch König Wilhelms I. von Preußen in Emden
1875 Gründung der Cassens-Werft
1878 Leo Fürbringer, Initiator des Ausbaus des Emder Hafens, wird Oberbürgermeister
1882 Einweihung der ersten Telegrafen-Kabelverbindung zwischen Deutschland und den USA, von Emden nach Coney Island in New York
1880/88 Bau des Ems-Jade-Kanals
1881/83 Bau der Nesserlander Schleuse (Inbetriebnahme 1888)
1886/87 Bau der Kesselschleuse
1892/99 Bau des Dortmund-Ems-Kanals
1902 Besuch Kaiser Wilhelms II. in Emden
1903 Gründung der Nordseewerke
1913 Einweihung der Großen Seeschleuse, zu jenem Zeitpunkt mit 260 Metern Länge die größte der Welt
1944 6. September: Bombardierung Emdens durch alliierte Lufteinheiten; zirka 80 Prozent der Innenstadt werden zerstört
1945 5. Mai: Waffenstillstand in Nordwestdeutschland. Im Laufe des Krieges sind 1121 Emder Soldaten gefallen und 316 Emder bei Bombenangriffen getötet worden. Während der NS-Zeit wurden 465 jüdische Bürger ermordet und die Synagoge zerstört.
1945 Eingemeindung der heutigen Stadtteile Larrelt und Harsweg aus dem früheren Landkreis Norden
1946 Emden wird Teil des neu gegründeten Niedersachsen
1959 Erdölwerke Frisia fertiggestellt
1962 6. September: Einweihung des in neuem Stil wiederaufgebauten Rathauses, exakt 18 Jahre nach der Zerstörung der Stadt
1964 März: Grundsteinlegung zum Bau des Volkswagenwerkes
1965 Das VW-Werk nimmt die Produktion (VW Käfer) auf
1972 Eingemeindung der heutigen Stadtteile Wybelsum, Logumer Vorwerk und Twixlum aus dem früheren Landkreis Norden sowie Petkum aus dem Landkreis Leer --- Bau der Nordseehalle
1973 Eröffnung der Fachhochschule, heute Teil der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven
1977 Erste Anlandung norwegischen Nordseegases in Emden
1978 Der letzte in Deutschland gebaute VW Käfer verlässt die Montagebänder des VW-Werkes; Beginn der Produktion des VW Passat (bis heute)
1984 Das Feuerschiff Amrumbank bekommt als erstes der Museumsschiffe seinen Liegeplatz im Ratsdelft
1986 3. Oktober: Eröffnung der Kunsthalle
1988 Der Seenotkreuzer Georg Breusing wird als zweites Museumsschiff im Ratsdelft vertäut
1995 Eröffnung der Johannes á Lasco-Bibliothek
2005 6. September: Wiedereröffnung des Ostfriesischen Landesmuseums nach zweijährigem Umbau

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus (Hrsg.), Historisches Handbuch der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen ISBN 3-89244-753-5

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