Amynteo
Gemeinde Amyndeo
Δήμος Αμυνταίου (Αμύνταιο)
Amyndeo (Griechenland)
DEC
Basisdaten
Staat: Griechenland
Verwaltungsregion: Westmakedonien
Präfektur: Florina
Geographische Koordinaten: 40° 41′ N, 21° 41′ O40.68916666666721.6802777777787Koordinaten: 40° 41′ N, 21° 41′ O
Höhe ü. d. M.: 550 - 589 - 980 m
Ag. P. - Amyndeo - Kella
Fläche: f4249,852 km²
Einwohner: f28.468 (2001[1])
Bevölkerungsdichte: 33,89 Ew./km²
Gemeindesiegel:
Gemeindesiegel von Gemeinde Amyndeo}}}
Sitz: Amyndeo
LAU-1-Code-Nr.: 630300
Gemeindegliederung: 8 Gemeindebezirkef7
Website: www.amyntaio.gr
Lage in der Präfektur Florina
Bild:Dimos Amyndeou - Florina prefecture, Greece - political map - municipality level.svg

f9

Amyndeo (griechisch Αμύνταιο (n. sg.), alternative Transkriptionen Amynteo, Amyntaio; Name bis 1928 Σόροβιτς, Sorovits, Sorovitz mazedon./bulgar. Сорович oder Сурович oder Суровичево, türk. Soroviç) ist eine Gemeinde in der Präfektur Florina, Verwaltungsregion Westmakedonien in Nordwestgriechenland. Von den 8.378 Einwohnern wohnt knapp die Hälfte in der Kleinstadt Amyndeo, die mit 4.621 Einwohnern nach Florina die zweitgrößte Ortschaft der Präfektur ist.

Die Gemeinde liegt im gleichnamigen Weinbaugebiet Amyndeo.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gebiet der Gemeinde Amyndeo liegt im Südosten der Präfektur Florina westlich des Vegoritida-Sees und südwestlich der Ausläufer des Voras-Berges (Kaimaktsalan). Das Gemeindegebiet liegt zum größten Teil in der Ebene von Eordaia in deren südlichen Teil, welcher vom nördlichen Teil der Ebene mit der Stadt Florina durch den Klidi-Pass und dessen Höhenzüge abgetrennt wird. Das Gemeindegebiet von Amyndeo nimmt den nördlichen Teil der südlichen Ebene von Eordaia vollständig ein. Dabei umfasst es vollständig den Petres-See, welcher nach der gleichnamigen antiken Ortschaft Petres benannt ist. Nach Norden und Nordwesten hin grenzt der Klidi-Pass mit seinen Höhenzügen, darunter den im nordwestlichen Gemeindegebiet gelegenen Mala Reka (Höhe 1.009 m) das Gemeindegebiet gegenüber der Nachbargemeinde Meliti mit der Ortschaft Vevi ab.

Neben der landschaftlich dominierenden südlichen Ebene von Eordaia erstreckt sich im Nordosten das Gemeindegebiet nördlich des Petres-Sees auf die südwestlichen Ausläufer und Vorgebirge des Voras (Kaimaktsalan). Der höchste Punkt des Gemeindegebietes ist der in diesem Teilgebiet gelegene Berg Liliakos (Höhe 1.192 m). An seinen nördlichen Abhängen befindet sich das Dorf Kella (oder Kelli), in dessen Umgebung die antike römische Siedlung Kella vermutet wird. Nordöstlich von Kella beginnen die südwestlichen Ausläufer des Piperitsa (Höhe 1.998 m), welcher aber nicht dem Gemeindegebiet von Amyndeo sondern dem von Meliti zugehörig ist. Die nordöstliche Grenze der Gemeinde Amyndeo stellt der Berg Varo (Höhe 989 m) dar, welcher unmittelbar nördlich des Dorfes Agios Pandelimonas am westlichen Ufer des Vegoritida-Sees liegt. Das Westufer des Vegoritida-Sees bildet die östliche Grenze der Gemeinde Amyndeo. Nach Südosten und Süden sowie Südwesten verläuft die Gemeindegrenze von Amyndeo im südlichen Teil der Ebene von Eordaia. Amyndeo grenzt dabei im Südosten und Süden an die Gemeinde Filotas, im Süden und Südwesten an die Gemeinde Aetos. Nach Westen hin bilden die Höhenzüge der nordwestlichen Ausläufer des Vitsi (Höhe 2.128 m) die Begrenzung des Gemeindegebietes. An der Basis der Höhenzüge liegt die westlichste Ortschaft der Gemeinde Amyndeo, Xino Nero (deutsch: saures Wasser) mit seiner Mineralwasserquelle.

