Anastasios Yannoulatos

Anastasios Yannoulatos (griechisch Αναστάσιος Γιαννουλάτος, albanisch Anastas Janullatos; * 4. November 1929 in Piräus, Griechenland) ist Erzbischof von Tirana, Durrës und ganz Albanien und als solcher das Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Albanien.

Anastatios Yannoulatos wuchs in Griechenland auf. Schon während seines Theologiestudiums begann er mit Jugendarbeit in der orthodoxen Kirche. 1961 kam er durch die orthodoxen Jugendbewegung zur Mitarbeit beim Weltkirchenrat.

Mit 33 Jahren wurde er ordiniert und ging als Missionar nach Uganda, wo er Galla und Swahili lernte. Es war eine schwere Enttäuschung für ihn, als er diese Arbeit aufgeben musste, da er lebensgefährlich an Malaria erkrankt war. 1972 wurde er an der Universität von Athen Professor für Religionsgeschichte und wurde in Anerkennung seiner theologischen Arbeit, insbesondere auf dem Gebiet der Missiologie, zum Bischof geweiht.

1981 war seine Gesundheit so weit wiederhergestellt, dass er wieder nach Afrika reisen konnte, dieses Mal aufgrund einer internen Krise der afrikanischen Kirche als amtierender Erzbischof der Diözese von Ostafrika. Seine Arbeit dort erstreckte sich auf Kenia, Uganda und Tansania, wobei es ihm ein besonderes Anliegen war, die lokale Leitung der Kirche zu fördern. Nach zehn Jahren kehrte er wieder an die Universität von Athen zurück, von wo er im Juli 1991 vom ökumenischen Patriarchen nach Albanien gesandt wurde, um zu sehen, was nach dem Kommunismus Enver Hodschas noch von der orthodoxen Kirche übrig geblieben war. Seine Hauptaufgabe war, einen geeigneten Kandidaten für einen Bischof zu finden, doch es hatten nur wenige Priester überlebt, alle alt und meist bei schlechter Gesundheit.

Noch im gleichen Jahr wurde er selbst zum Erzbischof von Albanien vorgeschlagen - eine Aufgabe, die er nicht ohne Zögern übernahm, da er sich einen geruhsamen Lebensabend mit Vorlesungen an der Universität wissenschaftlicher Auswertung des in Afrika gesammelten Materials vorgestellt hatte. Er stellte die Bedingung, dass er sowohl vom albanischen Volk als auch von der ökumenischen Synode und der albanischen Regierung akzeptiert sein müsste - alle drei Bedingungen wurden erfüllt und am 4. Juli 1992 wurde er als Oberhaupt der Autokephalen orthodoxen Kirche von Albanien eingesetzt.

Sein offizieller Titel ist Erzbischof von Tirana und ganz Albanien, aber er wurde auch schon Erzbischof von Tirana und allen Atheisten genannt und hat diesen Titel nicht zurückgewiesen - seine Kirche ist offen für alle, gleich welchen Glaubens.

Erzbischof Anastasios ist auch stark in der Ökumene engagiert: Er ist Vizepräsident der Konferenz Europäischer Kirchen. Von 1984 bis 1991 war er Vorsitzender der Kommission für Weltmission und Evangelisation des Ökumenischen Rats der Kirchen. Seit 2006 ist Erzbischof Anastasios einer der Präsidenten des Ökumenischen Rats der Kirchen.

Im Juni 2006 ist Erzbischof Anastasios in Albanien Gegenstand hitziger Debatten geworden und politisch unter Druck geraten. Auslöser waren zwei von orthodoxen Priestern ausgelöste Skandale: Zum einen hatten einige Priester widerrechtlich Gebühren für sakrale Handlungen von den Gläubigen verlangt, zum anderen sind bei einem Priester eine große Anzahl menschlicher Gebeine gefunden worden, die dieser aus ungeklärten Gründen exhumiert hatte. Dem Erzbischof wurde daraufhin mangelnde Kontrolle über seine Geistlichen vorgeworfen. Albanische Nationalisten nahmen dies zum Anlass, den Rücktritt des Griechen Anastasios zu fordern, um ihn durch einen albanischen Bischof ersetzen zu können.

Literatur

  • Luke Veronis: Archbishop Anastasios, Modern-day Apostle. In: International Journal of Missionary Research. Jg. 1995.
  • Ders.: A brief history of Archbishop Anastasios. In: Missionaries, Monks, and Martyrs: Making Disciples of All Nations. Minneapolis 1994. ISBN 1-880971-00-3.

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