Anarchistische Symbole
Die schwarze Fahne ist ein traditionelles anarchistisches Symbol

Anarchistische Symbolik ist das Repertoire anarchistischer Zeichen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Das A im Kreis. Bisweilen tritt der Buchstabe auch über den Kreis hinaus

Peter Kropotkin, der Begründer der Theorie des Kommunistischen Anarchismus im 19. Jahrhundert, propagierte die rote Fahne als gemeinsames Symbol mit dem Sozialismus und Kommunismus. Darüber hinaus entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert weitere eigene Symbole. Die bekanntesten sind heute das eingekreiste A, sowie eine einfache schwarze Flagge. Entsprechend der Definition des Anarchismus als „herrschaftsfrei“, wird von vielen Anarchisten grundsätzlich die Berechtigung von Symbolen, Flaggen oder auch Hymnen, insbesondere von Nationalstaaten, kritisiert und der „Respekt“ in Form von Achtungserweisen vor ihnen verweigert. Aus diesem Grund wird von manchen auch eine entsprechende Symbolik, die stellvertretend für den Anarchismus oder eine Teilbewegung des Anarchismus stehen soll, abgelehnt.

Trotz der Kritik an Symbolen aus den eigenen Reihen wurden schon immer auch von Anarchisten und anarchistischen Gruppen Symbole verwendet.

A im Kreis

Freimaurersymbol, adaptiert von der spanischen Regionalföderation der 1. Internationale [1]

Das Anarcho-Zeichen (auch Anarcho-A, Kreis-A bzw. Circle-A) ist das bekannteste Symbol des Anarchismus. Das Zeichen bildet ein großes „A“ in einem Kreis ab. Laut Peter Marshall[2] bezeichnet das eingekreiste „A“ Pierre Joseph Proudhons Maxime „Anarchie ist Ordnung“. Eine weitere gängige Interpretationen sind A im O, mit der Bedeutung, dass im Ende (der Zerstörung) ein neuer Anfang ist.

Die erste bestätigte Nutzung eines A im Kreis wird von der spanischen Sektion der Ersten Internationale überliefert. Diese wurde vom Freimaurer Giuseppe Fanelli 1868 gegründet.[3] Wahrscheinlich wurde es von den Anarchisten adaptiert, da es von den Freimaurern nur als ein Symbol von vielen genutzt wurde. Nach George Woodcock wurde dieses Symbol nicht von klassischen Anarchisten genutzt.

Die erste öffentliche Verwendung dieses Symbols von Anarchisten geht wahrscheinlich auf den Spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 zurück. Die älteste Fotodokumentation stammt aus dem spanischen Bürgerkrieg (1936–1939). Auf einem Bild ist ein anarchistischer Kämpfer der Republik zu sehen, der auf der Rückseite seines Helmes das Zeichen trägt. Am 25. November 1956 nahm die französische Anarchistengruppe Alliance Ouvriere Anarchiste das Anarcho-Zeichen als offizielles Symbol auf.

Das A im Kreis hat den Unicode U+24B6: Ⓐ. Zusätzlich wird das „@“-Zeichen oder „(A)“ auf dem Computer genutzt.

Schwarze Fahne

Fahne sozial orientierter Strömungen
Lila und schwarz gestreifte Anarchafeministische Fahne

Das Schwarz der anarchistischen Fahne zeigt kein Herrschaftssymbol an und wird als Negation von Herrschaft gedeutet.

Die ersten schwarzen Fahnen mit politischer Symbolkraft tauchten vermutlich erstmals in Frankreich Anfang des 19. Jahrhunderts auf. Während der Juli-Revolution im Jahre 1830 und anschließend bei den Arbeiteraufständen in Lyon im Jahre 1831 wurden schwarze Fahnen verwendet, die sich als Ausdruck der Verzweiflung und der Bereitschaft zum Widerstand schon bald in ganz Frankreich durchsetzten[4]. Die französische Zeitung „Le Drapeau Noir“ (Die Schwarze Fahne), welche bis 1882 erschien, ist einer der ersten schriftlichen Belege für die Verwendung der schwarzen Fahne durch die Anarchisten. Im Zusammenhang mit Louise Michel, einem bekannten Mitglied der Pariser Kommune wird über die Verwendung der schwarzen Fahne berichtet, die sie etwa am 9. März 1883 über einer Arbeitslosendemonstration hat wehen lassen.[5] Seitdem setzte sich die schwarze Fahne mehr und mehr als Symbol in anarchistischen Kreisen durch[6]. So wehte sie über dem Gebiet des Ukrainers Machno während des russischen Bürgerkriegs genau wie über den anarchistischen Milizen des spanischen Bürgerkriegs.