Die Kleinstadt Amyndeo, der Sitz der gleichnamigen Gemeinde, befindet sich südlich der Hügelkette mit dem Pass von Klidi im Norden der südlichen Ebene von Eordaia 2 km südsüdwestlich des Petres-Sees.

Die Landschaft der Gemeinde Amyndeo ist überwiegend eben. Am West- und Nordufer des Petres-Sees im nordöstlichen Teil der Gemeinde dominieren die Höhenzüge von Liliakos und Gradiska (nördlich von Petres) sowie die Senke nördlich des Liliakos und südöstlich des Piperitsa, in welchem die Ortschaft Kella liegt. Die Höhenzüge des Klidi-Passes, welche anteilig zur Gemeinde von Amyndeo gehören, stellen ebenfalls hügelige bis gebirgige Landschaft dar. Weiteres kennzeichnendes Merkmal des Gemeindegebietes von Amyndeo sind die Uferlandschaften des Petres- und anteilig des Vegoritita-Sees. Die beiden anderen Seen der Ebene von Eordaia, Chimatitida und Zazari liegen südwestlich der Kleinstadt Amyndeo in ca. 11 und 12 km Entfernung. Diese Seen liegen dabei etwas höher als der im Norden von Amyndeo liegende Petres-See, so dass deren Wasser durch einen Bach westlich an Amyndeo vorbei in Richtung Petres-See fließt. Die hügeligen und bergigen Landschaften im Gemeindegebiet zeichnen sich durch Verkarstung aus; die Vegetation ist spärlich und besteht vorwiegend aus Gräsern und Büschen. Waldgebiete finden sich im Gemeindegebiet lediglich im Bereich von Xino Nero an den Ausläufern des Vitsi. Die ebenen Landstriche werden intensiv landwirtschaftlich genutzt und weisen daher keine unberührten Abschnitte auf. Die Uferzonen des Petres- und Vegoritida-Sees haben den Charakter von Feuchtgebieten mit entsprechender Vegetation, beispielsweise Schilfbewuchs.

Vom Gemeindesitz Amyndeo aus ist die Ortschaft Xino Nero im Westen 5 km Luftlinie entfernt, die Ortschaft Petres im Norden bzw. Nordwesten der Gemeinde hat eine Entfernung von 5 km zum Gemeindesitz Amyndeo. Kella liegt 10 km nördlich der Kleinstadt Amyndeo, Agios Pandelimonas 8 km nordöstlich des Gemeindesitzes am Ufer des Vegoritida-See. Die Präfekturhauptstadt Florina liegt 25 km ostnordöstlich, die Stadt Ptolemaida in südsüdöstlicher Richtung ist 19 km entfernt, nach Thessaloniki im Osten beträgt die Entfernung 108 km und nach Athen 350 km in südöstlicher Richtung.

Geschichte

Der Zeitpunkt der Besiedlung des gegenwärtigen Stadtgebietes von Amyndeo ist nicht exakt überliefert. Auf dem Gebiet der Gemeinde lassen sich Siedlungsspuren bereits aus der Frühgeschichte nachweisen. Die Seen Petres und Vegoritida mitsamt der südlich angrenzenden Ebene von Eordaia waren bereits in der Frühzeit ein bevorzugtes Siedlungsgebiet von Menschen.

Alte Handelswege

Im weiteren Verlauf der Geschichte erlangte die verkehrsmäßige und strategische Lage insbesondere des nördlichen Gemeindegebietes von Amyndeo Bedeutung, da durch das Gebiet in der Antike die Via Egnatia von Byzanz über Thessaloniki nach Dyrrachium führte. Hier befand sich der westliche Kontrollpunkt bei der Berg-Passage der Via Egnatia aus der zentralmakedonischen Tiefebene zur Ebene von Eordaia. Neben der wichtigen Ost-West-Verkehrsachse erlangte insbesondere in der Neuzeit die Verkehrsachse von Norden nach Süden durch die Ebene von Eordaia Bedeutung. Der Klidi-Pass stellte und stellt den Übergang zwischen dem nördlichen Teil der Ebene von Eordaia mit den Siedlungen Florina und Bitola (Manastir in osmanischer Zeit) und dem südlichen Teil der Ebene von Eordaia mit den Siedlungen Kozani und Ptolemaida (Kailar in osmanischer Zeit) dar. Über Kozani und dem weiter südlich gelegenen Servia war und ist eine Verbindung in den nordöstlichen Teil der thessalischen Ebene gegeben. Diese Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt bzw. Kontrollpunkt von Verkehrsachsen spiegelt sich auch heute noch im Verlauf von Straßen- und Schienenwegen wider. Sie wurde durch die bewaffneten Auseinandersetzungen in dieser Region während mehrerer Kriege unterstrichen.

