Anarchokommunisten

Der kommunistische Anarchismus (auch Anarchokommunismus, Anarchistischer Kommunismus, freiheitlicher Kommunismus oder libertärer Kommunismus) ist ein politisches Konzept des Anarchismus. Staat und Kapitalismus sollen abgeschafft werden und durch Netzwerke von freiwilligen Vereinigungen, Arbeiterräten und gemeinschaftliche Kommunen ersetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

Konzept

Ein zentraler Vordenker dieser Strömung war der russische Anarchist Pjotr Kropotkin. Er war der Meinung, dass Anarchismus und Kommunismus nur zusammen funktionieren könnten, da sie sich gegenseitig bedingen würden. Kropotkin und andere kommunistische Anarchisten kritisierten während der russischen Revolution den von Lenin propagierten Kommunismus, den sie als „Staatssozialismus“ bezeichneten, und als totalitär und elitär ablehnten.[1]

Anarchokommunistische Vorstellungen sind konzeptionell mit Ideen der anarchosyndikalistischen Bewegung verwandt, die in Deutschland im Verlauf und Gefolge der Novemberrevolution eine gewisse Anhängerschaft fand und heute noch größtenteils in der FAU und international in der Internationale ArbeiterInnen-Assoziation organisiert ist. Auch mit dem Rätekommunismus bestehen Berührungspunkte.

Die Vertreter des kommunistischen Anarchismus stellen das Konzept einer Selbstverwaltung der Arbeiter in den Betrieben gegen das Konzept der Führung durch eine revolutionäre Klassenpartei oder parlamentarischen „Vertretung“ der Arbeiterinteressen, um die Entstehung neuer Herrschaftsformen nach einer sozialen Revolution zu verhindern. Damit grenzten sie sich sowohl gegen den bürgerlichen Reformismus etwa in der Weimarer Republik als auch gegen den Marxismus ab. In Deutschland vertrat Erich Mühsam ähnliche Gedanken.

Vor allem im Gefolge des Konflikts zwischen Michail Bakunin und Karl Marx standen sich Anarchisten und Marxisten bereits zu Beginn der Arbeiterbewegung ideologisch gegenüber. Während die Marxisten die Diktatur des Proletariats anstrebten, in deren Verlauf der Staat irgendwann überflüssig werde und absterbe, wollten die Anarchisten den Staat sofort abschaffen. Zudem lehnten sie jede Parteiorganisation als Bevormundung der Massen durch eine Avantgarde ab.

Der kommunistische Anarchismus propagiert eine herrschaftsfreie, egalitäre und selbstverwaltete Gesellschaftsordnung ohne hierarchische Strukturen und Gesetze, in der durch die freiwillige und solidarische Form des Wirtschaftens eine gerechte Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums bestehen soll. In dieser Gesellschaft soll die freie Entfaltung des Einzelnen genauso vorhanden sein wie die gemeinsame freie Entfaltung Aller.

Stellung

Wie die meisten revolutionären Strömungen innerhalb der politischen Linken ist auch der Anarchokommunismus gegenwärtig nur eine Minderheitenposition und findet sich vor allem in politischen Kleingruppen wieder. Relativ verbreitet ist er im Spektrum der Autonomen, die oft als Schwarzer Block bei Demonstrationen mit anarchokommunistischen Parolen auftreten. In der anarchistischen Bewegung wird er als anarchistischer Kommunismus insbesondere von plattformistischen Organisierungen propagiert.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.anarchismus.at/txt5/kropotkinbrief1.htm

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