K2S2O8

K2S2O8
Strukturformel
2 Kalium-Ion Strukturformel des Persulfations
Allgemeines
Name Kaliumperoxodisulfat
Andere Namen
  • Kaliumpersulfat
  • Dikaliumperoxodisulfat
  • Überschwefelsaures Kalium
  • Kalium persulfuricum
  • E 922
Summenformel K2S2O8
CAS-Nummer 7727-21-1
Kurzbeschreibung farblose Kristalle[1]
Eigenschaften
Molare Masse 270,32 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Dichte

2,48 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

Zersetzung ab ~100 °C[1]

Siedepunkt

Zersetzung[1]

Löslichkeit

löslich in Wasser: 50 g/l (20 °C)[1], unlöslich in Alkohol[2]

Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [3]
Brandfördernd Gesundheitsschädlich
Brand-
fördernd
Gesundheits-
schädlich
(O) (Xn)
R- und S-Sätze R: 8-22-36/37/38-42/43
S: (2)-22-24-26-37
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Kaliumperoxodisulfat, häufig auch kurz Kaliumpersulfat, oft abgekürzt als KPS, ist das Kaliumsalz der Peroxodischwefelsäure. Das Persulfat-Ion enthält Sauerstoff in der instabilen Oxidationsstufe -1. Deswegen ist Kaliumpersulfat ein Radikalbildner und ein sehr starkes Oxidations- beziehungsweise Bleichmittel.

Inhaltsverzeichnis

Gewinnung und Darstellung

Kaliumperoxodisulfat wird technisch durch Elektrolyse von konzentrierten Kaliumsulfat- oder Kaliumhydrogensulfat-Lösungen bei hohen Stromdichten (~1A/dm²) hergestellt. An der Anode werden Sulfationen zu Peroxodisulfationen oxidiert, an der Kathode wird Wasser zu Wasserstoff reduziert. Das relativ schwerlösliche Kaliumperoxodisulfat kristallisiert aus.[4]

\text{Anode}:  \mathrm{2\,SO}_4^{2-} \rightarrow \mathrm{S}_2\mathrm{O}_8^{2-} + \mathrm{2\,e}^{-}
\text{Kathode}:  2\,\mathrm{H}^{+} + 2\,\mathrm{e}^{-} \rightarrow \mathrm{H}_2

Im technischen Prozess werden für die anodische Reaktion Platin- oder Glaskohlenstoff-Elektroden, die ein hohe Überspannung für Sauerstoffentwicklung haben, verwendet. Für die kathodische Reaktion werden Blei- oder Graphit-Elektroden eingesetzt. Bei kleinen Stromdichten und in verdünnten Lösungen reagieren die als Zwischenprodukt gebildeten Sulfat-Radikalanionen nicht miteinander zum Persulfation, sondern mit Wasser unter Sauerstoffentwicklung.

2\,\mathrm{SO}_4^{-}\cdot \rightarrow \mathrm{S_2O_8}^{2-}
2\,\mathrm{SO}_4^{-}\cdot + \mathrm{H_2O} \rightarrow 2\,\mathrm{HSO}_4^{-} + 0,5\,\mathrm{O_2}

Eigenschaften

Werden Kaliumperoxodisulfatlösungen erwärmt (70-100 °C) oder UV-Strahlung ausgesetzt zerfällt das Persulfation in Sulfat-Radikalanionen. Diese Reaktion kann durch geeignete Katalysatoren beschleunigt werden, so dass sie bereits bei tieferer Temperatur (20-50 °C) nennenswert abläuft. Beispiele für Katalysatoren sind metallisches Platin, Silber(I)- und Kupfer(II)-Ionen.

\mathrm{S_2O_8}^{2-} \rightarrow 2\, \mathrm{SO_4}^{-}\cdot

Persulfate zählen zu den stärksten Oxidationsmitteln und werden in ihrer Oxidationskraft nur von Fluor, Ozon und Sauerstofffluoriden übertroffen. Allerdings verläuft die Oxidation relativ langsam. Sie sind in der Lage, nahezu alle organischen Verbindungen zu oxidieren. Aus Iodid-Lösungen wird langsam Iod abgeschieden, Mangan(II)-Salz-Lösungen werden zu Mangandioxid oxidiert, in Gegenwart katalytisch wirkender Silber(I)-Ionen sogar bis zum Permanganat.

Kaliumperoxodisulfat ist als kristalliner Feststoff stabil, zersetzt sich aber bei höheren Temperaturen unter Sauerstoffentwicklung. Bei ~100 °C ist der Zerfall vollständig. In feuchtem oder unreinen Zustand neigt es bereits bei wesentlich tieferen Temperaturen zur Zersetzung. Deshalb muss die Verbindung bei der Lagerung vor direktem Sonnenlicht und anderen Hitzequellen geschützt werden.

\mathrm{K_2S_2O_8} + \mathrm{H_2O} \rightarrow 2 \,\mathrm{KHSO_4} + 0,5\,\mathrm{O_2}

Lösungen von Kaliumperoxodisulfat reagieren sauer und zerfallen bei Raumtemperatur langsam und bei erhöhter Temperatur schnell. In stark saurem Medium (pH Wert <4) erfolgt die Zersetzung autokatalytisch. Die entstehende Säure katalysiert die weitere Zersetzung der Persulfationen.

Kaliumperoxodisulfat kann heftig mit Reduktionsmitteln reagieren. Mischungen von Kaliumperoxodisulfat und brennbaren Stoffen können auch unter Luftabschluss brennen.