Antike Siedlungen

Eine neolithische Siedlung konnte in der Nähe des Dorfes Agios Pandelimonas nachgewiesen werden. Russische Archäologen gruben hier 1897 die Überreste der Siedlung auf der Landbrücke zwischen dem Petres- und Vegoritida-See aus, darunter eine Nekropole mit 376 Gräbern mitsamt Grabbeigaben. [2] Die ausgegrabenen Gegenstände befinden sich heute im archäologischen Museum von Istanbul. In der weiteren Umgebung von Agios Pandelimonas wurden Überreste weiterer Siedlungen aus der Bronze- und Eisenzeit entdeckt.[2] Aufgefunden wurde ein 7.300 Jahre alter Fußboden aus Holz in sehr gut erhaltenem Zustand. Weiterhin wurden 358 Gräber einer Nekropole entdeckt, mitsamt der darin enthaltenen Grabbeigaben. Offensichtlich war das Gebiet der Gemeinde Amyndeo spätestens seit dem 6. Jahrtausend vor Christus ständig bewohnt. Nordwestlich und westlich von Agios Pandelimomas auf dem Gebiet der Ortschaft Kella (Kelli) werden die Überreste der römischen Siedlung Cella (Cellae, Kella) vermutet, deren Position schriftlich überliefert ist. Diese Siedlung soll in römischer Zeit entstanden sein und hatte die Funktion einer Zwischenstation auf der Trasse der antiken Via Egnatia, welche nördlich des Petres-Sees von Byzanz über Thessaloniki nach Dyrrachium verlief. Eine Sicherung der Position der antiken Siedlung Kella durch Ausgrabungen ist bisher allerdings nicht erfolgt. Eine weitere antike Siedlung befand sich auf dem Berg Gradiska nördlich von Amyndeo und nordwestlich des Dorfes Petres sowie am südwestlichen Ufer des Petres-Sees. Die Überreste dieser Siedlung werden gegenwärtig ausgegraben.

Spätantike und Mittelalter

Eordaia, und damit auch das Gemeindegebiet von Amyndeo, wurde unter dessen König Philipp II. Bestandteil des Königreiches Makedonien. Es blieb unter makedonischer Oberhoheit bis zur Niederlage des Königreichs Makedonien unter Perseus in der Schlacht von Pydna 168 v. Chr. gegen ein Heer des Römischen Reiches. Infolge der makedonischen Niederlage wurde die Landschaft Eordaia Bestandteil der römischen Provinz Macedonia und blieb dies bis zur Reichsteilung 395 n. Chr. Der Bau und Betrieb der Via Egnatia bescherte der Region Eordaia einen wichtigen Status, was sich in den antiken Siedlungen von Kella und Petres manifestierte. Nach Aufteilung des Römischen Reiches in einen West- und Ostteil 395 n. Chr. fiel das Gemeindegebiet von Amyndeo an das oströmische Reich, dem späteren byzantinischen Reich. Durch die Lage an der Via Egnatia hatte das Gebiet weiter hervorgehobene Bedeutung, da die Via Egnatia die in Süditalien gelegenen Reichsteile und die in Griechenland und in Kleinasien gelegenen Reichsteile verband. Die bisherige Bevölkerungsstruktur der Eordaia wurde ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. durch den Zuzug von Slawen dauerhaft verändert.

Neuzeit

Die Ortschaften Agios Pandelimonas, Petres und Kella sind offensichtlich durchgängig seit der Antike besiedelt. Im Gegensatz dazu entstand die Kleinstadt und zugleich der Gemeindesitz Amyndeo laut schriftlichen Quellen erst in der Mitte des 18. nachchristlichen Jahrhunderts. Bei Gründung dieser Siedlung sollen Familien aus den umliegenden Bergdörfern in die fruchtbare Ebene umgezogen sein. Die Bezeichnung der Ortschaft bzw. Siedlung zur damaligen Zeit war Sorovits bzw. Soroviç. Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Siedlung an der Stelle des heutigen Amyndeo unter die Herrschaft von Ali Pascha Tepelena (Pascha von Ioannina). Ende des 19. Jahrhunderts wurde Sorovits als „Landgut“ (türk. çiftlik, griech. tsiflíki/τσιφλίκι) Rauf Pascha (griech. Reouf Pasa, türk. Rauf Paşa) übereignet.

