Analysis fidei

Analysis fidei: Glaubensanalyse, nach Joseph Kleutgen (Theologie der Vorzeit, Beilage III, S. 136) die „Folter der Gottesgelehrten“: die im Umfeld der Barockscholastik - der Begriff taucht erstmals bei Gregor von Valentia (gest. 1603) auf - entstandene Frage nach dem letzten Gewissheitsgrund des christlichen Glaubens. Damit fragt die Analysis fidei nach der Art und Weise, in der der christliche Glaube als letztgültige Überzeugung gewiss wird. Die moderne analytische Philosophie und Theologie diskutiert das Problem unter dem Titel „properly basic beliefs“.

Bedeutende Beiträge von Francisco Suárez, Juan de Lugo. Wichtige Neuansätze, die zugleich die Aporien des Gnadenstreites überwinden, von John Henry Newman (1801-1890) und Pierre Rousselot (1878-1915). Zentrales Problem der Analysis fidei ist die Klärung der Verhältnisses der „certitudo super omnia“ (der über alles hinausgehenden Gewissheit) des Glaubensgegenstandes zur subjektiven Aneignung des Glaubensinhaltes (fides quae) in einem vor dem Forum der autonomen Vernunft verantworteten Vollzug (fides qua).

Die Analysis fidei ist die theologische Antwort auf die Herausforderungen (analysis scientiae) der Neuzeit. Noch bevor Descartes das denkende und an sich zweifelnde Cogito ergo sum („Ich denke, also bin ich“) als Fundament des Wissens kennzeichnete, stellte sich für die katholische Theologie des 16. Jahrhunderts das Problem, Gründe für die Wahrheit des katholischen Glaubens benennen zu müssen - eine Reaktion auf die Herausforderung durch die Reformation. Mit einem Mal gab es in Europa konkurrierende Kirchen und konkurrierende Wahrheitsansprüche, die nicht länger autoritativ, sondern nur vernünftig entschieden werden konnten. Nur mit den Mitteln der Vernunft, dies der zentrale Ansatz der Analysis fidei, sollten die Gründe für die Wahrheit (Gewissheit) des katholischen Glaubens aufgezeigt werden (siehe auch Rationalismus).

Die zeitgenössischen Entwürfe blieben richtungweisend in diesem Ansatz, ihre Lösungsvorschläge überzeugen i.a. jedoch nicht. Alle Theorien nehmen ihre Zuflucht in einer Ausklammerung des Bereiches der Übernatürlichen aus der Vernunft. Hier ersetze die Gnade, was der Vernunft an Einsicht fehle. Das eindrucksvolle Problemniveau der Analysis fidei wird dadurch schlicht unterlaufen. Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts und in Auseinandersetzung mit neuen philosophischen Strömungen gelingen Neuaufbrüche. Rousselot etwa schlägt ein „lumen fidei“ vor, greift damit auf ältere Lösungsvorschläge zurück, geht aber über sie hinaus, indem er Glaubwürdigkeitserkenntnis und Glaubensgewissheit miteinander identifiziert. Neuere Arbeiten (Schütz, Tomberg) versuchen, die Selbstreflexion der Freiheit für die Glaubenstheologie auszuwerten.

Siehe auch

Natürliche Theologie

Literatur

  • Karl Eschweiler, Die zwei Wege der neueren Theologie, Augsburg 1926. Digitale Edition, hg. von Thomas Marschler (2010): Online-Ressource
  • Lothar Kuld: Lerntheorie des Glaubens
  • Erhard Kunz: Wie erreicht der Glaube seinen Grund?
  • John Henry Newman: An Essay in Aid of a Grammar of Assent
  • Pierre Rousselot: Die Augen des Glaubens
  • Achim Schütz: Phänomenologie der Glaubensgenese
  • Markus Tomberg: Glaubensgewißheit als Freiheitsgeschehen

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