Amy Levy

Amy Levy (* 10. November 1861 in London; † 10. September 1889 ebenda) war eine englische Autorin. Neben ihren schriftstellerischen Werken machten sie ihre feministische Haltung und ihr Bekenntnis zur gleichgeschlechtlichen Liebe im viktorianischen England berühmt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Levy wurde im November 1861 in Clapham, einem Stadtteil im Süden Londons, als zweites von sieben Kindern in eine jüdische Familie geboren. Schon in jungen Jahren erwachte ihr Interesse an Literatur. Mit dreizehn Jahren schrieb sie eine Rezension zu Elizabeth Barrett Brownings feministischem Werk Aurora Leigh und ihr erstes Gedicht, Ida Grey: A Story of Woman’s Sacrifice, wurde in der feministischen Zeitschrift Pelican veröffentlicht, als sie vierzehn Jahre alt war. Ab 1876 besuchte sie die Brighton High School in Brighton and Hove, wo sie die später berühmte britische Übersetzerin Constance Garnett (damals: Constance Black) kennenlernte. Edith Creak, die Schulleiterin weckte erstmals homoerotische Gefühle in Amy Levy. Es sollte sich herausstellen, dass es sich nicht um eine bloße Schwärmerei handelte, obwohl die heterosexuelle Direktorin keine Beziehung mit ihr einging. Garnett und Levy freundeten sich an und wechselten 1879 gemeinsam an das Newnham College der Universität Cambridge. Levy war die erste jüdische Studentin, die sich je in Cambridge eingeschrieben hatte.

Ihr Erstlingswerk Xantippe and Other Verse und ihre erste Prosaerzählung Mrs. Pierrepoint erschienen 1880. Nachdem sie 1881 die Aufmerksamkeit des Verlegers Richard Garnett, des späteren Schwiegervaters Constance Blacks, erregt hatte, beendete sie ihr Studium.

Karriere

Garnett legte Xantippe and Other Verse neu auf und Amy Levy zog zurück nach London, um zukünftig mit dem Schreiben von Gedichten ihr Geld zu verdienen. Wenn sie nicht umherreiste, lebte sie in London im Haus ihrer Eltern. Ab 1882 konnte sie Kontakte zur britischen Bohème knüpfen. Unter ihren neuen Bekanntschaften, mit denen sie sich fast täglich im Leseraum des Britischen Museums traf, befanden sich unter anderen auch Eleanor Marx, Olive Schreiner, und Beatrix Potter. 1884 wurde der zweite Gedichtsammelband A Minor Poet and Other Verse veröffentlicht. Zwei Jahre später begann sie Essays über das jüdische Leben in England zu schreiben und auch ihr Roman Reuben Sachs (1888) war ein viel diskutiertes Werk. Allerdings kam Kritik vor allem von Seiten der jüdischen Gemeinschaft, die das Buch als antisemitisch bezeichnete. Zeitgenössische Literaturkritiker hingegen, wie Melvin New, der 1993 eine Anthologie mit bis dahin teils unzugänglichen Werken veröffentlichte, betonen eher den feministischen als den ethnischen Charakter ihres Werkes. Ihr Verleger Richard Garnett und andere Künstler wie beispielsweise Oscar Wilde lobten die Direktheit von Reuben Sachs[1]. Mit letzterem verband Amy Levy auch eine Freundschaft und sie veröffentlichte zwei Artikel in dessen Zeitschrift Woman's World.

Krankheit und Tod

Obwohl sie eine erfolgreiche Autorin war und in guten Kreisen verkehrte, litt Amy Levy schon seit ihrer Jugend an Depressionen. Genaue Gründe dafür sind bis heute ungeklärt. Deutlich hingegen sind in ihren Gedichten die pessimistische Grundhaltung und Themen wie Tod und Selbstmord.

“When first the world grew dark to me
I call'd on God, yet came not he.
Whereon, as wearier wax'd my lot,
On Love I call'd, but Love came not.
When a worse evil did befall,
Death, on thee only did I call.”

