Analytisch-synthetische Klassifikation

Eine Facettenklassifikation (auch analytisch-synthetische Klassifikation) ist ein (polyhierarisches) Klassifikationssystem, bei dem die Objekte des Wissensbereichs nicht in eine starre Baumstruktur eingegliedert werden, wie es bei herkömmlichen Systemen der Fall ist. Stattdessen wird die Position eines Objekts durch mehrere voneinander unabhängige Einfachklassen bestimmt. Dazu führt man sogenannte Facetten ein, die aus mehreren Einfachklassen bestehen. Ein Objekt wird dann für jede Facette klassifiziert, d. h. pro Facette erhält das Objekt eine Einfachklasse. Die Notationen dieser Einfachklassen werden verbunden, wodurch man die Gesamtnotation für das Objekt erhält.

Die bekannteste Facettenklassifikation ist die Colon-Klassifikation. Auch die Kategorien der Wikipedia[1] beruhen auf Facettenklassifikation.

Inhaltsverzeichnis

Vorteile

Facettenklassifikationen eignen sich besonders für große Mengen kleiner Dokumente, etwa für die bibliothekarische Ordnung von Zeitschriftenartikeln.

Außerdem lassen sich mit der Facettenklassifikation auch sehr komplexe oder innovative Sachgebiete klassifizieren: Der große Vorteil dieser Klassifikation liegt darin, das die Struktur nicht a priori vorliegen muss, es lassen sich im nachhinein Unterklassen und Schnittmengenklassen (Facetten) bilden, neue Klassenschlüssel können anhand der entstehenden Facetten neu definiert werden. Außerdem lassen sich die Zuordnung der Unterklassen zu den Hauptklassen genauso facettiert beschreiben, sodass auch innerhalb des Klassensystems umordnungen vorgenommen werden können (postkoordinative Klassifizierung).

Beispiel

Um eine Aufsatzsammlung über Tierphysiologie zu klassifizieren, in der zum einen nach dem Bereich der Physiologie unterschieden werden soll (Atmung, Fortpflanzung), zum anderen anhand einer zoologischen Taxonomie (Vögel, Fische, Säugetiere, Insekten), würde ein herkömmliches Klassifikationssystem die folgende Struktur verwenden:

  • V Vögel
    • V1 Atmung der Vögel
    • V2 Fortpflanzung der Vögel
  • F Fische
    • F1 Atmung der Fische
    • F2 Fortpflanzung der Fische
  • S Säugetiere
    • S1 Atmung der Säugetiere
    • S2 Fortpflanzung der Säugetiere
  • I Insekten
    • I1 Atmung der Insekten
    • I2 Fortpflanzung der Insekten

Ein Artikel über Kiemen würde in diesem System die Notation F1 erhalten.

Eine Facettenklassifikation hingegen würde mit folgender Struktur zurechtkommen:

  • Prozessfacette
    • P Physiologie
      • PA Atmung
      • PF Fortpflanzung
  • Tierfacette
    • 1 Vögel
    • 2 Fische
    • 3 Säugetiere
    • 4 Insekten

Ein Artikel über Kiemen würde in diesem System die Notation PA 2 erhalten.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, im ersten Ansatz alle möglichen Kombinationen vorab aufzulisten (präkombiniert), während diese Kombination bei der Facettenklassifikation erst bei der Einordnung der Elemente erfolgt (postkombiniert).

Für den Bereich Architektur und Bauwesen gibt es das BRD/SfB-System, das in Form einer Facettenklassifikation aufgebaut ist. [2]

Literatur

  • David Batty: Origins and development of faceted classification. CDB Enterprises, 1983

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe Wikipedia:Kategorien und Meta:Categories, Dokumentation zur Onlineenzyklopädie Wikipedia/Wikimedia
  2. Ordnen Suchen Finden, Bauinformationen mit dem BRD/SfB-System, 1. Auflage © 1978 Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH, Köln -Braunsfeld, ISBN 3-481-17951-0

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