Anarchistische Föderation
Logo der französischsprachigen Fédération Anarchiste

Eine Anarchistische Föderation ist keine Institution mit fester Mitgliedschaft, sondern ein freiwilliger Zusammenschluss anarchistischer Gruppen auf solidarischer Basis. Bei dieser Organisationsform gibt es keinen gewählten Vorstand, sondern Mitglieder, die ein imperatives Mandat für verschiedene Aufgaben innehaben. Diese werden Sekretariate genannt.

Die Organisation ist von unten nach oben strukturiert, in dem Sinne, dass Kongresse stattfinden, diese aber nur von Delegierten ohne Entscheidungsbefugnis besucht werden und nur zum Gedankenaustausch dienen. Beschlüsse ihre Angelegenheiten betreffend werden von den lokalen oder regionalen Föderationen und Gesamtmitgliederversammlungen nach dem Konsensprinzip erlassen.

Der den lokalen Organisationen übergeordnete Zusammenschluss ordnet sich nach Sprachgebieten oder Ländern. In Europa existiert eine anglophone anarchistische Föderation auf den britischen Inseln, eine frankophone anarchistische Föderation, eine anarchistische Föderation in Polen, eine in Italien und einige weitere. Anarchistische Föderationen gibt es auch in den Amerikas und Afrika.

Nicht alle anarchistischen Föderationen sind Mitgliedsorganisationen der Internationale.

Forum deutschsprachiger Anarchisten und Anarchistinnen

In Deutschland existieren im Gegensatz zu den anderen europäischen Sprachgebieten nur wenige lokale anarchistische Föderationen. Die Föderation des deutschsprachigen Raumes ist nach verschiedenen gescheiterten Ansätzen zur Zeit im Aufbau. Sie heißt, um eine Neugründung einer anarchistischen Föderation zu ermöglichen, Forum deutschsprachiger Anarchisten und Anarchistinnen (FdA), ist aber gleichberechtigtes Mitglied der Internationale der Anarchistischen Föderationen.

Geschichte des FdA

Seit den 1960er Jahren gab es in der BRD, über die lokalen anarchistischen Gruppen hinaus, immer wieder Ansätze zur Bildung anarchistischer Organisationen. Es bildeten sich immer wieder lokale und regionale Netzwerke, Föderationen, Zeitungsgruppen, Initiativen, Kommunen, selbstverwaltete Betriebe und andere. Der Aufbau einer länderübergreifenden Föderation jedoch gelang trotz diverser Versuche bislang nicht und auch die meisten anderen Organisationsansätze erwiesen sich allzu oft als recht kurzlebig. Am stabilsten waren und sind bisher richtungsspezifische Organisationen wie die Graswurzelbewegung mit der Föderation Gewaltfreier Aktionsgruppen gewesen, der es aufgrund ihrer mehr oder minder eingeschränkten Zielgruppen und Wirkungsbereiche nur sehr bedingt gelingen konnte, die Aufgaben eines nicht vorhandenen richtungsübergreifenden anarchistischen Netzwerks in Deutschland stellvertretend auszufüllen.

Den derzeit letzten Versuch eine richtungsübergreifende anarchistische Föderation im deutschsprachigen Gebiet aufzubauen, startete 1989 die I-AFD (Initiative für eine anarchistische Föderation in Deutschland). Bewusst als Initiativgruppe und nicht als Föderation auftretend, um von vornherein Anfeindungen durch den Vorwurf des Anspruchs auf „Alleinvertretung“ oder Ähnliches zu vermeiden, versuchte die I-AFD einerseits ein Netzwerk der bestehenden Gruppierungen anzustoßen und andererseits eine bessere Ansprechbarkeit und Integration der zahlreichen Einzelpersonen zu ermöglichen. Ziel sollte insbesondere eine Steigerung der Wirksamkeit der Aktivitäten, eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit und ein besserer Informationsfluss sein.

Obwohl nur eine Initiative, wurde die I-AFD in die Internationale der anarchistischen Föderationen (IFA) aufgenommen, um auch die anarchistische Bewegung im deutschsprachigen Gebiet wieder in den internationalen Anarchismus einzubinden.

Im Jahr 2000 wurde bei einem letzten Treffen nach einer Analyse des Zustands, der Mängel, aber auch der Potenziale und Chancen der anarchistischen Bewegung im deutschsprachigen Gebiet der Versuch I-AFD beendet. Die verbliebenen Aktivistinnen und Aktivisten gründeten im Anschluss das Forum deutschsprachiger Anarchistinnen und Anarchisten (FdA), um die aufgebauten internen und internationalen Kontakte aufrechterhalten zu können und weiterhin eine Basis für ein anarchistisches Leben zu ermöglichen.

Ostern 2003 fand das Internationale SekretärInnen-Treffen der IFA (Crifa) erstmalig im deutschsprachigen Raum statt. Motiviert durch die Berichte von und direkten Kontakte zu Anarchisten aus anderen Ländern auf dem Treffen entstand daraufhin aus dem lockeren Netzwerk „Anarchistisches Regionaltreffen Rhein-Neckar-Pfalz“ die „Anarchistische Föderation Rhein-Neckar-Pfalz (AF RNP)“ . Als regionale Föderation hat sie sich dem FdA angeschlossen. Durch eine Vernetzungsinitiative der AF RNP im Sommer 2003 konnten weitere Kontakte zu anarchistischen Gruppen im deutschsprachigen Raum geknüpft werden.

Auf dem Jahrestreffen der FdA in Elmstein, Februar 2004, wurden die Strukturen, Grundsätze und Ziele des FdA konkretisiert und ein Maßnahmenkatalog für den weiteren Aufbau und die Arbeit erstellt. Auf den beiden Kongressen in Köln 2005 wurde eine Prinzipienerklärung mit Statuten erarbeitet und angenommen. Seitdem findet unregelmäßig ein Kongress an verschiedenen deutschsprachigen Orten statt. Das FdA hatte 2008 etwa fünf Gruppen und 80 Personen als Mitglieder in Deutschland und der Schweiz.

Seit Januar 2011 gibt das FdA die Gǎidào (chin.: einen anderen Weg gehen) als Zeitung der anarchistischen Föderation (FdA-IFA) heraus. Sie erscheint monatlich als (PDF) Onlinemagazin.

Siehe auch

Weblinks


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