América

América (Originaltitel The Tortilla Curtain, 1995) ist ein Roman des US-amerikanischen Autors T. C. Boyle über die Werte der Mittelklassengesellschaft, illegale Einwanderung, Ausländerfeindlichkeit sowie Armut und Umweltzerstörung.

Boyle sagt selbst, "dass dies mein umstrittenster Roman war, als er erschien, denn ich behandelte darin das heiße Eisen eines sozialpolitischen Themas - illegale Einwanderung in Südkalifornien - und viele Kritiker nahmen sich das Buch mit starken Vorurteilen vor. Ich musste eine Menge von Beschimpfungen, inkl. (meine Lieblingsbeschimpfung) "menschlicher Abfall" in einer Radiosendung in San Francisco genannt zu werden, hinnehmen. Nachdem die Menschen im Laufe der letzten paar Jahre die Möglichkeit hatten, etwas tiefergründig über das Buch nachzudenken, haben sich die Wogen geglättet und "América" (The Tortilla Curtain) ist zu einem modernen Klassiker geworden. Es ist mein bei weitem populärster Titel, der sowohl in Highschools als auch in Universitäten im ganzen Land viel gelesen wird."

Mittlerweile finden sich auch in deutschen Englischbüchern für die Sekundarstufe II an Gymnasien Auszüge aus The Tortilla Curtain. Es war zudem Pflichtlektüre für das niedersächsische Zentralabitur 2006 und 2007, das nordrhein-westfälische Zentralabitur 2007, das saarländische Zentralabitur 2007/2008 und das Hamburger Zentralabitur für Grundkurse 2008/2009.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Roman erzählt die Geschichten zweier Paare, die zunächst nichts verbindet. In abwechselnden Kapiteln erfährt der Leser immer mehr über die beiden Paare und ihr Leben. Schauplatz ist das Gebiet des Topanga Canyon bei Los Angeles. Delaney Mossbacher lebt seit kurzer Zeit mit seiner zweiten Frau Kyra, einer Immobilienmaklerin, und ihrem Sohn aus erster Ehe, Jordan, in einer vornehmen Wohnsiedlung. Er schreibt Kolumnen für eine Naturzeitschrift und kümmert sich um Haushalt und Kind, während seine Frau arbeitet. Cándido Rincon ist gerade mit seiner schwangeren Lebensgefährtin América aus Mexiko über die Grenze nach Kalifornien geflohen und lebt nun illegal in einem Canyon unterhalb einer vielbefahrenen Straße im Freien.

Die Wege von Delaney und Cándido kreuzen sich, als Cándido von Delaney angefahren und schwer verletzt wird. Cándido spricht nur Spanisch und möchte anscheinend nicht, dass Delaney einen Krankenwagen oder die Polizei ruft. Delaney gibt ihm 20 Dollar und lässt Cándido allein.

Um Arbeit zu finden, will Cándido zu einer Stelle an der Straße, an der arbeitswillige Einwanderer auf Arbeitgeber warten. Doch schwer verletzt kann er nicht mehr auf Arbeitssuche gehen. Nach mehreren Tagen des Hungerns geht América trotz Cándidos Protest zu dieser Arbeitsvermittlung und bekommt nach kurzer Zeit einen Job, bei dem sie mit ätzender Säure arbeiten muss. Die Lage der Beiden scheint sich ein wenig zu entspannen. Am zweiten Tag wird sie aber auf dem Nachhauseweg von zwei Latinos beraubt und vergewaltigt, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommt einen herben Dämpfer. Inzwischen hat sich Cándidos Gesundheitszustand gebessert und er kann wieder selbst zur Arbeitsvermittlung gehen. Glücklicherweise findet er schnell Arbeit, und für drei Wochen scheint sich die Situation abermals zu verbessern.

Delaney hat inzwischen mit seinen Nachbarn zu kämpfen. Obwohl er liberal und tolerant eingestellt ist, übernimmt er nach und nach die rassistische Einstellung seiner Nachbarn, die offen gegen die Überfremdung ankämpfen. Kyra ist von Anfang an auf Seiten der Nachbarn und möchte etwas gegen die Überfremdung durch Einwanderer in ihrer Wohngegend tun. Scheinbar aus Geschäftsinteressen sorgt sie dafür, dass die Arbeitsvermittlung an der Straße aufgelöst wird und unterstützt die Nachbarn in ihrem Vorhaben, eine Mauer um die Wohnsiedlung herum zu errichten. Nachdem die Wohnsiedlung erst mit einem bewachten Tor beschützt wurde, wird sie kurz danach mit einer Mauer gegen Einbrecher, wilde Tiere und Diebe (laut den Bewohnern Mexikaner) abgeschottet.