Die Bevölkerungsstruktur der Gemeinde Amyndeo wandelte sich entsprechend dem Verlauf der Geschichte. Die Bevölkerung von Sorovits scheint überwiegend osmanischen Ursprungs gewesen zu sein; ein griechischer Bevölkerungsteil befand sich zum damaligen Zeitpunkt in der Minderheit. Sicher siedelten in Sorovits auch slawische Mazedonier bzw. Bulgaren.

1892 begann für Sorovits durch die Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Thessaloniki-Edessa-Florina-Monastir ein neues Zeitalter. Die Trasse verlief über Sorovits und schloss die Siedlung mittels eines Bahnhofes an die Bahnstrecke an. Beim Ilinden-Aufstand 1903 war Amyndeo (Sorovits) zweimal Ort von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Aufständischen und osmanischen Truppen. Am 7. August 1903 besiegen vier osmanische Bataillone mit Artillerie 1.700 bulgarische (damaliger Sprachgebrauch) Aufständische.[3]. 150 Aufständische werden knapp eine Woche später in der Umgebung von Sorovits (Amyndeo) durch osmanische Truppen getötet.[4] Der erste Balkankrieg 1912 bringt den Verlust der osmanischen Herrschaft über Sorovits mit sich: Es fällt nach heftigen Kämpfen an Griechenland. Die griechische Armee kann am 18. Oktober 1912 Sorovits erstmalig erobern. Nur vier bis sechs Tage später gelingt den osmanischen Streitkräften eine Rückeroberung der Kleinstadt. Die erneut hergestellte osmanische Herrschaft währt allerdings nur knapp einen Monat: am 23. November 1912 wird Sorovits endgültig von griechischen Truppen eingenommen. Unter griechische Herrschaft wurde die Ortschaft mit einer Einwohnerzahl von mehr als 4.000 Stadtgemeinde (Dimos). Der erste Bürgermeister der Stadt war Grigorios Nikolaidis.

Die Hauptstraße im Zentrum der Kleinstadt Amyndeo.
Griechisch-Orthodoxe Kirche im Zentrum von Amyndeo.
Das Dorf Agios Pandelimonas im gleichnamigen Gemeindebezirk. Im Hintergrund der Vegoritida-See.

Erster Weltkrieg

Im ersten Weltkrieg war Sorovits wiederholt Schauplatz von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den alliierten Truppen Serbiens, Englands und Frankreichs und den Mittelmächten mit Bulgarien, Österreich-Ungarn und dem deutschen Reich. Nach dem Angriff von Österreich-Ungarn auf Serbien wurde Serbien von den Streitkräften der Mittelmächte (einschl. Bulgarien nach dessen Eintritt in den Krieg auf Seiten der Mittelmächte) erobert. Die serbische Armee wurde dabei aus Serbien in Richtung Montenegro an die Adriaküste getrieben und anschließend von französischen Schiffen auf die Insel Korfu gebracht. Trotz des Kriegsbeitritt Bulgariens, welches nach dem verlorenen zweiten Balkankrieg 1913 gegenüber Griechenland noch Gebietsansprüche mit Bezug auf Zentral- und Ostmakedonien sowie Westthrakien hatte wurde bis 1916 die griechische Nordgrenze infolge der griechischen Neutralität zu Beginn des ersten Weltkrieges respektiert. Mit der Landung französischer und britischer Truppen in Thessaloniki 1915 blieb die griechische Neutralität offiziell zwar bis 1917 bestehen, de facto trat Griechenland allerdings den alliierten Mächten der Entente bei. Am 19. Juni 1916 begannen bulgarische Truppen ihren Vormarsch auf griechisches Staatsgebiet nördlich von Florina.[5] Nach zunächst nur geringen Kämpfen gelang den bulgarischen Streitkräften am 18. August 1916 die Einnahme der Stadt Florina.[6] Die griechischen Truppen in den betroffenen Gebieten nahmen den Kampfhandlungen nicht teil und verhielten sich neutral[7] Die Bevölkerung Florinas floh vor den anrückenden bulgarischen Truppen in Richtung Sorovits.[8] In den nachfolgenden Tagen entbrannten um die Höhenzüge des Liliako und des Klidi-Passes Kämpfe zwischen den bulgarischen und serbischen Truppen. Am 22. August fiel Vevi an die Bulgaren, einen Tag später eroberten die Bulgaren die Höhenzüge des Liliakos östlich des Klidi-Passes und am 24. August erreichen die bulgarischen Streitkräfte das Ufer des Vegoritida-Sees (Ostrovo-See) und somit das spätere Gemeindegebiet von Amyndeo.[9][10] Am 25. August gelang den serbischen Streitkräften eine Rückerorberung von Hügeln im Liliakos-Massiv. In den darauffolgenden Tagen wurde auch Sorovits von den bulgarischen Truppen eingenommen.[11] Am 13. September 1916 eroberten serbische und französische Truppen Sorovits von den Bulgaren zurück.[12] Vier Tage später waren die Höhenzüge des Klidi-Passes mit dem Mala Reka unter serbischer und somit alliierter Kontrolle.[13]