Die anarcho-syndikalistische Bewegung verwendet oft die Farben schwarz und rot zusammen, in der Fahne diagonal schwarz-rot beziehungsweise rot-schwarz in zwei gleich große entsprechend gefärbte Dreiecke geteilt. Dieses Zeichen wird auch von anarchistischen Kommunisten, undogmatischen linken und Sozialrevolutionären verwendet. Andere anarchistische Strömungen verwenden ebenfalls die diagonal geteilte Fahne, bei der ein Dreieck schwarz bleibt. Der Öko-Anarchismus, Primitivismus und Antispeziesismus verwendet eine schwarz-grüne, der Anarchafeminismus eine schwarz-lila und der Anarchokapitalismus eine schwarz-goldene Fahne. In neuerer Zeit ist eine schwarz-rosa geteilte Fahne zu beobachten, die von queeren Anarchisten genutzt wird, in deren Fokus die Dekonstruktion der Geschlechter und die Förderung unterschiedlicher sexueller Identitäten steht.

Die schwarze Fahne ist im Unicode als U+2691 verfügbar: ⚑.

Schwarzer Stern

Der schwarze Stern

Der schwarze Stern ist ein weiteres bekanntes anarchistisches Zeichen. Die Symbolik der diagonal geteilten Fahne taucht auch in einem ähnlich gestalteten rot-schwarzen, grün-schwarzen, lila-schwarzen und pink-schwarzen fünfzackigen Stern auf.

Der schwarze Stern ist im Unicode als U+2605 verfügbar: ★.

Schwarze Katze

Ralph Chaplin erfand die kampfbereite schwarze Katze

Seit den 1880er Jahren dient die schwarze Farbe als Symbol des Anarchismus. Die schwarze Katze, in alarmierter, kampfbereiter Stimmung, wurde später als anarchistisches Symbol angenommen. Diese Katze, oft „Sab Cat“ genannt[7] wird besonders mit dem auf die Arbeiter bezogenen Anarchosyndikalismus verbunden, aber auch allgemein als anarchistisches Symbol verwendet.

Als Zeuge vor Gericht in einem Verfahren gegen Leiter der Industrial Workers of the World 1918 befand Ralph Chaplin, der allgemein als Schöpfer dieses Symbols angesehen wird, dass die Schwarze Katze „allgemein von den Jungs zum Darstellen der Idee der Sabotage angesehen wurde. Die Idee bestand darin, die Unternehmer durch Erwähnung des Begriffs der Sabotage oder durch Einsetzen einer schwarzen Katze zu erschrecken. Sie wissen, wenn sie irgendwo eine schwarze Katze ihren Weg kreuzen sehen und sie abergläubisch sind, dann werden sie ein bißchen Pech haben. Die Idee der Sabotage ist, eine kleine schwarze Katze gegen den Boss zu benutzen.“[8]

Holzschuh

Der Holzschuh ist ein Symbol der Sabotage

Der Holzschuh wurde symbolisch von den Anarchisten des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich von Émile Pouget (1860-1931) im Kampf für den 8-Stunden-Tag entwickelt. Die im Französischen sabot bezeichnete Fußbekleidung ist wahrscheinlich der Namensgeber der Sabotage. Arbeiter warfen diese traditionellen Schuhe in Fabrik- und Erntemaschinen und arbeiteten nicht mehr, bis die Maschinen repariert waren, um auf diese Weise Druck auszuüben.

In Philadelphia existiert die anarchistische Buchhandlung Wooden Shoe (Holzschuh), in Bonn gibt es ein Buchladenkollektiv namens Le Sabot.

NRK

Selten wird die Buchstabenkombination NRK als lautmalerische Abkürzung für anarchy verwendet: Werden die drei Buchstaben englisch und schnell ausgesprochen, ergibt sich das englische Wort für Anarchie – anarchy.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Woodcock, George. Anarchism: A History Of Libertarian Ideas And Movements. Broadview Press. 2004. p.8
  2. Marshall, Peter Demanding the Impossible: A History of Anarchism Harper Collins London, 1992 S. 558
  3. 'La Masonería y el movimento obrero' von Alberto Valín Fernández.
  4. Roland Gaucher: Le drapeau noir, Miroir d l'histoire, Nr. 224/1968, S. 29
  5. George Woodcock Anarchism: A History of Libertarian Ideas and Movements Penguin Books 1963
  6. Robert Michels: Die Psychologie der antikapitalistischen Massenbewegungen, in: Grundriss der Sozialökonomik, IX. Abteilung, 1. Teil, Tübingen 1926, S.344 ff.
  7. Industrial Workers of the World, An Alphabet Soup: The IWW Union Dictionary
  8. Salvatore Salerno: Red November, Black November: Culture and Community in the Industrial Workers of the World 1989, SUNY Press, Seite 178, from U.S. v. W.D. Haywood, et al, testimony of Ralph Chaplin, July 19, 1918, IWW Collection, Box 112, Folder 7, pp. 7702 & 7711, Labor History Archive, Wayne State University.

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