Als die Arbeitsvermittlung nicht mehr da ist und man sie warnt, dass bald Razzien auf Illegale gemacht würden, wollen Cándido und América in einem von Mexikanern bewohnten Stadtviertel ihr Glück versuchen. Cándido wird allerdings in eine Falle gelockt, zusammengeschlagen und seines ganzen Geldes beraubt. In ihrer Verzweiflung gehen sie zurück in ihr Lager im Canyon und essen auf dem Weg sogar aus der Mülltonne eines Restaurants.

Kurz danach scheint Cándido wieder Glück zu haben. Er bekommt Arbeit und am Thanksgiving Day schenkt ihm ein anderer Kunde in einem Supermarkt sogar einen Truthahn. Beim Braten des Vogels kommt es jedoch zu einem Waldbrand, der die ganze Gegend, auch die Wohnsiedlung der Mossbachers, bedroht. Cándido und die hochschwangere América können entkommen und gelangen in unmittelbare Nähe der Siedlung, in der Delaney und Kyra wohnen. In einem Schuppen an der Mauer bekommt América ihr Kind, ein Mädchen namens Socorro (Spanisch: Hilfe). Cándido klettert über die Mauer und baut aus Holzpaletten und Dingen, die er in den Gärten in der evakuierten Siedlung findet, eine Hütte an einem sicher scheinenden Ort oberhalb der Siedlung. América vermutet kurz nach der Geburt, dass ihr Kind blind sein könnte und will unbedingt einen Arzt aufsuchen. Cándido hat aber keine Kraft und kein Geld, sich um dieses weitere Problem zu kümmern und beschwichtigt América, dass mit dem Baby alles in Ordnung sei.

In der Nähe des Supermarkts sieht Delaney Cándido wieder und verfolgt ihn im strömenden Regen bis zu seiner Hütte. Als er gerade den Revolver auf Cándido und América richtet, schwemmt sie eine riesige Schlammlawine fort. Cándido und América können sich auf ein Dach retten, das Baby stirbt. Als auch Delaney das Dach zu greifen bekommt, nimmt Cándido dessen Hand und rettet ihn.

Themen

Der Roman schildert charakteristische Züge des Lebens illegaler Einwanderer aus Mexiko. Diese Menschen, deren Leben in der Heimat von Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt geprägt ist, sehen ihre letzte Hoffnung in der Verwirklichung des American Dream. Sie wollen nicht nur ihren eigenen Lebensstandard und sozialen Status verbessern, sondern unterstützen mit ihrem Lohn auch ihre Familien in Mexiko. Ihre Hoffnungen machen jedoch bald der Ernüchterung Platz: Ihre Arbeit ist hart und schlecht bezahlt, sie werden wie eine niedere menschliche Rasse behandelt (sexuelle Belästigung, Beschimpfungen oder der Umgang mit krankmachenden Stoffen) und leben in ständiger Angst vor den amerikanischen Behörden.

Die Hispanics können aufgrund ihrer meist sehr lückenhaften schulischen Ausbildung nur im Niedriglohnbereich arbeiten, z.B. auf Baustellen oder Plantagen. Daher werden sie auch für das Sinken des Mindestlohnes verantwortlich gemacht. Rassistische amerikanische Bevölkerungsgruppen sehen in ihnen die Ursache für Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Schwäche und begründen dies damit, dass dem Staat durch sie Einnahmen aus der Lohn- und Einkommenssteuer entgehen.

Literatur

  • Peel, Monika & Bode, Matthias: T. C. Boyle: América (The Tortilla Curtain). Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 452). Hollfeld: Bange Verlag 2006. ISBN 978-3-8044-1847-9
  • Schuhmacher, Karl Erhard: T. C. Boyle. Tortilla Curtain. Klett Lektürehilfen. Stuttgart: Klett 2005. ISBN 978-3-1292-3001-5

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