Amy Levy: A Cross-Road Epitaph

In den frühen Morgenstunden des 10. Septembers 1889 schloss sich Amy Levy in einem Raum im Obergeschoss ihres Elternhauses ein und beendete ihr Leben durch das Einatmen von Kohlenrauch. Richard Garnett gab als mögliche Gründe ihre immer stärker werdende Taubheit und den Verlust von Familienmitgliedern an. Amy Levy hatte 1887 ihren Bruder Alfred verloren, der an Syphilis erkrankt war. Zudem, so Garnett, habe Amy stets Angst davor gehabt, verrückt zu werden[1].

Veröffentlichungen (Auswahl)

Gedichtbände:

  • Xantippe and Other Verse (1880; neu aufgelegt 1881)
  • A Minor Poet and Other Verse (1884)
  • A London Plane-Tree and Other Verse (1889, postum)

Prosa:

  • Mrs. Pierrepoint (1880)
  • Miss Meredith (1888)
  • The Romance of a Shop (1888)
  • Reuben Sachs (1888)
  • Wise in Her Generation (1890, postum)

Einzelnachweise

  1. a b Artikel bei encyclopedia.com

Literatur

  • Melvyn New (Hrsg.): The Complete Novels and Selected Writings of Amy Levy, 1861-1889, 1993, University Press of Florida, ISBN 978-0-813-01200-1
  • Linda Hunt: Amy Levy: Her Life & Letters: Her Life and Letters, 2000, Ohio University Press, ISBN 978-0-821-41330-2

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Amy Levy — (1861 – 1889) was a British poet and novelist. Biography Levy was born in Clapham, London, the second daughter of Lewis Levy and Isobel Levin. Her Jewish family was mildly observant, but as an adult Levy no longer practised Judaism; she continued …   Wikipedia

  • LEVY, AMY — (1861–1889), English poet and novelist. The daughter of a London stockbroker, Amy Levy became the second Jewish woman to attend Cambridge University, entering in 1879. She published her first book in 1881, while still an undergraduate. This was… …   Encyclopedia of Judaism

  • Levý — Levy, Levý oder Lévy ist der Familienname folgender Personen: A Alan Levy (1932–2004), amerikanischer Journalist Albert Levy (1862–1922), Vorsitzender der Centrale für private Fürsorge, Sozialarbeiter Alexandre Levy (1864–1892), brasilianischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Lévy — Levy, Levý oder Lévy ist der Familienname folgender Personen: A Alan Levy (1932–2004), amerikanischer Journalist Albert Levy (1862–1922), Vorsitzender der Centrale für private Fürsorge, Sozialarbeiter Alexandre Levy (1864–1892), brasilianischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Levy — Levy, Levý oder Lévy ist ein jüdischer Familienname. Herkunft und Bedeutung Der Name leitet sich vom israelitischen Stamm Levi ab. Varianten Levey Levi, Lewi, Lewis, Lewy Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B …   Deutsch Wikipedia

  • Levy, Amy — (1861 1889)    Born in London to a wealthy middle class AngloJewish family and educated at Brighton High School, she was the first Jewish student at Newnham College, Cambridge, though she left after four semesters. She contributed to the leading… …   British and Irish poets

  • Amy Winehouse — in Berlin (2007) Amy Jade Winehouse (* 14. September 1983 in Southgate, London; † 23. Juli 2011 in Camden, London) war eine britische Sängerin und Songschreiberin. Ihr Repertoire reichte von …   Deutsch Wikipedia

  • levy — 1 / le vē/ n pl lev·ies 1: an act of levying: as a: the imposition or collection of a tax b: the seizure according to a writ of execution of real or personal property in a judgment debtor s possession to satisfy a judgment debt 2: an amount… …   Law dictionary

  • Amy Adams — Pour les articles homonymes, voir Adams. Amy Adams …   Wikipédia en Français

  • Amy Gutmann — Infobox University President name =Amy Gutmann caption = order =8th university =President of the University of Pennsylvania term start =2004 term end =present birth date =Birth date and age|1949|11|19|mf=y birth place =Brooklyn, New York death… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”