An-Naqa
Naqa (Sudan)
DEC
Lage von Naqa in Sudan
Der Apedemak-Tempel von Naqa mit dem Kiosk

Naqa (auch Naga; antiker Name: twjlkt, meroitisch: tolkte[1]; arabischالنقعة‎ an-Naqʿa, sudanesisch-arabisch: in-Nagʿa) ist der Name einer Ruinenstätte im heutigen Sudan.

Es ist eine der größten des Landes und lässt auf eine bedeutende antike Stadt an dieser Stelle schließen. Sie war zeitgleich mit dem Ptolemäerreich und mit den römischen Kaisern rund ein halbes Jahrtausend eines der Zentren des Königreichs von Meroe, dem als südlichen Nachbarn Ägyptens eine Brückenfunktion zwischen Mittelmeerwelt und Afrika zukommt.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Der Ort liegt etwa 170 Kilometer nord-nord-östlich von Khartum und ca. 50 Kilometer östlich des Nils. Hier treffen sich diverse Wadis des Butana-Plateaus in der Region Butana, so dass der Ort eine besondere strategische Bedeutung hatte.

Erforschung

Erste europäische Reisende erreichten Naqa seit 1822, so unter anderem 1837 Hermann von Pückler-Muskau. 1843 wurde es von Richard Lepsius und seiner preußischen Ägypten-Sudan-Expedition besucht, die einige Inschriften und Darstellungen der hier stehenden Tempel kopierte. 1958 war ein Team der Humboldt-Universität Berlin vor Ort, welches u.a. den Tempel 500 dokumentierte. Seit 1995 gräbt in Naqa ein deutsch-polnisches Team unter Beteiligung des Ägyptischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Bauten

Der römische Kiosk
Widdersphinxreihe vor dem Amun-Tempel von Naqa

In Naqa finden sich die Reste verschiedener Tempel. Der sogenannte römische Kiosk ist ein kleiner Tempel, der starke hellenistische Elemente aufweist. Neuere Grabungen an dem Bau haben gezeigt, dass es sich wohl um eine Hathor-Kapelle handelte. Es gibt ein Amun- und ein Apedemak-Tempel, die beide noch recht gut erhalten sind. Der Amun-Tempel ist von König Natakamani gegründet worden. Es fanden sich verschiedene Statuen des Herrschers. Im Tempel fand sich auch eine Stele der Königin Amanishakheto, von der bisher angenommen wurde, dass sie vor dem König Natakamani regierte. Der Fund der Stele in diesem von dem König gebauten Tempel macht diese Datierung jedoch unsicher, da Königin Amanishakheto die Stele in der eigenen Regierungszeit dem Tempel gestiftet haben könnte. Jedoch kann auch damit gerechnet werden, dass ein älteres Monument, das vorher anderswo stand, im Tempel aufgestellt worden ist.

Hier fand sich unbeschädigt ein bemalter „Altar“, der als in Sudan und wahrscheinlich auch in Ägypten einzigartig gilt. Nach Ausgrabung, Rekonstruktion und Vermessung wurde der Amuntempel am 1. Dezember 2006 den sudanesischen Kulturbehörden übergeben. [2]

Ein weiterer Amun-Tempel (Naqa 200) wird seit 2004 ausgegraben. Der Erbauer ist Amanichareqerem. Hier fanden sich zahlreiche erstklassige Reliefs. Der Bau ist den Tempeln von Natakamani sehr ähnlich, so dass dieser Herrscher, der bisher auf das 2. oder 3. nachchristliche Jahrhundert datiert wurde, wohl nach Natakamani regierte. Auch hier zeigt sich, wie neue Erkenntnisse die wacklige nubische Chronologie verändern können.

Schließlich steht zu Füßen der Sandsteinklippen des Dschabal Naqa (arabisch für Berg Naqa) noch der Tempel 500. Er wurde von der Kandake Shanakdakheto um 135 v. Chr. errichtet und ist damit das älteste Gebäude der Stätte. Die Texte an den Tempelwänden, die sie nennen, sind die ältesten bekannten Schriften in meroitischen Hieroglyphen. Den Reliefs nach zu urteilen, war der Tempel der thebanischen Triade Amun, Mut, und Chons sowie Apedemak geweiht. 1834 wurde der Tempel von Giuseppe Ferlini bei der Suche nach Schätzen erheblich beschädigt. Eine gründliche Ausgrabung und Restaurierung steht bislang aus.

Einzelnachweise

  1. Natakamani and Amanitore in the Meroitic Sudan
  2. ZDF-"Heute-Journal" vom 1.12.06

Literatur

  • Dietrich Wildung, Karla Kroeper: Naga - Royal City of Ancient Sudan. Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2006, ISBN 3-88609-558-4. 

Weblinks

16.26666666666733.2666666666677Koordinaten: 16° 16′ N, 33° 16′ O


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