1918 wurde Sorovits wieder eine Landgemeinde (Kinotita). Möglicherweise steht dies im Zusammenhang mit einer unter 4.000 Einwohner gesunkenen Bevölkerungszahl. Nach der griechischen Niederlage am Ende des griechisch-türkischen Krieges 1922 kam es im Vertrag von Lausanne 1923 zur Vereinbarung eines „Bevölkerungsaustauschs“ zwischen Griechenland und der Türkei. 1,5 Millionen Griechen mussten daraufhin Kleinasien, Ostthrakien und die Schwarzmeerküste verlassen, 0,5 Millionen Türken wurden aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in Nordgriechenland vertrieben. Die mehrheitlich türkischstämmigen Einwohner von Sorovits werden von dieser „Regelung“ mit erfasst und müssen die Stadt verlassen. Anstelle der türkischen Bewohner wurden in Amyndeo griechische Flüchtlinge aus Kleinasien, Ostthrakien und von der Schwarzmeerküste angesiedelt.

1928 erfolgte die Umbenennung der Ortschaft Sorovits in Amyndeo. Namenspatron war der makedonische König Amyntas III..

Zweiter Weltkrieg

Nach der Schlacht von Vevi und dem Durchbruch der britisch-australisch-neuseeländisch-griechischen Verteidigungslinien des Klidi-Pass nördlich von Amyndeo wurde Amyndeo am 12. April 1941 von Truppen der deutschen Wehrmacht im Rahmen des Unternehmen Marita im zweiten Weltkrieg erobert.[14] Amyndeo blieb anschließend von deutschen Truppen bis zum 6. November 1944 besetzt. Zwei Jahre nach dem Ende der deutschen Besatzung wurde Amyndeo wieder eine Stadtgemeinde (Dimos).

