Anagrelid
Strukturformel
Strukturformel von Anagrelid
Allgemeines
Freiname Anagrelid
Andere Namen
  • 6,7-Dichlor-1,5-dihydroimidazo- [2,1b]chinazolin-2-on
  • lat.: Anagrelidum
Summenformel C10H7Cl2N3O
CAS-Nummer
  • 68475-42-3
  • 58579-51-4 (Hydrochlorid)
PubChem 2182
ATC-Code

L01XX35

DrugBank DB00261
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Zytostatikum

Verschreibungspflichtig: Ja
Eigenschaften
Molare Masse 256,09 g·mol−1
Schmelzpunkt

>280 °C (als Hydrochlorid) [1]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
Keine Einstufung verfügbar
R- und S-Sätze R: siehe oben
S: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Anagrelid (Handelsnamen Xagrid® u.a.) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Imidazolidin-Verbindungen. Anagrelid verringert die Anzahl der im Knochenmark gebildeten Blutplättchen und verringert auf diesem Weg die Zahl der im Blut zirkulierenden Blutplättchen wieder auf ein normales Maß. Er wird in der Therapie von Thrombozytosen verwendet, die bei Patienten mit myeloproliferativen Erkrankungen wie der essentiellen Thrombozythämie (ET), Polycythaemia vera (PV), der chronisch-myeloischen Leukämie (CML) oder der Osteomyelofibrose (OMF) vorkommen.

Inhaltsverzeichnis

Wirkungsmechanismus

Nachdem dem Arzneistoff ursprünglich eine hemmende Wirkung auf die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregationshemmung) zugeschrieben wurde, haben klinische Studien gezeigt, dass die Substanz keinen Einfluss auf die Thrombozytenfunktion hat, aber dennoch zu einem schnellen Abfall der Thrombozytenzahl im Blut führt. Der genaue Mechanismus der Wirkungsweise ist noch unklar. Es ist jedoch bekannt, dass Anagrelid die cAMP-Phosphodiesterase Typ 3 hemmt.[3]

Basierend auf Untersuchungen in Zellkulturen wird diskutiert, dass die Substanz in den Vorläuferzellen der Thrombozyten (Megakaryozyten) wirkt, indem sie deren Reifung verlangsamt und ihre Größe und Ploidie verringert.

Nebenwirkungen

  • häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, starker Herzschlag, Übelkeit, Durchfall, Anämie

Die Therapie erfordert eine klinische Überwachung des Patienten bezüglich Blutbild, Nieren- und Leberfunktion.

Vergleich Anagrelid versus Hydroxycarbamid

Eine 2005 im „New England Journal of Medicine“ publizierte Studie lässt allerdings vermuten, dass Anagrelid der Referenzsubstanz Hydroxycarbamid unterlegen ist: Über 800 Personen mit essentieller Thrombozythämie, bei denen aufgrund einer hohen Thrombozytenzahl (über 1 Million/µl) und weiterer Kriterien ein hohes Risiko für vaskuläre Komplikationen bestand, erhielten neben niedrigdosierter Acetylsalicylsäure (ASS) von 75–100 mg entweder Anagrelid oder Hydroxycarbamid.

Nach einer Beobachtungszeit von mehr als 3 Jahren hatten – bei vergleichbarer Reduktion der Thrombozytenzahl – in der Anagrelid- Gruppe 14 %, in der Hydroxycarbamid-Gruppe dagegen nur 9 % der Behandelten eine arterielle oder venöse Thrombose oder eine ernsthafte Blutung erlitten. Die Abbruchrate in der Anagrelid- Gruppe war ebenfalls höher. Unter Anagrelid war auch signifikant häufiger eine Transformation in eine Osteomyelofibrose aufgetreten. Die genannte Studie ist jedoch aufgrund methodischer Ungenauigkeiten in die Kritik geraten und die Ergebnisse weiterer laufender Studien sollten abgewartet werden.

Handelsnamen

Monopräparate

Agrylin (USA, CDN), Thromboreductin (A), Xagrid (D, CH) [4][5][6]

Quellen

  1. Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online - Version 3.1. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2008.
  2. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. Europäische Arzneimittel-Agentur (November 2009): Xagrid. Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. Zugegriffen am 13. März 2010.
  4. Rote Liste (08/2009
  5. AM-Komp. d. Schweiz (08/2009)
  6. AGES-PharmMed (08/2009)

Literatur

  • 1. Silverstein, M.N., et al.: N. Eng. J. Med. 1988, 318, 1292.
  • 2. Petitt, R.M., et al.: Semin. Hematol. 1997, 34, 51.
  • 3. New England Journal of Medicine 2005 Jul 7; 353, 33-45
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