Verwendung

Kaliumperoxodisulfat ist ein weit verbreiteter Initiator für die Polymerisation in Emulsion oder in Lösung, beispielsweise bei der Herstellung von Polyacrylaten, Polyvinylacetat und Polyvinylchlorid und bei der Copolymerisation in Emulsion von Acrylnitril, 1,3-Butadien, Styrol und anderen Monomeren. Diese Reaktionen mit einer Einsatzmenge von üblicherweise 0.1-0.5% Kaliumperoxodisulfat werden meist bei 75 bis 95 °C durchgeführt. In Kombination mit Redoxsystemen sind auch Polymerisationen bei niedrigeren Temperaturen möglich. In der Kosmetik findet Kaliumperoxodisulfat als wesentlicher Bestandteil von Blondierzubereitungen zum Bleichen von Haaren und als bleichende Komponente in Haarfärbemitteln Verwendung. Kaliumperoxodisulfat wird in der Textilveredelung als Entschlichtungsmittel sowie als Bleichaktivator, vor allem für Kaltbleichverfahren, benutzt. Ferner wird es als Oxidationsmittel in chemischen Synthesen (Beispiel Elbs-Oxidation von Phenolen zu p-Diphenolen in alkalischer Lösung) und in der Analytik, beispielsweise als Aufschlussmittel, gebraucht.

Weitere Verwendungen findet Kaliumperoxodisulfat in Laboren zur Reinigung von Glasgeräten, in der Papierherstellung zur Modifizierung von Stärke, als Desinfektionsmittel und zur oxidativen Entfernung von Schadstoffen (beispielsweise Quecksilber in Abluftbehandlungssystemen). In der Metall- und Elektroindustrie wird Kaliumperoxodisulfat in geringem Umfang zum Ätzen gedruckter Schaltungen (Leiterplatten) verwendet. Dabei wird entweder die Oberfläche oxidativ gereinigt (Anätzen) oder Kupfer oxidativ entfernt (Ätzen). Aufgrund der höheren Löslichkeit in Wasser wird jedoch Natriumpersulfat für diese Anwendung bevorzugt. In der Fotografie kann Kaliumpersulfat als Abschwächer verwendet werden, um bei der Filmentwicklung Spuren von Thiosulfat von den Negativen zu entfernen. Früher wurde Kaliumperoxodisulfat auch als Mehlbehandlungsmittel zur „Mehlverbesserung“ verwendet. In Deutschland ist dies seit 1956/57 verboten.

Quellen

  1. a b c d e f Eintrag zu Kaliumperoxodisulfat in der GESTIS-Stoffdatenbank des BGIA, abgerufen am 15. Dezember 2007 (JavaScript erforderlich)
  2. Roempp Chemie Lexikon, Thieme Verlag, 2008.
  3. Eintrag zu CAS-Nr. 7727-21-1 im European chemical Substances Information System ESIS
  4. G. Brauer (Hrsg.), Handbook of Preparative Inorganic Chemistry 2nd ed., vol. 1, Academic Press 1963, S. 392-3.

Literatur


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • КАЛИЯ ПЕРОКСОСУЛЬФАТЫ — Пероксодисульфат (персульфат) K2S2O8 бесцв. кристаллы с триклинной решеткой (а= 0,510 нм, b= 0,683 нм, с= 0,540 нм, a = 106,9°, b = 90,17°, g =102,58°, z = 1, пространств. группа P1); плотн. 2,477 г/см 3; С° р213,1 Дж/(моль. К);… …   Химическая энциклопедия

  • Серебро — (Silver) Определение серебра, добыча серебра, свойства серебра Информация об определении серебра, добыча серебра, свойства серебра Содержание Содержание История Открытие. Добыча Названия от слова Возможна нехватка серебра и рост История столового …   Энциклопедия инвестора

  • Potassium persulfate — Chembox new Name = Potassium persulfate ImageFile =Potassium persulfate.png ImageSize = 200px ImageName = Potassium persulfate OtherNames = potassium peroxydisulfate Section1 = Chembox Identifiers CASNo = 7727 21 1 Section2 = Chembox Properties… …   Wikipedia

  • Liste der anorganischen Verbindungen — Liste der Namen von anorganischen Verbindungen, für die es einen Wikipedia Artikel gibt. Die Trivialnamen anorganischer Verbindungen sind jedoch nur dann in dieser Liste aufgeführt, wenn lediglich dieser Name und nicht der offizielle chemische… …   Deutsch Wikipedia

  • ЭЛЬБСА РЕАКЦИИ — 1) получение двухатомных фенолов действием персульфатов на одноатомные фенолы в щелочной среде (окисление по Эльбсу, персульфатное окисление), напр.: Электронодонорные заместители ускоряют, а электроноакцепторные замедляют р цию. Вторая группа НО …   Химическая энциклопедия

  • ЭМУЛЬСИОННАЯ ПОЛИМЕРИЗАЦИЯ — способ проведения полимеризации мономера в дисперсионной среде (обычно в воде), приводящий к образованию полимерной суспензии со средними размерами частиц 50 150 нм. Обычно Э. п. протекает по радикальному механизму. Полимеризацию инициируют водо… …   Химическая энциклопедия

  • Пероксосульфаты —         соли пероксосерных кислот. Пероксомоносерная кислота H2SO5 образует кислые соли (например, NaHSO5) и средние (Na2SO5); кислые хорошие отбеливатели; средние практического применения не нашли. Пероксодисерная кислота H2S2O8 образует лишь… …   Большая советская энциклопедия

  • Potassium nitrate — Potassium nitrate[1] …   Wikipedia

  • Potassium chloride — This article is about the chemical compound. For other uses, see KCL. Potassium chloride …   Wikipedia

  • Potassium hydroxide — Potassium hydroxide …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”