Anastasia von Russland

Großfürstin Zarewna Anastasia von Russland (Anastasia Nikolajewna Romanowa, russisch: Великая Княжна Анастасия Николаевна), (* 5./18. Juni 1901 in Peterhof; † 16. Juli 1918 bei Jekaterinburg) war die jüngste Tochter des letzten russischen Zarenpaares, Nikolaus II. und Alexandra Fjodorowna, vormals Alix von Hessen-Darmstadt. Trotz späterer Legendenbildung ist seit 2007 erwiesen, dass sie zusammen mit der gesamten Zarenfamilie von Bolschewiki ermordet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Anastasia als Kleinkind mit ihrer Mutter, Zarin Alexandra (1901)
Die Schwestern Olga, Tatjana, Maria und Anastasia (1906)

Nachdem Zar Nikolaus und Alexandra bereits drei Töchter hatten, hofften sie auf einen Thronerben. Doch als am 18. Juni Zar Nikolaus von der Geburt einer weiteren Tochter hörte, ging er auf einen langen Spaziergang. Trotz der anfänglichen väterlichen Ablehnung verbrachte Anastasia eine wohlbehütete Kindheit.

Anastasia war zwar keine gute Schülerin, liebte aber Sprachen. Die Kinder sprachen Englisch mit der Mutter, Russisch mit dem Vater, Deutsch mit den Verwandten der Mutter aus Hessen und lernten Französisch. Dabei war Anastasia die Begabteste. Von der Mutter wurde sie „imp“ oder „Schwibsik“, das russische Wort für „Kobold“, genannt, da niemand vor ihren Scherzen sicher war.

Anastasia war furchtlos und weinte selten, spielte gerne Streiche und hatte ein großes schauspielerisches Talent. Sie imitierte gerne andere Leute und erfreute damit ihr Umfeld. Obwohl sie eine Großfürstin von Russland war, schlief sie, ebenso wie ihre Geschwister, auf Feldbetten und musste jeden Morgen ein kaltes Bad nehmen.

Ein inniges Verhältnis hatte sie zu ihrem jüngeren Bruder Alexei. Ging es ihm aufgrund seiner Krankheit nicht gut, vermochte es meist nur Anastasia, ihren Bruder von den Schmerzen abzulenken und ihn ein wenig zu erheitern. Auch mit ihrer älteren Schwester Maria verband sie ein enges Band, und die beiden waren als "kleines Paar" bekannt.

Anastasia litt an Spreizfüßen und an Hallux valgus, was besonders die großen Zehen ihrer beiden Füße betraf. Zudem hatte sie Rückenprobleme, weshalb sie regelmäßig massiert wurde.

Gefangenschaft und Tod

In der Zeit der Gefangenschaft soll Anastasia erfolglos versucht haben, ihre Familie mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten zu erheitern und abzulenken. In dieser Zeit soll sie sehr zugenommen haben. In der Nacht zum 17. Juli 1918 wurde sie im Alter von 17 Jahren mit dem Rest ihrer Familie im Ipatjew-Haus bei Jekaterinburg von Bolschewiki ermordet, siehe auch: Ermordung der Zarenfamilie.

Im Jahr 2000 wurde Anastasia mit ihrer Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heilig gesprochen.

Prätendentinnen

Verschiedene Frauen, wie die Amerikanerin Eugenia Smith und eine Frau, die sich später Anna Anderson nannte, gaben sich als Anastasia, die überlebende jüngste Zarentochter aus. Mittlerweile haben DNA-Tests bestätigt, dass Anna Anderson die polnische Fabrikarbeiterin Franziska Schanzkowska war, die Verletzungen aufwies, nachdem sie in einer Waffenfabrik eine Granate fallengelassen hatte. Diese Verletzungen schrieb sie selbst den Bajonetten und Schusswunden durch die Mörder im Ipatjew-Haus zu. Anderson weigerte sich ihr Leben lang, Russisch zu sprechen, was Psychologen einem Trauma durch die Erlebnisse der Hinrichtung der Familie zuschrieben. Zudem wusste sie auch wenig über das Leben der Zarenfamilie, im Gegensatz zur Russin Natalia Bilichodse, die sogar einzelne Tapetenmuster aus dem Palast und einige Details aus dem Intimleben der Romanow-Familie kannte.[1]

Identifizierung der Leichen

Die Legende, dass Anastasia überlebt haben könnte, hielt sich lange. Als 1994 die Leichen der Romanows exhumiert wurden, fehlten tatsächlich zwei Körper. Noch bis 2007 war nicht eindeutig geklärt, ob die Leiche von Anastasia oder Maria fehlte. Am 24. August 2007 gab ein russisches Archäologenteam an, im Juli 2007 die sterblichen Überreste des Zarewitsch Alexej und seiner Schwester Maria gefunden zu haben, was durch eine DNA-Analyse bestätigt wurde. Demnach waren die Körper des Zaren und seiner Gemahlin, sowie der Töchter Anastasia, Olga und Tatjana bereits 1994 aufgefunden worden.[2]

Filme

Literatur

  • Hugh Brewster: Anastasias Album. Langen Müller, München 1996, ISBN 3-7844-2596-8
  • Helen Rappaport: Ekaterinburg: The Last Days of the Romanovs. Hutchinson, London 2008, ISBN 978-0-09-192115-6 (englisch)

Einzelnachweise

  1. http://newsfromrussia.com/society/2002/06/12/30188.html
  2. Wladimir Solowjow: "Opfer vorsätzlichen Mordes", Der Spiegel, 21. Juli 2008

Weblinks


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