Griechischer Bürgerkrieg

Im griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949 war Amyndeo öfters Schauplatz von Kämpfen zwischen den linksgerichteten Aufständischen unter kommunistischer Führung und der regulären, eher rechtsgerichteten griechischen Armee. In der Nacht zum 28. April 1947 griffen die Aufständischen die Stadt Amyndeo an. Ziele waren die Kaserne der griechischen Armee, die Wohnung des örtlichen Polizeikommandanten und die Kaserne der Bewachung des Kraftwerkes. Der Angriff erfolgte von 23 bis 4 Uhr; anschließend zogen sich die Aufständischen zurück. Gleichzeitig wurden das Polizeiquartier in der Ortschaft Xino Nero sowie die Kaserne in Kato Vevi angegriffen[15] Am 16. August 1947 sprengten die Aufständischen einen Abschnitt der Eisenbahnlinie zwischen Florina und Thessaloniki[16] Am 12. September 1947 begann die griechische Armee und Polizei eine Gegenoffensive gegen die Aufständischen. Dabei wurden militärische Operationen in den Ortschaften Pedino, Rodana und Petrochori durchgeführt. Infolge dieser Aktionen der griechischen Streitkräfte sollen sich die Aufständischen weiter in das umliegende Bergland zurückgezogen haben[17] Am 20. Januar 1948 wird ein Bus durch eine Mine gesprengt, wobei 6 Menschen getötet und 6 weitere verletzt werden.[18] Diese Aktion führte bereits am 22. Januar 1948 zu einer erneut so genannten „Säuberungsaktion“ der griechischen Armee und Polizei zwischen Amyndeo und Xino Nero.[19] Am 15. Oktober 1948 kommt zu einem Mörserangriff der Aufständischen gegen Amyndeo. Gleichzeitig werden die Ortschaften Lakka und Filota von Aufständischen angegriffen.[20] Am 18. Januar 1949 kommt es bei Amyndeo und Flambouro zu schweren Gefechten zwischen der griechischen Armee und den Aufständischen. Auf Seiten der griechischen Armee wird die Luftwaffe mit 35 Angriffsflügen und Bombardierungen gegen die geschätzt 600 Aufständischen eingesetzt. Bei diesen Kämpfen kamen 75 Aufständische ums Leben; über die Zahl der Opfer auf Seiten der griechischen Armee gibt es keine Angaben.[21][22] Am 17. April 1949 greifen Aufständischen mit 2 Luftabwehrgeschützen und 2 Gebirgsgeschützen vom Berg Vitsi her kommend Amyndeo aus dem Westen und Süden an. Die Garnison der griechischen Armee sowie die lokale Polizei wehren den Angriff ab und verfolgen die Aufständischen in der Ebene südwestlich von Amyndeo Richtung Berge. Auf Seiten der Armee fordern die Kämpfe 2 Tote und 16 Verletzte, auf Seiten der Aufständischen 112-121 Tote und 53-72 Gefangene.[23] Erneut wurden die Aufständischen unter Einschluss von Luftangriffen bekämpft. Trotz der Verluste bei dem Angriff auf Amyndeo war die Kampfbereitschaft der Aufständischen nicht gebrochen. Am 10. Mai 1949 griffen Aufständische das Dorf Petres nördlich von Amyndeo an. Der Angriff wurde abgewehrt.[24] Der Angriff auf das Dorf Petres war der letzte Angriff der Aufständischen auf das Gebiet der heutigen Gemeinde Amyndeo. Der griechische Bürgerkrieg endet zwei Monate später mit der endgültigen Niederlage der aufständischen Streitkräfte im Gebiet des Berges Gramos.

Am 6. August 1949 werden Mitglieder der Unterstützungsorganisation der Aufständischen in Amyndeo vor Gericht gestellt. Insgesamt 150 Menschen werden vor dem Militärgericht in Florina angeklagt. [25] Die Bahnstrecke Florina-Amyndeo-Thessaloniki wird am 17. August 1950 durch den griechischen Ministerpräsidenten Nikolaos Plastiras wieder eröffnet.[26]

Gemeindereform 1997

Blick auf den Vegoritida-See von Norden. Auf Seehöhe das Dorf Agios Athanansios, auf dem Berg rechts das Dorf (Gemeindebezirk) Kelli (Kella) der Gemeinde Amyndeo.

1997 wurde im Rahmen der Reform der griechischen Kommunalverwaltung die zuvor eigenständige Stadtgemeinde (Dimos) Amyndeo mit 7 weiteren eigenständigen Landgemeinden (Kinotites) zur deutlich größeren Stadtgemeinde Amyndeo zusammengefasst. Hierbei wurden nicht nur Ortschaften in unmittelbarer Nähe zu Amyndeo der neuen Gemeinde zugeschlagen, auch die Ortschaft Agios Pandelimonas am Nordufer des Petres-See in 8 km Entfernung und die noch weiter nördlich gelegene Ortschaft Kella (Kelli) wurden Bestandteil der Gemeinde Amyndeo bei nicht einfach zu nutzenden Verkehrsverbindungen. Die Kleinstadt Amyndeo selbst stellt mehr als die Hälfte der Bevölkerung der neuen Gemeinde.

Wirtschaft und Infrastruktur

Lignit-Tagebau und Lignit-Kraftwerk von Amyndeo.
Bahnhof von Amyndeo, fotografiert 1894.

Die Wirtschaft in Amyndeo hatte bis zur Entdeckung der ausgedehnten Lignit- bzw. Braunkohle-Vorkommen in der Ebene von Eordaia die Landwirtschaft als ihr hauptsächliches Standbein. Neben dem Anbau von Getreide war in Amyndeo seit langem der Anbau von Wein von herausgehobener wirtschaftlicher Bedeutung. Der Anbau von Wein soll bereits in der Antike erfolgt sein. Das Anbaugebiet ist das höchstgelegene in Griechenland mit einer Höhe von 600 bis 750 m über dem Meeresspiegel. Die dem Weinbau gewidmete Fläche beträgt dabei 7.500 Hektar, auf denen die Rebsorten Xinomavro und Poploka angebaut werden. Weine aus Amyndeo werden in Griechenland als Weine überdurchschnittlicher Qualität eingestuft. Eine Kellerei wurde in Amyndeo 1960 errichtet und produziert gegenwärtig 750.000 Flaschen Wein pro Jahr. Es werden Rot-, Weiß- und Roséweine hergestellt. Auch der Tresterschnaps Tsipouro wird in Amyndeo hergestellt. Ab 2008 soll der Anbau von Kartoffeln in Amyndeo eine Kartoffelchips-Fabrik beliefern.[27] Neues wirtschaftliches Standbein von Amyndeo ist neben dem Anbau von Wein die Gewinnung von Lignit bzw. Braunkohle. Wie die gesamte Ebene von Eordaia ab dem Norden von Kozani befinden sich auch im Gebiet von Amyndeo erhebliche Vorkommen dieses fossilen Brennstoffs: die Reserven werden im Bereich Ptolemaida-Amyndeo auf 2,1 Millionen Tonnen Lignit taxiert.[28] Er wird im Tagebau südwestlich von Amyndeo gefördert und zur Energiegewinnung beispielsweise im Kohlekraftwerk von Filota benutzt; 12% der griechischen Förderung von Lignit werden in Amyndeo durchgeführt.[29] Der Brennwert der griechischen Braunkohle ist im internationalen und innergriechischen Vergleich allerdings gering.[28] Die Verbrennung zwecks Verstromung produziert auch eine erhebliche Umweltbelastung, welche in Amyndeo allerdings weniger deutlich sichtbar und spürbar ist wie in den Nachbarortschaften Ptolemaida und Filota.[30] Vorteilhaft bezogen auf die Umweltbedingungen ist das Vorhandensein einer Fernwärmeversorgung für Amyndeo. Diese wird durch die nahegelegenen Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 40 MWth realisiert.[31]

Amyndeo liegt in unmittelbarer Nähe (ca. 2 km) eines wichtigen Verkehrsknotenpunktes in der Präfektur Florina. Im Westen der Kleinstadt verläuft die Nationalstraße 3 (Europastraße 65) gemeinsam mit der Nationalstraße 2 (Europastraße 86) von Florina und Vevi im Norden bzw. Nordwesten aus kommend nach Ptolemaida und Kozani im Süden. Der hierbei nordwestlich von Amyndeo gelegene Klidi-Pass stellte in der Vergangenheit ein Nadelöhr für den Verkehr aufgrund der kurvenreichen Trasse und des schlechten Ausbauzustandes der Straße dar. In den Wintermonaten kam es zudem zu Sperrungen des Klidi-Passes durch Schneefälle. Seit 2004 ist die Nationalstraße 2 bzw. 3 neu trassiert freigegeben worden und hat den vorbestehenden Engpass beseitigt. Westlich von Amyndeo zweigt die Nationalstraße 2 von der Nationalstraße 3 ab und führt von Westen nach Osten in Richtung Edessa und Thessaloniki. Bis in die 1990er Jahre führte ein Teilstück der Nationalstraße 2 mitten durch die Kleinstadt, seit Ende der 1990er Jahre wird Amyndeo von der Nationalstraße 2 umgangen. Nach Westen führt über die Ortschaften Aetos und Lechovo und anschließend den Klisoura-Pass zwischen dem Sinisiatiko im Süden und dem Vitsi im Norden eine Straße nach Kastoria.

Die Eisenbahnlinie Thessaloniki-Edessa-Amyndeo-Florina führt entlang des Westufers des Vegoritida-Sees aus Nordosten kommend in die Kleinstadt Amyndeo hinein. Bei der Passage von Amyndeo wird eine Nebenstrecke nach Ptolemaida und weiter bis Kozani abgegeben. Die Haupttrasse passiert Amyndeo in einem von Nordosten nach Nordwesten geführten Bogen und verläuft anschließend im Wesentlichen parallel zur alten Trasse der Nationalstraße 2 bzw. 3 über den Klidi-Pass nach Vevi und weiter nach Florina. Von 2002 bis Ende 2006 wurden an der Bahnstrecke umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Diese sind unterdessen abgeschlossen, die Bahnstrecke ist wieder zwischen Edessa und Florina seit dem 19. Januar 2007 voll befahrbar.[32] Ein Ausbau der Eisenbahnlinie mit Anschluss nach Bitola in Mazedonien (gegenwärtig nur eingeschränkt verfügbar) sowie Fortführung der Trasse nach Kalambaka bzw. Ioannina ist geplant.[33] Amyndeo ist auch ein Knotenpunkt des öffentlichen Busverkehrs in der Präfektur Florina. Die KTEL-Busse, welche den Überlandverkehr in Griechenland realisieren, passieren Amyndeo in kurzen Taktabständen mit Verbindungen nach Florina, Thessaloniki, Ptolemaida und Kozani.

In Amyndeo ist eine Garnison der griechischen Armee: das 28. Infanterie-Regiment der 1. griechischen Armee ist dort stationiert. Die Kaserne befindet sich am westlichen Eingang der Kleinstadt.[34]

Sehenswürdigkeiten

  • Petres-See
  • Vegoritida-See
  • Antike Siedlung Petres
  • Neolithische Siedlung und Nekropole Agios Pandelimonas

Weblinks

Quellen

  1. Angaben des griechischen Innenministeriums ([1])
  2. a b Artikel der griechischen Zeitung Kathimerini, Englische Ausgabe vom 3. Februar 2007 (auf Englisch).
  3. Zeitungsartikel der britischen Zeitung The Times vom 8. August 1903, Seite 5.
  4. Zeitungsartikel der New York Times vom 13. August 1903.
  5. Zeitungsartikel der New York Times vom 20. Juni 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  6. Zeitungsartikel der New York Times vom 19. August 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  7. Zeitungsartikel der New York Times vom 21. August 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  8. Zeitungsartikel der New York Times vom 25. August 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  9. Zeitungsartikel der New York Times vom 23. August 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  10. Zeitungsartikel der New York Times vom 24. August 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  11. Zeitungsartikel der New York Times vom 2. September 1916 (auf Englisch, PDF-Format)
  12. Zeitungsartikel der New York Times vom 14. September 1916 (auf Englisch)
  13. Zeitungsartikel der New York Times vom 17. September 1916 (auf Englisch)
  14. W. G. McClymont. To Greece. New Zealand in the Second World War 1939-1945. S. 211ff. (online verfügbar über das New Zealand Electronic Text Centre; letzter Zugriff 2007-11-02)
  15. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 29. April 1947, Seite 4, rechte Spalte. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  16. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 17. August 1947, Seite 4, rechte Spalte. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  17. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 13. September 1947, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  18. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 21. Januar 1948, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  19. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 23. Januar 1948, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  20. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 16. Oktober 1948, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  21. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 19. Januar 1949, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  22. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 20. Januar 1949, Seite 5. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  23. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 19. April 1949, Seite 6. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  24. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 11. Mai 1949, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  25. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 7. August 1949, Seite 6. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  26. Zeitungsartikel der Zeitung Eleftheria vom 18. August 1950, Seite 4. Online frei verfügbar über die Griechische Nationalbibliothek. (auf Griechisch)
  27. Pressemitteilung der Athens News Agency über die Vertragsunterzeichnung zum Bau und Betrieb einer Fabrik für Kartoffelchips in Amyndeo vom 31. März 2006 (auf Englisch)
  28. a b Emilios Boussios. Solid Fuels. In: ICAP/Delos Communications. The Energy Market in Greece (Studie über die Energiewirtschaft in Griechenland). Kapitel 5, Abschnitt 5.2. Seite 118
  29. Emilios Boussios. Solid Fuels. In: ICAP/Delos Communications. The Energy Market in Greece (Studie über die Energiewirtschaft in Griechenland). Kapitel 5, Abschnitt 5.3. Seite 119
  30. A. G. Triantafyllou, S. Zoras and V. Evagelopoulos. Particulate Matter Over A Seven Year Period in Urban and Rural Areas Within, Proximal and Far from Mining and Power Station Operations in Greece. Environmental Monitoring and Assessment. Volume 122, Numbers 1-3. November 2006. Pages 41-60.
  31. Kostas Theophylaktos. District Heating/Cooling in Greece: The role of CHP. Präsentation im Rahmen der COGEN-Tagung. PDF-Format.
  32. Pressemitteilung der Athens News Agency vom 17. Januar 2007 über die Wiedereröffnung der Bahnlinie Edessa-Amyndeo-Florina. (auf Englisch)
  33. Vereinbarung über die Einrichtung eines hochgradig leistungsfähigen Eisenbahnnetzes in Südosteuropa (auf Englisch)
  34. Aufstellung der NATO-Streitkräfte (NATO Order of Battle, Version 3.0, 1989 (auf Englisch)

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